Sechster Auftritt.

[227] Landrath. Elise mit einem Sonnenschirm. Ernestine von links.


ELISE. Nein, nein, ich bestehe darauf, er soll Dir feierliche Abbitte leisten. Sein Benehmen ist mitunter unglaublich dreist.

ERNESTINE die sich überall verstohlen umsieht. Und unglaublich[227] feig, wenn es darauf ankommt, Herz zu haben; das hat er bei dem Schrecken vor dem tollen Hunde bewiesen. Für sich. Wo ist denn aber der Landrath geblieben?

ELISE. Nun als er mich in Gefahr glaubte, wollte er mich doch mit seinem Leben schützen.

ERNESTINE. Das glaube ich, für seinen Vortheil exponirte er sich, der Landrath aber hatte Muth, auch als Sie ihn nicht sahen, und prahlte dann doch nicht damit vor Ihnen.

ELISE. Nun laß uns nur gehen.

ERNESTINE. Ach eilen Sie doch nicht so. Für sich, sich umsehend. Warum ist er denn nur fortgegangen?

ELISE. Was säumst Du denn?

ERNESTINE. Ach ich bin gar zu müde, Fräulein, lassen Sie uns doch ein wenig sitzen, der Platz hier ist so schön.

ELISE. Nun meinetwegen.

ERNESTINE für sich. Ist er wieder aus Blödigkeit davongelaufen, so ist doch Hopfen und Malz an ihm verloren. Sie sitzen.

LANDRATH. Sie setzen sich. Verwünscht! Nun kann ich gar nicht unbemerkt hervor, wüßte ich nur, ob sie mich tanzen gesehn.

ERNESTINE. Das war doch heut ein Tag voll wunderlicher Vorgänge, und der arme Landrath, der überall im Grunde Lob verdiente, ist überall verlacht worden.[228]

LANDRATH. Könnt' ich nur verstehn, was sie sprechen. Er will seine Stellung verändern.

ELISE gedankenvoll. Es ist wahr, es hat sich für ihn alles recht unglücklich getroffen.

LANDRATH bricht mit einer Latte an der Estrade zusammen. O verwünscht!

ERNESTINE. Was war denn das?

ELISE. Sieh doch einmal nach.

ERNESTINE geht nach der Gegend hin, erblickt den Landrath, stutzt, für sich. Ist's möglich, da steckt er hinter der Estrade, was hat er nur für wunderliche Einfälle?

ELISE. Nun, was war's?

ERNESTINE. Ich sehe nichts. Es wird hier oben in den alten Nußbäumen gewesen seyn, die Aeste knacken und brechen oft.

LANDRATH. Warum sagt sie nun nicht lieber, daß ich hier stecke, dann müßte ich doch hervor, von selbst kann ich mich doch nicht mehr zeigen.

ELISE. Wir wollen gehn, es wird sonst zu spät.

ERNESTINE. Sehn Sie, wie schön die Sonne hier durch die Bäume schimmert. Für sich. Warum kommt er nur nicht hervor?

ELISE. Ja, aber laß uns gehen, diesen Anblick verlieren wir auf unserm Wege nicht.


Quelle:
Eduard Devrient: Dramatische und dramaturgische Schriften, Leipzig 1846, S. 227-229.
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