Siebente Geschichte

[783] König Peter von Aragonien hört von der glühenden Liebe, welche die kranke Lisa für ihn hegt. Er spricht ihr freundlich zu, vermählt sie dann mit einem edlen Jüngling, küßt sie auf die Stirn und nennt sich fortan ihren Ritter.


Fiammetta hatte das Ende ihrer Erzählung erreicht, und die männliche Großmut König Karls wurde vielfach gelobt, obschon eines der Mädchen, das eine Gibellinin war, sie nicht preisen wollte. Dann begann Pampinea, vom König aufgefordert, also:

Kein Verständiger, ihr ehrenwerten Mädchen, wird von dem guten König Karl nicht dasselbe sagen, was ihr sagt, wenn er ihm nicht aus andern Gründen übel will. Weil mir aber eben einfällt, wie einer seiner Gegner etwas vielleicht nicht minder Lobenswertes für eine junge Florentinerin tat, so will ich euch dies erzählen.

Zu der Zeit, als die Franzosen aus Sizilien vertrieben wurden, lebte in Palermo ein Florentiner namens Bernardo Puccini als Gewürzhändler und reicher Mann, der von seiner Frau keine andern Kinder hatte als eine einzige sehr schöne und schon[783] mannbare Tochter. Als nun König Peter von Aragonien Herr der Insel geworden war, gab er in Palermo mit seinen Baronen ein wunderschönes Fest, wo er auf katalanische Art turnierte. Dabei geschah es, daß Bernardos Tochter, die Lisa hieß, von einem Fenster aus, wo sie mit anderen Frauen stand, den König eine Lanze rennen sah, und sie fand ein so wundersames Gefallen an ihm, daß sie wieder und wieder auf ihn hinblickte und sich in glühender Liebe für ihn entzündete.

Als das Fest vorüber war und sie im Hause des Vaters weilte, vermochte sie bald an nichts anderes mehr zu denken als an ihre hochgesinnte und kühne Liebe. Was sie hierbei am meisten schmerzte, war die Erkenntnis ihres niederen Standes, die ihr fast keine Hoffnung übrigließ, zu einem frohen Ziele zu gelangen. Doch konnte sie darum sich dennoch nicht zurückhalten, den König zu lieben. Ebensowenig aber wagte sie, aus Furcht vor größerem Leide, ihre Liebe zu offenbaren. All dies hatte der König weder bemerkt, noch kümmerte er sich darum, und so hatte sie denn unerträglicheren Schmerz zu tragen, als man sich irgend denken kann. Weil nun ihre Liebe noch fortwährend wuchs und immer trübere Gedanken in ihr hervorrief, geschah es, daß die schöne Jungfrau, die dies nicht mehr tragen konnte, krank ward und sich sichtbar von Tag zu Tag wie der Schnee an der Sonne verzehrte. Ihr Vater und ihre Mutter, bekümmert über diese Krankheit, standen ihr, soviel sie konnten, in allem bei mit fortwährenden Tröstungen, mit Ärzten und Arzneien; aber alles half nichts, da sie selbst in der Hoffnungslosigkeit ihrer Liebe bei sich beschlossen hatte, nicht länger leben zu wollen.

Einst jedoch, als ihr der Vater wieder anbot, was ihr nur irgend Freude zu gewähren vermöchte, kam ihr der Gedanke, wenn es auf angemessene Weise geschehen könnte, zu bewirken, daß der König, ehe sie stürbe, ihre Liebe und ihren Vorsatz erführe. Deshalb bat sie denn eines Tages ihren Vater, den Minuccio von Arezzo kommen zu lassen. Dieser Minuccio wurde zu jener Zeit für einen der trefflichsten Sänger und Lautenspieler gehalten und war auch bei König Peter gern gesehen. Bernardo glaubte, Lisa verlange nur nach ihm, um ihn etwas spielen oder singen zu hören, deshalb ließ er es ihm[784] sagen, und Minuccio, der ein gefälliger Mann war, kam sogleich zu ihr. Nachdem er ihr mit freundlichen Worten ein wenig zugesprochen und sie erheitert hatte, spielte er ihr auf seiner Viola gar süß ein kleines Stücklein vor und sang dann das eine und andere Lied. Diese Lieder waren für die Liebe der Jungfrau Feuer und Flamme, während er sie damit zu beruhigen wähnte.

Hierauf sagte ihm die Jungfrau, sie habe einige Worte mit ihm allein zu reden, weshalb denn jeder andere sie verließ, sie aber also zu ihm sprach: »Minuccio, ich habe dich zum treuen Bewahrer eines meiner Geheimnisse erwählt, indem ich zunächst hoffe, daß du dies niemals irgend jemand mitteilen wirst als dem, den ich dir nennen werde, und sodann, daß du, soweit du kannst, mir helfen wirst, und darum bitte ich dich. Wisse also, mein guter Minuccio: an dem Tage, da unser Herr, König Peter, das große Turnier zu Ehren seiner Thronbesteigung gab, habe ich ihm, als er turnierte, so tief in die Augen gesehen, daß sich mein Herz in Liebe für ihn entzündet hat, und diese Liebe hat mich so weit gebracht, wie du jetzt siehst. Da ich nun erkenne, wie ungeziemend für mich die Liebe zu einem König ist, und ich sie dennoch nicht zu mindern, geschweige denn zu verbannen weiß, sie aber zu ertragen mir zu schwer wird, so habe ich, als den geringeren Schmerz, zu sterben erwählt und werde es tun. Und fürwahr, über alle Maßen trostlos ginge ich von hinnen, wenn er nicht zuvor davon erführe. Da ich nun nicht wußte, durch wen ich ihm meinen Entschluß angemessener bekannt machen könnte als durch dich, so will ich diesen Auftrag dir übertragen, und ich bitte dich, weise ihn nicht ab. Und wenn du ihn ausgeführt hast, so laß es mich wissen, damit ich getröstet mich durch den Tod diesen Qualen entziehe.« Nachdem sie dies gesprochen hatte, schwieg sie unter Tränen.

Minuccio erstaunte über die Seelengröße der Jungfrau und über ihren herben Entschluß, den er sehr beklagte. Da ihm sogleich in den Sinn kam, wie er auf geziemende Weise ihr dienen könne, sprach er: »Lisa, ich verpfände dir mein Wort, und sei versichert, daß du nie von mir getäuscht werden wirst. Dann aber lobe ich dich wegen eines so hohen Beginnens, wie[785] es das ist, dein Herz einem so großen König zugewandt zu haben, und biete dir meinen Beistand an, durch den ich es, wenn du nur Mut fassen willst, so weit zu bringen hoffe, daß ich dir, bevor der dritte Tag verstreicht, willkommene Kunde bringen kann. Um aber keine Zeit zu verlieren, will ich sogleich gehen und den Anfang machen.« Lisa bat ihn von neuem sehr darum, versprach ihm, Mut zu fassen, und hieß ihn mit Gott gehen. Minuccio schied von ihr und suchte sogleich einen gewissen Mico von Siena auf, der in jener Zeit ein gar guter Reimer war, und bewog ihn durch seine Bitten, das nachfolgende Lied zu machen:


Geh, Amor, hin und sage meinem Herrn,

Wie groß die Qualen sind, die ich ertrage;

Daß sterbend ich verzage,

Weil ich verbergen muß der Hoffnung Stern.


Ich bitte, Amor, dich mit heißem Flehen,

Daß du dort hingehst, wo mein Herr verweilt,

Ihm sagst, wie nur nach ihm die Blicke spähen,

Der mir das Herz verwundet und doch heilt.

Wie könnt ich solchen Flammen widerstehen!

Nur weiß ich nicht, wann mich der Tod ereilt,

Wann er den Brief der Freiheit mir erteilt,

Der mich erlöst von Scham und bangem Zagen,

Die sehnend ich ertragen.

Sag ihm, was ich erdulde, von ihm fern.


Seit, Amor, ich zuerst für ihn entbrannte,

Gabst du mir Furcht und nie so viel an Mut,

Daß ich, selbst in Gebärden, je bekannte

Dem, der in mir entzündet diese Glut,

Wie ich sein eigen bin, nur sein mich nannte,

Weshalb der Tod – im Sterben – leid mir tut.

Es stockt vor Schüchternheit mir alles Blut,

Doch könnt ich schildern ihm die heißen Schmerzen,

Die brennen mir im Herzen,

Statt mir zu zürnen, hört' er es wohl gern.
[786]

Läßt, Amor, du das Glück mir nimmer werden,

Die Scheu zu bannen, der ich stets erlag,

So daß durch Boten oder durch Gebärden

Mein Herz ihm nie von seiner Liebe sprach,

Dann bitt ich nur um eine Gunst auf Erden:

Geh, Amor, zu ihm, mahn ihn an den Tag,

Wo Lanz auf Lanz er im Turniere brach.

Damals erblickt ich ihn mit Liebessehnen,

Seitdem nennt unter Tränen

Mein brechend Herz ihn seinen hohen Herrn.


Zu diesen Worten setzte Minuccio sofort eine sanfte und wehmütige Weise, wie der Inhalt sie verlangte, und ging den dritten Tag darauf an den Hof, während König Peter noch an der Tafel saß. Dieser befahl ihm, etwas zu seiner Viola zu singen, und Minuccio begann nun, von seinem Spiele begleitet, das Lied so süß und weich zu singen, daß alle, die im königlichen Saale zugegen waren, ganz überwältigt schienen, so schweigend und aufmerksam hörten sie ihm zu, und der König noch mehr als alle übrigen.

Als Minuccio seinen Gesang beendet hatte, fragte ihn der König, wie er zu dem Liede gekommen sei, das er noch nie gehört zu haben glaube. »Gnädiger Herr«, antwortete Minuccio, »es sind noch nicht drei Tage, daß Wort und Weise gemacht wurden.« Als der König nun fragte, von wem, antwortete er: »Das wage ich nur Euch allein zu entdecken.«

Der König, begierig dies zu hören, ließ ihn, nachdem die Tafel aufgehoben war, zu sich in sein Gemach kommen, und hier erzählte ihm Minuccio der Reihe nach alles, was er gehört hatte. Der König freute sich hierüber sehr, lobte die Jungfrau und sagte, mit einem so hochgesinnten Mädchen müsse man Mitleid haben. Deshalb solle er zu ihr gehen, ihr in seinem Namen Mut zusprechen und ihr sagen, daß er sie noch an diesem Tage unfehlbar gegen Abend besuchen käme.

Minuccio, glücklich, der Jungfrau so frohe Botschaft überbringen zu können, ging ohne Säumen mit seiner Viola von dannen, erzählte ihr, da er sie allein traf, alles Vorgefallene und sang ihr das Lied zu seiner Viola vor. Hierüber ward die[787] Jungfrau so froh und glücklich, daß auf der Stelle unverkennbare Zeichen der Genesung sich einfanden, und sehnsuchtsvoll begann sie nun, ohne daß irgend jemand im Hause etwas davon wußte oder ahnte, den Abend zu erwarten, wo sie ihren Herrn sehen sollte.

Der König, der ein gütiger und wohlwollender Herr war, hatte unterdessen mehrfach über die Dinge nachgesonnen, die Minuccio ihm erzählt hatte, und da er das Mädchen und ihre Schönheit sehr wohl kannte, empfand er jetzt noch viel größeres Mitleid mit ihr als zuvor. So stieg er denn um die Abendstunde zu Pferd, und unter dem Vorwand, nur zu seiner Erholung auszureiten, gelangte er zu dem Hause des Gewürzhändlers. Hier ließ er bitten, daß ihm dessen Garten, der sehr schön war, geöffnet werde, und vor diesem stieg er ab. Nach einiger Zeit fragte er den Bernardo, wie es mit seiner Tochter stehe und ob er sie noch nicht vermählt habe. »Gnädiger Herr«, antwortete Bernardo, »vermählt ist sie nicht. Schwer krank aber ist sie gewesen und ist es noch, wiewohl sie seit der neunten Tagesstunde sich so gebessert hat, daß es schier ein Wunder ist.« Der König erkannte sogleich, welche Bewandtnis es mit dieser Besserung hatte, und sprach: »Bei meiner Treue, es wäre schade, wenn ein so schönes Wesen der Welt schon entrissen werden sollte. Wir wollen sie selber besuchen gehen.«

Bald darauf ging er mit nur zwei Begleitern und Bernardo zur Kammer der Jungfrau, und sowie er eingetreten war, ging er zum Bett, wo die Jungfrau, etwas aufgerichtet, mit Sehnsucht seiner wartete, nahm sie bei der Hand und sprach: »Madonna, was soll das bedeuten? Ihr seid jung und solltet andern zum Trost gereichen, und lasset Euch von Krankheit anfechten? Wir wollen Euch bitten, daß es Euch aus Liebe zu uns gefalle, Mut zu fassen, damit Ihr bald wieder geneset.«

Als die Jungfrau ihre Hände von dem Manne berührt fühlte, den sie über alles liebte, empfand sie, wiewohl sie sich etwas schämte, doch in ihrer Seele solche Wonne, als wäre sie im Paradies, und antwortete ihm, so gut sie konnte: »Mein hoher Herr, daß ich es gewagt habe, meine geringen Kräfte überschwerer Last zu unterwerfen, das ist die Ursache dieser meiner[788] Krankheit, von der Ihr mich jedoch, dank Eurer Gnade, bald befreit sehen werdet.« Der König allein verstand den verborgenen Sinn in der Rede der Jungfrau und schätzte sie darum immer höher, ja zum öfteren schmähte er bei sich selbst das Schicksal, das sie zur Tochter eines geringen Mannes gemacht hatte. Nachdem er nun einige Zeit bei ihr verweilt und ihr noch mehr Mut zugesprochen hatte, nahm er Abschied.

Diese Herablassung des Königs wurde viel gelobt und dem Gewürzhändler und seiner Tochter zu hoher Ehre gerechnet. Die letztere aber war so glücklich darüber, wie nur je eine andere es über ihren Geliebten sein konnte, und von stärkerer Hoffnung unterstützt, genas sie in wenigen Tagen und ward schöner, als sie je gewesen war.

Als sie nun wieder gesund war, stieg der König, nachdem er mit seiner Gemahlin darüber beraten hatte, welcher Lohn einer solchen Liebe zu gewähren sei, eines Tages mit vielen seiner Großen zu Pferde und begab sich wieder zum Hause des Gewürzhändlers, den er, nachdem er in seinen Garten eingetreten war, nebst seiner Tochter rufen ließ. Indessen kam auch die Königin mit vielen Damen, welche die Jungfrau in ihre Mitte nahmen und mit Freundlichkeiten überschütteten.

Einige Augenblicke darauf rief der König mit der Königin die Lisa herbei, und der König sprach zu ihr: »Wackeres Mädchen, die große Liebe, die Ihr zu uns getragen habt, hat Euch große Ehre von uns erwirkt, und wir wollen, daß Euch diese um unsertwillen genehm sei. Die Euch bestimmte Ehre aber besteht darin, daß, da Ihr bereits mannbar seid, Ihr denjenigen zu Eurem Gemahl nehmt, den wir Euch geben wollen. Dessenungeachtet beabsichtigen wir jedoch, uns immerdar Euren Ritter zu nennen, ohne für solche Liebe mehr von Euch zu begehren als einen einzigen Kuß.«

Die Jungfrau war vor Scham im Gesicht purpurrot geworden, doch machte sie den Wunsch des Königs zu dem ihrigen und erwiderte mit leiser Stimme: »Mein gnädiger Herr, ich bin fest überzeugt, erführe man es, daß ich Euch liebe, so hielte der größte Teil der Welt mich für wahnsinnig und glaubte vermutlich, ich hätte vergessen, wer ich sei, und weder meinen Stand noch den Euren begriffen. Aber wie Gott weiß, der[789] allein die Herzen der Sterblichen durchschaut, so erkannte ich Euch in der Stunde, als Ihr zuerst mir wohlgefielet, für meinen König und mich für die Tochter des Gewürzhändlers Bernardo, und ich sah ein, wie übel es sich für mich schicke, das Verlangen meiner Seele nach einem so hohen Ziele zu richten. Allein, wie Ihr viel besser wißt als ich, niemand verliebt sich nach Pflicht und Schuldigkeit, sondern nach Antrieb und Gefallen. Diesem Gesetze haben meine Kräfte sich mehrfach widersetzt; als sie das aber nicht mehr vermochten, liebte ich Euch, liebe Euch und werde Euch ewig lieben. Nun entschloß ich mich, sobald ich von der Liebe zu Euch mich gefesselt fühlte, aus Eurem Willen immer den meinen zu machen, und deshalb nehme ich denn nicht nur den gern zum Manne und will ihn werthalten, den es Euch gefällt, mir zu geben, und der mir Ehre und Stellung verleihen soll, sondern wenn Ihr sagtet, daß ich im Feuer weilen solle, so gereichte es mir zur Lust, wenn ich glaubte, daß ich Euch dadurch gefallen könne. Wie wenig es mir zukommt, Euch, den König, zum Ritter zu haben, wißt Ihr selbst, und darum antworte ich hierauf nicht weiter. Auch wird Euch der Kuß, den allein Ihr von meiner Liebe begehrt, ohne Erlaubnis der Frau Königin nicht bewilligt werden. Nichtsdestoweniger gebe Euch Gott für solche Huld gegen mich, wie Ihr und die Frau Königin hier sie mir erweist, statt meiner den Dank und den Lohn, welchen zu geben ich nicht vermag.« Und mit diesen Worten schwieg sie.

Der Königin gefiel die Antwort der Jungfrau ungemein, und sie schien ihr ganz so verständig zu sein, wie der König gesagt hatte. Der König aber ließ den Vater der Jungfrau und ihre Mutter rufen, und da sie sich mit dem, was er zu tun gedachte, zufrieden erklärten, ließ er einen Jüngling herbeirufen, der von edler Geburt, aber arm war und Perdicon hieß. Nachdem er ihm zwei Ringe in die Hand gegeben, gebot er ihm, sich mit Lisa zu verloben, was dieser keineswegs verweigerte. Dann gab ihnen der König auf der Stelle außer vielen kostbaren Edelsteinen, welche er und die Königin der Jungfrau schenkten, Ceffalu und Calatabellotta, zwei gar schöne und ertragreiche Güter, indem er sagte: »Diese schenken wir als Mitgift der Braut. Was wir aber weiter für euch tun wollen,[790] das werdet ihr in der Zukunft erfahren.« Nach diesen Worten wandte er sich zu der Jungfrau und sprach: »Nun wollen wir die Frucht pflücken, welche wir von Eurer Liebe ernten müssen.« Und damit faßte er mit beiden Händen ihr Haupt und küßte sie auf die Stirn. Perdicon, Lisas Vater und Mutter, die, wie sie selbst, sehr zufrieden waren, veranstalteten große Festlichkeiten und hielten eine frohe Hochzeit. Wie viele versichern, hielt der König der Jungfrau treulich seine Zusage; denn solange er lebte, nannte er sich immer ihren Ritter und trug zu einer Waffentat nie ein anderes Zeichen als das, welches Lisa ihm geschickt hatte.

Durch solche Handlungen erobert man die Herzen der Untertanen, gibt andern Anlaß, gut zu handeln, und gewinnt ewigen Nachruhm – freilich Dinge, um derentwillen heutzutage wenige oder keine den Bogen ihres Verstandes zu spannen pflegen, nachdem die Mehrzahl der Herrscher grausam und tyrannisch geworden ist.

Quelle:
Boccaccio, Giovanni: Das Dekameron. München 1964, S. 783-791.
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