4.

[145] Es waren drei Soldaten

Dabei ein junges Blut,

Sie hatten sich vergangen,

Der Graf nahm sie gefangen,

Setzt' sie bis auf den Tod.
[145]

Es war ein wackres Mägdelein

Dazu aus fremdem Land,

Sie lief in aller Eilen

Des Tags wohl zehen Meilen

Bis zu dem Grafen hin.


Gott grüß Euch, edler Herre mein,

Ich wünsch Euch guten Tag.

Ach, wollt Ihr mein gedenken,

Den Gefangenen mir schenken,

Ja schenken zu der Ehr.


Ach nein, mein liebes Mägdelein,

Das kann und mag nicht sein.

Der Gefangene und der muß sterben,

Gotts Gnad muß er ererben,

Wie er verdienet hat.


Das Mädel drehet sich herum

Und weinte bitterlich.

Sie lief in aller Eilen

Des Tags wohl zwanzig Meilen

Bis zu dem tiefen Thurm.


Gott grüß Euch, ihr Gefangenen mein,

Ich wünsch Euch guten Tag!

Ich hab für Euch gebeten,

Ich kann Euch nicht erretten,

Es hilft nicht Gut noch Geld.


Was hat sie unter ihrem Schürzelein?

Ein Hemdlein, war schneeweiß.

Das nimm, du Allerliebster mein,

Es soll von mir dein Brauthemd sein,

Darin lieg du im Tode.


Was zog er von dem Finger sein?

Ein Ringlein, war von Gold.

Das nimm, du Hübsche, du Feine,

Du Allerliebste meine,

Das soll dein Trauring sein.
[146]

Was soll ich mit dem Ringlein thun,

Wenn ich's nicht tragen kann

Leg es in Kisten und Kasten

Und laß es ruhn und rasten

Bis an den jüngsten Tag.


Und wenn ich über Kisten und Kasten komm

Und sehe das Ringlein an,

Da darf ich's nicht anstecken,

Das Herz möcht mir zerbrechen,

Weil ich's nicht ändern kann.

Quelle:
Wilhelm Busch: Ut ôler Welt. München 1910, S. 145-147.
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