Fuenftes Gespraech

Wollueste

[54] TULLIA: Kein Tag war jemals lieblicher für mich, als diese Nacht es sein wird.


OCTAVIA: Wir werden ganz nach Herzenslust plaudern. Ich werde in deinen Armen liegen, liebe Base, und in deinen Armen entschlummern ja alle meine Empfindungen und Gedanken zu süssester Befriedigung.


TULLIA: In deinen Armen aber wird wohl, denke ich, Caviceus nicht so geschlummert haben. Durch ihn dagegen, den du mit deinen unzähligen Reizen entflammt hast, fandest du flugs Ruhe sowohl wie auch den Höhepunkt der Wollust.


OCTAVIA: Die Wonne, die du mir prophezeitest, ich habe sie gefunden; ohne Mühe gelangte ich zu jenem Genüsse, der hoch über allem anderen steht, der die Sterblichen zu den Unsterblichen erhebt.


TULLIA: Die Tür unseres Schlafgemaches ist verschlossen; so hindert denn nichts dich, meine Ohren mit dem köstlichen Labsal zu weiden, das sie schon so lange erwarten.


OCTAVIA: Ich verstehe, liebe Base: du möchtest, dass ich dir die versprochene Schilderung meiner Brautnacht gebe.


TULLIA: Gewiss! Was könnte es süsseres für mich geben, als dass du mich an den Wonnen teilnehmen lassest, die du im Uebermass genossen hast? Denn von deiner Erzählung wirst du einen Teil derselben in meine Seele fliessen lassen, ohne selber auch nur das geringste davon einzubüssen.


OCTAVIA: Wie gerne wollte ich in deinen Leib die Ströme dieser Liebeswonnen fliessen lassen, die in diesen letzten vierzehn Tagen mein Schifflein in den Hafen des wahren Glückes getragen haben! Das sage ich aus aufrichtigem Herzen.


TULLIA: Was für einen hohen, was für einen dicken Mast hat zu dieser Fahrt Caviceus in deinem Schifflein aufgepflanzt! Wie klein ist dir gewiss dein winziges Schiffchen im Verhältnis zu diesem riesigen Mastbaum erschienen!


OCTAVIA: Du machst dich wohl über mich lustig? Caviceus und ich passen sehr gut zu einander. Die Festung, in die er Bresche gelegt, hat den Sieger besiegt. Seine Kräfte sind erschöpft, und er hat die Flucht ergriffen. Als meine Mutter ihn bereits recht erschöpft[54] sah, gab sie ihm den Rat, eine Reise zu seinem Oheim zu machen. Er hat als Anlass dieser Reise ein Geschäft vorgeschützt – aber, um dir die Wahrheit zu gestehen, liebe Base: der wahre Grund war der, dass seine Kräfte dahin sind; ich habe das wohl gemerkt. Diese Abwesenheit, die einen ganzen Monat dauern soll, wird seine Kräfte wiederherstellen. Der Rat war wirklich nicht dumm.


TULLIA: Was ist das? Du, so zart, so verweichlicht, du bist nicht bei den ersten Stössen deines Caviceus unterlegen? Was höre ich? So schnell hast du einen solchen Mann untergekriegt? Da bist du ja eine wahre Athletin! O siegreiche, lorbeergekrönte Muschel!


OCTAVIA: Fort, ruchlose Hand! Was verlockst du mit mutwilligem Griff die Neuvermählte zur Untreue!


TULLIA: Lass doch, Närrin! Was fürchtest du hier in meinem Bette, das du mit wollüstiger Glut erfüllst? Die Kerzen, die hier brennen, habe ich absichtlich nicht ausgelöscht, um die ganze Blüte deiner Schönheit mit meinen Augen zu gemessen.


OCTAVIA: Aber muss nicht das Recht der Freundschaft ein wenig hinter dem Recht der ehelichen Liebe zurückstehen? Wenn ich deine unzüchtigen Wünsche, die ich früher dir gewährt habe, noch länger erfülle, trete ich damit nicht meinem Caviceus zu nahe? –


TULLIA: Hahaha! Was wirst du künftighin mir noch vorzuwerfen haben?


OCTAVIA: Was bedeutet dieses Gelächter?


TULLIA: Eine ganz neue Grotte hat jenes Ritzlein verschlungen, das einst der Sitz deiner Jungfräulichkeit war! Wie ungeheuer weit klafft die Oeffnung! Was kannst du mir von nun an vorwerfen?


OCTAVIA: Ich habe dir nichts vorzuwerfen, meine liebe Tullia; und ich will und darf dir auch nichts vorwerfen.


TULLIA: Oeffne die Schenkel!


OCTAVIA: Gern.


TULLIA: Wie verschieden ist die Scheide einer Ehefrau von einer jungfräulichen Scheide! Sieh, wie sie gespalten ist! O was für ein Schlund! Ich könnte meine ganze Hand hineinstecken!


OCTAVIA: Ach, ach, ach! Du machst mich gar zu wollüstig. Wenn du nicht aufhörst, so kommt es mir – ich fühle es schon. Willst du denn, dass ich mit deiner Hand Ehebruch begehe? Ich wollte ja lieber sterben, als mich durch die verbotene Umarmung eines Mannes beflecken!
[55]

TULLIA: Das werden wir schon sehen. Jetzt aber bleibe ich bei der Sache. Welcher Mann könnte diesen Graben ausfüllen, ausser Caviceus allein? Du bist nicht nur weiter als ich, sondern überhaupt viel weiter als es für eine Frau gut ist, damit sie für einen Mann recht sei, der nicht geradezu ungeheuerlich ausgestattet ist. Im Vergleich mit dir bin ich eng – und ich habe doch so viele Männer auf mir gehabt, ich habe so viele Stösse ausgehalten, und in meinem Schifflein ist ein Kind in den Hafen des Lebens hineingesegelt. Da du dermassen gespalten bist, liebste Base, so fürchte ich, du bist für keinen Mann zur Liebe zu brauchen ausser für Caviceus. Das Glied eines anderen Mannes wäre in deiner Scheide wie ein Zwerglein, das mutterseelenallein im Admiralsschiff segelte.


OCTAVIA: Daraus mache ich mir nichts, wenn nur Caviceus mich immer für sein Liebesvergnügen recht findet und wenn, wie du neulich etwas unverhüllt dich ausdrücktest, sein Dolch immer richtig, zu meiner Scheide passt. Für sich selber, für seinen eigenen Gebrauch und nicht für andere Männer, hat er diese Stechbahn angelegt. Aber wundern wirst du dich, dass er neulich, als er zum letzten Mal mich ritt, mir sagte, sein Glied werde drinnen so eng umschlossen gehalten, wie wenn ich es mit den Händen zusammendrückte, und werde durch diese Umschliessung so ausgesogen, dass er meinte, er müsste vor Wollust sterben.


TULLIA: Was sagtest aber du dazu?


OCTAVIA: Ich beseelte mit stürmischen Küssen seinen Eifer und half durch eine sanfte schlängelnde Bewegung des Gesässes ihm fertig zu werden.


TULLIA: Aber du fängst ja die Erzählung, die ich so gerne hören möchte, vom hinteren Ende an; ich möchte, du begännest mit dem Kopfe. Ich weiss, du bist all diese Tage über tüchtig bearbeitet worden, und wenn jemals eine Frau beglückt war, so warst du es. Aber jetzt schildere mir bis in die kleinsten Einzelheiten jeden Augenblick von der Stunde deiner Vermählung an bis zum heutigen Tage, mein Püppchen. Die Geschichte muss nett sein!


OCTAVIA: Den Gefallen will ich dir tun: meine Schilderung wird dich gewiss kitzeln und die Wonne, mit denen Hymen meinen Leib überströmt hat, werde ich durch deine Ohren dir in die Seele tröpfeln.[56]

Ich hatte noch nicht dein Bett verlassen, da hatten sich schon meine Verwandten und die Angehörigen meines Caviceus in unserem Hause eingefunden. Erinnerst du dich noch? Als wir mein Elternhaus betraten, kam Caviceus fröhlichen Antlitzes uns entgegen, gab mit freudestrahlenden Augen uns beiden einen Kuss, wandte sich dann zu mir und sagte freudestrahlend: ›Da bist du ja, meine Morgenröte! Da bist du ja, mein Glück! Deine Mutter wollte nicht haben, dass ich zu dir ginge; sonst hätten deine reizenden Hinterbäckchen‹ – dabei tätschelte er diese mit seiner Hand – ›für deine Trägheit büssen müssen. Du weisst, du allein bist meine Sonne; wenn nur du mir leuchtest, dann beneide ich den Himmel um seine Sonne nicht.‹ Hierauf umringte uns der ganze Schwarm der Gäste, die uns begrüssen wollten; schnell war der Ehevertrag unterzeichnet und die Vermählungsfeier war nach der Sitte und, wie man uns sagte, nach allen üblichen Formen des Rechtes vollzogen. Um die Hochzeit vollständig zu machen, erübrigte nur noch die Vollziehung des Opfers.


TULLIA: Unter dem Opfer, das dargebracht wurde, verstehst du deine Jungfräulichkeit. Ohne deren für beide Beteiligte so angenehme und fröhliche Opferung ist jedoch das Sakrament der Ehe kein Sakrament.


OCTAVIA: Hierauf ging die Gesellschaft auseinander und Caviceus. und ich blieben allein im Hause. Da bat er mich, ich möchte die Seine werden; ich antwortete ihm: gewiss wünschte ich das von ganzem Herzen, ich gehörte ja schon nicht mehr mir selber. Nun saugte er sich mit den glühendsten Küssen an meinen Lippen fest und entzündete mein Herz zu höchster Glut. Ich ging ganz und gar in ihm auf und war völlig ausser mir. Ein paar Zofen waren an meiner Seite; sie wandten aber die Augen ab, wie es für züchtige Mädchen sich gehört. Da sagte Caviceus: ›Lass doch diese Mädchen hinausgehen, meine Seele, meine Hoffnung! Was sollen du und ich mit ihnen an diesem schönen Tage unserer Hochzeit?‹ – ›Das sei ferne von mir, dass ich solcher Zuchtlosigkeit anheimfalle!‹ antwortete ich; ›was würdest du denn von mir denken? was würden meine Mutter und alle Hausgenossen von mir sagen?‹ Von neuem verschloss er mir mit Küssen den Mund und diesmal fühlte ich mich von den Waffen seiner Mannheit angegriffen. Aber in demselben Augenblick trat meine Mutter wieder bei uns ein.[57] Sie fragte ihn: ›Wie findest du denn deine Frau, Caviceus? Liebst du sie auch recht?‹ – ›Ich liebe sie heiss und über alle Massen‹, antwortete er. ›Amor selber könnte meine Liebe nicht glühender machen. Aber bei allen Göttern und Göttinnen, die die Ehen schützen und schirmen! Erlaube mir, liebe Mutter, mich als Mann zu zeigen; lass mich als Mann mich zeigen, da ich doch, dank deiner Güte, eine so anmutige, so schöne Frau haben soll!‹ – ›Setze noch hinzu‹, warf meine Mutter dazwischen, ›eine so zarte Frau! Nimm Rücksicht auf ihre Jugend! Bedenke, mein Sohn, in deinem Geiste, wie wenig sie, die kaum fünfzehn Jahre zählt, jenem Kampf gewachsen ist, der bald euch beiden bevorsteht!‹ – Aber ungeduldig über den Aufschub, rief Caviceus: ›Habe doch Mitleid mit mir, Mutter! Ich fühle mich von einem geheimen Brande verzehrt, den allein meine Gattin mit der Arznei der ehelichen Liebe löschen kann! Lass mich jetzt ihrer gemessen! Wenn du sie mir vorenthältst, so raubst du mir mein Eigentum! Lass mich doch, bitte, haben was mein ist!‹ – Lächelnd antwortete sie: ›Aber wirklich, dieser stürmische Drang deiner Wollust ist ganz unangebracht; das ist keine löbliche Liebe! Warte bis zur Nacht; der Aufschub wird nur dein Glück steigern. Wie alle anderen Früchte, werden auch die Früchte der Liebe um so süsser, je länger man mit dem Pflücken wartet. Du wirst selber einsehen, mein lieber Sohn, wie unangebracht jetzt deine Bitten sind; gewiss möchte ich ja gerne dein Verlangen erfüllen – aber dafür ist weder hier der rechte Ort noch jetzt die rechte Zeit. Ich will deine Liebeslust nicht verzögern, aber gedulde dich wenigstens bis zur Nacht!‹ – ›Ach, Mutter!‹ rief Caviceus, ›erbarme dich doch deines Eidams! Gewiss weigert Octavia sich nicht, die Wunde zu heilen, die sie meinem Herzen geschlagen hat.‹ – ›Hörst du?‹ sagte meine Mutter, indem sie sich zu mir wandte. ›Willst du diese Krankheit heilen? Willst du selber die Arznei sein?‹


TULLIA: Warum solltest du das nicht wollen? Du bist doch viel zu klug, um auf eine solche Frage nein zu sagen.


OCTAVIA: Tiefe Röte überzog mein Gesicht, und das war meine ganze Antwort. Ich schwieg. ›Du schweigst, Kind?‹ sagte sie. ›Du bist also einverstanden. Tritt ein wenig zur Seite; es liegt in deinem Interesse, dass ich deinem Gatten einige Ermahnungen gebe; geh ein bisschen weiter ins Zimmer hinein.‹ Ich trat zwei oder drei[58] Schritte zur Seite, spitzte aber die Ohren und horchte mit gespanntester Aufmerksamkeit auf das, was sie sagen würden, damit mir nur ja nichts entginge. Meine Mutter wandte sich nun zu Caviceus und sagte: ›Hier ist weder die Stunde noch der Ort günstig, um die Hochzeit zu vollziehen,; das wirst du selber nicht leugnen: bald werden die Verwandten ankommen, die sich mit uns zum Hochzeitsmahl niedersetzen sollen. Ausserdem ist in diesem Zimmer nicht einmal ein Bett. Trotzdem will ich meine Octavia dir anvertrauen, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie jetzt deiner sinnlichen Lust nur ein einziges Mal gefällig sein darf. Nächste Nacht wirst du ihrer Umarmungen bis zur Uebersättigung geniessen. Zur Stunde aber, das weiss ich, wirst du deine Arbeit und dein Oel vergeblich aufwenden, denn hier ist kein Möbel, auf dem du sie in eine passende Lage für das Werk der Liebe bringen könntest. Endlich nimm Rücksicht auf das jugendliche Alter deines Mädchens: du sollst ja mit einem Hochzeitswerkzeug ausgerüstet sein, wie keiner deinesgleichen, ja wie nicht einmal ein Hengst es hat. Nach einem Weilchen könnte sie auch einen Stier tragen, habe er's noch so gross, wenn du nur ganz allmählig und unmerklich sie gewöhnen willst und sie nicht gleich beim ersten Versuch zersprengst. Geschicklichkeit wird dir besser helfen als Gewalt, um deinen Ast in ihren Garten zu bringen und einzupflanzen.‹ Dies sagte sie lachend; dann rief sie mich, und mir kam es vor, als hörte ich Caviceus bereits wiehern. ›Du gehörst nicht mehr dir, mein Kind‹, sagte meine Mutter zu mir, ›du gehörst deinem Gatten, und er hat mich gebeten, dich ihm für einige Augenblicke zu überlassen. Da du durch Hymens Band jetzt für das ganze Leben sein bist, so können weder du noch ich ihm seinen Wunsch abschlagen. Ich habe also in seine Bitten eingewilligt, die für dich Gesetz sind. Aber ich verlange, dass du nur ein einziges Mal seiner Begierde willfahrest: sobald du dies getan hast, lauf schnell hinaus; wenn du's anders machst, bin ich dir böse.‹ Ich versprach, ich würde es tun, und sie fuhr fort: ›Du musst dich jeder Art und Weise anbequemen, auf die er die Begattung zu vollziehen wünscht; vor allem aber pass auf, dass nicht durch deine Schuld die Besprengung aus seinem hochzeitlichen Schlauch vorbeigeht! Wenn er auf dich eindringt, so biete dich ihm so dar, dass der Saft in deinen Schoss gelangt, einerlei, welchen Weg er nimmt. Darauf gib mir ja acht, mein Kind!‹ Nach diesen[59] Worten küsste sie mich und führte mich dem Caviceus zu; dann schloss sie uns mit einander ein. ›Ich werde im Nebenzimmer warten, Caviceus‹, sagte sie im Hinausgehen, ›bis du den Spazierritt gemacht hast, zu dem Octavia dich bei sich eingeladen hat.‹ Und laut lachend ging sie hinaus, kam aber sofort zurück und sagte noch: ›Ich vergass gerade das Wichtigste!‹ Inzwischen aber hatte Caviceus mich schon auf einem an der Wand befestigten Klappsitz Platz nehmen lassen; ich musste die Beine spreizen und unter diese, sowie unter meine Füsse stellte er Stühle zur Stütze. Ich war nackt bis zum Nabel, er selber aber hatte seine Manneswaffe herausgeholt. Als dies meine Mutter sah, rief sie: ›Wahrhaftig! erfinderisch ist die Liebe. Wie gut eignet sich diese Stellung!‹ Caviceus trat zurück und stand mit drohender Rute da. Meine Mutter sah sie an und sagte: ›Oh, was für ein ungeheures Ding! Aber sei guten Mutes, mein Kind! Du wirst deine Freude daran haben, wenn du nur deine Mühe dir recht zu nutze machst.‹ Ich war von meinem Sitz herabgesprungen und hatte meine Kleider wieder in eine andere Verfassung gebracht. ›Ich möchte nicht‹, sagte meine Mutter, ›dass unsere Gäste, wenn sie deine Kleider zerknittert sähen, Mutmassungen anstellten, was wohl heute morgen mit dir gemacht worden sei.‹ Sie knöpfte mir das Kleid auf und die einzige Bedeckung meines Körpers vorn und hinten bildete nur noch mein Hemd. ›Jetzt‹, sagte sie, ›empfange deinen Gatten; aber denke an das, was ich dir gesagt habe!‹ Noch einmal gab sie mir einen Kuss, sagte aber dabei: ›Warum beugst du dich denn vorne über, um die Zwillingsschwestern deiner schwellenden Brüste zu bergen. Verdienen sie denn nicht deines Caviceus Blicke und Küsse?‹ Und zu Caviceus sich, wendend fuhr sie fort: ›Sieh, der Kampfplatz steht dir offen, mein Caviceus; nun bezeige dich als wackersten Athleten!‹ Hierauf ging sie. Fröhlich und lüstern lief Caviceus herzu, hob mir das Hemd auf, und griff mit mutwilliger Hand nach meiner Kleinen. Dann sagte er mir, ich solle mich wieder hinsetzen, wie ich gesessen habe, stellte mir unter jeden Fuss einen Stuhl und liess mich die Schenkel so hoch heben, dass das Gartenpförtlein sich bequem dem Angriff darbot, den er siegreich durchzuführen hoffte. Ausserdem griff er jedoch noch mit der rechten Hand unter meinen Popo und zog mich ein bisschen näher an sich heran. ›So!‹ rief er, ›jetzt bietest du mir die Pforte[60] dar, meine süsse Herrin, durch die ich zum Ziel des wahren Glückes gelangen werde.‹ In der Linken hielt er die gewichtige Lanze; dann liess er sich auf mich fallen.


TULLIA: Weiter doch! Was machtest du denn derweil?


OCTAVIA: Weder weigerte ich mich, noch tat ich etwas von selber. Das eine wäre dumm, das andere frech gewesen. Er setzte den Sturmbock an meine Tür an und schob den Kopf des Gliedes in die äussere Scham hinein, deren Lippen er mit den Fingern auseinander hielt. Hier aber zögerte er und machte keinen Versuch mehr, tiefer einzudringen. ›Meine süsseste Octavia‹, sagte er, ›umarme mich, hebe deinen rechten Schenkel hoch und lege ihn über meine Schenkel!‹ – ›Ich verstehe nicht, was du willst‹, antwortete ich; ›was beabsichtigst du? Habe doch Mitleid mit mir!‹ Hierauf fasste er selbst mit der Hand unter meinen Schenkel und brachte ihn in die gewünschte Lage über seinen Lenden. Endlich richtete er den Pfeil gegen die Zielscheibe seiner Liebesglut. Zuerst tat er einen leichten Stoss, dann einen stärkeren und zuletzt einen so gewaltigen, dass ich bestimmt glaubte, in der grössten Lebensgefahr zu schweben. Sein Glied war steif und hart wie von Horn. Da er nun in die enge Spalte nicht damit einzudringen vermochte, so liess er, um sich bequemer den Weg in die Tiefe bahnen zu können, seine Hosen auf die Füsse herabsinken und begann, als er nackt vor mir stand, die ich ebenfalls nackt war, sofort mit heftigen Stössen den Wall meines verschanzten Lagers anzugreifen. Mit solcher Gewalt stürzte er sich auf mich und so rücksichtslos spaltete er mich mit seinem Keil, dass ich ausrief, er reisse mich auseinander. Einen Augenblick hielt er in seinem Werk inne und sagte: ›Schweig doch, bitte, mein Herzchen! So muss es gemacht werden! Halte ganz mäuschenstille!‹ Wieder fasste er mit der Hand unter mein Gesäss und zog mich näher heran, denn ich machte ein Gesicht, als wäre ich am liebsten davongelaufen. Und unverzüglich bearbeitete er mich dermassen mit schnellen Stössen, dass ich beinahe in Ohnmacht fiel. Dann bohrte er ganz plötzlich die Lanze hinein, dass deren äusserste Spitze oben in der Wunde stecken blieb. Ich stiess ein solches Geschrei aus, dass meine Mutter es hörte und eilends herbeilief. ›Oh, Caviceus!‹ rief sie, ›hast du dein Versprechen vergessen? Dieses Turnier, das ich dir erlaubt habe, sollte doch ein Spiel und kein ernstlicher Kampf sein!‹ Während sie diese Worte[61] sprach, ergoss Caviceus den Saft der Venus. Ich fühlte mich von einem heissen Regen benetzt; er aber bewegte sich nur um so schneller, je mehr Saft ihm entströmte und diese schleimige Flüssigkeit kam seinen Anstrengungen zu gute, wie wenn man einen Zapfen mit Oel einschmiert. Er drang daher zwei oder drei Zoll tief in mich ein und überströmte mich mit solchen Wogen reichlichen Samens, dass dieser mir tief in den Leib hineindrang und nachher mir auch noch den Venusberg überschwemmte.


TULLIA: Während dieser Zeit warst du fatui puella cunni?1 Du machtest dir gar nichts daraus? Hattest du denn nicht eben solchen Erguss?


OCTAVIA: Ich will es dir gestehen, meine Tullia: jetzt zum ersten Male begriff ich, was Venus ist! Und doch hatte ich die Süssigkeiten dieser Wonnen durchaus noch nicht vollständig gekostet. Als Caviceus jetzt schlaff wurde, ergriff mich eine juckende Wollust, fast wie ein Drang, mein Wasser zu lassen; da hob ich aus eigenem Antrieb mein Gesäss empor und ich fühlte mit grossem Entzücken, wie in mir sich irgend ein Saft absonderte, der mir eine wundervolle Linderung verschaffte. Ich verdrehte die Augen, mein Atem keuchte, mein Gesicht brannte wie Feuer, mein ganzer Körper schien sich aufzulösen. Und ich rief: ›Ach, ach, ach, Caviceus, ich sterbe! Halte meine entfliehende Seele zurück! Lass ab von diesem Tun, das auf so wonnige Weise tötet!‹ – ›Vorwärts, Octavia‹, antwortete er, ›gib dich mit ganzer Seele dieser Wollust hin, gib tapferen Sinnes den Saft von dir, der mit so süssem Kitzeln die Sinne reizt.‹ Unterdessen hatte er die Spitze des schon schlaff werdenden Gliedes wieder zwischen meine Schenkel gebracht; er unterstützte es mit der Linken und schob es abermals in meine Pforte hinein. Diese Berührung erregte nun vollends einen neuen Brand an jener Stelle. Eine so reichliche Flut eines prickelnden Saftes strömte aus mir heraus, dass es fast mehr nach einem Harn- als einen Samenerguss aussah. Wären doch in diesem Augenblick meines Caviceus Waffen bereit gewesen – bei meiner Venus: von Wonne und Liebe trunken, hätte ich selber ihn angespornt, tiefer in mich einzudringen. Es tat mir recht leid, dass Caviceus mit seinem Ritt so schnell am Eingang der Stechbahn fertig geworden war, und nicht in der Stechbahn selber.
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TULLIA: Du schilderst den Vorgang so schön, in so lebhaften Farben, dass du mich in Aufregung bringen könntest, wäre ich auch von Stein! Küsse mich! Willst du meinen Lampridius? Aber du willst ihn nicht. Du machst mich ganz rasend: ich weiss nicht mehr, was ich will und was ich nicht will.


OCTAVIA: Was hat denn Lampridius mit dir und mit mir zu tun? Was verlangst du denn von mir? Was soll ich wollen, und was soll ich nicht wollen?


TULLIA: Ich bin von Sinnen, meine Wachtel, mein Turteltäubchen. Ach, ach – leih mir deine Hand.


OCTAVIA: Ich leihe sie dir nicht, ich gebe sie dir zu eigen. Was willst du denn damit?


TULLIA: Stecke sie zwischen meine Schenkel, flach ausgebreitet, bedecke damit die Zitadelle der Venus, erstürme die Festung, in der der innere Krieg tobt! Stecke deinen Finger hinein! Sei mein Gatte! Komm auf mich hinauf! Drücke, rutsche! Oh, herrlich!


OCTAVIA: Könnte ich dir doch sein, was Caviceus mir ist! Aber was ist der Schatten im Vergleich mit dem Körper! Wie du Schambein an Schambein pressest! wie deine Kleine mit meiner Kleinen sich verschlingt! Wie Busen an Busen sich schmiegt!


TULLIA: Ich zerfliesse! ich zerfliesse! O Lampridius ... o Octavia ... ach! ach! ach!


OCTAVIA: Oh, wie wollüstig du bist! Ein Strom fliesst dir zwischen den Schenkeln hervor, auf dessen Fluten beinahe das Knäblein Amor schwimmen könnte!


TULLIA: Lass mich einen kurzen Augenblick von dieser Tollwut mich ausruhen – denn wenn der Saft der Venus strömt, das macht toll! Endlich hat sich die Windsbraut besänftigt, die Glieder ruhen wieder in Meeresstille ... Jetzt wieder zu Caviceus, den du verliessest, wie ihm bei der Erstürmung deiner Burg der Lebenssaft entströmte.


OCTAVIA: Ich werde gleich weiter erzählen. Aber was hatte das zu bedeuten, was du von Lampridius sagtest? Was riefst du, als du in ohnmächtiger Liebeswut rastest? Warum riefst du nicht zur Verrichtung des Werkes, oder wenigstens eines Teils desselben, nach deinem Callias, den du liebst und der vor Liebe zu dir umkommt?


TULLIA: Du sollst es erfahren. Ich werde dir meine geheimsten Gedanken mitteilen, meine Spiele, meine Entzückungen, meine[63] Wonnen. Ich werde dich rufen, an allen meinen Freuden teilzunehmen, alles soll zwischen uns geteilt werden. Erinnere dich deines Traumes. Er hat dir ja prophezeit, welchen Lauf dein Leben in der Ehe nehmen wird.


OCTAVIA: Teilen und geteilt werden hat, wie du mir einmal sagtest, in Liebesangelegenheiten einen sehr schlüpferigen Sinn!2 Und du willst, dass zwischen uns alles geteilt werde? Möge Venus das böse Omen zu Schanden machen!


TULLIA: Kleine Närrin! Du wirst mit mir teilen und ich mit dir, und einen wackeren Teiler werden wir haben! Und so wird alles Gute zwischen uns so gleichmässig verteilt werden, wie wenn Venus Herciscunda3 dabei als Richterin ihres Amtes waltete! O diese Spiele! O dieses Gelächter! O diese köstlichen Schelmenstreiche! Aber was schneidest du mir für spöttische Gesichter, Possenreisserin? Fahre lieber in deiner Erzählung fort!


OCTAVIA: Possen, Possen! Du hast wohl sehr ernste Sachen im Auge, du ernste und wackere Frau! Du rufst mich zu einer Erzählung zurück, die deiner Philosophie und deiner Sitten recht würdig ist.


TULLIA: Und du hast ja gerade deine Freude dran! Aber vorwärts – erzähle endlich! Du sagst fortwährend, du wollest erzählen, und tust es niemals!


OCTAVIA: Wenn auch meines Caviceus Glied lahm geworden war, den Kopf hängen liess und um Waffenruhe bat, so bot es doch noch an Grösse und Schwere einen furchtbar drohenden Anblick. Schaum stand ihm vor dem Munde und dabei küsste es, von seinem und meinem Lebenstau bedeckt und ganz nass, gleichzeitig meine Muschel. Nachdem die Wogen meiner Wollust sich besänftigt hatten, merkte ich, dass ich fertig geworden war. Ich war jetzt freier und kühner geworden und rief: ›Was verlangst du denn noch weiter von mir, o mein Gebieter? Ich habe dir gehorcht, aber der Angriff, den ich willig ausgehalten habe, hat mich ermattet. Ich habe dir jetzt nichts mehr zu wünschen übrig gelassen. Erlaube mir, dass ich gehe.‹ Mit dem einen Arm umschlang er mich, mit der anderen Hand liebkoste er meine von seinem und meinem Auswurf bespritzte Muschel; zugleich wollte er mir seine[64] Stange, die er gepackt hatte, die. aber nicht mehr aufgerichtet stand, in die Hand drücken. Aber es gelang mir endlich, mich aus seiner Umarmung frei zu machen, und während ich gegen seine Verfolgung mich sträubte, stiess ich mit dem Fuss einen Stuhl um, der auf die Fliessen fiel und keinen geringen Lärm verursachte.


TULLIA: Da eilte also deine Mutter herzu, wie wenn sie durch einen Trompetenstoss vom Ende des Gefechts in Kenntnis gesetzt und herbeigerufen wäre, um dich mit dem Siegeslorbeer zu krönen?


OCTAVIA: Ganz recht. ›Unsere liebe Mutter wird sich nicht darüber beklagen‹, rief Caviceus, ›dass wir der Frau Venus zu Ehren nur ein Scheinturnier aufgeführt haben!‹ – ›Ich weiss‹, versetzte meine Mutter, ›dass du ein erlauchter Kämpe bist; aber, wie ich dir bereits voraussagte: ich befürchte, du hast hierbei deine Arbeit und dein Oel vergebens aufgewandt. Bist du ein Mann, dem man Glauben schenken darf? Gibst du die Jungfrau, die ich dir anvertraute, als Jungfrau mir zurück?‹ Ich hatte aber gar nicht bemerkt, dass sie ins Zimmer getreten war, ebensowenig Caviceus, dem noch vor meinen Augen das entblösste Glied herunterhing.


TULLIA: Mütterchen wird vor dem Anblick nicht davon gelaufen sein; denn


Spornstreichs eilen herzu gar würd'ge Frauen:

Gerne sehen auch sie einen langen Dicken!


OCTAVIA: Ich glaube sogar, sie hat mit ihrer weiblichen Neugier ein bisschen an unseren Angelegenheiten herumgeschnuppert, oder sie hatte gar mit eigenen Augen sich alles aufs Genaueste angesehen.


TULLIA: Nach diesen Possen sind wir Weiber alle neugierig, auch die allerfrömmsten und keuschesten. Meine Mutter wusste sich in dem goldenen Zeitalter gleich nach meiner Hochzeit – so nenne ich den Tag, der auf jene selige Nacht folgte – nichts wonnigeres und wichtigeres, als sich von mir erzählen zu lassen, was alles ich durchgemacht. Während ich sprach, hielt sie die Arme um meinen Hals geschlungen und gab mir Küsse auf den Mund, die an Süssigkeit kaum denen meines Lampridius nachstanden.


OCTAVIA: Die gleiche Tollheit kann auch ich dir von meiner Mutter berichten ... Doch um vorerst wieder auf Caviceus zu kommen: er war schnell ins Nebenzimmer gelaufen, indem er mit[65] der einen Hand die Höschen festhielt die ihm auf die Füsse heruntergeglitten waren. Meine Mutter machte hinter ihm die Tür zu und sagte: ›Nun, mein Kind, und du? Wie war das Liebesspiel? Wie fandest du deinen Gatten?‹ Bei diesen Worten umschlang sie mich in innigster Umarmung und überschüttete mich mit Küssen. ›Lass alle Scham bei Seite, Kind! Denke, du erzähltest dir selber, was du mir erzählest; in Bezug auf diese Geheimnisse der Ehe hast du in deiner Mutter eine Freundin. Sprich!‹


TULLIA: Und bei meiner Venus, ich wette: als sie dies sagte, da funkelten ihr die Augen, in ihren Adern pochte der Puls und ihre Muschel tat sich klaffend auf! Sie wurde von selber fertig und spritzte. Und dies wundert mich auch nicht; denn sie ist kaum erst neunundzwanzig Jahre alt. Sie heiratete in ihrem dreizehnten; und du, meine Octavia, erblicktest in glücklicher Geburt das Licht der Welt, als sie gerade eben vierzehn wurde! Oh! von welch heissem Jucken wurde sie entflammt!


OCTAVIA: Anfangs antwortete ich gar nicht; da sie mich aber immer neugieriger zu fragen begann, so antwortete ich endlich: ›Was fragst du mich, Mutter? Ich habe dir und Caviceus gehorcht – dir, weil es meine Pflicht war; meinem Caviceus, weil du es befohlen hattest.‹ – ›Damit niemand euch wegen eurer Schelmenstreiche beargwöhnen könne‹, sprach sie weiter, ›so will ich Caviceus aus unserem Hause schaffen.‹ – ›Sage ihm nur, er möchte in ein Zimmer im unteren Stockwerk sich begeben, nicht aber das Haus ganz und gar verlassen. Das wird anständiger sein, als wenn du ihn wie einen Fremden aus dem Hause schicktest; er ist doch dein Angehöriger, da ja ich deine Tochter bin, und er mein Gatte ist.‹ Sofort ging sie zu ihm, nachdem sie noch zu mir gesagt hatte: ›Setze dich einstweilen, bis ich wiederkomme.‹ Nachdem sie nun Caviceus ins untere Stockwerk geschickt hatte, kam sie zurück. ›So, jetzt sprich frei heraus, mein Kind; du bist ein erwachsenes Mädchen, du bist kein Kind mehr. Dem Verstände nach musst du schon als junge Hausfrau auftreten. Ich und du sind beide Frauen. Dieses Amt der Gattin, zu dem du berufen bist, ist ja für uns die sicherste Quelle einer gesunden Vernunft; die Provinz der ehelichen Pflicht ist sozusagen der Bereich des Urteils und der Vernunft; und wenn wir darin an Urteil und Vernunft es mangeln lassen, so gereicht uns das nicht zur Ehre, gleichviel wie alt wir[66] sind. Wie unsere Gatten unserem Leibe süsse Wonnen verschaffen, so flössen sie, als wackere Arbeiter, durch dieselbe Röhre unserer. Seele gesunde Vernunft ein.‹


TULLIA: Wer könnte daran zweifeln? Du selber bist ja ein vollgültiger Beweis dafür. Bis vor einigen Tagen wusstest du kaum richtig zu sprechen, und jetzt ist alles, was du machst und sagst, so gewandt, so geistreich, so gefällig.


OCTAVIA: Bei uns weilen sozusagen Jungfernschaft und gesunde Vernunft, die beiden kostbarsten Dinge des Lebens, an einem und demselben Ort; der männliche Hebel, der unsere Scheide öffnet, er befreit zugleich auch die Vernunft aus ihrem Versteck. Sie war vielleicht schon seit unserer Geburt da, schnell aber treiben die Männer mit ihrem Stossen und Schieben sie aus der Tiefe an die Oberfläche.


TULLIA: Schön gesagt, hahaha! Wenn die Mentula dir deine Jungfernschaft ausgetrieben und dir dafür mentale Gaben eingetrieben hat, so trägt dieser Nerv seinen Namen Mentula mit Recht, denn dann besitzt er von Natur die Kraft, uns mentale Fähigkeiten zu schaffen.


OCTAVIA: Durch den Zuspruch meiner Mutter kühner geworden, sagte ich nun: ›Ich bin nicht anders, liebe Mutter, als ich zuvor war; Caviceus hat nichts weiter gemacht, als dass er mich jämmerlich bespritzt hat.‹ – ›Deine Wunde‹ – damit zeigte sie auf meine Kleine – ›hat also nicht den schnell stossenden Speer des Caviceus verschluckt?‹ – ›Er ging nicht hinein, liebe Mutter‹, antwortete ich, ›weil er zu dick war, und ich selber vermochte die rohen Stösse nicht zu ertragen; deshalb schrie ich laut; als er so fürchterlich stiess, hatte ich ein Gefühl, als würde ich gespalten.‹ – ›Ist er aber nicht in deine Schanze eingedrungen? Hat er nicht den Wall durchbrochen?‹ – ›Er konnte es nicht, denn schnell löste sich seine ohnmächtige Wut in einen Samenstrom auf.‹ – ›Nun, zeige mir dein Hemd‹, sagte sie. – ›Hier, liebe Mutter!‹ antwortete ich. Als sie es aber vom reichlichen Regen genässt sah, rief sie aus: ›Oh, was sehe ich da, liebe Tochter! Was für einen reichen, unerschöpflichen Born der Wollust hat Caviceus! O wie beseligt, wie glücklich wärest du, wenn diese ganze Samenmenge sich tief in deinen Leib ergossen hätte: ein Erbe hätte uns aus ihm erstehen können, der stärker gewesen wäre als Herkules. Nun aber‹, fuhr[67] sie fort, ›zieh dich ganz nackt aus; denn ich wünsche nicht, dass du ein so besudeltes Hemd auf deinem schönen Leibe behaltest.‹ Was brauche ich weiter zu sagen? Ich wechselte das Hemd und zog mein Kleid wieder an und meine Mutter beseitigte so sorgsam und geschickt die Unordnung meiner Haare und Kleider, dass sie an Eleganz und Anständigkeit nichts mehr zu wünschen übrig liessen.


TULLIA: Schloss sie das Hemd fort, das du ausgezogen hattest? Verschlang sie es nicht mit den Augen?


OCTAVIA: Sie breitete es mit einer pedantischen Sorgfalt aus, ich aber wurde dabei rot. ›Eine Ueberschwemmung war über dich hereingebrochen, liebe Tochter – nicht bloss ein leichter Regenguss. Aber es sind ja gar keine Tränen der vergewaltigten Jungfräulichkeit zu sehen! Warum schriest du denn so? Wenn eine Jungfernschaft den Todesstoss empfängt, dann fliessen blutige Tropfen aus ihrer Todeswunde; dies sind gleichsam die Tränen der Sterbenden. Ich merke, sie empfing kräftige Stösse, aber keine Wunde. Heute Nacht wird die Sache mit besserem Erfolge vor sich gehen. Aber ich sehe, du bist tapfer entschlossen, dir den Preis der weiblichen Standhaftigkeit, den du schon zu erwerben begonnen hast, bald vollends zu verdienen!‹ Endlich legte sie das Hemd in den Schrank.


TULLIA: Von dem Hochzeitsmahl kannst du mir nichts erzählen, was ich nicht bereits wüsste, denn ich war ja dabei. Schildere mir jetzt die mutwilligen Spiele der darauf folgenden seligen Nacht.


OCTAVIA: Bis zur Nacht hatte ich, beim Castor, keine Gelegenheit, mit Caviceus zusammen zu kommen. Fortwährend hatte ich junge Mädchen aus meiner Verwandtschaft und Bekanntschaft auf dem Halse. Einmal raubte er mir verstohlen einen Kuss; ich hatte Angst dabei, aber ihr Götter – wie war dieser Kuss süss! Alle Hoffnung und Möglichkeit, zur vollen Wonne zu gelangen, war uns abgeschnitten.


TULLIA: So will's das Gesetz der Liebe: am Tage soll man nicht tun, was man für die Nacht begehrt. Ihre Geschenke gehören der Nacht; die Sonne sieht sie nicht gerne.


OCTAVIA: Als der Tag starb, begannen wir zu leben; als nur erst die lästige Gesellschaft von Herren und Damen sich entfernt hatte, blieben wir allein und starben vor Begier nach einander.[68] Nur du warst mit Pomponia noch zurückgeblieben. Endlich nahm meine Mutter uns alle beide an der Hand und führte uns zum Brautlager. ›Für heute habt ihr genug Qual und Unruhe gehabt‹, sagte sie, ›stärket jetzt eure Seele durch Ruhe und euren Leib durch Schlaf.‹


TULLIA:


Auf, ihr jungen Gesponse! ans Werk, dass der Schweiss euch aus allen

Poren springe! Wie Tauben, so sollen girren die Lippen

Fest wie Efeu die Arme sich schlingen, wie Muscheln die Küsse

Fest sich saugen! Doch lasset mir brennen die wachsamen Leuchter:

Alles sehen die Lampen bei Nacht – doch bei Tag ist's vergessen!4


OCTAVIA: Kurz vorher hatte meine Mutter mich mit sich in jenes Zimmer genommen, wo meine Jungfernschaft schon ein bisschen lädiert und beschädigt war. Ein wunderlieblicher Wohlgeruch, der aus einer verschlossenen goldenen Büchse hervordrang, erfüllte die ganze Luft und umschmeichelte unsere Nasen. ›Liebes Kind‹, sagte meine Mutter, ›hebe das Kleid und dein Hemd bis zum Gürtel hoch.‹ Ich gehorchte. Als sie mich nackt vor sich sah, lächelte sie und meinte: ›Du bist wirklich schön, mein Kind; du bist des Caviceus würdig. Mit Hülfe dieser wohlriechenden Salbe wird es gelingen, dass er dich vollständig begattet, ohne dass es ihn erhebliche Mühe kostet, während du überhaupt gar nichts wirst auszustehen haben. Salbe dir deine Kleine; das wird für dich die allerbeste Hülfe sein, deine Rolle gut zu spielen.‹ Ich tauchte zwei Finger in die Büchse und fuhr mit einem grossen Klumpen Salbe mir nach dem Venusberg. ›Ei nicht doch‹, rief meine Mutter, ›an jener Stelle ist keine Salbe nötig, du musst sie innerlich anwenden, nicht damit an deinem Venusberg herumschmieren, wie du es tust.‹ Und flugs salbte sie mir die äusseren und inneren Teile der Scheide, indem sie die Finger hineinsteckte, so tief sie nur konnte. ›Als ich mich verheiratete‹, erzählte sie mir dabei, ›war ich viel jünger als du jetzt bist und wenn mich nicht meine Mutterschwester durch dieses Mittel zum Dienst der Venus besser geeignet gemacht hätte, als ich meinem Alter nach es war, so hätte ich gewiss den Angriff deines Vaters kaum aushalten können, den ich dann doch ohne allzu grossen Schmerz ertrug.‹ Und wunderbar, teure Base, ein wahnsinniges[69] Jucken setzte mir sofort die Scheide in Feuer und ein so brennender Liebesdrang überkam mich, dass ich mich kaum beherrschen konnte: es fehlte nicht viel, so wäre ich von selber zu meinem Gatten gelaufen und hätte ihn gebeten, den Beischlaf zu vollziehen.


TULLIA: Dieser Brauch ist in unserem Klima nicht selten, wenn man Jungfrauen zarten Alters einen Gatten gibt.


OCTAVIA: Kurz und gut: du selber führtest mich zu meinem Bette und sagtest – so drücktest du dich ja aus – meiner sterbenden Jungfernschaft das letzte Lebewohl. Als nun Caviceus sich allein mit mir sah, schloss er sorgfältig die Tür der Kammer, um die meinige zu erbrechen; er spähte in alle Winkel, ob nicht irgendwo sich jemand versteckt hätte.


TULLIA: Dieses Spiel will von Zeugen nichts wissen und doch lässt es sich ohne Zeugen nicht spielen:


Magnis testibus ita res agetur.


OCTAVIA: So ist die Sache auch wirklich vor sich gegangen. Als meine Mutter mich fragte, ob ich sehr grosse Angst hätte, hatte Caviceus mich ihr antworten hören, eine solche Angst würde beleidigend für meinen Gatten sein; und als sie hinzu setzte: wenn ich es wünschte, wollte sie Caviceus bitten, mich recht zart zu behandeln – da hatte ich ihr erwidert: eine Wollust würde mir jeder Schmerz sein, der ihm Wollust bereitete. Er eilte auf mich zu, schlang seine Arme um meinen Hals, neigte sich über mich und flüsterte: ›Wie dankbar muss ich dir sein, meine Königin, für ein solches Geschenk! Du willst dich mir bedingungslos hin geben und dieses Vertrauen soll dich nicht getäuscht haben. Ich verpflichte mich, nichts weiter zu tun, ohne dass du damit einverstanden bist; aber, so wie ich dich kenne, so wirst du mit allem einverstanden sein, was mich glücklich macht.‹ – ›Ganz gewiss‹, antwortete ich, ›wie könnte ich wohl deiner Kraft und meiner Liebe widerstehen?‹ Inzwischen hatte er mit Hilfe seiner Diener bereits die Kleider abgelegt und stand jetzt in leinenen Unterhosen da. Auch diese streifte er schleunigst herunter, warf das Hemd ab und stürzte sich nackt auf das Bett, worin auch ich schon völlig entkleidet lag. Er umschlang mich mit innigster Umarmung und leitete mit stürmischen Küssen das Vorspiel zum nächsten Kampf ein. Brüste, Leib, Schenkel, Hinterbacken betastete er mit wollüstigen Händen, alle meine[70] Glieder verschlang mit glühenden Blicken sein bewunderndes Auge.


TULLIA: Aber um das wichtigste für die Hochzeitsnacht kümmerte er sich nicht?


OCTAVIA: Erst ganz zuletzt. Als er den lieblichen Duft wahrnahm, den meine Kleine aushauchte, sagte er: ›Man kann deine Freudengrotte nicht beschuldigen, dass sie mephitische Dünste von sich gebe; aber es ist ja auch kein Wunder, wenn ein Ding gut riecht, das so viele gute Sachen enthält. Du selber bist ja ganz Rosen und Myrten. Aber ich weiss‹, fuhr er fort, ›deine Mutter wollte mir damit den Weg bequem machen zu dem Tummelplatz deiner und meiner Wonne; dafür werde auch ich die Kunst zu Hülfe nehmen. Gleich im Augenblick will ich deine Kleine mit meiner Stange aufbrechen,‹ – damit zeigte er auf sein hochaufgerichtetes, dickes, langes Glied – ›und damit sie bei meinen Stössen leichter in deine Röhre eindringt, werde ich sie ebenfalls mit einer Salbe bestreichen, die ich zu diesem Zweck zurecht gemacht habe.‹ Er salbte sich und sagte dann, indem er mit der eingeölten Waffe drohend nach mir zielte: ›Nun, meine Herrin, mach dich bereit für den Angriff Cupidos!‹


TULLIA: Mögen die Göttin Virginensis, der Gott Subigus, die Göttin Prema und die Göttin Pertunda, die freundlichen Gottheiten, die den jungen Ehen hold sind, ihren Beistand gewähren!


OCTAVIA: Caviceus vertrat sie alle in seiner Person!


TULLIA: Diese eilten auf Hymens Befehl an das Hochzeitsbett. Sobald die Paranymphen5 sich entfernt hatten, liehen sie der Neuvermählten ihre Hülfe, um sich zu tapferer und unbesiegbarer Ausdauer zu rüsten. Virginensis half dem Gatten den zu einem Herkulesknoten geschlungenen Gürtel lösen. Subigus erschien, als der Gatte den Gürtel gelöst hatte, und nun zum Kampf in die offene Arena herniederstieg; Prema half ihm, als er mit seiner ganzen Schwere auf seiner Gemahlin lag, indem sie diese verhinderte, sich seiner Umarmung zu entziehen, und Pertunda bewirkte, dass sie sich von der Lanze durch und durchbohren liess und die Waffe nicht herausriss, als sie fühlte, wie ihr zarter Leib gespalten wurde.


OCTAVIA: Kräftig und stark, wie er ist, hätte er leicht alle derartigen[71] Versuche von mir zu Schanden gemacht; mit seinen vierundzwanzig Jahren war er für solchen Kampf ein wahrer Herkules. Er selber gab mir die richtige Lage, die er für die Vollziehung des Aktes wünschte; mit der einen Hand drückte er mich hintenüber – freilich sträubte ich mich auch nicht – mit der anderen öffnete er mir die Schenkel. Hierauf beugte er sich über mich und warf sich zwischen meine auseinander gehaltenen Schenkel. Das ungewohnte Gewicht machte mir Angst. Er aber rief: ›Sei nur guten Mutes und rühre dich nicht, meine Herrin.‹ – ›Ich werde mich nicht bewegen‹, antwortete ich, ›aber bitte, bitte ...‹ Ein wilder Angriff unterbrach meine Worte, denn im selben Augenblick hatte er sein bereits angesetztes Glied mit aller Gewalt in meine Scheide hineingetrieben. Weitklaffend hatte diese von selber die Spitze verschlungen; er drängte mit seinem ganzen Gewicht nach und begann die Widerstand leistende Scheidewand zu durchbrechen.


TULLIA: Ja freilich


Das befeuert den Mut, wenn du als erster den Riegel

Sprengen darfst, womit die Natur ihre Schätze verwahrt hat.


OCTAVIA: Jämmerlich zerrissen wurde meine unglückselige Kleine; von Schmerz gefoltert bat sie, meine Hand möchte ihr zu Hülfe kommen, und da ich es nicht länger zu ertragen vermochte, so kam diese ihr wirklich zu Hülfe. Ich konnte mir nicht länger das Schreien verhalten und versuchte, die in meinem Leibe feststeckende Lanze aus meiner Scheide herauszuziehen. Caviceus aber küsste mich und sagte: ›Ich lasse jetzt nicht mehr ab, geliebte Seele! Nimm deine Hand weg, die mich stört! Wir beide, du wie ich, brauchen jetzt nur noch eine ganz kleine Anstrengung zu machen, und das Werk ist vollbracht.‹ – Ich hielt den Angriff aus, fasste aber mit der Hand sein Glied an, damit es nicht noch tiefer eindränge. Sofort aber rief er: ›Ach, ach! mein liebes Herzchen! Drücke recht fest diesen Muskel, den deine Hand hält! Umschlinge ihn mit deinen Fingern, wie mit engen Banden.‹ Ich drückte heftig, und in demselben Augenblick überströmte der heisse Tau meinen Garten; denn die Hälfte seines Gliedes füllte meine ganze Scheide aus; er aber bewegte sich nun nicht mehr wie bisher, sondern enthielt sich jedes Stosses und ergoss den Saft so geschickt in meine Grotte, dass kein Tröpflein vom rechten Wege, von der Heerstrasse der Liebe, abkam. Hierauf begann sein lüsternes Ding in meiner[72] Hand und in meiner Scheide schlaff zu werden. Nass, schaumbedeckt, todesmatt ergriff es die Flucht.


TULLIA: Brannten die Kerzen noch in eurem Zimmer?


OCTAVIA: Jeder einzelne Gegenstand war so deutlich zu erkennen, wie am hellen Tage. ›Ich bin fertig geworden, meine Göttin!‹ rief Caviceus, ›mit der allerhöchsten Wollust hast du mich beseligt! Jetzt aber wollen wir uns ein wenig ausruhn, du in meinen, ich in deinen Armen.‹


TULLIA: Du aber, Schwesterchen, hattest dabei gar keine wollüstige Empfindung gehabt?


OCTAVIA: Höre, wie dumm es mir ging: Sobald Caviceus aus dem Sattel stieg, ergriff mich eine brennende, rasende Geilheit: ich umarmte ihn, bestürmte ihn mit Küssen, suchte ihn mit Seufzern anzureizen. Er gab mir Küsse, züngelte zwischen meinen Lippen, spielte mit den Fingern an meiner Kleinen und in meinen Schamhaaren. Plötzlich fühlte ich aus meinen Adern einen köstlichen Quell hervorbrechen, der zugleich mit dem Saft, womit Caviceus mich überströmt hatte, aus der Pforte meines Leibes mit grosser Gewalt hervorbrach.


TULLIA: So sollen auch einige Flüsse gleich an ihrer Quelle mit grossem Ungestüm hervorbrechen.


OCTAVIA: Caviceus aber fing diese Bäche in seiner linken Hand auf und sagte, überrascht durch dieses unerwartete Schauspiel: ›Ich war schneller als du, geliebte Seele, bei der höchsten Wonne angelangt.‹ Aber, wie wenn ich ein Verbrechen begangen hätte, verstummte ich vor Scham. Er hatte inzwischen seine Hand von meiner vom Schaum der Venus besudelten Kleinen zurückgezogen und sagte: ›Ich hätte nicht gedacht, dass du in deinem jugendlichen Alter schon so reif für die Liebe wärest. Andere Mädchen werden bei der ersten Begattung nicht von einem einzigen Tröpflein der Wonne benetzt, du aber schwimmst in einem Strom von Wollust. Das ist köstlich, meine süsse Wonne, das ist herrlich!‹ Mit diesen Worten griff seine Linke wieder an meine Kleine. ›Alle Wetter!‹ rief er, ›das ist kein blosser Strom, sondern eine Ueberschwemmung! Wie haben nur die Gefässe innen in deinem Leibe einen so reichlichen Regen enthalten können?‹ Hierauf erwiderte ich: ›Dies ist dein Saft, nicht der meinige! Das Nass, das du hineingegossen hast, fliesst wieder heraus. Wie könnte ich dies verhindern, da[73] mein Geschirr einen so fürchterlichen Spalt bekommen hat?‹ – ›Wie dem auch sein möge, liebe Seele‹, sprach er weiter, ›ich freue mich ausserordentlich, dass du mit diesen Wonnen bis zur Sättigung angefüllt worden bist. Ist es nicht so? Sprich frei heraus!‹ – ›Ja freilich‹, antwortete ich, ›allen Schmerz, den du mit deinen Stössen mir zufügtest, hast du durch diese Freuden aufs herrlichste wieder gut gemacht. Heute morgen hatte ich sozusagen schon einen Schatten unglaublicher Wollust gespürt, aber die Venus von heute früh war gar nicht zu vergleichen mit der Venus von heute Nacht.‹ – Unterdessen hatte ich mittels des Leintuchs, so gut ich konnte, mir den klebrigen Schleim vom Körper abgewischt, denn ein Tüchlein unter das Kopfkissen zu legen, hatte meine Mutter vergessen. – ›Und nun‹, rief Caviceus, ›geh frischen Mutes ans Werk! Ich wünsche, dass du in der Befriedigung des Liebesdranges dich nach meinem Geschmack richtest und dass die Art von Wollust, die mir gefällt, auch dir gefalle.‹ – ›Man sagt‹, versetzte ich, ›nur eine schamlose Person erwidere die geilen Stösse ihres Gatten und richte ihre Bewegungen nach den seinigen.‹ – ›Ich verlange nicht‹, sagte er, ›dass du die Hinterbacken hin und her bewegst und dadurch auf meine Stösse antwortest; ebensowenig wünsche ich, dass du die Beine hochhebst wenn ich oben auf dir liege, – weder beide zugleich, noch ein einzelnes. Ich wünsche vielmehr vor allen Dingen, dass du die Schenkel ausspreizest und so weit wie nur möglich öffnest. Halte deine Kleine meinem Nagel hin, so dass er sie gut treffen kann und bleibe unbeweglich in die ser Körperstellung, bis ich fertig bin. Einige weitere kleine Einzelheiten werde ich dir in der nächsten Nacht beibringen.‹


TULLIA: Jeder Ehemann schreibt seiner Frau derartige Gesetze vor; jeder hat seine Gewohnheiten und seine Launen. Und die Frau ist eines glücklichen Lebens sicher, die den grössten Eifer aufwendet, um sich den Gewohnheiten ihres Gatten anzupassen. Mit einem Wort: eine anständige Frau sucht ihr Vergnügen in dem Vergnügen ihres Mannes.


OCTAVIA: ›Schon schwillt mir das Glied an‹, fuhr Caviceus fort. Ich lag auf der Seite, an ihn geschmiegt; er gab mir einen Kuss, streichelte meine Brüste mit zarter Berührung, befingerte meine immer noch feuchte Muschel, und nahm dann meine linke Hand, um sie an seine Manneswehr zu legen. Er bat mich, ich möchte[74] sie anfassen; ich tat es. Hierauf heisst er mich die Stellung einnehmen, die er mir vorher beschrieben; ich gehorche. Plötzlich springt er auf mich und setzt den Hebel an die Pforte an: sofort betritt der Gast, steif und starr wie er ist, die Herberge, aber als er bis zur Mitte, etwa fünf Zoll tief, eingedrungen ist, da bleibt er stehen. ›Und nun, mein Herzchen‹, sagt Caviceus, ›wünsche ich, dass du jeden meiner Stösse zählst; nimm dich in acht, dass du dich dabei nicht verzählst!‹ – ›Ich werde aufpassen‹, antwortete ich, ›und werde dir gehorsam sein.‹ Er stösst die Stange tiefer hinein, und während ich Rechnung über die Zahl der Stösse führe und darauf meine ganze Aufmerksamkeit verwende, erbricht er gewaltsam die Tür und dringt mit glühendem Gliede bis an die Eier in das Heiligtum der Venus ein. Der sehr heftige Schmerz presst mir einen Aufschrei ab, und in meiner Verwirrung vergesse ich das Zählen, das er mir anbefohlen hatte. ›Du tötest mich, Caviceus! du tötest mich!‹ rief ich, ›habe doch Mitleid mit mir Armen!‹ – ›Die Sache ist ja schon fertig!‹ antwortete er, ›sieh doch, meine Wonne, du hast mich ja ganz und gar verschlungen, so lang und dick ich bin.‹ – ›Halte doch nur ein wenig inne‹, fuhr ich fort, ›geh etwas zurück, zieh einen Teil des Schwertes aus der brennenden Wunde!‹ – ›Im Gegenteil, ich werde es noch tiefer hineinstossen, wenn ich kann‹, rief er, und mit diesen Worten stiess er abermals noch schneller und noch wilder zu, und presste mit solcher Gewalt sein Glied in meine Kleine hinein, dass es aussah, als wollte er mit dem ganzen Leibe in mich hineinfahren. Da erhob ich meine Stimme und rief: ›Fühlst du es denn nicht? Du stössest gegen die innerste Wand meiner Scheide an! Wahrhaftig, du tötest mich! Zieh dein Schwert ganz und gar heraus, stoss es nicht tiefer in meinen Leib hinein.‹ Er wich zurück, wie ich ihn gebeten hatte; als er aber den Dolch zur Hälfte aus der Wunde gezogen hatte, sagte er: ›Wie denn, mein süsses Weib? Hat mein Anker den Boden der Tiefe berührt.‹ Hierauf liess er unmerklich die Stange wieder hineinrutschen, indem er sagte: ›Pass auf! Sobald du innen dich getroffen fühlst, sage es sofort – ich werde auf der Stelle aufhören. Denn es ist zwar süsse Wonne, deiner Schönheit zu gemessen, ich bin aber nicht so wahnsinnig, meine Begier in Roheit ausarten zu lassen.‹ Mit diesen Worten stiess er sein Glied tiefer hinein; als er aber immer weiter eindrang, rief ich aus: ›Halt![75] eine süsse, aber schreckliche Wunde versetztest du mir mit dem hineingebohrten Dolch.‹ Abermals zog er zurück. Da sagte ich: ›Entschwunden ist mit dem Zurückziehen deiner Waffe auch jeder Schmerz aus dieser Wunde; tiefer, bitte, stecke nicht hinein!‹ Seine Manneswaffe stand um vier Zoll aus meiner Scheide heraus. ›Jetzt weiss ich also‹, sagte er, ›welchen Teil meines Gliedes du ohne Beschwerde beherbergen kannst. Wenn nur drei Zoll von ihm draussen bleiben, kann keiner meiner Stösse dir schaden. Leih mir daher deine Hand; sie sei, für dich und für mich, eine Art Verlängerung deiner Scheide. Du weisst es ja selber: der Körper eines schönen Weibes, wie du es bist, ist überhaupt ganz und gar Geschlechtsteil.‹ Ich tat nach seinem Wunsch: ich streckte die Hand aus und drückte sein Glied, das ich mit meinen Fingern eng umschloss. Von neuem begann er seine Stösse und beim zehnten wurde er fertig. Auch mich durchzuckte ein leises Kitzeln, als er die Bäche seines Samens in meinen Teich ergoss. Das war aber auch alles: ich selber spritzte nicht.


TULLIA: Wahrhaftig, du bezauberst meine Ohren durch deine köstliche, naive Erzählung. Aber wie viele Stösse zähltest du bei dieser zweiten Umarmung? Und wie viele empfingst du im Ganzen?


OCTAVIA: Mindestens zwanzig, bevor meine Rechnung in Unordnung geriet, und nachher noch zehn, wie du gehört hast. Aber während ich vor Schmerzen schrie und jammerte, er bringe mich um, hatte er mir ausserdem noch eine grosse Zahl, und zwar sehr heftige, versetzt. Rechne also selber zusammen.


TULLIA: Nur weiter! Welche Spiele hast du während des Restes der Nacht getrieben?


OCTAVIA: Brust gegen Brust gepresst lag er in engster Verschlingung auf mir; er hatte seine Wonne daran, wie sein Glied ihm ausgesaugt wurde. Ich umschlang ihn mit den schneeweissen Fesseln meiner Arme – wie man zu sagen pflegt – und er küsste mich halb zu Tode; da hörten wir plötzlich die kleine Tür neben unserm Bett sich öffnen; im selben Augenblick stand meine Mutter vor unserem Bett. Du, liebe Base, warst ja inzwischen fortgegangen. ›Hm‹, sagte sie, ›ich dachte, ihr wäret mitten in eurer Umarmung gestorben.‹ Caviceus streckte sich an meiner Seite aus, ich aber rief, von Schamröte übergössen: ›Verzeih mir, liebe Mutter! Ach, was für einem grausamen und unartigen Mann hast du mich überantwortet!‹[76] – ›Sei guten Mutes, mein Kind!‹ antwortete sie, ›es war dein Amt und deine Pflicht zu leiden, was du hast erleiden müssen; durch diese kleinen Schmerzen sind dir die Wonnen der Ehe erschlossen.‹ Dann wandte sie sich zu Caviceus und fuhr fort: ›Hast du jetzt neben dir, mein Sohn, eine Jungfrau oder eine vollkommene Frau liegen?‹ – ›Ich bin jetzt in Wahrheit dein Eidam‹, antwortete er, ›ich habe in Wahrheit eine Gattin.‹ Und damit gab er mir einen Kuss. – ›So ist's recht!‹ fuhr meine Mutter fort, indem auch sie dem Caviceus einen Kuss gab. ›Jetzt erkenne ich als meinen Sohn den Mann an, der so männlich mein Mädchen im Liebesspiel überwunden hat.‹ Hierauf reichte sie uns einen Trank, der uns neue Kräfte einflössen sollte, und bald nachher ging sie, nachdem sie jedoch erst noch die Kerzen gelöscht hatte, die neben unserem Bette brannten. Als sie hinaus war, umschlang Caviceus von neuem mich mit seinen Armen und nachdem er mir noch einige Unterweisungen gegeben, was ich tun und was ich unterlassen sollte, sanken wir beide in einen langen Schlaf. Was er mir sagte, lief darauf hinaus, dass er beim Minnespiel vor allen Dingen die heftigen Bewegungen des weiblichen Körpers verabscheue; er fügte noch etliche andere Bemerkungen hinzu, die, wie ich glaube, mit dieser Erzählung nichts weiter zu tun haben. Es war schon heller Tag, als ich erwachte und mit neugierigen Blicken den Körper des noch schlummernden Caviceus zu betrachten begann. Ich will's dir gestehen, Schwesterchen: die Natur, die Mutter aller Dinge, hat unter den Menschen nichts Ebenmässigeres und Schöneres geschaffen. Er lag auf dem Rücken: eine weisse, volle Brust, lange, schön gerundete Arme, ein leicht gewölbter Unterleib, dicke kräftige Schenkel, die Waden weder zu dürr noch zu dick, eine weisse, glänzende Haut, ohne Runzeln, ohne Flecke. Du hättest gemeint, ein Marmorbild vor dir zu haben.


TULLIA: Und deines Caviceus Mittelding entging wohl deiner so eifrigen Neugier?


OCTAVIA: Selbst im Zustand der Ruhe war sein Glied furchtbar und mitten im Frieden drohend, obgleich es besinnungslos dalag, wie vom Blitz getroffen. Während ich es bewunderte, glaubte ich; wahrhaftig, dass neues Leben aus meinen Augen in dasselbe übergegangen wäre. Wie wenn es fühlte, dass seine Herrin es betrachtete, begann es sich zu bewegen und das Köpfchen zu erheben.[77] Caviceus erwachte. Ich tat, als läge ich in tiefem Schlaf; Caviceus aber wandte sich zu mir und fragte mich: ›Schläfst du, meine Königin?‹ – ›Warum‹, antwortete ich, ›entreissest du mich dem friedlichen Schlummer, in dem ich lag?‹ – ›Ich glaubte, als ich das Tageslicht sah, du seist erwacht – denn du bist ja meine Sonne.‹ Er gab mir einen Kuss und befingerte mir Busen, Leib, meine Kleine und die geliebte Muschel. Dann stieg er auf mich und setzte die steife Stange an meine Spalte an. ›Habe keine Furcht‹, sagte er dabei, ›ich werde mich meines Versprechens erinnern. Wenn ich tiefer stosse, als du es ertragen kannst, so sage mir Bescheid!‹ Dann stiess er in die Furche hinein, aber nur bis zu jener Stelle des Weges, wo, wie er wusste, für mich die Grenze zwischen Schmerz und Wonne lag. Bei dieser letzten Arbeit jener Nacht stampfte er lange auf mir herum und durch die unzähligen Stösse und das brennende Jucken wurde ich zu solcher Wollust entflammt, dass ich mich nicht zurückhalten konnte, die Hinterbacken ein wenig hoch zu heben. Da versenkte er mit einem gewaltigen Stoss den Dolch bis ans Heft hinein, und es tat nicht mehr weh wie zuvor. Doch stiess ich einen Seufzer aus und da nun gleichzeitig seine Wollust auf ihren Höhepunkt kam, überströmte er die Wunde, die er gemacht, mit reichlichem Balsam. Er gestand mir, eine solche Wonne habe er an mir noch nie gehabt. So verging diese Nacht. Nachdem wir noch ein wenig geplaudert hatten, befiel uns ein angenehmer Schlummer, der uns bis tief in den Tag hinein in seinen Banden hielt. Wozu brauche ich dir das übrige zu erzählen? Du weisst es, du kennst es, du hast es selber in reichem Masse genossen.


TULLIA: Du hast aber wirklich einen recht faulen Mann, da er in einer ganzen Nacht nur bis zum dritten Meilenstein kam! Aber gerade die sind schlaff und faul, denen die Natur ein Gewicht zwischen die Lenden gehängt hat, das über das gewöhnliche Menschenmass hinausgeht. Aber wahrlich! Die Ehe ist für unser Geschlecht das herrlichste Gut, denn jede Liebe ist verderblich und schändlich, die nicht Hymen geheiligt hat. Ohne Venus aber gibt es kein glückliches Leben. Aber wir verheirateten Frauen machen uns alle unser Glück allein.


OCTAVIA: Da die Liebe eine so süsse Sache ist, so wundere ich mich, dass die Männer nicht ohne Unterlass von ihrem Feuer erglühen. Wir sind viel mehr als sie geneigt, diese Früchte des Lebens zu pflücken.
[78]

TULLIA: Du bildest dir ein Vorurteil, indem du nach deiner Geilheit und nach der Kälte deines Caviceus auf alle anderen Frauen und Männer schliessest; du liebst es, wenn Catulls Sperling in deinem Nest piepst. Da du aber dem Blut deiner Mutter entstammst, so ist es nicht überraschend, dass du von derselben Glut entflammt bist wie deine Mutter.


OCTAVIA: Niemals habe ich etwas gehört, was dem guten Rufe meiner Mutter zu nahe träte.


TULLIA: Um einige Jahre älter als wir, hatte sie mit ihren Ausgelassenheiten Lucretia, Victoria und mich dermassen verdorben, dass es nichts sinnlicheres gab, als uns vier Mädchen. Wir drei waren neun oder zehn Jahre alt; deine Mutter dagegen, Sempronia, war bereits an vierzehn. In Victoria war sie sterblich verliebt; sie spielte ihr gegenüber den kleinen Mann und verlangte von mir, ich solle sie ebenso behandeln. Sie war also meine kleine Frau. Zu Lucretia und Victoria sprach sie wie ein Liebhaber zu seiner Geliebten und suchte sie durch ihre verbuhlten Reden zur Liebe zu reizen. Sie klagte, sie brenne in Liebesglut, und bat uns, die Qualen ihrer Leidenschaft durch Umarmungen und Küsse zu lindern. Wir drei Kleinen hatten keine verliebten Empfindungen dabei; wir lachten sie aus, küssten sie aber doch und schlössen sie in unsere Arme. Bald kam es so weit, dass sie uns mit der Hand unter die Röcke griff und durch unzüchtige Betastung unsere Schamhaftigkeit verletzte. Zuweilen verlangte sie, wir sollten uns rücklings auf den Fussboden legen, dann knöpfte sie unsere Kleider auf, hob die Hemden hoch und verschlang unsere nackten Glieder mit ihren Augen. Sie befahl uns, die Schenkel zu spreizen, zog sich selber ebenfalls nackt aus, stürzte sich auf uns und rutschte hin und her, wie wenn sie ein Mann wäre. Als Tochter einer solchen Mutter musst du so liebeglühend wie Venus sein! Hahaha – da fällt mir etwas ein. Höre nur!


OCTAVIA: Gerne will ich dir alles glauben, was du mir erzählst; nur musst du mir erklären, wie es kommt, dass eine Frau, die dermassen zur Wollust neigt, sich trotzdem ganz rein von aller üblen Nachrede erhalten hat.


TULLIA: Ich will es dir sagen, aber höre nur erst, wie weit diese frühzeitige Verderbtheit sie trieb! Drei oder vier Monate vor ihrer Hochzeit mit deinem Vater besuchten wir sie einmal eines Nachmittags.[79] Ihr Vater und ihre Mutter waren nicht zu Hause, und von der ganzen Dienerschaft war nur ihre alte Amme allein bei ihr geblieben, um sie zu beaufsichtigen, aber diese war in einem andern Teil des Hauses durch irgendwelche Geschäfte in Anspruch genommen. Zu Sempronias Füssen sass ein hübscher, reizender Cupido, ein Knabe von etwa vierzehn Jahren – vielleicht ein bisschen älter, vielleicht ein bisschen jünger. Sie erlaubte dem Kind, sich an unseren harmlosen Spielen zu beteiligen; nachdem wir nun lange gelaufen und herumgesprungen waren und alle mögliche Kurzweil getrieben hatten, begann Sempronia durch allerlei Scherze und Stichelreden Jocondus – so hiess der junge Bursche – zu reizen: ›O du hübsches Mädchen!‹ sagte sie, ›wir sind Jungens, aber du bist ein Mädel. Seht doch, liebe Freundinnen, wie züchtig sie aussieht! Ich will auf der Stelle tot sein: das ist kein Junge, sondern ein Mädchen; unter ihren Knabenkleidern verbirgt sich ein Mädchen; ohne Zweifel verachtet sie das weibliche Geschlecht und die weibliche Tracht.‹ – Nach Knabenart wurde er zuerst rot, dann wollte er weglaufen; wir alle eilen dem Flüchtling nach. Als es uns nun gelungen war, ihn nach dem Alkoven zurückzuschleppen, sagte Sempronia: ›Nun wollen wir mal sehen, ob es ein Er oder eine Sie ist!‹ Und damit fuhr sie ihm mit der Hand in die Hosen hinein.


OCTAVIA: Und Jocondus sträubte sich wohl garnicht? Hahaha!


TULLIA: ›Lass das!‹ sagte er. ›Ganz gewiss bin ich kein Mädchen; ich werde aber bald wissen, ob ihr Mädchen seid.‹ Der lüsternen Hand kam sein Glied zwischen die Finger und sie zog es aus dem Gefängnis hervor. Und als sie es in ihrer Hand gross werden fühlte, wandte sie sich zu mir und fragte; ›Oh! Was ist denn das? Fass es doch auch mal an, Tullia!‹ Victoria und ich streckten die in solchen losen Streichen noch unerfahrene Hand aus. Wir fühlten wie bei unserer Berührung das Glied immer mehr und mehr anschwoll. Sempronia griff ebenfalls wieder zu und sagte: ›Als ich dies Ding zuerst berührte, fand ich es von Fleisch; jetzt ist es von Elfenbein. Sage mir doch, Jocondus, kennst du den Gebrauch dieses Werkzeuges?‹ – ›Probiert habe ich's noch nicht‹, versetzte er, ›ich bin noch zu jung; aber ich weiss wohl, was man damit macht.‹ – ›Zeig' uns das doch!‹ versetzte Victoria. – ›Ich werde es euch allen zeigen, aber einer nach der anderen, und zwar hier an Ort und Stelle‹ – damit zeigte er auf den Alkoven – ›und ich will's der[80] Sempronia zuerst zeigen.‹ Er nimmt sie bei der Hand und führt sie an diese Stätte der Wollust. Der Fussboden war mit orientalischen Teppichen bedeckt; er warf zwei Kissen auf die Erde und sägte: ›Jetzt setze dich, Herrin! Sogleich werde ich dir den Gebrauch deines und dieses Gliedes zeigen‹ – damit zeigte er auf seine Rute – ›und du wirst gestehen, dass es nichts Süsseres gibt.‹ Sie setzte sich ohne Umstände auf das eine Kissen; flugs knöpfte Jocondus sich die Hosen auf, sodass die Hoden heraushingen, und kniete zwischen Sempronias Schenkeln nieder.


OCTAVIA: Du sahst es?


TULLIA: Ich sah alles so deutlich, wie du mich vor dir siehst. ›Ich will, oh Herrin‹, sagte Jocondus, ›diesen Speer in deinen Leib bohren.‹ Mit diesen Worten stützte er die eine Hand auf das Kissen, das er unter Sempronias Kopf gelegt hatte, mit der anderen Hand streifte er ihr Kleid und Hemd zurück so hoch er nur konnte, nämlich bis zum Gürtel. Dann stürzte er sich auf sie und bohrte mit dem ersten oder zweiten Stoss den Spiess in ihre Ritze. Es kam mir vor, als sähe ich Sempronia erzittern. – ›Au, au!‹ rief sie, ›es tut weh, Süsser! Aber süss tut es weh!‹ – ›Willst du, dass ich absteige?‹ antwortete er. – ›Nein, gewiss nicht!‹ – Jocondus begann sich nun auf und ab zu bewegen, und bei jedem einzelnen Stoss rief sie immer wieder ›Au! au!‹ – bis sie alle beide durch das ungewohnte Kitzeln fast von Sinnen waren. ›Ah, ah!‹ rief Jocondus, ›umarme mich, Herrin! Ich spritze!‹ – ›Ich auch!‹ antwortete Sempronia. ›Au, au! Stoss! Stoss feste! Ich sterbe!‹ Immer schneller stiessen sie nun alle beide; Stoss folgte auf Gegenstoss. ›Wie geschickt‹, rief Jocondus, ›wackelst du mit dem Popo! Wie sinnreich weisst du ihn zu bewegen.‹ – ›Dich aber‹, sagte sie dagegen, ›fühle ich in mich hineinpinkeln. O ... wie ... wie ...!‹ In diesem Augenblick schwanden ihr die Sinne, kurz nachher aber setzte sie hinzu: ›... köstlich!‹ So wurden sie denn beide fertig. Aufspringend warf Sempronia sich in meine Arme und rief: ›Oh, welche wunderbare Lust! Zum Teufel mit unseren stumpfsinnigen Kinderspielen! Nur Jocondus weiss es, so süsses und unterhaltendes Spiel zu spielen.‹ Jocondus gab ihr einen Kuss; er gab auch Victoria und mir, die wir gleiche Wonnen von ihm erwarteten, einen Schmatz. – ›Aber ich fühle mich von dem starken Regen, mit dem du mich besprengt hast, ganz nass unter dem Hemd!‹ rief[81] Sempronia. Sogleich griff Jocondus mit der Hand unter ihr Kleid und sagte: ›Nimm dich in acht, Herrin, dass nicht dein Hemd von diesem Saft besudelt wird‹ – und damit trocknete er selber sie sorgfältig ab – ›wenn deine Amme oder deine Mutter diesen Venusausfluss in deinem Hemd bemerkten, so würden sie glauben, du hättest dich selbst befleckt.‹ – ›Und ihre Vermutung würde nicht unrichtig sein‹, sagte Sempronia. – ›Heh? Was höre ich? Was habt ihr denn gemacht?‹ fragte Victoria; ›ich habe überhaupt nichts gesehen; ich war nicht so neugierig wie du, Tullia!‹ – ›Was eure Eltern zu machen pflegen‹, antwortete Jocondus, ›was eure Männer machen werden, deren Arme euch dereinst umfangen; was ich selber sofort, ja sofort! euch machen werde – das haben wir gemacht. Ich will jetzt die jüngere von euch beiden vornehmen, solange meine noch unerschöpften Kräfte hinreichen, um die Burg der Venus zu brechen. Die Schwierigkeit ist geringer und die Arbeit erfordert mindere Anstrengung bei einem Mädchen, das schon etwas älter ist.‹


OCTAVIA: Ich bin ganz ausser mir! Du stürzest mich in ein Erstaunen, das ich mit Worten nicht kundgeben kann. O Mutter! Welches Bild von dir wird mir im Gedächtnis bleiben, Mutter!


TULLIA: ›Victoria ist jünger und weniger entwickelt als ich, Jocondus‹, antwortete ich, ›aber sie ist viel geistvoller und schöner.‹ – ›Ihr seid alle beide reizend und von seltener Schönheit‹, erwiderte Jocondus, ›ich werde für euch beide alle meine Kräfte aufbieten.‹ Aber keiner von euch ist schon ein Busen gesprossen; dagegen schmückt er bereits, ohne in unschöner Weise zu voll zu sein, die schneeweisse Brust Sempronias. Er hatte dabei erst in Victorias und dann in meinen Busen gegriffen und fand da einen schwachen Ansatz schwellender Brüste, keine vollentwickelten Halbkugeln. Da sagte Sempronia ausgelassen und neckisch: ›Wenn du auch oben an ihrem Leibe keine Kugeln findest, so wirst du doch in der Mittelgegend eine Milchstrasse finden, die dich geraden Weges in den Himmel führt.‹ – Jocondus wandte sich zu ihr und sagte: ›Lass mich deine kostbaren Brüste küssen, die mich zum Range unsterblicher Götter erhoben haben!‹ Mit unzähligen Küssen bedeckte er ihre festen, weissen Brüste, die er mir und Victoria zeigte; dann warf er sie rücklings auf das Bett und tätschelte ihr den Leib und das Heiligtum der Venus. Er forderte uns auf, dass auch wir unsere Augen und Finger daran ergötzen möchten; hierauf warf er mich[82] auf das Kissen und schwelgte im Anblick meines nackten Körpers, den er entblösst hatte. ›Komm heran, Victoria!‹ rief er, ›und erlaube mir, auch deiner Schätze zu geniessen.‹ Sempronia führte ihm die sich Sträubende zu. Er fasste ihr nun mit der Hand unter's Hemd, betastete ihre Scham und bog deren Lefzen auseinander. Dann steckte er den Finger hinein. Es war ihr an dieser Stelle das Vliess noch nicht gewachsen. – ›Nur zu!‹ rief Sempronia, ›untersuche in aller Ruhe die Mitgift meiner lieben Tullia!‹ Zugleich hob sie mir Rock und Hemd hoch empor. ›Aber‹, fuhr sie fort, ›da du wie ein Bittender auf den Knieen liegst, so sollst du mir einen Kuss geben.‹ Er küsste also inbrünstig den Leib und – warum sollte ich lügen? – auch das Gefäss der Wollust selbst. Von so vielen Reizmitteln der Liebe entflammt, begann sein Glied sich emporzurichten; er beugte sich zu der nackt daliegenden Victoria herab und stiess den steifen Lanzenschaft kraftvoll in die klaffende Wunde. Victoria erhob die Stimme und schrie: ›Lass es! lass es! Ich kanns nicht aushalten!‹ Nach dem fünften oder sechsten Stoss aber hatte sie den Speer ganz und gar verschluckt und war völlig in den Dienst der Venus eingeweiht.


OCTAVIA: Hattet ihr, meine Mutter und du, euch nicht entfernt, während Victoria entjungfert wurde?


TULLIA: Als wir sahen, dass Jocondus mit so geringer Mühe in die Tiefe ihres Leibes eingedrungen war, klatschten wir dem Wettrenner Beifall, dessen Pferde dem Zielstein nahe waren und der im Begriff war, über Victoria selbst Victoria zu rufen. Er ergoss den Tau seiner Manneskraft in die Furche des Mädchens, das jedoch nicht von der vollen Empfindung des Genusses beseligt wurde. Hierauf trocknete Jocondus Victorias Beine ab, diese aber sprang auf und rief: ›Es läuft aus meiner Ritze eine sonderbare Flüssigkeit heraus, die ich aus deinem Leibe in den meinigen habe überströmen fühlen.‹ Auf diese Worte hin, hob Jocondus ihr Hemd auf und trocknete sie noch einmal sanft mit dem Tuch ab; wir sahen einen mit Blut vermischten weissen Schleim. Jocondus schlang seine Arme um Victoria und zog ihre Brust an die seine; sie klagte darüber, dass sie so rücksichtslos behandelt worden sei; er tröstete sie und breitete dann das von Blut und Venussaft befleckte Tuch aus, indem er sagte: ›Der Jude Apella selber würde bezeugen, dass du eine Jungfrau gewesen bist.‹ – ›Und ich‹, rief Sempronia, ›ich war[83] es also nicht, nichtsnutziger Page? Du bist ja lasterhafter, als alle Diener mit ihren Lastern zusammen genommen!‹ – ›Gewiss warst du es! gewiss, Herrin!‹ versetzte Jocondus, ›aber dank deinem Alter warst du etwas weiter gebaut als Victoria und darum hast du meinen Sieg nicht mit so augenfälligen Zeichen geopferter Jungfräulichkeit geschmückt. Wenn diese Zeichen offen kundbar werden, können sie in der Tat als Edelbeute gelten, und der Sieger ist um so glücklicher, je länger und je sehnlicher er danach geschmachtet hat, sie zu erringen. Mühe macht die Wonne um so süsser.‹


OCTAVIA: Du tust mir leid, dass du so lange fasten musstest, während inzwischen meine Mutter und Victoria in solchen Genüssen schwelgten.


TULLIA: Der zarte, verwöhnte Knabe war ganz schwach vor Müdigkeit, wie auch vor Wollust. Ich sagte daher zu ihm: ›Du bist jetzt erschöpft und entkräftet, Jocondus; wirst du auch Kraft genug wieder bekommen, um auch mich zu umarmen? Oder werde ich als Witwe diese Hochzeit verlassen!‹ Sempronia fing an zu lachen und rief: ›Nein, du wirst nicht als Witwe nach Hause gehen! Ich bürge für dich, Jocondus. Aber du hast es nötig, deine Kräfte wieder herzustellen, da du so freigebig deine Reichtümer uns gespendet hast. Geh zu meiner Amme; bitte sie, sie möchte uns, nämlich mir und meinen Freundinnen, einen Imbiss bringen.‹ Der Page gehorchte und kam gleich darauf mit einem riesigen, dick mit Zucker bestreuten Kuchen zurück, sowie mit einer Flasche ausgezeichneten Weines. Ich gab zunächst dem Pagen ein nicht eben kleines Stück vom Kuchen: er ass ihn nicht, sondern verschlang ihn; dann gab ich ihm ein Glas Wein zu trinken. – ›Für dich isst und trinkt Jocondus‹, sagte Sempronia zu mir. ›Pflege recht sorgsam seinen Leib, der recht bald nie geahnte Wonnen in den deinen möge strömen lassen.‹ Sempronia und auch Victoria waren ebenso sorglich wie ich um Jocondus bemüht. Durch Speise und Trank von neuem Mut durchströmt, sagte er, die Kräfte, die er in den Grotten meiner Freundinnen gelassen habe, seien ihm wieder zurückgekehrt, und sogleich umarmte und küsste er mich stürmisch. Er warf mich auf das Kissen nieder, während ich zum Schein mich sträubte und Sempronia lachte. Kurz und gut – er gelangte zwischen meinen Beinen auf den Höhepunkt der Wollust.


OCTAVIA: Fand er denn bei dir leichten Zugang?
[84]

TULLIA: Weisst du nicht, dass wir Italienerinnen schon in der zarten Kindheit recht weit gebaut sind?


OCTAVIA: Für dich und für mich wirst du wohl eine Ausnahme gelten lassen.


TULLIA: Unsinn! Wir beide haben es in unserer Hochzeitsnacht mit einer ganz ungeheuerlichen Manneswehr zu tun gehabt. Wenn Lampsakus, nachdem Priapus zum Range der Götter erhoben war, zwei Männer besessen hätte wie Callias und Caviceus es sind – die jungen Weiber, die das Jucken der Liebesbrunft verspürten, hätten nicht um den toten Priapus gejammert, der den prachtvollen Ausspruch tat:


Das ist der grosse Vorteil bei meinem riesigen Penis:

Das unmöglich ein Weib je mir zu weit ist gebaut.


Wir kamen Männern enggebaut vor, denen kein Weib hätte weitgebaut erscheinen können. Als Sempronia und Victoria verheiratet wurden und zwar mit Männern, die gut ausgerüstet und nicht so jung waren wie Jocondus, da wurde ihnen gleich beim ersten Ansturm der Speer in die tiefste Tiefe des Leibes gebohrt, und sie hatten unverkümmerte Freude an einer Begattung, der keine Zutat mangelte. So ist es, Schwesterchen: es klafft, es klafft auf die fürchterlichste Weise das vordere Venuspförtlein bei den Italienerinnen und Spanierinnen; es ist, als wären sie nicht nur für Männer, sondern für Maulesel geschaffen. Aber bei uns hatte Jocondus den Weg zu diesen Seligkeiten unseren Gatten schon halb erschlossen.


OCTAVIA: Das dachte ich mir: ihr hattet den Zugang erweitern lassen, damit er für die Eintretenden nicht zu beschwerlich wäre.


TULLIA: Du irrst dich. Bei dem jugendlichen Alter, worin der Page stand, war sein Glied nicht länger als mein Mittelfinger und nicht dicker als mein Daumen. Wir alle aber bekamen stattlich geschwänzte Gatten; allerdings können Victorias und Sempronias Männer, so gut sie auch ausgestattet sind, weder mit Callias noch mit Caviceus verglichen werden. Nach der Behauptung gehen Männer, deren Glied länger als sieben oder acht Zoll ist, über die gewöhnlichen Massverhältnisse hinaus. Dies ist nämlich, soweit die Länge in Betracht kommt, das übliche Mass; die Dicke aber muss der Länge entsprechen. Man behauptet, die Tiefe der Scheide bis zum Muttermund liesse sich beim Coitus bis zu sieben oder acht Zoll ausdehnen; noch tiefer einzudringen sei nicht möglich,[85] ohne dem Weibe Unbequemlichkeit oder geradezu Schmerz zu verursachen. Ebenso wird der Coitus schwierig, wenn das Glied zu sehr in die Dicke schwillt. Wenn die Scheide bis zum Zerreissen ausgeweitet wird, dringt der grimme Gesell, der nur Liebe verhiess, vielmehr als ein Feind in das Heiligtum des Weibes ein. Aber soviel steht fest: je jünger wir sind, desto besser passen wir für männliche Pinselchen aller Art. Du weisst: ›Ueberall waltet ein Mass ...‹


OCTAVIA: Ach, und ich glaubte, auf der ganzen Welt habe niemals und nirgendwo eine Frau keuscher gelebt als meine Mutter! Wie hat sie's denn wohl angefangen, liebe Base, dass mein Vater niemals Verdacht geschöpft hat, ja, dass nicht einmal Fama, die in den Städten alles, auch das Verborgenste, erspäht oder doch bekannt macht, wie wenn sie es selber gesehen hätte, niemals an ihr etwas anderes als Preis-und Lobwürdiges bemerkt haben? Mein Vater ist noch immer sterblich in sie verliebt und alle Welt erhebt sie in den Himmel und rühmt sie als die züchtigste und bravste aller Frauen!


TULLIA: Wenn Frauen ihr Leben verlieren oder ihre Ehre – die noch kostbarer ist als das Leben – so sind sie meistens an diesem Unglück selber Schuld. Mit Recht hat man gesagt:


Ueberall waltet ein Mass und ist eine Schranke bereitet


Nichts ist an sich ehrenvoll oder schimpflich, sondern alles wird dazu erst durch den Gebrauch, den man davon macht. Ein feiner, verschlagener Geist erwirbt den Ruhm der Klugheit, eine kluge Frau aber weiss sich stets mit gewissen Grenzen zu umgeben. Ueber diese hinaus darf eine vorsichtige und mit gesundem Urteil begabte Frau sich niemals fortreissen lassen – weder durch wollüstige Liebe noch durch ohnmächtigen Hass, die beide uns oftmals blind machen. Willst du gut und glücklich leben, Octavia, so denke stets, dass alles und dass nichts dir erlaubt ist. Dies sei für dich die oberste Vorschrift in der Lebenslage, in die das für die Ehen gültige Gesetz dich gebracht hat.


OCTAVIA: Kaum – oder eigentlich garnicht – begreife ich, was dies zu bedeuten hat. Wie soll ich das verstehen, dass alles und nichts mir erlaubt sei?


TULLIA: Was du in aller Bequemlichkeit und ohne Scheu vor deinem Gatten tun kannst – das alles darfst du – verlass dich drauf! – tun; was du nicht ohne gewisse Gefahr tun kannst, das[86] alles ist dir – verlass dich ebenfalls drauf! – verboten. Für jetzt habe ich dir die Lehren der wahrhaftigen und gediegenen Weisheit einzuflössen; nach ihnen mögest du in Zukunft den Kurs deines ganzen Lebens richten. Ihnen verdanke ich alle meine Wonnen und verdanke ich zugleich, dass der Ruf meiner Züchtigkeit unversehrt dasteht, während ich mich vergnüge und nach Herzenslust der Gaben meiner Jugend geniesse. Ihnen wirst auch du deine Glückseligkeit verdanken. Der gleiche Geist beseelt uns Weiber alle und treibt uns zur Wollust; auf derselben Bahn werden wir alle fortgerissen, ob wir gut ob wir böse sind. Aber die Schlechten kümmern sich nicht um ihre Ehre; die Guten dagegen stellen die Zier eines geachteten und ehrenvollen Lebens höher als die Wollust – ja, höher als das Leben selbst. Dagegen haben die Guten nicht alle einen und denselben Weg zu ihren Wonnen. Da sie fast alle unvorsichtig und dumm sind, so trifft die meisten mitten in ihrer Laufbahn schimpflicher Tod oder sie geraten in die dichtesten Finsternisse der Schande. Die anderen aber, die sich bemühen, durch die Lehren der Weisheit sich führen zu lassen, die geleitet sogar bis an die Schwelle der Freudenhäuser Preis und Ruhm und Beifallsgeklatsche der betölpeten Menge. Nicht das Ziel also gilt es zu ändern – denn das würde uns von der rechten Bahn abbringen – sondern es sind nur andere Mittel und Wege zu suchen, die zu diesem Ziel führen können.


OCTAVIA: Was ist das für ein Ziel? und wie gelangt man dahin? Das möchte ich gerne wissen – denn so etwas ist nicht nur sehr angenehm, sondern auch sehr nützlich zu hören.


TULLIA: Diese Frage werde ich mit wenigen Worten abtun. Kaum war ein Monat vergangen, seitdem Callias die Ehe mit mir vollzogen hatte, da kannte ich bereits ganz genau den Charakter meines Gatten wie auch meinen eigenen und ich stellte für mich selber Gesetze auf, die ich bis auf diesen Tag sorgfältig eingehalten habe. Das ist mir sehr nützlich gewesen und wird auch dir sehr nützlich sein, wenn du dich danach richtest. Zunächst richtete ich meinen Geist auf alles, was über mir, was ausser mir und was in mir ist. Ueber mir ist die Religion, die in der menschlichen Gesellschaftsordnung den höchsten Rang, in der natürlichen Ordnung dagegen überhaupt gar keinen Rang einnimmt. Ich erwog, was ich der Religion, der ich angehöre, was ich meinen Nebenmenschen und[87] was ich mir selber schuldig sei. Zunächst müssen alle verheiraten Frauen durchaus fromm sein oder viel mehr fromm scheinen, Denn wenn eine fromm ist, aber nicht fromm erscheint, so ist sie keineswegs besser dran, als eine, die nicht fromm ist, aber fromm erscheint. Das höchste Glück einer Frau hängt von der Meinung ab, die ihr Gatte von ihr hat; selbst eine, die vielleicht gar nichts taugt, ist glücklich, wenn ihr Mann grosse Stücke auf sie hält; unglücklich ist demzufolge das Schicksal derjenigen, die von ihrem Mann verachtet wird, wäre sie auch mit allen Gaben der Natur und mit allen Verdiensten der Tugend auf das reichste ausgestattet. Aber wenn unsere Gatten in unseren Umarmungen die Glut ihrer heissen Liebe abgekühlt haben, dann bemessen sie die Achtung, die sie uns zollen, nach der Zahl der Tugenden, die sie an uns glänzen sehen. Ein Weib, das sie nicht für tugendhaft halten, erachten sie nicht ihrer Liebe würdig. Ehe sie unseres Leibes genossen haben, lieben sie uns um unserer Schönheit, um unserer Reize, um unserer Jugend willen; später, wenn sie mit Aug' und Hand und durch die freie Verfügung über unseren Körper ihre Leidenschaft befriedigt haben, lieben sie uns nur noch, wenn sie uns achten, wenn sie uns für anständig halten, wenn sie uns mit allen Tugenden geschmückt sehen. Füge dich also, meine liebe Octavia, diesen Sitten – oder heuchle diese Sitten. Nichts wird den Begriff zerstören oder in Vergessenheit bringen, den Caviceus in den ersten Tagen nach eurer Hochzeit sich von dir gebildet hat. Auf der Bühne dieses unseres Lebens musst du die Rolle, die du einmal gewählt hast, bis zum Ende durchführen.


OCTAVIA: Du verlangst von mir, ich solle mit einer Larve vor dem Gesicht einhergehen? Eine solche Maske der Seele lässt sich aber leichter ablegen als vornehmen!


TULLIA: Als nächstes Kapitel der eheweiblichen Vorsicht folgt nun der Rat: mache dich niemals über die allgemein anerkannten und üblichen Sitten und Bräuche lustig. Vor den Augen der Welt lebe für die Allgemeinheit; wenn es niemand sieht und wenn du sicher bist; lebe für dich selber. Decke deinen Lebenswandel mit dem Schleier der Frömmigkeit. Für das Leben unserer Gesellschaft ist jemand, der bösen Handlungen durch einen Schein von Rechtschaffenheit einen ehrenwerten Anstrich gibt, viel nützlicher als ein anderer, dessen gute Handlungen durch einen Schatten des[88] Lasters verdeckt werden. Kleide dich in das Gewand der Ehrbarkeit – aber in ein solches, dass du es nach Bedürfnis leicht abstreifen kannst. Mögen die Leute, die dich in der eifrigen Erfüllung deiner Pflichten ganz und gar aufgehen sehen, schwören, es gebe nichts frömmeres als deine Sitten; mögen dagegen diejenigen, die du mit deiner Huld beglückst, erfahren, dass es nichts süsseres gibt als deine Umarmungen, nichts anmutigeres als dein Benehmen, nichts freieres als den Verkehr mit dir. Strebe danach es deiner Mutter Sempronia gleich zu tun!


OCTAVIA: Die Lehren, die du mir gibst, sind klar und verständlich, was du aber von meiner Mutter sagst, klingt unbestimmt und dunkel.


TULLIA: Ich kenne sie ebenso gut wie dich selber, ich habe mich ihrer wollüstigen Glut hingegeben, wie du dich der meinigen hingabst. Du musst wissen, diese Kapitel meiner Unterweisung über das Verhalten in der Ehe sind aus dem Lebenswandel und den Ratschlägen deiner Mutter abgeleitet. ›Unter den Sterblichen gelte dir dein Gatte als Unsterblicher!‹ sagte sie mir, als ich mich vermählte. ›Jede Frau, die das Herz auf dem rechten Fleck hat, muss überzeugt sein, dass sie zur Wonne ihres Gatten erschaffen sei und dass alle anderen Männer zu ihrer Wonne erschaffen seien. Du hast gewisse Verpflichtungen gegen deinen Gatten, du hast aber auch gewisse Verpflichtungen gegen dich selbst. Tu alles, was dein Gatte von deiner Gefälligkeit verlangt, was ihm angenehm erscheint, darf dir niemals schmachvoll vorkommen. Wandle dich wie Proleus in alle möglichen Gestalten, wenn er es befiehlt. Wenn ihm die Laune kommt, sich ein wenig frei mit dir zu ergötzen, so lass alle Scherze, die er ersinnen mag, dir recht sein. Befriedige gern und willig seine Leidenschaft: andere werden die deinige befriedigen.‹ So habe ichs mit Callias und habe ichs mit Lampridius gemacht.


OCTAVIA: Schön! Nun begreife ich auch dein Verhältnis zu Lampridius.


TULLIA: Es ist mir lieb, wenn du auch die geheimsten Wonnen meines Liebeslebens erfährst. Fröhlichen Sinnes gewähre ich Callias den Besitz meines Leibes zu beliebigem Gebrauch, aber ich selber finde keine Wonne dabei; Lampridius aber geniesst meiner Schönheit so, wie es mir den höchsten Genuss und die höchste Freude gewährt. Der eine befiehlt mir, dem Anderen befehle ich; dem[89] Einen bin ich Sklavin, dem anderen Herrin; der eine besitzt meinen Leib, den Leib des Anderen besitze ich. Zwischen einer Gelobten und einer Ehegattin ist ein Unterschied wie zwischen Geld und Blei; zwischen der Glückseligkeit einer freien Konkubine und dem Lose einer verheirateten Frau ist ein grösserer Abstand als zwischen Himmel und Erde. Erst dann wirst du glücklich und selig sein, wenn du das eine mit dem anderen zu verschmelzen weisst.


OCTAVIA: Du glaubst, ich würde so von Sinnen sein, mir einen Liebhaber zu nehmen? würde einen solchen in meine Arme schliessen, ihn in mein Bett aufnehmen? Möge Venus eine solche Schamlosigkeit meinem Sinn fernhalten! Zudem – müsste ich nicht den Zorn meines Gatten fürchten, wenn ich unglücklicherweise in solche Schmach verfiele? Ich kenne ihn ganz und gar: wenn er mich wegen eines Fehltritts dieser Art auch nur im Verdacht hätte, so würde kein Mensch und kein Gott mich lebend aus seinen Händen befreien!


TULLIA: Ich will deine Schamhaftigkeit nicht leiden lassen, sondern werde die Küsse, die Liebesglut und die Lendenkraft meines Herkules mit dir teilen. Ich selber werde dich ihm in die Arme legen, meine eigenen Hände werde ich ihm darreichen, damit er dich als sein Pferd besteige.


OCTAVIA: Du Spitzbübin, Hahaha! Werden seine Lenden es wohl auch aushalten?


TULLIA: O du nichtsnutziges Hurenfrüchtchen! Der Mann, der meinen Ansprüchen genügt, wird schon einen passenden für. dich finden, falls er etwa den Anforderungen deiner Venus nicht gewachsen sein sollte.


OCTAVIA: Ich sagte im Scherz, was du als Ernst nimmst. Aber sage mir doch, meine liebe Beschützerin, auf welche Weise hast du einen so treuen und wackeren Freund gewonnen? Ist er dir zum Geschenk gegeben worden? Oder hast du dich etwa aus eigenem Willen seinem Willen und Belieben hingegeben? Durch welche Zaubermittel hast du Callias blind gemacht? Welche Listen beseligen dich mit so vielen Wonnen und bieten dir Schutz und Schirm gegen die grossen Gefahren, die von allen Seiten unsere verliebten Gelüste bedrohen?


TULLIA: Warum sollte ich dirs nicht sagen, du köstliches, herziges Hürchen? Du wirst dich wundern, was ich zu erzählen habe![90] Wenige Tage nach der Vermählung meiner lieben Sempronia, deiner Mutter, sollte sie mit grossem Pomp in ihres Gatten Victorius Haus geführt werden. Vorher aber hatte sie ihre Mutter inständig gebeten, ihr den Jocondus mitzugeben – als Leibdiener, denn ihr Leib konnte ihn wirklich nicht entbehren. Victorius gab ohne viele Umstände seine Einwilligung dazu.


OCTAVIA: Vor sechs Monaten hat Jocondus sich ja sogar verheiratet, trotzdem aber nicht unser Haus verlassen. Und wenn ich mich jetzt auf alles etwas genauer besinne, was ich gesehen und gehört habe, wenn sie allein waren und sich um mich kleines Kind nicht glaubten kümmern zu brauchen, dann bringt wirklich alles mich dazu, mich deiner Meinung anzuschliessen. Ja, es ist so, Tullia: meine Mutter tat sich an des Jocondus Leib gütlich!


TULLIA: Sprich doch weiter! Was fürchtest du?


OCTAVIA: Mit welcher Schönheit sie sich den guten Ruf zu nutze machte, worin sie stand! O trügerischer Anschein von Tugend! Oft habe ich gesehen, wie sie in Abwesenheit meines Vaters mit einander plauderten und schäkerten. Jocondus knutschte meine Mutter; er war längst nicht mehr Lakai, sondern versah das Amt eines Intendanten. Indessen griff er, soviel ich gesehen habe, ihr doch niemals nach den Brüsten oder nach jener gewissen anderen Stelle. Eines Tages trat er in das Zimmer, worin meine Mutter und ich uns aufhielten. Meine Mutter stickte; ich spielte nach Kinderart mit einer kleinen Hündin, die ich an den Ohren hochhob. Lachend geht er auf meine Mutter zu, streckt ihr die Hand entgegen, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein, und zieht sie, halb mit ihrem Willen, halb dagegen fort, bis ich sie nicht mehr sehe. Ich glaubte, sie hätten das Zimmer verlassen und freute mich, allein zu sein, als ich plötzlich das Bett knarren und meine Mutter aufschreien hörte, wie wenn ihr etwas weh täte. Von Furcht ergriffen spitze ich die Ohren, dann aber springe ich auf und eile zu ihr. Meine Mutter hört mich und läuft mir entgegen, ehe ich bei dem Bette bin; sie schliesst mich in ihre Arme und bedeckt mich mit Küssen; Jocondus hatte sich inzwischen aus dem Staube gemacht. ›Was tat dir denn weh, Mütterchen?‹ frage ich sie; ›ich habe dich seufzen hören.‹ – ›Es war gar nichts‹, antwortet sie; ›als ich wieder in die Stube kam, stiess ich gegen den Bettpfosten an und habe mir beinahe das Schienbein zerbrochen.‹
[91]

TULLIA: Ei, ei! Und du hast in bezug auf ihren Verkehr niemals etwas verdächtiges gewittert?


OCTAVIA: Doch. Aber eine blosse Vermutung ist niemals ein Beweis. Sie nahmen sich beide so sorgfältig vor meinen Blicken in acht, dass ich niemals Gewissheit erlangen konnte. Nur so viel begriff ich, dass meine Mutter alles aufbot, damit ich die beste Meinung von ihr hätte und überzeugt bliebe, sie sei die anständigste von allen Frauen der ganzen Stadt.


TULLIA: Das weiss ich. Oftmals und auf das Dringlichste hat sie mich gebeten, sie dir als die anständigste und keuscheste Frau zu rühmen. Und was ich dir heute von ihren Geheimnissen enthülle, bleibt ja doch für die übrige Welt völlig verschwiegen und verborgen.


OCTAVIA: Ich wäre eine Muttermörderin, wenn ich nicht den guten Ruf der Frau schonte, die bis auf den heutigen Tag mich so zärtlich geliebt hat: denn der gute Ruf ist kostbarer als das Leben selbst. Aber höre, mit welcher List sie mich zu täuschen versuchte! Drei Tage bevor ich meinem Caviceus zur Gattin gegeben wurde, sprach sie folgendes zu mir: ›Binnen wenig Tagen, mein Kind, wirst du Caviceus heiraten; nur dieser kurze Zeitraum trennt dich noch, die keusche und fromme Jungfrau, von dem Schmutz und der Unreinheit des ehelichen Verkehrs. Wenn du deine Jungfräulichkeit hingegeben hast, werden gar viele Tugenden von dir weichen – denn du wirst befleckt sein und durch kein Mittel der Gewalt oder List wirst du jene Tugenden bei dir zurückhalten können, denen nur sittenstrenger Ernst zusagt. Nichts Himmlischeres gibt es als eine reine Jungfrau, nichts Niedrigeres als ein entweihtes Mädchen.‹ – ›Was soll ich denn tun, liebe Mutter?‹ fragte ich; ›lass mich meine Jungfräulichkeit mein ganzes Leben lang unversehrt bewahren; lass mich bei den Vestalinnen eintreten.‹ –›O nein!‹ antwortete sie; ›unsere Verhältnisse und meine Liebe zu dir verbieten mir, dich lebendig begraben zu lassen. Aber folge meinem Rat: gelobe, du wollest jeden Gedanken an Ausschweifung und jede Anwandlung wollüstiger Begier hassen und verabscheuen. Halte deinen Geist von diesen Unsauberkeiten fern, wie auch ich es getan habe. Bringe ein Opfer um der Jungfräulichkeit willen, die du verlieren wirst; beweine sie, nachdem du sie verloren hast, dadurch, dass du ein neues Opfer bringst.‹ – ›Gern‹, antwortete ich, ›will ich dies[92] tun. Aber was ist dies für ein Opfer, liebe Mutter, wozu du mich aufforderst?‹ – ›Ich wünsche und bitte dich recht sehr, liebe Octavia,‹ sagte sie, indem sie mir einen Kuss gab – ›ich wünsche, dass du aus freiem Antrieb dich zu diesem Opfer entschliessest und dass es von deiner und von meiner Hand vollzogen werde. Aber du wirst dazu eines festen und unwandelbaren Mutes bedürfen.‹ – ›An Mut wird es mir nicht fehlen!‹ versetzte ich. Sie liess mich nun durch einen Schwur geloben, alles erdulden zu wollen, was sie mir anraten würde. ›Du bist, mein liebes Kind,‹ fuhr sie fort, ›eben so rein, so gut, so keusch wie du hübsch, geistvoll und lebhaft bist. Morgen früh wirst du zunächst im Tempel, angesichts der Gottheit, das Versprechen erneuen, das du mir gegeben hast, und dann wollen wir das Notwendige tun. Es wird für dich das rühmlichste, ehrenvollste und nützlichste Werk sein.‹


TULLIA: Du sagst mir damit nichts Neues. Sie hat mir die ganze Geschichte erzählt und belustigte sich sehr über deine Leichtgläubigkeit, wobei sie aber zugleich deinem Mut hohes Lob zollte.


OCTAVIA: Dann unterlasse ich's also, dir weiter davon zu erzählen; wenn du's schon weisst, kann ich dir nichts Neues darüber berichten.


TULLIA: Im Gegenteil! Ich bitte dich, fahre fort, wenn du mich lieb hast! Sempronia hat mir die Geschichte nur in den Hauptzügen erzählt und ist nicht wie du auf alle interessanten Einzelheiten eingegangen.


OCTAVIA: Früh am Morgen befahl sie mir aufzustehen, liess mich ein prachtvolles Kleid anziehen, das sie bereit gehalten hatte und führte mich zu Theodorus, einem Mitglied jener Sekte, deren Angehörige dank ihrem struppigen Bart und wirren Haar bei der grossen Menge im Ruf stehen, einen ganz besonders gottseligen Lebenswandel zu führen. Kaum hatten wir das Heiligtum betreten, so ging er auf mich zu und sprach: ›Du hast, meine Tochter, eine Mutter, die dich mit allem Guten und Vernünftigen bedacht zu sehen wünscht. Binnen drei Tagen wirst du vermählt sein; du musst deine Seele von allem Schmutz reinigen, um dieser Himmelsgabe würdig zu werden und zu ihrem Empfange vorbereitet zu sein. Denn du wirst ja Kinder zur Welt bringen; wenn du gut bist, so werden auch sie im Himmel einen jener Plätze finden, von denen die höllischen Geister ausgeschlossen sind; wenn aber du verderbt[93] bist, so werden sie zur Schar der Verdammten hinabgestossen werden. Was wählst du?‹ Ich schwieg, von der Röte der Scham übergössen. ›Sprich! sprich!‹ hub er abermals an. – ›Ich will gut sein, und auch meine Kinder sollen gut sein!‹ antwortete ich. – ›So tritt denn heran!‹ – Was brauche ich dir mehr zu sagen? Auf meinen Knieen vor ihm liegend, beichtete ich alles, auch die geringsten Kleinigkeiten, an denen ich ein Anhauch des Lasters zu entdecken glaubte. Als er mein Geständnis hörte, dass ich schon durch einen lüsternen Angriff meines Verlobten befleckt sei, wollte er in einen gewaltigen Eifer geraten; doch begnügte er sich damit, mir zu sagen, ich müsste mich derartiger Dinge enthalten; hierauf befahl er mir volles Vertrauen zu meiner Mutter zu haben und ihr in allem zu gehorchen, was sie auch immer von mir verlangen möchte. Dann rief er meine Mutter zu sich und gab ihr ein zusammengewickeltes Bündel von Stricken, das er aus seinem rechten Aermel hervorzog. – ›Schone die Haut deiner Tochter nicht!‹ sagte er ihr dabei; ›schone auch deine eigene Haut nicht, sondern gehe ihr mit gutem Beispiel voran! Wenn du meine Befehle nicht befolgst, wirst du bestraft werden.‹ Nachdem er diese Worte gesprochen hatte, gingen wir.


TULLIA: So machen diese Männer sich über unsere Leichtgläubigkeit lustig; dies sind die Mittel, durch die sie uns beherrschen.


OCTAVIA: Mit grösserem Rechte könntest du sagen: ›So machen wir uns über die Leichtgläubigkeit der Männer lustig; so beherrschen wir sie!‹ Sobald wir in jenem inneren Gemach unserer Wohnung waren, von dem man, wie du weisst, die Aussicht auf den Garten hat, verschloss meine Mutter alle Türen und gab mir lachend das Bündel, um es zu öffnen. Ich tu's und sehe, dass es eine Art Geissel ist, die aus fünf mit sehr zahlreichen und sehr kleinen Knoten besetzten Stricken besteht. ›Jetzt, mein Kind,‹ sagte sie, ›musst du mittels dieses Werkzeuges der Frömmigkeit dich verschönen und reinigen; zunächst aber will ich dir's vormachen. Wir haben den Befehl empfangen, aus allen Kräften uns mit Geisselhieben zu zerfleischen. Ich werde gehorchen; und auch du wirst gehorchen, wenn ich dich recht kenne.‹ – ›Ich werde gehorchen,‹ antwortete ich. – ›Du bist noch nicht willensstark genug,‹ fuhr sie fort, ›um dir selber solche Hiebe zu versetzen, wie ich vor deinen Augen sie mir geben werde. Darum will ich dir helfen. Während ich mit[94] leiser klagender Stimme eine Hymne singe, wird in meinem Innern – daran zweifle nicht! – meine Seele von unsagbarer Freude überströmen.‹


TULLIA: Erschauerte denn nicht dein zarter Leib vor Angst.


OCTAVIA: Ich hielt mich durchaus nicht für so mutig und zur Bussübung bereit, wie ich meine Mutter und mich selber glauben machen wollte. Mit Recht aber behauptet man, dass kein Mensch im Ertragen von Schmerzen so standhaft und entschlossen ist wie ein Weib, wenn sie einmal den festen Willen dazu hat. ›Warum sollten wir noch länger Zeit verlieren, liebes Kind?‹ fuhr meine Mutter fort, indem sie mir einen Kuss gab. ›Zieh mir schnell mein Kleid aus, damit dieser erbärmliche sündenvolle Leib sich nackt und bloss zeige!‹ Sie streifte ihr Hemde in die Höhe, indem sie es bis über die Lenden hinauf umkrempelte, warf sich dann auf die Kniee und ergriff die Geissel. ›Passe gut auf, liebe Tochter!‹ rief sie, ›und lerne durch mein Beispiel, wie man den Schmerz erträgt!‹ In diesem Augenblick klopfte ein Finger leise an die Tür. ›Ich weiss schon, wer es ist,‹ sagte meine Mutter; ›es ist Theodorus, der würdige Priester; er kommt, um uns beiden zu helfen. Er hatte mir nämlich versprochen, er werde kommen, wenn es ihm nur irgend möglich sei. Abermals klopfte es. Ja, er ist's,‹ sagte meine Mutter; ›'s ist Theodorus. Mach ihm auf, liebes Kind.‹ – ›Wie, Mutter?‹ rief ich; ›soll er dich denn nackt sehen?‹ – ›Weisst du denn nicht,‹ antwortete sie, ›dass er für mich ein alter Bekannter ist? Ihm verdanke ich alle nicht sündhafte Schönheit, die ich etwa an mir haben mag.‹ Indessen liess sie doch ihr Hemd herunter, während ich ihm öffnete. Er trat lachenden Mundes ein und begrüsste uns beide; besonders aber ermahnte er meine Mutter, sie solle mir auf eine Weise, die ihrer und meiner würdig sei, ein Beispiel geben. Er fügte noch viele andere Worte hinzu, die mich zu solchem Eifer entflammten, dass ich ihn hätte bitten mögen, mich mit seinen eigenen frommen Priesterhänden zu peitschen. In einer langen, sehr gedankenreichen Rede wies er uns nach, dass die Scham, wenn sie nicht einer Sünde gelte, selbst eine Sünde sei; nur diejenigen Frauen müssten mit Recht erröten, die sich in wollüstiger und geiler Absicht nackt den Blicken eines Mannes preisgäben, nicht aber solche, die es aus Gründen der Frömmigkeit und zum Zweck der Busse täten. Das eine sei schändlich, das andere ehrenwert; am[95] einen hätten sterbliche Menschen ihre Lust, am anderen aber die unsterblichen Götter, und Bussübungen dieser Art wären von allerhöchstem Wert. Durch sie würden, gleichsam durch eine wunderwirkende Taufe, alle Besudelungen abgewaschen, mit denen Frauen sich selber befleckt hätten oder befleckt worden waren: sie müssten alle sträflichen Genüsse, die sie sich schamloser Weise durch ihr Fleisch verschafft hätten, dadurch abbüssen, dass sie ihren Sinnen eben so harte Strafen auferlegten. Mit einem Wort: diese geheimen Züchtigungen machten den grössten Teil der Sünde wieder gut, die aus erbärmlicher Scham den Priestern in der Beichte verhehlt würden.


TULLIA: O, was für bequeme Lehren für ein Weib, das zugleich wollüstig und schamhaft ist. Aber ich – ich habe für deine Vorschriften keine Verwendung, guter Theodorus! Fahre fort, Liebste!


OCTAVIA: Nach allen diesen Ermahnungen ergriff er selber die Geissel; meine Mutter warf sich auf die Kniee, und ich folgte ihrem Beispiel. Er befiehlt meiner Mutter, sich ein wenig zu entfernen, mir aber, meine Augen auf sie zu heften und genau jeden auf sie niederfallenden Schlag zu beobachten. Er trat dann an meine Mutter heran, die ihn bat, er möchte an ihr diese gute Handlung vollziehen, und zugleich eine Art Hymnus anzustimmen begann. Plötzlich begann ein Hagelschauer von Schlägen auf ihre entblössten Schenkel herabzusausen. Sie schien mir unter diesen Schlägen zusammenzuschauern; die Hiebe wurden leichter, bald aber wieder noch heftiger als die ersten. Kurz, er bearbeitete die Aermste auf eine solche Art, dass ihre Hinterbacken von Striemen bedeckt waren. Vorher waren sie blendend weiss gewesen, jetzt aber sahen sie aus, als kämen sie von der Fleischbank.


TULLIA: Und sie beklagte sich nicht?


OCTAVIA: Sie wagte nicht einmal den Mund aufzutun; ein einziges Mal liess sie sich ein Stöhnen entschlüpfen und seufzte: ›Ach, Vater!‹ Er aber wurde durch dieses Wort ganz wild und schrie: ›Du wirst nicht ungestraft aus meinen Händen davonkommen!‹ Er befahl ihr, sich zur Erde herabzubeugen und Kopf und Brust niederzuducken. Sie gehorchte; auf diese Art boten ihre Hinterbacken sich der Geissel noch bequemer dar und er peitschte sie nun eine volle Viertelstunde lang ohne aufzuhören. ›Jetzt ist deine Seele hinreichend erleichtert. Steh auf!‹ befahl Theodorus. Sie[96] stand auf, liess ihr Hemd wieder herabfallen, zog ihr Kleid an und schloss mich lachend in ihre Arme, indem sie sagte: ›Jetzt kommst du daran, mein Kind! Glaubst du Mut genug zu diesem Spiel zu haben? denn es ist ein Spiel und kein Leiden.‹ – ›Möge nur mein Leib soviel Kraft haben, wie ich Mut haben werde,‹ antwortete ich. ›Was habe ich zu thun?‹ – ›Bereite deine Tochter zu diesem frommen Werke vor!‹ rief Theodorus. ›Ich hoffe, du wirst tapferer sein als deine Mutter.‹ Unterdessen starrte ich mit weitaufgerissenen Augen den Fussboden an. – ›Du wirst doch nicht meine Hoffnungen täuschen?‹ fuhr er fort; ›sprich!‹ – ›Ich werde mir alle Mühe geben, um der guten Meinung zu entsprechen, die du von mir hast, ehrwürdiger Vater.‹ Mein Kleid war schon herabgefallen und meine Mutter schob mir das Hemd bis über die Lenden empor. Sobald ich fühlte, dass ich ganz nackt war, überzog tiefste Scham mein Antlitz mit dunklem Rot. ›Du wirst nicht niederzuknieen brauchen,‹ sagte meine Mutter zu mir; ›bleibe nur stehen, wie du bist, aber rühre dich nicht.‹ Dann führte sie mich zu Theodorus, der mich fragte: ›Möchtest du auf den Gipfel des Glückes gelangen? Willst du durch Dornen und Hindernisse hindurch der himmlischen Seligkeiten teilhaftig werden?‹ – ›An Mut dazu fehlt es mir nicht,‹ antwortete ich. Sofort begann er durch ganz leichte Schläge meine Gefühle zu erregen, ohne mir weh zu tun. ›Könntest du wohl, meine Tochter, stärkere ertragen?‹ fragte er mich. – ›Ganz gewiss,‹ antwortete meine Mutter in meinem Namen. – ›Ich werde es können,‹ erwiderte nun auch ich. Da trafen mich furchtbare Geisselhiebe von den Lenden bis zu den Waden hinunter. ›Genug! genug!‹ schrie ich. ›Habe Erbarmen mit mir, liebste Mutter!‹ – Sie aber rief: ›Mut! Willst du selber vollenden, was noch zu tun ist? Das Werk ist jetzt ungefähr zur Hälfte vollbracht.‹ – ›Ganz recht!‹ sagte Theodorus; ›wir wollen doch mal sehen, wie sie allein sich liebkosen wird. Nimm die Geissel, meine Tochter und geissele dir selber jenen zur Liebesfreude bestimmten Teil da vorne!‹ Meine Mutter nimmt meine Hand in die ihrige und zeigt mir nun, wie der dem Angriff des Gatten ausgesetzte Körperteil von allen Seiten her mit kräftigen Hieben gezüchtigt werden müsse. Ich versetze mir mit voller Kraft einen Hieb und dann noch einen; schon beginnt meine Hand zu erlahmen, und ich rufe: ›Ich kann mich nicht selber züchtigen, liebe Mutter! Aber[97] von deiner Hand werde ich. alles ertragen.‹ Durch diese Feigheit hatte ich wenigstens einen Augenblick Ruhe vor Theodorus erlangt. Ich gebe die Geissel meiner Mutter; sie stimmt ihren Klagegesang wieder an, den sie mit taktmässigen Schlägen begleitet. Ich beginne Tränen zu vergiessen und tiefe Seufzer auszustossen; jeden Hieb begleite ich mit einer Drehung des Gesässes, endlich ergreife ich die Flucht und laufe durch das ganze Zimmer. – ›Was ist denn das?‹ schreit Theodorus. ›O die feige Person! das Hasenherz!‹ Meine Mutter hatte nämlich die Geissel auf das Bett geworfen. ›Willst du, meine Tochter, mehr Mut zeigen, als eine so mutvolle Mutter?‹ – ›Ich will's!‹ antwortete ich; ›aber verhindert mich lieber am Fortlaufen. Ohne Zweifel wird es mir gelingen, mein Schreien und Stöhnen zu unterdrücken.‹ – ›So gehorche denn, mein Kind!‹ sprach wieder meine Mutter. – ›Ich werde euch gehorchen in allem, was ihr verlangt,‹ antwortete ich. Mit einem Seidenband fesselte sie mir nun die Handgelenke; denn mit den Händen hatte ich mich besonders heftig gewehrt; hierauf liess sie mich den Kopf auf den Bettrand aufstützen. – ›Bemühe dich, ganz regungslos zu bleiben, während du gegeisselt wirst,‹ sagte sie. ›Wenn du dich rührst, bist du in meinen Augen die verworfenste und niederträchtigste Dirne.‹ – ›Ich werde mich nicht rühren!‹ antwortete ich. ›Zerfetzt nur nach eurem Belieben mein armes Fleisch!‹ ›Komm heran, Theodorus,‹ sagte meine Mutter zu dem Mönch, ›und beehre meine Tochter mit dieser hohen Gunst.‹ Während nun meine Mutter die Fessel an meinen Handgelenken fester zieht, drückt sie meine Hände in den ihrigen, und herzt und küsst mich. Theodorus aber zerfleischt mich und zerreisst mir die Haut mit seinen Schlägen. – ›Heil! Heil! Heil dir!‹ ruft meine Mutter; ›je schmerzhafter die Strafe ist, der du dich unterziehst, desto himmlischere Wonne wird dir zu teil werden!‹ In demselben Augenblick ruft Theodorus: ›Es ist gut! Das jungfräuliche Blut rinnt in Strömen. Die Schamhaftigkeit hat ihr Opfer empfangen, wie es sich gebührt.‹ Er versetzte mir noch ein paar Hiebe, dann warf er meiner Mutter die Geissel zu, die ganz von blutigem Tau durchnässt war.


TULLIA: Du willst wohl sagen, sie sei von ein paar Tröpfchen besprengt gewesen.


OCTAVIA: Mag das mit der Geissel gewesen sein, wie es will –[98] soviel ist gewiss: er hatte meine Haut übel zugerichtet. ›O meine Tochter!‹ rief meine Mutter; ›wie soll ich dir glückwünschen! wie soll ich dich in den Himmel erheben, wo die Heroen weilen! Wie mutig hast du so grimme Angriffe ausgehalten!‹ Kurz und gut, nachdem sie mich beide mit Lobeserhebungen überschüttet und mir einen Eid abgenommen hatten, dass ich nach dem Verlust meiner Jungfernschaft eine neue Geisselung über mich wollte ergehen lassen, verliess Theodorus unser Haus. Sobald er fort war, schloss meine Mutter mich innig in ihre Arme und sagte: ›Jetzt bitte ich dich zu Bett zu gehen, liebes Kind. Sage nur, du habest Kopfweh. Dir wird die Ruhe gut tun, um deinen zarten Gliedern neue Kräfte zu geben und deinen Leib wieder herzustellen, der durch die so heldenmütig von dir ertragene Geisselung recht hart mitgenommen ist.‹ Sie brachte mich selber zu Bett und gab mir durch leckere Speisen meine Kräfte wieder. ›Ich selber bin schon dran gewöhnt,‹ sagte sie zu mir; ›mir macht so eine Geisselung gar nichts aus.‹ Sie salbte mir hierauf noch mit einer Rosenpommade meine zerprügelten Hinterbacken, die an zwei Stellen blutig geschlagen waren. ›Jetzt schlafe! in zwei Stunden komme ich wieder.‹


TULLIA: Weisst du, wohin sie ging, und was sie machte, während du schliefst?


OCTAVIA: Bei Venus – nein! Und doch wollte fast eine Stunde lang kein Schlaf mir kommen. Mein verwundetes Gesäss brannte wie Feuer, aber ein ganz eigentümliches Kitzeln linderte den Schmerz.


TULLIA: O, wenn Caviceus gerade in jenem Augenblick gekommen wäre – was für ein Glücksfall wäre das für dich gewesen! Deine Mutter liess schnell Jocondus kommen, den sie schon einige Nächte knapp gehalten hatte, und sie brauchte nicht lange auf ihn zu warten. Sogleich eilte er herbei, denn er wusste, dass er gerufen wurde, um seine Geliebte zu umarmen. Er fand sie in der dunklen Kammer, die an das Zimmer anstösst, worin du schliefst. Auch sie lag auf einem Bette ausgestreckt; augenblicklich forderte sie durch Küsse, Streicheln, Kneifen ihres Liebhabers Rute zum Kampfe heraus; diese erwachte denn auch sofort, schlüpfte aus ihrem Futteral hervor und stürzte sich in das der Sempronia.


OCTAVIA: Was weisst denn du davon? Wer hat dich zur Mitwisserin dieser Liebesgeheimnisse einer Anderen gemacht?
[99]

TULLIA: Sie selbst kam am nächsten Tage zu mir und erzählte mir die ganze Geschichte. Dreimal durchbohrte sie im Zeitraum einer Stunde Jocondus mit wacker eingelegter Lanze; dreimal liess er seinen vollen Schlauch in ihre Wonne überströmen. Sie aber ergoss siebenmal das köstliche Nass der Liebe aus dem Innern ihres Schosses. Sie befürchtete sogar, du möchtest ihre Stimme gehört haben, als sie im Taumel des Liebesrausches immer wieder gerufen hatte: ›Ich sterbe! drücke doch! drücke doch! mein Herz, mein Herz zerfliesst in Wonne!‹


OCTAVIA: Das ist wohl richtig. Es kam mir wirklich vor, als hörte ich ganz in der Nähe ein Geflüster; aber es kam mir nicht in den Sinn, mich zu fragen, was es wohl sein möchte. Ausserdem hatte Jocondus erst vor sechs Monaten ein schönes, ganz junges, frühentwickeltes Mädchen geheiratet, ein Mädchen von sechzehn Jahren – eine natürliche Tochter meines Grossvaters von einer Buhlerin.


TULLIA: Setze hinzu, dass sie ehrenhaft, schüchtern, gehorsam ist und dass die Schmach der Mutter alle Keckheit in ihr gebrochen hat.


OCTAVIA: Oft habe ich meine Mutter ihr ihre Geburt vorwerfen hören. ›Eine Tochter, die aus unreinem Blut entsprossen ist,‹ sagte sie, ›folgt leicht den Spuren der Mutter.‹ Sie antwortete auf solche Worte nur durch Tränen und durch Seufzer von beredter Stummheit.


TULLIA: Die unglückliche Julia war bei euren Vestalinnen untergebracht, deren Oberin deine Freundin Theresia ist, als Jocondus, der schon fünfzehn Jahre lang Sempronias Acker mit seiner Hacke bearbeitet hatte, seinen Arbeitslohn zu fordern begann und allmählich schon von Bitten zu Drohungen überging. ›Ganz gewiss bin ich mit Leib und Seele dein,‹ so sagte er zu ihr, ›aber welche Belohnung, o Herrin, habe ich bis heute jemals von dir empfangen, so dass ich mit Recht der deinige sein und auch dafür gelten könnte? Was hast du bis jetzt getan, um meine Zukunft zu sichern? Ich bin arm, bin ein Nichts und beklage mich daher mit Recht über meine reiche Herrin. Wenn das Schicksal dich mir entrisse – o, möchte dann auch die Erde sich unter meinen Füssen auftun! – was würde aus mir werden, aus mir Unglücklichem, den du leidenschaftlich zu lieben behauptest?‹ – ›Gib dich nicht mit solchen[100] dummen Gedanken ab, halte deinem Geist diese unbegründeten Befürchtungen fern!‹ erwiderte Sempronia ihm. ›Ich habe mich bereits fest entschlossen, dir ein schönes Mädchen zur Frau zu geben und dir von meinem Gelde eine sehr beträchtliche Mitgift auszusetzen. Ich besitze, ohne Vorwissen meines Gatten, sechstausend Goldstücke; wenn du willst, ist dieses blanke bare Geld sofort dein.‹ – ›Du magst mich ans Kreuz schlagen lassen,‹ rief Jocondus, ›wenn ich jemals deiner Güte vergesse! Welche Bedingungen du auch aufstellen magst, ich nehme sie gern an.‹ – ›Du kennst Julia, die von Theresia ins Kloster zur Erziehung aufgenommen,‹ fuhr Sempronia fort; ›diese bestimme ich dir zur Frau. Nirgends wirst du ein so reines und so anmutiges Mädchen finden.‹ – ›Ach, Herrin!‹ rief Jocondus, ›wie kann ich dir für ein so himmlisches Geschenk würdig danken!‹ Kurz und gut: der Vertrag wurde aufgesetzt und Julia mit Jocondus verheiratet.


OCTAVIA: Seit einigen Jahren schon war Jocondus, der jetzt Gonsalvi genannt wurde, Verwalter unseres ganzen Hauses. Er hatte die Oberleitung aller unserer Güter, sowohl der Stadthäuser wie der Landbesitzungen; mein Vater hatte stets seine aufmerksame und gewissenhafte Treue gelobt. Ich wunderte mich nicht, dass man zum Lohn für seine vergangenen und zukünftigen Dienste Julia einem Manne gab, dem unsere Familie so sehr zu Dank verpflichtet war. Aber wie lauteten die verabredeten Bedingungen?


TULLIA: Die erwähnten sechstausend Goldstücke sollten im Lauf von vier Jahren bezahlt werden; bis dahin wurden sie bei dem Kaufmann Guelisio hinterlegt; dem Gonsalvi sollten sie erst dann ausgehändigt werden, wenn er die von ihm eigenhändig unterschriebenen Bedingungen eingehalten hatte, doch sollte er in der Zwischenzeit die Zinsen des Geldes erhalten. Die Bedingungen waren der Hauptsache nach folgende: dass er sich mit seiner Frau Julia stets nur mit Erlaubnis seiner Herrin Sempronia zu tun machte; dass er seine Gattenrechte nicht ausüben würde, wenn diese es verböte; dass er alle mündlichen oder schriftlichen Befehle seiner Herrin sofort und freudig ausführen würde; dass er die Interessen seines Herrn und seiner Herrin nach besten Kräften wahrnehmen würde; endlich, dass er mit ihnen unter einem Dache wohnen würde, zu welchem Zweck ihm eine sehr geräumige Wohnung im Hause anzuweisen wäre.
[101]

OCTAVIA: Julia war also verheiratet, ohne verheiratet zu sein, und Jocondus war Gatte und doch nicht Gatte?


TULLIA: Allerdings. Als die Neuvermählten die erste Nacht zusammen schliefen, verlangte Sempronia, dass Jocondus sein Eherecht nicht mehr als zweimal ausübte, und damit er sie nicht belöge, liess sie ihn einen feierlichen Eid darauf schwören. Vorher hatte sie durch gute Worte, Schmeicheleien und prachtvolle Versprechungen Jocondus zu solcher Glut entflammt, dass sie in einer ununterbrochenen Umarmung dreimal hintereinander wacker von ihm vorgenommen wurde. Dann erst liess sie ihn, völlig erschöpft, zu Julia gehen, nachdem sie ihm noch zum zweitenmal den Schwur abgenommen hatte, dass er nicht mehr als zwei Ritte in Julias Stechbahn machen wollte; übrigens gelang es ihm in jener Nacht wirklich nur mit Mühe und Not sie zu entjungfern. Am anderen Morgen fragte Sempronia neugierig die junge Frau, wie alles abgelaufen wäre, ob sie jetzt wirklich vermählt und als Frau aus den Umarmungen ihres Gatten hervorgegangen wäre. Julia wurde rot; sie schlug schamhaft die Augen nieder und schwieg; endlich gestand sie, ihrem Gatten zweimal unterlegen zu sein. In der nächsten Nacht erlaubte Sempronia wieder ein zweimaliges Liebeswerk; bei Tagesanbruch aber wurde Julia ein Keuschheitsgürtel umgelegt; durch ein Gitterwerk, das mit diesem Gürtel verbunden war, war das Venuspförtlein verschlossen und erst acht Tage darauf erhielt sie Erlaubnis, sich abermals ihrem Gatten hinzugeben. Seltsam: seit jener Nacht bis zum heutigen Tage ist sie höchstens fünfzehnmal von ihrem Gatten erkannt worden und hat sich als Ehefrau fühlen können.


OCTAVIA: Ich habe in den letzten Tagen über diesen Keuschheitsgürtel einige Gespräche zwischen Julia und meiner Mutter gehört. Aber ich weiss nicht recht, was eigentlich dieser Gürtel zu bedeuten hat, der die Frauen keusch macht.


TULLIA: Du wirst es erfahren! Als am Morgen nach jener zweiten Nacht Julia aufstand, trat Jocondus auf sie zu; sie waren ganz allein miteinander. Er zeigte ihr den Gürtel und sie lachte laut auf und rief: ›Was ist denn das für ein Ding in deiner Hand? Ich sehe ja Gold daran leuchten!‹ – ›Du musst diesen Gürtel anlegen,‹ antwortete er, ›damit du gegen den Makel geschützt seist, der deiner Mutter anhaftet. Man nennt dies Ding einen Keuschheitsgürtel.[102] Meine Herrin Sempronia hat diesen hier mehrere Jahre lang getragen; jetzt wirst du ihn tragen. Auf diese Weise hat sie ihren guten Ruf erlangt und ich hoffe, dir wird ein ebensoguter beschieden sein. Das goldene Gitterchen hängt an vier Stahlkettchen, die mit Seidensammt überzogen und kunstvoll an einem Gürtel von demselben Metall befestigt sind. Zwei dieser Kettchen sind vorne, zwei sind hinten an dem Gitterwerk angebracht und halten es von beiden Seiten fest. Hinten, über den Hüften ist der Gürtel mittels eines Schlosses verschlossen, zu dessen Oeffnung ein ganz kleines Schlüsselchen dient. Das Gitterwerk ist etwa sechs Zoll hoch und drei Zoll breit und reicht daher vom Damm bis zum oberen Rand der äusseren Schamlippen; es bedeckt den ganzen Körperteil zwischen den beiden Schenkeln und dem Unterleib. Da es aus drei Reihen von Maschen besteht, so lässt es den Urin ohne Schwierigkeit hindurch; dagegen ist es unmöglich, auch nur eine Fingerspitze hineinzustecken. So ist also die Scham gleichsam durch einen Panzer gegen fremde Schwänze geschützt, während ihr rechtmässiger Eigentümer nach Hymens Gesetz freien Zugang hat, so oft er will.‹


OCTAVIA: Was hat wohl die Neuvermählte bei sich selber darüber gedacht?


TULLIA: Was auch du binnen wenigen Tagen darüber denken wirst, denn auch für dich wird schon ein derartiges Werkzeug angefertigt.


OCTAVIA: Ich wusste nicht, was Caviceus eigentlich bezweckte, als er mit mir vom Keuschheitsgürtel sprach und mir sagte, dieser sei der beste Beschützer der Tugend ehrbarer Frauen; er fragte mich, ob ich nicht auch einen anlegen wollte – und auch meine Mutter riet mir dazu.


TULLIA: ›Was soll ich denn tun?‹ fragte Julia, während ihr Mann die Decken vom Bett nahm. ›Streife über den einen Fuss,‹ antwortete er, ›diese beiden Kettchen, und über den anderen jene beiden anderen.‹ Sobald sie dies getan hatte, zog er den Gürtel empor, gab dem Gitter die richtige Lage vor der Spalte, legte den Gürtel um ihren Leib, oberhalb der Hüften, und verschloss ihn mittels des Schlüsselchens. ›So jetzt ist deine Sittsamkeit in Sicherheit; alles ist in Ordnung.‹ Er bat sie, nackt wie sie war, aufzustehen und durch das Zimmer zu gehen; sie tat nach seinem Befehl, verliess das Bett und machte einige Schritte. Sie meinte, sie gehe nicht so bequem[103] wie sonst, da sie wegen der Grösse des Gitters gezwungen sei, die Beine zu spreizen. ›Du wirst dich daran gewöhnen,‹ sagte, Jocondus; ›dass es dir etwas unbequem ist, hat nichts zu bedeuten; dies ist nur im Anfang so.‹ Hierauf befahl er ihr, sich glatt auf den Bauch zu legen und betrachtete bewundernd ihren Rücken und ihr Gesäss, während sie so ausgestreckt lag, denn man sagt, die Natur habe ihren Leib gleichsam nach dem Winkelmass gebaut und wie Marmor geglättet. Er untersuchte, ob man den Finger oder sonst irgend etwas in die Oeffnung stecken könnte, probierte es mit seinem eigenen Finger und fand, dass es unmöglich sei. Da sagte er: ›Alles ist in Sicherheit!‹ und begab sich eilends zu seiner Herrin. ›Ich habe jetzt, o Herrin,‹ so sprach er, ›hier zwei Schlüssel für dich – zunächst aber diesen‹ – hiermit zeigte er ihr sein Glied – ›denn ich kanns nicht mehr aushalten.‹ – ›Gerne nehme ich sie an,‹ versetzte Sempronia. Sie selbst zog sich Kleid und Hemd aus und warf sich auf des nächste Ruhebett. Er fährt in sie hinein und mit verhängten Zügeln reiten sie beide ans Ziel der Wonne. Nach verrichtetem Werk spricht Sempronia: ›Ich gebe dir diesen Schlüssel zurück, der so trefflich zu meinem Schloss passt; gib mir dafür den anderen.‹ – ›Hier ist er,‹ sagt Jocondus, ›nimm ihn.‹ – ›Und nun‹, fährt Sempronia fort, ›vernimm meinen Willen. Ich wünsche, dass du dir mit Julia nur in soweit zu tun machst wie notwendig ist, um von ihr Kinder zu bekommen, dass du dagegen alle Freuden der Liebe nur bei mir suchst. Ich verlange, dass du ihr bloss ein Ehemann seist, mir aber Buhle und Liebhaber. Ich werde dir daher diesen Schlüssel nur alle vierzehn Tage einmal übergeben, und auch dann nur, nachdem du zuvor meinen Garten ein oder zweimal mit deinem Tau besprengt hast. Denn ich wünsche nicht, dass Julia wisse, was du in dieser Art Dingen leisten kannst, wie kräftig deine Lenden, wie stark deine Glieder sind. Ferner soll sie überzeugt sein, dass alle Ehemänner es ihren Frauen gegenüber ebenso halten. Ich werde meine Freundin Theresia bitten, mit ihr zu sprechen und durch Ermahnungen oder Tadel ihre Gluten zu dämpfen oder aus zulöschen. Wenn du, wie dus bisher getan hast, auch in Zukunft mich liebst und mir gehorchst, so wirst du in mir eine Herrin haben, deren Wohltaten über deine kühnsten Wünsche hinausgehen; tust dus aber nicht, so bin ich deine gefährlichste Feindin. Du weisst, Frauen beten entweder an oder hassen – ein[104] Mittelding gibt es nicht.‹ – ›Ich nehme diese Bedingungen an,‹ antwortete Jocondus; ›welcher Mann könnte glücklicher sein als ich, den die schönste und edelste Frau mit Wonnen der Liebe überströmt, während zugleich meine reizende Gemahlin mir Kinder bescheeren wird! Ich stelle sie dir ganz und gar zur Verfügung, wenn du es verlangst, werde ich nicht einmal mit ihr zusammen schlafen, damit sie nicht von Begierden entflammt werde – denn sie ist ja sinnlich und lebhaft und steht in der Vollkraft der Jugend.‹ – ›Ferne sei es von mir, deinem Ehebette diesen Schimpf anzutun!‹ versetzte Sempronia. ›Wenn du bemerkst, dass sie in Glut steht, lass es mich wissen! Mit Hilfe meiner Freundin Theresia, die jedem meiner Winke gehorsam ist, wird der Brand gelöscht werden. Deine Frau soll weiter nichts tun, als dich zum Liebesspiel mit mir entflammen, wie vorhin.‹ So enthält sie der Gattin den Gatten vor und betrachtet Jocondus als ihr Eigentum, wie wenn er durch eine wirkliche Ehe mit ihr verbunden wäre.


OCTAVIA: Sie enthält ihn vermutlich auch dir vor?


TULLIA: Ja, das tut sie, und damit ich mich nicht beklagen möchte, von ihr angeführt zu sein, hat sie mir zum Ersatz für Jocondus meinen Lampridius verschafft. Lampridius war einer jener Anachoreten, die sogar den Anblick der Menschen fliehen; da er sich aber noch nicht fest gebunden hatte, so liess er sich einen Urlaub geben und ging heimlich in sein Vaterland und Vaterhaus zurück. Er besitzt ein riesiges Vermögen; indessen steht er wegen seiner Flucht aus dem Kloster hier in der Stadt in keinem guten Rufe. Er ist daher auch zweimal als Freier abgewiesen worden, obwohl er ein ehrenwerter Mann, von vornehmer Geburt, reich und jung ist. Zuerst hielt er um Lucidias Hand an, dann bewarb er sich um Livia, die ebenfalls einem edlen Geschlechte unserer Stadt angehört. Tief gekränkt über diesen Schimpf, den er sich sehr zu Herzen nahm, hat er jede Hoffnung auf eine standesgemässe Ehe aufgegeben und völlig darauf verzichtet. Dein Vater, der gerade zu jener Zeit aus der Verbannung zurückkehrte, nahm ihn als Freund und Verwandten in sein Haus auf. Da ich oft zu euch kam, so hatte ich vielfach Gelegenheit, mich mit ihm zu unterhalten; fast ohne es zu merken, gewann er Geschmack an meinem Witz. Er sagte, Callias sei ein glücklicher Mensch und wenn ihm selber ein glückliches Schicksal eine Geliebte gäbe wie mich, so würde er die Götter selber nicht[105] um ihre Seligkeit beneiden. Sempronia redete mir zu, ich möchte durch ein anmutiges Benehmen, liebliche Worte und Koketterie bei der Geburt seiner Liebe Hebammendienste verrichten. ›Wenn es dir gelingt,‹ so sprach sie, ›Lampridius in Liebe zu dir zu entflammen, so wird keine Macht der Erde ihn dir wieder entreissen können; nur der Tod wird ihn dir rauben. Du weisst, wie charakterfest, wie hartnäckig er ist; er verfolgt mit seinem Groll alle seine Verwandten und Angehörigen – ganz gewiss wird er über den grössten Teil seines Vermögens zugunsten deiner Familie verfügen.‹ Nun, kurz und gut: ein Weib, das sich angebetet weiss, wird sich kaum enthalten können, den Mann, der sie liebt, wieder zu lieben. Ich liebte Lampridius und kurze Zeit nachher setzten wir mit Hilfe Sempronias, die sich dabei als sehr eifrige Vermittlerin bewährte, fest: Lampridius sollte durch notarielle Urkunde einen Teil seines Vermögens meinem Gatten Callias zum Geschenk machen; ausserdem wurde festgesetzt: wenn er ohne Testament stürbe, sollte Callias sein Erbe sein; ich meinerseits sollte ihm durch einen eigenhändig unterzeichneten Vertrag freie Verfügung über meine Reize gewähren; doch sollte diese Verpflichtung für mich nicht eher in Kraft treten als bis die Abmachung mit Callias erfüllt wäre. Einige Tage darauf wurde mit Einwilligung aller Beteiligten und zu Sempronias grosser Freude alles schriftlich abgemacht. Am selben Tage machte ich kurz vor Lampridius Abschied von eurem Hause einen Besuch bei Sempronia. Ich trug ein Kleid und einen Schmuck, die meinen Reizen neue Schönheit verliehen. Lampridius betrat das Zimmer, worin wir weilten, warf sich sofort vor mir auf die Kniee nieder und rief: ›Ich bete dich an, meine Göttin! Wahrlich, du wirst für mich stets eine Göttin sein! Gestatte, dass ein armer Sterblicher deiner göttlichen Schönheit geniesse. Ich habe meine Versprechungen gehalten; halte jetzt auch du die deinigen!‹ – ›Sie wird sie halten!‹ versetzte Sempronia an meiner Statt; ›seid alle beide glücklich! Ihr könnt euch gegenseitig in vollem Masse beseeligen, wenn ihr nur wisst, wo euer wahres Heil liegt! Unterdessen macht nur eure Sache:‹ Mit diesen Worten ging sie und schloss die Tür hinter sich.


OCTAVIA: Und was tat Lampridius.


TULLIA: Er sprang auf, küsste mich, griff an meine Brüste. Ich wehrte mich wie eine, die sich gerne besiegen lässt, und er warf[106] mich auf das Bett, streifte Rock und Hemd zurück und griff mit der Hand zwischen meine Schenkel. ›Lass mich, lass mich!‹ rief ich. ›Fort! fort mit dir! Du machst mich unglücklich. Wie könnte ich jemals wieder die Augen aufschlagen, den Himmel anschauen! Warum entehrst du mich?‹ Er aber erstickte mit Küssen meine Stimme und griff mich sofort mit seiner Lanze an. Mit einem einzigen Stoss war sie drin, war sie von dem heissen Schlund verschlungen; und im Augenblick des Eindringens fühlte ich mich von reichlichem Saft wie von einem Regen überströmt; niemals hatte Venus in ihrer Huld mit einem reicheren Tau meinen Garten besprengt. Ich vergehe noch jetzt vor Wonne, meine Octavia, wenn ich mich dieser Stunde erinnere, deren Wonnen grösser waren, als ich in meinem ganzen Leben sie je gekostet. Meines Liebsten Kraft war übrigens ungeschwächt; mit neuen Stössen dringt er auf mich ein; immer und immer wieder überströmen mich die neuen Fluten. Endlich springt auch aus meiner von seinem unermüdlichen Kraft so lange bearbeiteten Furche der Quell der höchsten Wonne hervor.


OCTAVIA: Wahrlich, du nennst einen Herkules dein eigen, wie du ja immer sagst. Kein anderer Mann tut es ihm gleich!


TULLIA: Nachdem er zum zweiten Mal gespritzt hatte, arbeitete er rüstig weiter. Wahrhaftig denke ich in aller Unschuld so bei mir selber: ›Der hört gar nicht auf zu stossen!‹ Ein einziges Mal war Callias, wie ich dir ja erzählte, zwei Meilen ohne absteigen geritten. Lampridius ritt nicht weniger als drei Posten, was auch von den grössten Lieblingen der Venus wohl nur wenige fertig bringen dürften. In diesem Augenblick verspürte ich ein ausserordentlich heftiges Jucken: alle meine Sinne schwanden mir in der Wonne der Liebe. Bis dahin hatte ich mit aller Anstrengung meines Willens noch eine gewisse Scham bewahrt. Jetzt aber vergass ich mich selber ganz und gar. Ich wusste nicht mehr wer ich war. Vom Rand der niedrigen Bettstatt hingen meine Füsse herab; eine rasende Glut erfasste mich infolge der Stösse meines Reiters: Ich stemme die Füsse gegen den Boden, hebe Leib und Lenden so hoch wie ich nur kann und erwidere seine Stösse. Da gibt er mir einen Kuss auf den Mund, legt seine Hand unter mein Gesäss und ruft: ›Jetzt fühle ich, dass du mich liebst, o meine süsse Herrin! Weiter so!‹ – ›Was soll ich denn machen?‹ frage ich; ›ich bin ganz toll!‹[107] Im selben Augenblick schliessen sich meine brechenden Augen, das Bewusstsein schwindet mir, während ich stosse und immer wieder stosse, fühle ich ein rasendes Jucken und zerfliesse in einem Strom von Saft. Lampridius bemerkt es – er stösst, drängt, schiebt, und bald trifft mich ein glühender Strahl seines Samens. Und so hauchen wir in inniger Umarmung die Seele aus.


OCTAVIA: Du machst mich ganz geil. Deine Schilderung könnte eine Vesta wollüstiger machen, als die heiligen Vögel der Venus, die Sperlinge, es sind.


TULLIA: Zum Schluss gab Lampridius mir noch einen Kuss; ich war auf dem Bette liegen geblieben. ›Bald,‹ rief er, ›werden wir den Kampf wieder aufnehmen. Was würdest du von mir denken, wenn ich mich als schlaffer Ringer bewährte, nachdem ich in dir einen so kräftigen Kampfpartner gefunden?‹ Als ich dann aber vom Bette mich erheben wollte, bemerkte ich, dass ich vor Mattigkeit nicht stehen konnte. Ich bedurfte seiner Stütze um aufzustehen und sank trotz aller meiner Anstrengungen sofort wieder auf die Bettkante zurück. ›Ach,‹ rief ich, ›mit deinem unsinnigen Lieben, Lampridius, hast du meine Kräfte völlig erschöpft. Was soll ich nur machen? Es wird mir ganz unmöglich sein nach Hause zu gehen.‹ – ›Ruhe dich ein bisschen aus, meine Göttin,‹ antwortete er, ›und mache ein Schläfchen, wenn du kannst. Ich selber bin munter und guter Dinge. Und wie könnte es auch anders sein, da ich bei dir meine Wollust gestillt habe – bei dir, du himmlisch schönes Weib! Bei dir, die du Frau Venus selbst an Liebesmacht übertriffst. Ich gehe jetzt, ruhe dich bitte aus!‹ – Als er gerade diese Worte gesprochen hatte, trat Sempronia ein, die lachenden Mundes ein schlüpfriges Schelmenlied trällerte. – ›Wie habt ihr denn euren Vertrag besiegelt?‹ fragte sie. ›Wie habt ihr euch gegenseitig mit Wonnen gesättigt? Mit einem Wort: wie steht's und wie geht's?‹ – ›Ich bin wahrhaftig ganz tot,‹ antwortete ich, indem ich einige Tränen abwischte, die mir unwillkürlich aus den Augen traten. – ›Warum weinst du, Herrin?‹ antwortete Lampridius, ›ich bin ja dein! Räche dich ganz nach deinem Belieben an den Ueberkühnen, der in deinem Wonnequell sich gebadet hat.‹ – ›Lass doch dies!‹ rief Sempronia, ›hast du deine Wollust an ihr befriedigt? Hast du in ihr eine angenehme, wackere Liebeskünstlerin gefunden?‹ – ›Niemals ist ein Mann[108] glücklicher gewesen als ich!‹ antwortete er. ›Alle Wonnen, die ich mir nur jemals habe erträumen können, ja sogar solche, die ich mir niemals habe träumen lassen – bei ihr habe ich sie gefunden.‹ – ›Aber so sprich doch auch du, Tullia!‹ sagte Sempronia zu mir, ›haben auch deine Sinne Befriedigung gefunden? Wie hat Lampridius dir gefallen?‹ – ›Gewiss hat er mir gefallen!‹ antwortete ich, ›und zwar in dem Masse, dass ich mir keinen besseren und süsseren Geliebten wünschen kann. Aber, wehe mir Armen! Er hat mir förmlich meine Glieder zerbrochen – so matt bin ich. Ich kann kaum drei Schritte gehen; ich bin völlig lendenlahm.‹ – ›Ach, du Aermste, hahaha!‹ rief Sempronia. ›Aber gehe jetzt lieber, Lampridius!‹ – ›Ich gehe nicht eher,‹ antwortete dieser, ›als bis Tullia mir verziehen und in deiner Gegenwart mir geschworen hat, dass sie mich liebt.‹ – ›Ich verzeihe dir,‹ versetzte ich darauf, ›und ich liebe dich über alle Massen! Das siehst du daraus, dass ich um deinetwillen den guten Ruf einer ehrbaren Frau, auf den ich so stolz war, dahingegeben, und dass ich jetzt in diese Schande versunken bin, die mich ganz verwirrt macht, wenn ich nur daran denke.‹ Er gab mir noch einen Kuss und ging dann; Sempronia aber begleitete ihn an die Tür und sagte: ›Bitte noch auf ein Wort! Bleibe noch einen Augenblick. Was wir miteinander sprechen, wird meiner Freundin Tullia nicht zu Ohren kommen. Sage mir offen: hast du bei ihr alle Genüsse gefunden, die du erhofft hattest?‹ – ›Ich habe viel grössere gefunden, als ich je gedacht,‹ antwortete er. Göttlich ist Tullias Schönheit, göttlich ist ihr Geplauder, göttlich sind die Gaben ihrer Liebesglut. Wie kann ich dir für dieses Geschenk danken, das mich in den siebenten Himmel versetzt? ›Aber ich bitte dich, überrede sie, dass sie mir erlaubt, noch vor dem Abend mich einmal an ihr recht satt zu lieben,‹ – ›Satt lieben darfst du dich nicht,‹ versetzte sie; ›es wäre weder dir noch ihr damit gedient, wenn ihr beide jemals eurer Liebe satt würdet!‹ – ›Ich habe mich dumm ausgedrückt,‹ antwortete er, ›aber du weisst recht gut, was ich sagen wollte.‹ – ›Ich werde sie bis zur Dämmerung in diesem Zimmer für dich hierbehalten,‹ sagte Sempronia, ›ihr Gatte wird nämlich bei uns speissen. Wenn du morgen bei ihnen dein Heim gefunden hast, wirst du viel leichter mit ihr zusammenkommen können, und dies wird für euch beide bequemer und angenehmer sein. Nimm aber nur ja deine Gesundheit in acht.‹ –[109] ›Sei deswegen unbesorgt!‹ rief er, und damit ging er. ›Sempronia kam nun wieder zu mir und berichtete mir alles, was sie mit Lampridius gesprochen hatte. Sie fragte mich auch, wie es mir denn bei unserem Liebeskampf ergangen sei; ich erzählte es ihr und klagte über fürchterliche Müdigkeit.‹ – ›Sofort werde ich,‹ rief sie, ›deine durch eine solche Riesenarbeit angegriffenen Kräfte wieder herstellen! Ein leckeres Mahl und ein wenig Ruhe werden dich erfrischen. Schlafe nur unbesorgt, unterdessen werde ich Callias aufsuchen, den ich nach dir rufen höre: wahrscheinlich hat er einen Angriff auf dich im Sinn. Ich werde ihm sagen, du habest Kopfweh.‹


OCTAVIA: Sie rief vielleicht Callias, in Wirklichkeit aber ging sie zu Jocondus.


TULLIA: Jocondus war an jenem Tage auf dem Lande; er war zu den Pächtern geschickt. Kaum hatte sich der Schlummer auf meine Augen gesenkt, so hörte ich ein leises Knarren der Tür; diese wurde wieder geschlossen, und ich sah einen köstlichen Imbiss auftragen. ›Steh auf,‹ sagte Sempronia zu mir, ›das Essen wird dir deine Kopfschmerzen vertreiben. Komm!‹ Ich esse und trinke fröhlich und guter Dinge, und sofort fühle ich mich neu gestärkt. Ich springe aus dem Bett und umarme meine liebe Sempronia, indem ich mir selber Glück wünsche. Zwei Stunden darauf kommt Lampridius zurück und begrüsst uns auf die höflichste Weise: es waren nämlich mehrere von der Dienerschaft anwesend. Sobald diese hinausgegangen waren, erging er sich in Lobeserhebungen und Danksagungen gegen mich; Sempronia aber fiel ihm ins Wort und sprach: ›Wir müssen nun daran denken, wie wir's anzufangen haben, um glücklich und ungestört zu leben. Nimm dich in acht, dass nicht dem Callias die Augen aufgehen. Gar übel würde es euch ergehen; es würde euch beiden den Kopf kosten, wenn er von eurem Verhältnis das Geringste witterte.‹ –›Wäre er auch der klügste der Menschen,‹ versetzte Lampridius, ›so befürchte ich doch von ihm weder für mich noch für meine süsse Herrin das Geringste, wenn sie sich nur nach meinen Vorschriften richten will.‹ – ›Dein Wille soll für mich ganz und gar massgebend sein,‹ antwortete ich, ›von Stund an ist Tullias Seele nur deinem Befehl unterworfen.‹ – ›Zunächst,‹ sprach Lampridius weiter, ›kenne ich meines Freundes Callias Denkweise ganz genau. Er ist weder[110] gut noch böse; aber er kann leicht entweder gut oder böse werden. Binnen wenigen Tagen, o Herrin, das verspreche ich dir, werde ich sein vertrautester Freund sein. Ich werde ihm seine geheimsten Gedanken zu entlocken wissen. Im übrigen verlasse dich auf meine Gewandtheit. Du selber hast vor allem darauf zu achten, dass er weder in deinen Blicken noch in deinen Worten oder auch nur in der geringsten Gebärde ein Anzeichen unserer Liebe entdecke. Ich werde dir allerlei Ratschläge zu geben haben, die vielleicht nicht immer angenehm sein werden; doch werden sie alle zu deinem und meinem Nutzen sein und sie werden notwendig sein für unsere Sicherheit und für das Heil unserer Liebe. Von der Geschicklichkeit, womit du deine Rolle spielst, wird unser Leben, wird unser Glück abhängen.‹ – ›Mache dir um mich keine Sorge!‹ antwortete ich. – ›Wirst du immer vorsichtig und gehorsam sein?‹ fragte er, ›das werde ich übrigens gleich im Augenblick wissen; ich bitte dich um einen Kuss!‹ – ›Hier!‹ – ›Einen Kuss auf den Mund! keinen Anstandskuss!‹ – ›Hier!‹ – ›Ich bitte dich, mich zu umarmen!‹ – ›Ich bin bereit!‹ – ›Ich bitte dich um die volle Liebeswonne.‹ – Da schwieg ich. – ›Du schweigst?‹ fuhr er fort, ›du verweigerst mir also dieses Glück, o Geliebte?‹ – ›Mach doch von deinem Recht Gebrauch, du Narr!‹ rief hier Sempronia; ›soll sie dich etwa selber in den Sattel heben? Ich werde hier im Zimmer bleiben, aber an der Tür; denn die Bedienten wissen, dass ihr hier seid, und boshaft und schwatzhaft, wie sie alle sind, würden sie darüber Bemerkungen machen, wenn ich dich mit Tullia hier allein liesse.‹ Unterdessen bestürmte er mich mit Bitten, ich möchte ihn seine Liebesglut bei mir löschen lassen und rief, als er sah, dass Sempronia uns nicht mehr so scharf beobachtete: ›Was fürchtest du denn? Sempronia hält ja Wache!‹ Er warf mich auf's Bett und suchte meinem Körper eine möglichst bequeme Lage zu geben; er drückte mir sein Glied in die Hand und verlangte, ich solle es festhalten. ›Was?‹ rief ich, ›zu solcher Schändlichkeit willst du mich zwingen?‹ Damit zog ich die Hand zurück, blieb aber ausgestreckt liegen, mit entblösstem Leibe, und bereit die Lanzenspitze mit meinem Schilde aufzufangen, der zwar nicht weiss, aber auch nicht ruhmlos war. Er liess seine Hosen herabfallen, presste seine Brust gegen meine Brust, seinen Leib gegen meinen Leib und stiess die Lanze hinein. Dabei rief er: ›Nun wird sich's zeigen, ob du mich[111] liebst.‹ – ›Zweifelst du daran? zweifelst du daran, dass ich dich liebe, da ich mich in solcher Weise jeder Begier deiner Wollust preisgebe?‹ – ›So tu denn mit edlem und tapferen Sinn, was dir zukommt!‹ – ›Das werde ich tun,‹ antwortete ich. Da begann er die heftigsten Stösse gegen mich zu führen; ich aber stiess ihm entgegen, hob meine Hinterbacken hoch empor und bewegte so schnell ich nur konnte meine Lenden. Er spürte zuerst den Kitzel der kommenden Wonne; aber er bot alle seine Kraft und Gewandtheit auf, um mir die höchste Wollust zu verschaffen. ›Ach, ach!‹ rief ich, ›was quälst du mich so? Mach doch, mach schnell! Ich sterbe!‹ Im selben Augenblick sprudelte in meinem Leib der Quell des süssen Venustaus. Plötzlich rief Sempronia: ›Schnell! schnell! ich höre Callias kommen!‹ – Ich warf meinen Reiter aus dem Sattel, obwohl die Arbeit noch nicht ganz fertig war; denn als sein Glied meine Muschel verliess, überströmte er mir den Unterleib mit glühenden Tropfen. Einen Augenblick nachher rief Sempronia wieder: ›Es ist nichts, es ist nichts! irgend eine andere Stimme hat meine Ohren getäuscht.‹ Kaum hatte er diese Worte gehört, so stürzte blitzschnell Lampridius sich wieder auf mich, legte abermals die Lanze ein und begann den Kampf von neuem. – ›Du machst mich tot!‹ rief ich, ›halte einen Augenblick inne; mir schwinden die Sinne. Ich muss Sempronia rufen!‹ – Unbekümmert aber fuhr jener mit schnellen Stössen fort; neue Gluten wurden in mir entfacht; reichlicher Saft strömte aus dem Born der Venus in meinen Schoss; abermals streichelte mich die Wonne des sanft kitzelnden Samenergusses, und wenn nicht Sempronia zu uns gelaufen wäre und dem Turnier ein Ende gemacht hätte – wahrhaftig, seine unerschöpfliche Liebeskraft hätte mich zum drittenmal überströmt. – ›Jetzt ist's des Scherzes genug!‹ rief sie, ›ich fürchte nicht die Tücke der Menschen, wohl aber die des Schicksals.‹ – Wir stiegen beide aus dem Bett und Sempronia bot alle Sorgfalt auf, damit keine Unordnung meine Kleider oder Haare oder meines Schmuckes meine Ausschweifung verriete. ›Du hast ein so schnelles Postpferd, Lampridius,‹ sagte Sempronia, ›wie du selber ein guter und ausgezeichneter Kurier bist.‹ – ›Das habe ich,‹ antwortete er, ›aber nenne mich nicht ihren Kurier, sondern ihren Sklaven – ihren Sklaven aus dem Grunde meiner Seele; und Tullia, die mich auf den höchsten Gipfel der Wonne erhoben hat, ist für mich eine[112] bieterin, nicht ein Pferd.‹ So wurde also unsere Vermählung zum erstenmal in Sempronias Hause und unter ihren Augen vollzogen; sie hegte und pflegte sozusagen an ihrem Busen unsere junge Liebe. Ihr verdanke ich meinen Lampridius, der auch der deine sein wird; er ist jung, freigebig, von feinen Sitten, kräftig und mutvoll, selbst mit Herkules vermöchte er in diesen Kämpfen der Liebe an Körperstärke und Lendenkraft es aufzunehmen; Aeneas steht hinter ihm zurück an Breite der Brust und in der Ausrüstung mit den Waffen der Männlichkeit; denn seine Brust ist breit und stark und seine Waffen sind in gutem Stande für jenen Kampf, deren Lohn und Siegespreis wir Frauen sind.


OCTAVIA: Bitte, erzähle mir noch weiter, liebste Tullia, von euren Erlebnissen, deren Schilderung mich ausserordentlich ergötzt. Erzähle mir wenigstens das Hauptsächlichste davon, und sage mir wie er es in den ersten Tagen mit dir trieb.


TULLIA: Du machst dich wohl über mich lustig, kleine Närrin! Bei ihm gibt es keinen Unterschied zwischen dem ersten und letzten Tag. Er ist stets so heiss und glühend, wie er war; er liebt mich immer noch mit der gleichen Inbrunst. An jenem ersten Tage speisten wir zusammen bei deinen Eltern; auch Callias war anwesend. Was sie miteinander sprachen, brauche ich nicht zu erzählen. Auf dem Heimweg sprach Callias mit mir nur noch von Lampridius; er rühmte seine grosse Höflichkeit und sagte, er habe sich sofort in aufrichtiger Freundschaft zu ihm hingezogen gefühlt; er sei ein höchst ehrenwerter gesitteter und geistvoller Jüngling. – Dem Dienst des Bacchus folgte ein Opfer der Venus. Als er mich mein Kleid ausziehen sah und meine schwellenden Brüste seinen Augen ihre Kugeln darboten – es war schon spät in der Nacht und Zeit zur Ruhe – da ergriff er, ehe ich mich ins Bett legte, meine Hand und führte mich in jenes reizende Kämmerchen neben unserem Alkoven. ›Dieser Ort,‹ sprach er, ›sei das Heiligtum der Venus und der Musen!‹ Mit der einen Hand hob er meinen Unterrock und mein Hemd hoch, in der andern hielt er die lange, schwere und stahlharte Stange und führte sie in meine Grotte ein. – ›Strecke deine Schenkel mir entgegen, Tullia!‹ rief er. Ich that es. Mit einem Stoss drang er dann in meine Grotte ein, deren ganzen Raum er ausfüllte; er stiess und stiess, ausser sich vor Wollust, und erregte mir ein wonniges Jucken. Ebenso schnell und stark stiess auch ich;[113] er ergriff mit beiden Händen meine beiden Hinterbacken und zog mich mit aller Kraft an sich. Ich spüre zuerst die Wirkung des Venusstachels. Ich spritze; im selben Augenblick aber folgt auch Callias meiner Liebesraserei und ruft: ›Meine Adern strömen über! Mach! Mach!‹ Mit immer wilderen Bewegungen raube ich ihm den letzten Tropfen Samen; meine Kleine presst und saugt den lieben Schwanz aus und gerät auf den Gipfel der Wonne. ... Als wir damit fertig waren, sagte Callias: ›Ich möchte jetzt, dass du dich freiwillig meinen Zukunftsplänen anschlössest, meine Herrin – denn stets wirst du meine Herrin sein!‹ – ›Was du willst, das will auch ich,‹ antwortete ich; ›und wenn du mir befiehlst, etwas nicht zu wollen, nun, dann will ich es nicht. Es wäre ein Verbrechen und eine Schmach, wenn ich mein ganzes Leben lang jemals andere Wünsche hätte als du! Was befiehlst du, o Herr, deiner Magd?‹ – ›Gewiss bin ich überzeugt,‹ antwortete er, ›dass du die ehrbarste und keuscheste Frau bist, obwohl man zu sagen pflegt, dass die in den Wissenschaften bewanderten Frauen nicht sehr keusch seien. Trotzdem aber habe ich Sorge um deine Tugend, wenn du und ich ihr nicht zu Hilfe kommen.‹ – ›Was habe ich denn getan, welchen Fehltritt habe ich mir zu Schulden kommen lassen, dass ein solcher Gedanke dir in den Sinn kommt, liebste Seele? Was denkst du denn von mir! Uebrigens will ich mich dir nicht widersetzen, was du auch immer beschlossen haben mögest.‹ – ›Ich wünsche,‹ versetzte er, ›dir einen Keuschheitsgürtel anzulegen; wenn du tugendhaft bist, wirst du daran keinen Anstoss nehmen; sollte dies aber doch der Fall sein, so wirst du mir zugeben, dass ich alsdann ein Recht zu meinem Wunsche habe.‹ – ›Ich werde alles anlegen, was du wünschest,‹ antwortete ich, ›sei es, was es wolle, ich werde glücklich sein, es dir zu Liebe zu tragen. Ich lebe nur für dich; ich bin nur für dich Frau und lasse mich gern von der Außenwelt abschneiden, die ich verachte oder verabscheue. Ich werde mit Lampridius kein Wort sprechen; ich werde ihn nicht einmal ansehen!‹ – ›So ist es nicht gemeint!‹ rief er, ›im Gegenteil, ich wünsche, dass du mit ihm auf vertraulichem Fusse verkehrst, wenngleich natürlich anständig, und dass weder er noch ich uns über dich zu beklagen haben: er über eine zu schroffe Behandlung, ich über ein zu entgegenkommendes Wesen ihm gegenüber. Der Keuschheitsgürtel wird dir erlauben, in voller Unbefangenheit mit ihm zu[114] verkehren, und wird mir hinsichtlich des Lampridius volle Sicherheit verbürgen.‹ Hierauf nahm er mit einem seidenen Bande an meinem Leibe oberhalb der Hüften das Mass für den Gürtel; mit einem andern Seidenband mass er den Abstand von den Leisten bis zu den Lenden. Hierauf sagte er: ›Um dir klar und deutlich zu zeigen, wie hoch ich dich schätze, werde ich die Kettchen, die mit Samt überzogen werden, aus reinem Golde anfertigen lassen; aus Gold wird das Gitter sein und ausserdem noch mit kostbaren Steinen besetzt. Der geschickteste Goldschmied unserer Stadt, der mir für manche Wohltat zu Dank verpflichtet ist, wird allen seinen Fleiss darauf verwenden, um ein Meisterwerk seiner Kunst zu schaffen. So werde ich dir Ehre erweisen, während ich dich scheinbar beleidige.‹ Ich fragte ihn, wie lange Zeit die Anfertigung dieses Gürtels erfordern werde. ›In etwa zwei Wochen wird er fertig sein,‹ antwortete er; in der Zwischenzeit bat er mich, ich möchte mit Lampridius nicht zu intim verkehren; nachher könnte ich mich ihm gegenüber ganz nach meinem Belieben verhalten. Wir legten uns darauf zu Bett und in jener Nacht bestieg er mich dreimal – dreimal liess er volle Ströme der Wollust in meine Grotte fliessen, zu gegenseitiger höchster Wonne.


OCTAVIA: Wahrhaftig, du bist ein Liebling der Venus, da innerhalb einer so kurzen Zeitspanne die Göttin durch eine neunmalige Begattung deinen Garten hat betauen lassen! Und du hast unermüdet dem kühnen Reiter dienen können?


TULLIA: Ja, das konnte ich. Ich habe sogar bei dem letzten Rennen, als dem Anschein nach der Liebessaft nicht aus dem Träufelrohr heraus wollte, mich so munter gedreht und bewegt und so kräftig geschoben, dass eine grosse Menge Saft hervorspritzte, mochte Callias wollen oder nicht. Am nächsten Morgen besuchte Sempronia mich, sie teilte alles Lampridius mit, der kurz nachher ›als neuer Hausgenoss‹ zu uns zog.


OCTAVIA: Er hatte aber an jenem Tage nichts mit dir vor, nicht wahr?


TULLIA: Ueberhaupt nicht während der ganzen nächsten zehn Tage. In dieser Zeit wechselte ich mit ihm nicht einmal ein vertrauliches Wort, da wir fortwährend von meinem Callias beobachtet wurden, sowie auch von den Dienern, die er mit unserer Bewachung beauftragt hatte.


[115] Denn an'nem schlimmen Knecht ist das allerschlimmste die Zunge.


Du weisst ja, wie boshaft und gemein diese Art Leute sind. Aber gieb mir einen Kuss; mir kommt es vor, als sähe ich in deinem Gesicht eine eigentümliche Aehnlichkeit mit den Zügen eines französischen Kavaliers, der im vorigen Jahr in Rom als wackerer Kriegsmann mich mit seinem Schiessrohr bombardierte, und zwar in Gegenwart und auf Veranlassung meines Lampridius; seine drei Freunde, die auch mit dabei waren und bei der Bearbeitung meines Weinbergs gar vielen Schweiss vergossen, waren zwar auch stramm und kräftig, verschafften mir aber nicht annähernd so hohen Genuss.


OCTAVIA: Was für Greuel höre ich da? Vier Männer hast du befriedigt – du, die du so zart, so reizend bist? Ist dir denn unter einer so grossen Zahl von Reitern nicht das Kreuz gebrochen?


TULLIA: Du wirst die Geschichte noch von mir hören. Aber möchtest du nicht, dass ich erst die angefangene Erzählung zu Ende bringe!


TULLIA: Als am nächsten Tage Lampridius in unser Haus übersiedelte, sagte Callias ihm, er müsse nach unserm Landgut in der Nähe von Ancona reisen. Du kennst die entzückende Lage und die Pracht unserer Villa. Als mein Mann bei Tische davon sprach, bemerkte Lampridius, er wolle ihn gerne begleiten, wenn's ihm recht sei; denn er betrachtete es als ein grosses Glück, in vollen Zügen die reine Landluft atmen zu dürfen. ›Nichts könnte mir angenehmer sein,‹ setzte er hinzu, ›als sie mit dir zusammen geniessen zu können.‹ Sie verbrachten auf dieser Reise sieben Tage und Callias gewöhnte sich so sehr an Lampridius Gesellschaft, dass er ihn als vertrauten Freund in alle Regungen seiner Seele und in seine geheimsten Gedanken einweihte. Callias pries meinen Geist, mein Benehmen, meine Höflichkeit; und er sagte: was mich als ein leuchtendes Beispiel vor allen Frauen erscheinen lasse, das sei meine Tugend. ›Aber wäre es nicht leicht zu machen,‹ sagte Lampridius, ›dass du sogar jede Versuchung zu einem Fehltritt – den sie, wie ich hoffe, nie begehen wird – von ihr fernhieltest? In Bezug auf die Keuschheit kann man sich freilich auf den guten Charakter seiner Frau und auf die Augen der Dienerschaft verlassen; aber ein gutes Schloss ist noch sicherer. Eine Frau kann uns hintergehen, Dienstboten lassen sich bestechen: ein Schloss aber betrügt nicht und ist unbestechlich.‹ – ›Ich bin vollkommen deiner Meinung,‹ antwortete Callias, ›darum[116] fertigt auch Meister Stefano, der Goldschmied, für mich ein Kettengitter an, das als vorgeschobenes Verteidigungswerk für die Zitadelle meiner Tullia dienen wird.‹ – ›Du hast recht getan, dem Goldschmied die. Wahrnehmung deiner Interessen anzuvertrauen. Um dir die Wahrheit zu gestehen: ich wünsche von Herzen durch ein unauflösliches Freundschaftsband mit dir verbunden zu bleiben; aber wir Männer alle sind dem Verdacht ausgesetzt, und ich würde befürchten, wenn ich mit deiner Frau recht ungezwungen verkehrte, so könnte ich dadurch dein Misstrauen erregen, wie könnte es auch anders sein? Das würde dir Kummer machen, mir aber ausserordentlich peinlich sein. Wenn du sie mit Schloss und Kette verwahrst, so hast du durchaus nichts mehr zu befürchten und zu argwöhnen. Jetzt aber erlaube mir, morgen nach der Stadt zurückzukehren; übermorgen werde ich wieder hier sein. Mein Sachverwalter wird mir morgen Briefe aus Venedig geben, die eine sehr wichtige und dringliche Angelegenheit betreffen; indem ich mich um meinen Nutzen bekümmere, sorge ich ja zugleich auch für den deinigen.‹ Lampridius kam also am zehnten Tage zurück und überbrachte dem Meister Goldschmied einen Brief von meinem Gatten, der ihn zur Beschleunigung der Arbeit antrieb; auch mir gab er einen Brief von ihm. ›Um dir zu erkennen zu geben,‹ hatte mein Mann ihm gesagt, ›in welch hohem Masse ich überzeugt bin, in dir ein anderes Ich gefunden zu haben, vertraue ich dir mein wichtigstes Geheimnis an: meine Frau will nicht, dass irgend ein Mensch auf den Gedanken kommen könnte, ich hegte Zweifel an ihrer Tugend – deren ich ja in der Tat sicher sein kann.‹ Als Lampridius in mein Zimmer trat, sah er mich umgeben von einem Kreise von Freundinnen, unter denen besonders Sempronia im vollen Glänze ihrer Schönheit und ihrer Juwelen strahlte. Er macht vor der Gesellschaft eine ehrerbietige Verbeugung, übergibt mir den Brief meines Gatten Callias und sagt mir, die Kettchen nebst allem Zubehör würden in drei oder vier Tagen fertig sein. Als er nachher noch einmal wieder kam, fand Lampridius mich mit Sempronia allein. – ›Alles geht vortrefflich, o Herrin,‹ sprach er, ›binnen wenigen Tagen wird dein Gürtel fertig sein, mit Edelsteinen geschmückt, die deine Schamhaftigkeit selber mit Stolz als ihre Wächter preisen würde, wird das goldene Pförtlein in strahlender reicher Pracht den Eingang deines Gartens beschützen.‹ Er machte uns hierauf eine genaue[117] Beschreibung des Kleinods und fuhr dann fort: ›Aber der Schlüssel dazu war nicht verschlossen, und indem ich lachend mit dem Goldschmied über dies und jenes plauderte, habe ich mit diesem Stück Wachs einen Abdruck davon genommen. So sehen wir also, wie du, Sempronia, es uns wünschtest, einem frohen Leben entgegen.‹ Er erzählte uns dann, wie geschickt und gewandt er sich in die vertraute Freundschaft meines Mannes eingeschmeichelt habe, sodass man sich eine innigere Vereinigung nicht denken könne. – ›Wie glücklich bist du,‹ rief Sempronia, ›durch diese doppelte Vereinigung, die das höchste Glück im Menschenleben gewährt: mit Callias stehst du im Seelenbunde, mit Tullia einigen dich Leib und Sinne. Glücklicher Freund! Glücklicher Liebhaber! Du besitzest diese beiden höchsten Güter, Freundschaft und Liebe, in vollem Umfange und kannst ihrer ungestört dich erfreuen. Aber welches von diesen beiden Gütern scheint dir das süssere?‹ – ›Zweifelst du daran?‹ rief er. ›Möge Tullia selber dir antworten!‹ – ›Ich wäre eine eitle und einfältige Person,‹ antwortete ich, ›wenn ich behaupten wollte, mit irgend welchen Reizen begabt zu sein, sodass Lampridius an mir wahre Wollust finden könnte.‹ – ›Ich habe sie gefunden,‹ antwortete er, ›möge meine Seele zu Stein und mein Herz zu Erz werden, wenn ich es für möglich halte, in den Armen einer andern saftigere Früchte der Liebeswonne kosten zu können!‹ – ›Genug jetzt von euren galanten Redensarten,‹ fiel Sempronia ein, ›wir wollen jetzt zu Nacht speisen. Ich werde heute Abend mit dir zusammenschlafen, liebe Tullia, denn mein Mann ist verreist.‹ – ›Und was wollt ihr denn mit mir anfangen?‹ fragte Lampridius.


OCTAVIA: Und Sempronia schlief mit dir zusammen? Da lag wohl Lampridius zwischen euch beiden? Hat er vielleicht euch beide geritten?


TULLIA: O nein! Denn als es nach dem Essen schon später Nacht geworden war, sodass wir an den Schlaf denken mussten, wurde Lampridius in sein Zimmer geleitet. Sempronia hatte sich selber ihren Keuschheitsgürtel angelegt und Victorius hatte den Schlüssel mitgenommen; er war nämlich eines Prozesses wegen nach Verona gereist und Jocondus begleitete ihn auf dieser Fahrt. Um die Zeit der ersten Nachtwache kam der Verabredung gemäss Lampridius zu uns und schlüpfte ins Bett, und zwar von jener Seite, auf der ich lag. – ›Was willst du? wer bist du?‹ rief ich. – ›Dein Diener, o[118] Herrin!‹ antwortete er. Mit diesen Worten gab er mir einen Kuss und lag im selben Augenblick auf mir. ›Endlich einmal,‹ rief er, ›werde ich deiner ganzen Schönheit geniessen!‹ Mit wollüstiger Hand befingerte er meine Kleine, in die er dann eilends seine harte Lanze hineinstiess. Seine blosse Berührung entflammte mich zu einer Glut, wie Mars sie der Frau Venus einflösste. Um dir die Wollüste und Wonne jener Nacht durch einen einzigen Satz anzudeuten: er liess mein Rösslein seine zwölf Poststationen beinahe in einem Atem laufen.


OCTAVIA: O Venus! Was höre ich! Caviceus brachte in einer ganzen Nacht ja kaum den dritten Beischlaf fertig.


TULLIA: Ein- oder zweimal war Callias auf meinem Rösslein bis zur siebenten Station geritten; Jocondus hatte es auf Sempronia bis zur achten oder neunten gebracht. Aber über Lampridius' Leistungen braucht man sich nicht zu verwundern: in seinen Lenden schlummert ein schier unerschöpflicher Venusquell. Das wirst du in der nächsten Nacht selber eingestehen.


OCTAVIA: Schlief denn derweil meine Mutter? Oder liesset ihr sie an euren Liebesspielen und Scherzen teilnehmen?


TULLIA: Es war ihr selber die Nacht vorher aufs beste besorgt worden. Victorius hatte sie in unersättlichem Liebesdrang nicht weniger als sechsmal hergenommen, nachdem am Nachmittag schon Jocondus sie dreimal mit seiner Manneskraft erfreut hatte.


OCTAVIA: Und was machte denn während dieser Zeit die unglückselige Julia?


TULLIA: Ich werde es dir sagen, sobald du mir erzählt hast, wie es der glückseligen Octavia erging, nachdem sie ihre Jungfernschaft verloren hatte. Ich habe rechte Angst um dich wegen jenes Theodorus.


OCTAVIA: Gut, dass du mich daran erinnerst. Hahaha!


TULLIA: Du lachst? Deine Versprechungen waren also wohl eitles Gerede gewesen? Der geschändeten Jungfräulichkeit wurde also keine Ehre erwiesen, wie du doch gesagt hattest!


OCTAVIA: O nein, meine Worte waren durchaus nicht in den Wind gesprochen; indessen der Schmerz wurde lediglich ein Reizmittel kitzelnder Sinnenlust und eine Steigerung der süssesten Wonne, um die es mir nicht im geringsten leid tut.


TULLIA: Wie die Wollust an den Schmerz grenzt, so grenzt auch der Schmerz an die Wollust.
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OCTAVIA: Drei Tage, nachdem Caviceus die Brautnacht mit mir gefeiert hatte, erinnerte meine Mutter mich an meinen Entschluss und an die Verpflichtung, die ich dem Pater Theodorus gegenüber eingegangen wäre. ›Du bist deiner Jungfernschaft eine Trauerfeier schuldig,‹ sagte sie, ›denn sie ist bis zu diesem Tage deines Lebens deine würdige und unantastbare Begleiterin gewesen.‹ – ›Ich erinnere mich recht wohl, liebe Mutter,‹ antwortete ich, ›und ich werde dieser Verpflichtung, die ich auf deinen Wunsch eingegangen bin, nachkommen, sobald du es befiehlst.‹ Kurz und gut – wir begaben uns zu Theodorus, der uns befahl am Nachmittag wiederzukommen, sobald die Sonne sich zum Untergang neige. Um die genannte Zeit waren wir zur Stelle. Er führte mich in eine von den inneren Kapellen des Klosters, schloss die Türen und schob den Riegel vor. Dann sprach er: ›Du hast hier nicht zu befürchten, meine Tochter, dass die Blicke Unbefugter dich treffen; ich bin der Obere dieses Klosters. Wir können in voller Sicherheit alles erledigen.‹ Hierauf begann er eine lange Predigt, um mich zu stärken und meinen Mut zu befestigen. Während er sprach, hielt ich den Kopf gesenkt und die Augen auf den Boden geheftet, und seine Predigt bereitete mich so trefflich auf die grausamsten Martern vor, dass ich, hätte er mir zu sterben befohlen, fröhlichen Mutes in den Tod gegangen wäre. Da siehst du, meine liebe Tullia, wie kunstvoll er mir den Sinn umgarnte! Sobald er sah, dass ich vollkommen bereit war zu tun, was er verlangte, fuhr er fort: ›Deine Mutter selber wird dir in dieser Bussübung strenger Frömmigkeit mit ihrem Beispiel vorangehen.‹ – ›Das ist durchaus nicht nötig,‹ antwortete ich; ›ich selber habe aus freiem Willen in den Verlust meiner Jungfräulichkeit, dieses so kostbaren Gutes, eingewilligt. Gegen mich allein muss sich daher dein Zorn kehren, ehrwürdiger Mann!‹ – ›Ich aber werde nicht leiden,‹ rief meine Mutter, ›dass du allein diese Strafe erduldest! Auch ich habe zu dieser Schandtat meine Einwilligung gegeben!‹


TULLIA: Wirklich, ein edler Wettstreit!


OCTAVIA: ›Gut,‹ sagte Theodorus; ›wer von euch beiden den festesten Mut hat, werde ich ja bald erfahren. Mache dich bereit, Sempronia!‹ – ›Hilf mir beim Ausziehen, mein Kind,‹ sagte meine Mutter, ›damit ich mich so schnell wie möglich dieser frommen Pflicht entledige.‹ Ich ziehe ihr Mieder, Rock und Unterrock aus;[120] sie selber streift sich das Hemd bis über die Hüften empor, kniet vor dem Altar nieder und ruft: ›Schone ja nicht meines unzüchtigen Fleisches, o heiliger Mann! Reinige durch deine Schläge den Tummelplatz meiner Lüsternheit.‹ – ›So reiche mir denn das Werkzeug frommer Zucht,‹ sagte Theodorus. – ›Ganz gegen meine Gewohnheit,‹ antwortete sie, ›habe ich es in der Tasche meines Rockes stecken lassen.‹ – Während sie die Geissel aus dieser herauszuziehen suchte und zu diesem Zweck ihre Glieder streckte und sich nach links beugte, bot sie meinen Augen die eleganten Formen ihres Unterkörpers zur Schau; ich bemerkte Hinterbacken von blendender Weisse, rund, prall, zur Liebe geschaffen; dazu dicke Beine mit glatter Haut. Mutter Natur hat nichts Vollkommeneres und Schöneres gemeisselt!


TULLIA: Von ihrer Kleinen sahst du nichts?


OCTAVIA: Ich stand im Hintergrunde, sodass es mir kaum möglich war, diese zu sehen. Indessen sah ich sie doch. Theodorus nahm die Geissel in die Hand und sagte ihr, sie solle guten Mutes sein. Dann murmelte er unverständliche Worte, die sich anhörten wie ein Klagegesang, und bearbeitete mit seinen Hieben ihre Lenden, Hinterbacken und Waden. Nachdem er ihr eine kurze Erholungspause gegönnt, rief er: ›Beuge deinen Leib und bücke dich, so tief du kannst, damit auch jener Teil, den du nach dem Eherecht beflecken lassen musst, seine Züchtigung empfange!‹ Sie gehorchte; die Hinterbacken traten mehr hervor und zwischen ihren Schenkeln wurde die Kleine sicht bar. Ich blickte hin und sah, dass jene Stelle mit schwärzlichen, gekräuselten, nicht sehr langen Haaren bewachsen war; die Spalte klaffte, sie war lang und rot. In demselben Augenblick fielen die Schläge hageldicht auf ihre Kleine und meine Mutter schrie: ›Au! au! au! ich werde ohnmächtig! Du schlägst so stark, dass ich's nicht aushalten kann.‹ – ›Du bist verrückt, Sempronia!‹ entgegnete Theodorus, und damit begann er von Neuem, sie aus Leibeskräften zu geisseln; sie zerfloss in Tränen und stiess tiefe Seufzer aus, rührte sich aber nicht mehr. ›Jetzt dreh dich herum!‹ befahl Theodorus. Sie gehorchte, hob ihr Hemd bis über den Nabel empor und entblösste ihren Bauch, ihre Schenkel, sowie die ganze Vorderseite ihres Leibes. Voll Erstaunen sah ich zu, als jetzt der fromme Henkerskerl seinen Platz veränderte und an ihre rechte Seite trat.
[121]

TULLIA: Du willst sagen: der Henkerskerl, den der Henker holen sollte! Was wollte er denn noch, um noch, mehr seine bestialische Grausamkeit anzustacheln?


OCTAVIA: Höre nur! Er schielte mit einem Seitenblick ebenfalls nach ihrer Kleinen; als er sah dass sie ganz offen, für die Geissel bereit dalag, begann er schnell sie nach Kräften zu prügeln, und seine ersten Hiebe trafen drei oder vier Zoll unterhalb des Nabels. ›Schlage höher!‹ sagte meine Mutter stöhnend. Er aber liess die Schläge unterhalb des Bauches auf die Schenkel und zwischen die Schenkel niederhageln, dass ihr bei dieser Marter dicke Tränen aus den Augen schössen – ein Beweis, wie schlimm ihr dabei zu Mute wurde. Nach diesem Unwetter gab es für einen Augenblick wieder heiteren Himmel; die Schläge prasselten nicht mehr hernieder. Meine Mutter küsste den Fussboden, kleidete sich hierauf wieder an und wandte sich zu mir mit den Worten: ›Jetzt, liebes Kind, kommst du an die Reihe; betritt nun du diesen Kampfplatz der Tapferkeit, den ich geweiht habe!‹ Sie knöpft mein Kleid auf, sodass es auf meine Füsse niedersinkt, streift darauf mein Hemd so hoch empor, wie sie kann und zwar ringsherum, sodass ich Theodorus Blicken und Schlägen den vorderen sowohl wie den hinteren Teil meines Körpers preisgab. ›Wirst du auch tapfer sein, liebes Kind!‹ fragte sie; ›du wirst selber der Wonnen geniessen, die auf diese augenblicklichen Schmerzen folgen, ich vermag sie dir nicht zu beschreiben. Wirf dich jetzt auf die Kniee!‹ – ›Wie gerne möchte ich,‹ rief ich, ›dass du selber, liebe Mutter, diese Aufgabe auf dich nähmest und mir die Schläge gäbest, um mich von der Sünde zu reinigen! Sicherlich würde ich sie mit derselben Tapferkeit und Standhaftigkeit ertragen, wie du!‹ – ›Dies ist unmöglich,‹ antwortete sie, ›du bist in Theodorus' Gewalt, wie ich selber es bin. Aber soll ich dir vielleicht die Hände zusammenbinden?‹ – ›Gern,‹ antwortete ich. Die Hände wurden mir gebunden, wie ich es wünschte, sodass ich mich ihrer nicht hätte bedienen können, selbst wenn ich es gewollt hätte.


TULLIA: Während dieser Zeit weideten sich wohl Theodorus Augen an der Blüte deiner Schönheit.


OCTAVIA: Das will ich meinen! Er legte sogar seine Lippen an mein Ohr und flüsterte mir zu, ein mutiges Herz müsse tapfer sein und tapfer leiden.
[122]

TULLIA: ›Tapfer sein und tapfer leiden, ist Römerpflicht!‹ sagt Titus Livius.


OCTAVIA: ›Ich will jetzt einmal sehen, ob du noch mutvoller bist als deine Mutter!‹ sprach Theodorus zu mir. ›Wenn du keinen Ton der Klage hervorbringst, ist die Siegespalme dein.‹ Mit der flachen Hand tätschelte er mir darauf erst die eine, dann die andere Hinterbacke, dann senkte er die Nägel von zweien seiner Finger in mein Fleisch, zwickte meine Haut wie mit einer Zange und riss mit einem Ruck mir einen Fetzen derselben aus. Trotz dem Schmerz schwieg ich, indem ich meinen Atem zurückhielt und ein Stöhnen mit Gewalt in meine Brust zurückdrängte. Nachdem er hierauf mit seiner glühendheissen Hand die ganze Scham bis zum Damm bedeckt hatte, packte er mit den Nagelspitzen drei oder vier Haare meines Fliesses und riss sie alle auf einmal heraus. Obgleich dies sehr weh tat, liess ich mir doch nicht den geringsten Schmerz merken.


TULLIA: Du bist mutig, Octavia! Was ist im Vergleich mit dir ein Cato? Aber verlangte nicht auch deine Mutter die gleiche Art von Folter durchzumachen?


OCTAVIA: ›Hebe deine Röcke hoch, Sempronia!‹ sagte Theodorus, ›und entblösse dein Schandglied!‹ Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so streckte sie ihm schon ihre nackten Hinterbacken ent–. gegen. Er schlug seine Krallen hinein; sie erzitterte und hob vor Schmerz das eine Bein hoch, sagte aber nichts.


TULLIA: Dies war der erste Teil der Komödie. Der Cincinnatus mit dem langen Bart wird wohl gleich zum zweiten übergehen!


OCTAVIA: Meine Mutter streifte Rock und Hemd in die Höhe, sodass ihre Kleine sichtbar wurde; sie zeigte Theodorus ihren reizend schönen Bauch, der glatt war und schneeweiss; sie enthüllte seinen Blicken das lauschige Venusplätzchen, das, wie ich dir schon sagte, von dichtgekräuselten Haaren umbuscht war. Er nimmt ein paar von diesen Haaren, packt sie alle zusammen und reisst sie mit einem Ruck heraus.


TULLIA: O der Schelm! Das war nur ein Vorspiel zu einem unterhaltenderen Spiel!


OCTAVIA: Sie knirschte vor Schmerz mit den Zähnen; liess aber trotz alledem kein Wort, keine Klage hören.


TULLIA: Bringe nur endlich die Geschichte zum Schluss!
[123]

OCTAVIA: Ich wurde gegeisselt, von Peitschenhieben zerfetzt, aber meinem Munde entfloh kein einziges Wort, meiner Brust kein einziges Stöhnen, die mir als Feigheit hätten ausgelegt werden können. Wir gingen wieder nach Hause. Hahaha! Wir waren schon auf der Türschwelle, als meine Mutter mir sagte: ›Wie befindest du dich, mein Kind?‹ ›Ich habe grosse Schmerzen, liebe Mutter,‹ antwortete ich. – ›Warte nur einen Augenblick! Gleich werden aus dem Schmerz süsseste Wonnen werden! Auch mir brennen Lenden und Schenkel, wie wenn sie von Ameisen zerbissen wären. Verspürst du nicht auch ein Jucken, wie von einer entzündeten Stelle?‹ – ›Ganz genau so ist es!‹ antwortete ich, ›unter meiner Haut prickelt es unaufhörlich; es ist aber mehr wie das Jucken einer Krankheit, die sich einen Ausweg sucht als wie ein Gefühl von Nadelstichen; mir ist's als stände ich ganz in Flammen.‹ – ›Alle diese kleinen Unbequemlichkeiten, mögen sie sein, wie sie wollen, sie werden sich zu einer Quelle unerschöpflicher Wollust umwandeln!‹ versetzte meine Mutter. – Sie führte mich in mein Zimmer und sagte: ›Lege dich auf dein Bett! schütze irgend eine Krankheit vor; ich werde dir gleich im Augenblick deinen Caviceus zuschicken, aber ich verlange, dass du mir nachher genau beschreibst, wie ihr's miteinander getrieben habt.‹ Bald nachdem sie gegangen war, trat Caviceus bei mir ein. Er umarmte mich, gab mir süsse Zungenküsse und regte mich mit seinen Fingern auf. – ›Ich höre,‹ sagte er, ›du bist unwohl?‹ – ›Sogar sehr krank!‹ erwiderte ich, ›denn man hat mir gesagt, du seist zornig auf mich. Welches Vergehen oder Verbrechen habe ich mir denn nur zu schulden kommen lassen?‹ – ›Du stehst mir gegenüber rein von Schuld und Fehl da, mein geliebtes Herz!‹ antwortete er; ›du hast mich mit Wonnen überschüttet und ich habe in deinen Umarmungen die höchste Seligkeit gefunden. Es wäre schändlich von mir, wollte ich mich über dich beklagen, in der mein Schwanz alle Entzückungen und alle Genüsse der Liebe besitzt!‹ Mit diesen Worten holte er das genannte Glied hervor und bat mich das anschwellende in die Hand zu nehmen; gleich darauf legte er sich in mein Bett; er hatte seine Hose heruntergelassen und mich bis zum Gürtel aufgedeckt. Er stürzt sich auf mich, setzt die Lanze an, und beim er sten Stoss strömt ein reichlicher Venusregen aus den Tiefen meines Schosses hervor. – ›Möge ich sterben, liebste Octavia,‹ rief er, ›wenn meine[124] Semia je zuvor solche Wonne gekostet haben!‹ Um es kurz zu machen: bei dieser einen Begattung brachte ich nicht weniger als dreimal der Venus ein Sprengopfer, gleichsam zum Dank für die höchste Wonne, die mir zuteil wurde. Als Caviceus fertig wurde genügte der Strom, den er ergoss, nicht einmal, um den Brand meiner Wollust zu löschen; er wurde von neuem entfacht, und als Caviceus herabstieg, zeigten ihm meine lüsterngebrochenen Aeuglein, wie ich in Flammen stände. Da griff er mit der Hand an mein Gärtlein und sein Finger täuschte mir ein leeres Scheinbild der Venus vor.


TULLIA: Du weisst wundervoll zu erzählen. Indessen hat deine Geschichte mich nichts neues gelehrt. Durch die Peitschenhiebe werden in allen Körperteilen, die mit unseren Geschlechtsteilen in Verbindung stehen, eine unendliche Menge feiner Geister ins Leben gerufen; sie sind stürmischer und hitziger als Feuerfunken; sie gelangen von selber in unsere Geschlechtsorgane, in die Scheide, in die spermatischen Kanäle; und dadurch wird unsere Venus in Brand gesetzt und durch ein unbeschreibliches Jucken zum höchsten Grad der Geilheit getrieben. Ich will dir etwas erzählen, was dir als ein Wunder erscheinen wird. Unsere Freundin, die Herzogin Leonora, die so erlaucht ist durch ihre hohe Geburt, so glänzend durch ihre Schönheit, so ausgezeichnet durch alle Vorzüge des Körpers und des Geistes – sie verdankt ihre Fruchtbarkeit lediglich Geisselhieben. Ihr Gemahl, der Herzog, starb vor Liebe zu seinem jungen Weib; trotzdem konnte er zu seinem grossen Kummer keine Nachkommenschaft von ihr erhalten. Alle Hilfsmittel der Kunst und Geschicklichkeit wurden aufgeboten; mit jedem einzelnen Körperteil wurden Versuche angestellt. Aber alle Hilfsmittel der Kunst und Geschicklichkeit blieben wirkungslos. Endlich wurde, auf den Rat eines Arabers, Leonora mit Ruten gepeitscht, und zwar, wie du, von der Hand ihrer Mutter. Bis dahin hatte ihr die Liebe nicht den geringsten Genuss bereitet; als aber in jenem Augenblick der Herzog sein Schiessrohr auf sie richtete, verspürte sie eine lebhafte Wirkung. Einige Tage darauf wurde ein neuer Versuch gemacht: ihre Lenden wurden mit Geisselhieben gestachelt, ihre Hinterbacken und Schenkel zur Liebesbrunst entflammt. Da wäre sie beinahe unter den Stössen ihres Gatten vor Wollust in Ohnmacht gesunken: ihre Wonne machte sich in einem wunderbaren Strom von Liebessaft[125] Luft. Kurz und gut, nach ganz kurzer Zeit, während welcher sie stets auf dieselbe Weise zur Liebe angestachelt wurde, empfing sie ihren Gemahl mit grösster Wollust in ihren Schoss und spürte voll Entzücken die kräftigen Stösse des strotzenden Gliedes. Sie wurde schwanger und ihr Leib trug Frucht. – Auch von einem unserer Bekannten, dem Markgrafen Alfonsus, habe ich erzählen hören, dass ihn Rutenhiebe zum Liebeskampf anregen müssen; ohne dieses Mittel wäre er gänzlich ohnmächtig. Er lässt sich das Hinterteil mit Ruten streichen – und zwar kräftig; während dieser Zeit liegt seine Gemahlin auf dem Bett schon in der geeigneten Stellung bereit; während man ihn schlägt, richtet sein Glied sich empor und wird um so steifer, je heftiger die Schläge sind. Sobald er sieht, dass seine Waffe in gutem Stande ist, stürzt er sich auf seine Gattin, überströmt sie mit den himmlischen Gaben der Venus, und geniesst mit ihr aller Wonnen, die die Göttin der Liebe zu gewähren vermag.


OCTAVIA: Aber wahrhaftig – wenn du es selber mal probiertest, ich glaube, die Wirkung würde dich überraschen!


TULLIA: Ich habe dies Mittel noch niemals versucht, gedenke dies aber zu tun, und zwar schon in der nächsten Nacht. Du aber sollst – ich wünsche das! – der Umarmungen meines Lampridius geniessen, der seit acht Tagen mit Callias auf dem Lande ist und sich während dieser Zeit der Liebe gänzlich enthalten hat. Er hat mir brieflich mitgeteilt, dass er morgen kommen werde; Callias wünsche, dass ich mich zu ihm aufs Land begebe, wo er irgendwelche Geschäfte habe, die er noch nicht habe erledigen können.


OCTAVIA: Das werden wir schon sehen! Aber du hast vergessen mir zu erzählen, was meine Mutter dir von den Vorgängen in Julias Brautnacht nach ihrer Entjungferung erzählte.


TULLIA: Die Sache verhält sich so: Wie du weisst, fand die Hochzeit in aller Stille statt; dein Vater war nicht dabei; kein einziger von den Verwandten war dazu eingeladen worden. Die Handlung spielte sich hinter der Scene ab, wie es manchmal in den Theaterstücken des klassischen Altertums vorkommt. Die Zuschauer sahen nichts davon. Ehe nun Sempronia die Neuvermählte ins Brautgemach führte – wie eine Kuh dem Stier zugeführt wird – hatte sie den unschuldigen Geist des Mädchens mit bösen Ratschlägen erfüllt. Du wirst selber hören, was sie ihr zu sagen gewagt hatte,[126] was sie ihr zu sprechen und zu tun befohlen hatte und was das unschuldige Kind in seiner Gewissenhaftigkeit sagte und tat. Jocondus hatte sich in Julias Zimmer begeben: dort sollte nämlich das grosse Werk vor sich gehen. Von Sempronias Ansprüchen stark mitgenommen, prüfte er seine männlichen Waffen und fragte sich, ob er auch noch kräftig genug sein werde für die Schlacht. Sempronia trat ein und legte ihm Julia in die Arme. ›Natürlich will ich Julia für dich entkleiden, mein Jocondus!‹ so sprach sie. Sie entkleidete die junge Frau und liess ihr nur das Hemd, das kaum ihre Scham des Gatten gierigen Blicken entzog. Bald darauf ging Sempronia mit den Worten: ›Ich lasse euch nun allein. Macht eure Sache gut!‹ Sie ging aber nur in ein Nebenzimmer, von wo aus sie alles sehen konnte; denn die Tür stand halb offen – (wie Julias Pförtlein!). Sofort fiel Julia vor Jocondus auf die Kniee – (ohne Zweifel war ihr gesagt worden, dass sie dies tun müsse) – und rief: ›Ich werde dir folgsam sein in Allem und werde mein ganzes Leben lang dem Dienst deiner Freuden gewidmet sein. Wenn ich hiergegen verstosse, so bestrafe die Schuldige!‹ Jocondus gab ihr einen Kuss und hob sie auf, indem er sagte: ›Zieh doch dein Hemd aus, mein Herzchen.‹ Als er aber sah, dass ihr Gesicht sich mit Schamröte überzog, da zog er es ihr, ungeachtet ihres Errötens und Zitterns selber aus. Sobald ihr das Hemd um die Füsse fiel, warf er sie rücklings auf die Bettkante, steichelte mit den Händen und küsste ihre kleinen, harten, runden, weissen, schwellenden Brüste. Hierauf schweiften seine Augen über ihre Brust, ihren Leib, ihre Schenkel; sein letzter Gedanke, sein letzter Blick endlich galt ihrem Venusgärtlein. Als das unschuldige Mädchen merkte, wie er ihre Kleine betastete, streichelte, die Schamlippen auseinanderhielt, seinen Finger hineinsteckte, da schrie sie: ›Au! au! au!‹ und mischte in ihr Geschrei Stöhnen und Seufzen. ›Und nun,‹ sprach Jocondus, indem er auf das Bett zeigte, ›strecke dich auf diesem unseren Kriegsschauplätze aus. O reizende Glieder, wie entflammt ihr mich zu süsser Begier!‹ Gehorsam legt sie sich ins Bett. Bei diesem Anblick begann ihm die Rute zu schwellen und zu erglühen; an des Mädchens Seite wirft sich Jocondus und sofort legt sich Julia, ohne sich bitten zu lassen, das Kopfkissen unter das Gesäss, macht die Beine breit, wie sie nur kann und – du wirst lachen – greift selber mit der Hand ihrem Mann an den Schwanz. Dieser lacht laut auf und[127] fragt: ›Was bedeuten diese neuen Liebesmoden? Vorwärts jetzt!‹ Und kaum hat er diese Worte gesprochen, so beugt er sich vornüber und liegt schon zwischen ihren Schenkeln; sie liess ihren Pflock nicht aus den Fingern, sondern lenkte selber den Lauf des Gliedes das sich auf sie stürzte; hierauf hob sie die Schenkel hoch in die Luft, sodass ihre Absätze ihr Gesäss berührten. So gab sie sich selber die richtige Lage für das Venusopfer. Als Jocondus nun fühlte, dass die Spitze seines Gliedes zwischen ihre äusseren Schamlippen eingedrungen war, sagte er zu ihr: ›Lass jetzt die Hand los; das übrige mache ich ganz allein.‹ Sofort umschlang Julia mit beiden Armen das Kreuz ihres Reiters und hielt ihn innigst umschlungen. Jocondus, dessen Glied bis zum Zerbrechen starr und steif war, bohrte die Stange tief ins Innerste hinein und öffnete sich den Weg, der bis dahin seiner Begierde verschlossen gewesen war. Sie stiess einen Schrei aus, verharrte aber in ihrer Körperstellung und mit dem dritten oder vierten Stoss drang die glühende und glückliche Mentula in das geheimste Heiligtum der Venus ein.


OCTAVIA: Fand denn Jocondus bei dem Mädchen die Blume der Keuschheit unversehrt? Ueberzeugte er sich, dass sie noch durch keines Mannes Umarmung befleckt war?


TULLIA: Er fand sie unberührt, wie es gewöhnlich den Männern geht, die beim ersten Ansturm mit vollem Vertrauen auf die Jungfräulichkeit einer Jungfrau vorgehen.


OCTAVIA: Nach der Art, wie sie sich selber bei dem Hergang benommen hatte, befürchte ich, er möchte Verdacht geschöpft haben.


TULLIA: Jocondus bemerkte mit leichter Mühe, dass diese Kunststücke ihr von Sempronia gelehrt worden seien, und nachdem er in diesem ersten Liebeskampf Julia zu seiner wirklichen Frau gemacht hatte, fragte er sie: ›Wer hat dich denn nur so vorzüglich unterrichtet, meine liebste Julia? Du hast mich wirklich mit der grössten Bewunderung für deinen Geist erfüllt, als du selber meine Waffen gegen dich lenktest und durch sie deiner Jungfernschaft den Todesstoss versetztest – als du mich mit deinen Armen umschlangst – als du so schnell mit dem Gesäss wackeltest – als du durch deine Seufzer und leidenschaftlichen Ausrufe Zeugnis gabst von der Wollust, die dich entflammte.‹ – Sie schwieg. – ›Ei was!‹ fuhr er fort, ›offenbare mir doch das Geheimnis, das du unter diesem Schweigen verbirgst!‹ – ›Ich wage es nicht,‹ antwortete Julia, ›aber[128] ich habe sagen hören, dass die keuschesten Mädchen, wie ich eins bin, es so machen und es so machen müssen.‹ – ›Wer hat dir denn gesagt, dass man sich so dabei benehmen müsse?‹ fragte Jocondus. – ›Zwinge mich nicht, dir dieses einzugestehen,‹ antwortete Julia. – ›Ich verlange, dass du mir dies sagst!‹ versetzte er darauf. ›Tust du es nicht, so werde ich dich nicht für so keusch halten, wie du zu sein behauptest!‹ – Da sagte Julia: ›Ich bitte dich, erzähle keinen Menschen wieder, was du mich dir zu gestehen zwingst. Sempronia hat mir gesagt, dass es meine Pflicht sei, mich dir in dieser Weise gefällig zu zeigen und sie hat mir einen Eid darauf abgenommen, das ich dies tun werde.‹ – ›Gut!‹ sagte Jocondus, ›aber nimm dich in acht und lasse niemanden merken, dass du mir dieses Geheimnis enthüllt hast.‹ Weder er noch sie dachten daran, dass Sempronia alles hörte und sah.


OCTAVIA: Was hoffte sie denn dadurch zu erreichen, dass sie die Harmlosigkeit des jungen Dinges durch so verderbliche Ratschläge missbrauchte.


TULLIA: Ohne Zweifel hoffte sie, wenn Julia sich in solcher Weise gefällig zeigte, so würde Jocondus Verdacht gegen ihre Tugend schöpfen. Bis jetzt aber hat deine Mutter weder zu Jocondus noch zu Julia ein Wort von ihrem Wahrnehmungen gesagt.


OCTAVIA: Du hast mir noch nicht das Ende dieser Geschichte erzählt.


TULLIA: Als die dicke harte Mentula die ganze Scheide des Mädchens erfüllte, in die sie bis an die Hoden eingedrungen war, seufzte Julia: ›Du folterst mich! schone mein! Erbarmen! Erbarmen!‹ Er aber stiess unbekümmert weiter, und als seine Stösse immer heftiger wurden, rief Julia: ›Ach! ach! ich sterbe vor Wonne! weiter! weiter! mehr! mehr! drücke! stoss recht heftig! stoss ihn tiefer hinein!‹


OCTAVIA: Hahaha!


TULLIA: Dies hatte Sempronia ihr ebenfalls angeraten. Sie hatte nämlich gesagt: ›Sobald du ein juckendes Kitzeln in deiner Kleinen fühlst, Julia, so tu, als ob du noch grössere Wonne empfändest, als du sie in Wirklichkeit verspüren wirst. Rege deinen Mann durch deine Worte, Küsse, Seufzer, Bewegungen auf; sonst würde er glauben, du seiest von Stein und kaltsinnig, und davor möchte ich dich bewahren, weil ich dich liebe.‹ Dies war der Grund, warum das keusche junge Mädchen, sobald es das erste Jucken in ihrer[129] Kleinen verspürte, die Hinterbacken hin und herzubewegen begann und Gegenstösse gegen die Stösse ihres Gatten führte, den sie dadurch mit nie geahnten Wonnen überströmte. Uebrigens war die Wollust, die Julia selber empfand, ganz gewiss nicht geringer. Denn als sie infolge ihrer langen, schnellen Bewegungen ihren Venussaft strömen fühlte, rief sie: ›Ach, ach, ach! was fühle ich denn da? Mir schwinden die Sinne!‹ Nach diesem Ausruf schwieg sie, seufzend und zitternd, wie wenn sie nicht mehr bei Sinnen wäre. Jocondus fasste mit der Hand an die Kleine der Halb ohnmächtigen und zog den Penis heraus, so dass nur dessen Kopf noch drinnen blieb: da fand er, dass ihre Scheide ganz von Venussaft erfüllt war, während er doch selber das Nass seiner Wollust noch nicht in Julias Muschel gespritzt hatte. Da bohrte er wieder die Lanze hinein, stiess und drückte. Sie rührte sich nicht mehr. Er hielt inne und fragte weiter, indem er ihre Rosenlippen mit Küssen bedeckte: ›Was bedeutet denn dieses unbewegliche Daliegen, liebste Julia.‹ – ›Ich bin tot!‹ antwortete sie, ›du hast mich mit solcher Wonne überströmt, dass ich glaube, höhere Seligkeit wird es niemals für mich geben.‹ Wieder begann er zu stossen. ›Ich bin ganz ausser mir,‹ flüsterte sie, ›dieses Reiben versetzt mich in den siebenten Himmel.‹ Von neuem begann sie sich zu bewegen und hin und her zu rutschen, bis sie sich plötzlich von heissem Tau benetzt fühlte. Da rief sie: ›Ach! ach! ach! was ist denn dies?‹ Mit beiden Händen presste Jocondus ihre Hinterbacken und zog sie an sich; sofort hob sie Bauch und Lenden empor, so hoch sie nur konnte, und während dieser Zeit spritzte ihres Gatten heisser Schlauch seinen Saft in ihre Muschel. Sie war so ausser sich, dass sie mit den Händen seine Manneslanze ergriff, während er seinen Samen in reichlicher Menge in sie hineinträufelte; sie rieb und drückte die Stange, damit von der köstlichen Gabe nichts verloren ginge. Indem sie seine Hoden zart zusammenpresste, hätschelte sie gleichsam seinen Penis und schnauzte ihn geschickt, dass nicht ein Tröpfchen mehr herauskam, als Jocondus ihn aus ihrer Scheide zog.


OCTAVIA: Waren denn nicht durch einen so langen Kampf dem jungen Mädchen alle Glieder gebrochen? Die Liebe und deren Freundin, die Wollust, müssen wohl ihr die nötigen Kräfte gegeben haben.


TULLIA: Bis zum nächsten Morgen wurde Julia ausser dem nur[130] noch durch einen einzigen Beischlaf erfreut; dieser erste aber konnte für zwei oder drei andere gelten! Der zweite – das hat sie selber eingestanden – bereitete ihren Sinnen genügend Wollust, denn bei Jocondus spritzte schon nach dem sechsten oder siebenten Stoss der Venussaft, während bei Julia erst der Anfang eines brennenden Juckens sich zeigte; wohl wurde sie feucht, aber sie gelangte nicht ganz bis ans Ziel.


OCTAVIA: In der nächsten Nacht umarmte Jocondus sie ja wohl zweimal, wenn ich mich deiner Worte recht erinnere?


TULLIA: Ja, aber erst, nachdem er der Kleinen deiner frommen Mutter seinen Tribut gezahlt hatte – was ihm durchaus nicht lieb war. Julia hat der vollen Lendenkraft ihres Gatten nur zweimal genossen und zwar erst im zweiten Monat darauf!


OCTAVIA: Nun ja, da die Umarmungen meiner Mutter Jocondus' ganzen Saft in Anspruch genommen hatten, konnte für Julia wohl bloss Dreck oder Spucke übrig bleiben.


TULLIA: Als im zweiten Monat nach der Hochzeit Jocondus einmal seine Scherze mit Sempronia trieb, fragte er sie: ›Wünschest du nicht, dass ich Vater werde, hohe Herrin?‹ – ›O ja,‹ antwortete sie. – ›Wie könnte ich aber je Vater werden, wenn du mich niemals Julias Acker mit heissen, fruchtbarem Samen bestellen lassest? Erlaube mir, dreimal ihr beizuwohnen und die ganze Flut meiner Leidenschaft ungeschmälert in ihren Schoss strömen zu lassen! Die Arme hat, wie ich gehört habe, eine recht harte Behandlung zu erdulden gehabt; ich weiss wie schlecht deine Freundin Theresia gegen sie war, weil du sie für eine entartete Dirne hieltest, obwohl sie unschuldig war.‹ – ›Ich erlaube es dir,‹ antwortete Sempronia, ›aber nur unter der Bedingung, dass du sie schwanger machst. Den Samen, der sich in den nächsten acht Tagen in deinen Lenden ansammelt, sollst du in einer einzigen Nacht und in einem dreimaligen Angriff in den Umarmungen deiner Dione verpulvern.‹ In der achten Nacht, die auf diesen Tag folgte, wurde der Keuschheitsgürtel abgenommen, und da das Pförtlein der jungen Frau geöffnet stand, so begoss Jocondus ihren Garten mit einer reichlichen Menge fruchtbaren Regens. Seitdem glaubt Sempronia, Julia sei schwanger; sie hat auf ihrem Gesicht die Schwangerschaftsflecken bemerkt und Julia ist auch bereits von Uebelkeitsanfällen heimgesucht worden.
[131]

OCTAVIA: Ich will des Todes sein, wenn ich nicht Theresia von Herzen verabscheue, weil sie dieses gute und einfältige Kind so unwürdig misshandelt hat!


TULLIA: Und ich will ebenfalls des Todes sein, wenn nicht nach meiner Meinung deine Mutter für diese Grausamkeit verantwortlich ist! Kaum hatte sie sich eingebildet, Julia werde von verliebten Lüsten und Begierden verfolgt, so ging sie zu Theresia und sagte ihr, sie habe grosse Sorge um die Tugend der jungen Frau. Sie glaube, sie sei nicht mehr so züchtig wie bisher und werde einer strengen Arznei bedürfen, um bei der Pflicht einer guten Familienmutter erhalten zu werden; man müsse sich gegen die Jugendhitze vorsehen, die ihr einmal einen Streich spielen könne. Theresia bat sie, ihr doch das Mädchen einmal zuzuschicken. Dies geschah, doch wurde ihr zuvor der Keuschheitsgürtel abgenommen, den Sempronia in Verwahrung behielt. Theresia empfing ihre frühere Schülerin lachenden Mundes, gab dem Begleiter einen Brief für Jocondus mit und bat, man möge ihr Julia auf drei Tage da lassen sie wolle sich einmal recht an dem Anblick der jungen Frau sättigen, die sie aufgezogen und nun so lange nicht gesehen habe. Nach vielen Hin- und Herreden fragte sie endlich Julia, ob sie bereit sei, vor ihr den Beweis abzulegen, dass sie tugendhaft und zwar im vollen Sinne des Wortes tugendhaft sei. Julia antwortete ihr, sie sei dazu von Herzen gern bereit. – ›Nun,‹ sagte Theresia, ›so wirst du während dieser drei Tage den Leib mit Fasten kasteien und wirst dich von meinen eigenen Händen geisseln lassen!‹ – ›Ich werde alles thun, was du wünschest hochwürdige Mutter,‹ antwortete Julia; ›Alles was du mir befiehlst, werde ich als ein Gebot der Pflicht ansehen.‹ Am ersten Tage wurde sie gepeitscht, jedoch ziemlich gelinde; am zweiten Tage sehr grausam; am dritten etwas weniger stark. Nach dieser Züchtigung wurde sie gegen Sonnenuntergang nach Hause geschickt Sempronia war nicht da, wohl aber Jocondus, und als dieser sein reizendes Frauchen kommen sah, da eilte er in ihre Arme. – ›Ich komme nach Hause,‹ sagte sie lächelnd, ›wie es für eine tugendsame Gattin sich gehört; von dem heissesten Wunsch erfüllt, meinen Gemahl wieder zu sehen.‹ Nach einer kurzen Unterhaltung führte er sie in sein Zimmer, und sie erzählte ihm weinend, wie es ihr ergangen sei. Jocondus tröstete das arme Kind wegen seines Missgeschicks und versprach ihr, er[132] wolle in Zukunft dafür sorgen, dass man ihr keinen Schmerz mehr bereite und ihr nichts zu leide tue. Hierauf gab er ihr einen Kuss und fuhr ihr mit der Hand unter den Rock. Zu seiner grossen Freude bemerkte er, dass ihr Gürtel nicht da war, um seinen Begierden zu wehren. Er warf sie auf das Bett und verjagte durch eine dreimalige Liebesarbeit aus ihrem Geist jede Erinnerung an diese drei bösen Tage und an die von ihr ausgestandenen Schmerzen.


OCTAVIA: Erfuhr denn meine Mutter nichts davon? Wurde sie nicht böse auf Jocondus?


TULLIA: Gar nichts erfuhr sie! Sie schöpfte nicht einmal Verdacht. Kurz vor ihrer Rückkehr hatte Jocondus sich heimlich aus dem Hause entfernt; als er bald nachher wiederkam, begrüsste er seine Frau, wie wenn er sie seit drei Tagen nicht gesehen hätte.


OCTAVIA: Aber er liess doch sicherlich meine Mutter nicht ungegrüsst?


TULLIA: Sie sagte zur Julia, Jocondus habe ihr über einen ihm erteilten Auftrag Bericht abzustatten. Sie gingen darauf zusammen hinaus und begaben sich in deines Vaters Schlafzimmer. Julia hatte Befehl erhalten, auf die Rückkehr ihres Gatten zu warten. – ›Glaubst du etwa, o Herrin,‹ sagte Jocondus zu ihr, ›ich wollte Julias Umarmungen den deinigen vorziehen? Jeden Tropfen Wollust, der in mir ist, will ich in dich ergiessen!‹ – Er küsst sie, betastet sie, wird geil. Sie hebt sich selber Kleider und Hemd auf – das war so ihre Gewohnheit – und umarmte den mit gezückter Lanze vor ihr stehenden. Dann sinkt sie auf das Bett zurück, und der Kampf beginnt. Mit einem einzigen kräftigen Stoss vergräbt er die Lanzenspitze in ihren Bauch. Kurz und gut – sie brachten ihre Sache zu Ende; dann begab sich Jocondus mit Sempronia zu Julia zurück, die er mit den Worten ansprach: ›ich wünsche, Julia, dass unsere Herrin dich in deinem wahren Charakter erkenne, dass sie wisse, wie keusch und züchtig du bist. Ich wünsche, dass du aus ihren Händen diesen Keuschheitsgürtel empfangest, womit du dich bekleiden wirst; es wird zu deinem und mei nem Besten sein, da du alsdann in unserer Herrin eine Zeugin deiner Ehrbarkeit besitzest.‹ Sempronia lobte Julias Tugend und die Bereitwilligkeit, womit sie ihren Gehorsam erklärte; und so wurde Julias Kleine unter Verschluss gelegt. Was aber die Deine anbelangt, liebe Octavia, so werde ich nächste Nacht schon erfahren, ob du zu allen[133] der Frau Venus bekannten Spielen ebenso geeignet bist, wie du an Schönheit und Anmut der süssen Göttin gleichst.


OCTAVIA: Ich hoffe, ich werde mich derart bewähren, dass du nicht mehr daran zweifelst und dass zu seiner hohen Wonne Lampridius bemerkt, dass ich ein Born süssester Wollust bin.


Fußnoten

1 ›Si qua est non fatui puelli cunni.‹ Priapea XXXIX.


2 Dividere, dividi ist so viel wie paedicare, paedicari; divisor gleich paedico.


3 Herciscunda heisst: die Erbteilerin.


4 Bruchstück eines Hochzeitsgedichtes, das der Kaiser Gallienus zur Vermählung seines Neffen verfasste. Montesquieu hat es als Motto für seinen Temple de Guide benutzt.


5 Brautführer oder Brautjungfern, hier aber die Schutzgottheiten der Jungfernschaft.


Quelle:
Meursius: Gespräche der Aloisia Sigaea. Leipzig 1903, S. 135.
Lizenz:

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