XXIV.

[48] Wer aller Welt Sorg' auf sich ladet,

Nicht denkt, ob es ihm nützt ob schadet,

Hab' auch Geduld, wenn man ihn badet.


Im Gegensatz zum vorigen Narren trägt hier ein Narr die Erdkugel auf dem Rücken, die ihn fast zu Boden drückt.


Von zu viel Sorge.

Der ist ein Narr, der tragen will,

Was ihm zu heben ist zu viel,

Und der allein darauf bedacht,

Was kaum von dreien wird vollbracht.

Wer auf den Rücken nimmt die Welt,

In einem Augenblick oft fällt.

Man liest von Alexander, daß

Die ganze Welt zu eng ihm was;

Er schwitzte drin, als ob er kaum

Für seinen Leib drin hätte Raum,

Und fand zuletzt doch seine Ruh

In einem Grab von sieben Schuh.

Der Tod allein erst zeiget an,

Womit man sich begnügen kann.

Diogenes mehr Macht besaß,

Und dessen Wohnung war ein Faß;

Wiewol er nichts hatt' auf der Erde,

Gab es doch nichts, was er begehrte

Als: Alexander möchte gehn

Und ihm nicht in der Sonne stehn.

Wer hohen Dingen nach will jagen,

Der muß auch hoch die Schanze wagen.

Was hilft's dem Menschen zu gewinnen

Die Welt und zu verderben drinnen?

Was hilft's dir, daß der Leib käm' hoch[49]

Und führ' die Seel' ins Höllenloch?

Wer Gänse nicht will barfuß lassen

Und Straßen fegen rein und Gassen

Und eben machen Berg und Thal,

Der hat nicht Frieden überall.

Zu viele Sorg' ist nirgend für,

Sie machet manchen bleich und dürr.

Der ist ein Narr, der sorgt all Tag',

Was er doch nicht abwenden mag.

Quelle:
Brant, Sebastian: Das Narrenschiff. Leipzig [1877], S. 48-50.
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Das Narrenschiff: Mit allen 114 Holzschnitten des Drucks Basel 1494
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