Zwanzigstes Kapitel

[146] Oliver wird Mr. William Sikes übergeben.


Als Oliver am nächsten Morgen erwachte, war er nicht wenig verwundert, ein Paar neue Stiefel mit starken dicken Sohlen an Stelle seiner alten abgenutzten zu erblicken. Zuerst freute er sich über die Entdeckung, in der Hoffnung, darin ein Zeichen seiner bevorstehenden Befreiung zu sehen. Als er aber bald darauf hörte, Mr. Sikes werde ihn noch Abends abholen lassen, sank seine Hoffnung.

»Und – und werde ich dort bleiben, Sir?« fragte er ängstlich.

»Nein, nein, Jüngel, du wirst nicht dort bleiben,« erwiderte Fagin, »ich möcht dich nicht so leicht verlieren. Fürcht dich nicht, Oliver, du wirst wieder zu uns zurückkommen, hahaha! Wir werden doch nicht so grausam sein, dich wegzuschicken, liebes Kind. Was fällt dir nur ein?«

Der Jude hatte sich dabei über das Feuer gebeugt, um ein paar Brotschnitten zu rösten, wandte sich um und kicherte, um anzudeuten, daß er ganz genau wisse, wie gern Oliver fortlaufen würde, wenn er nur könnte.

»Mir scheint,« sagte er und grinste Oliver an, »mir scheint, du möchtest gern wissen, zu was für ä Zweck dich Bill Sikes abholen kommen wird, was?«

Oliver errötete unwillkürlich, als er sich so durchschaut sah, antwortete aber tapfer: »ya gewiß möcht ich das gern wissen.«

»Nu, wozu denkst du wohl?« fragte Fagin.

»Ich weiß es wirklich nicht, Sir,« erwiderte Oliver.

»Nu,« sagte der Jude, »wirst de es schon erfahren von Bill selber.«

Innerlich schien Fagin sehr verdroßen, daß Oliver nicht neugierig war. In Wirklichkeit hätte dieser jedoch gern den Grund gewußt, weshalb man ihn plötzlich zu Bill Sikes bringen wolle. Aber er war durch die Tücke,[146] die aus Fagins ganzem Gebahren sprach, zu verwirrt, als daß er noch weitere Fragen gestellt hätte. Es bot sich ihm auch keine Gelegenheit mehr dazu, denn Fagin blieb bis zum Abend sehr schweigsam und erst. Als es anfing, dunkel zu werden, machte er sich zum Ausgehen fertig.

»Brenn der derweil ä Kerze an,« sagte er, »und hier hast de ä Buch zum Lesen, damit de dir nix langweilst, bis se der abholen kommen. Gute Nacht.«

»Gute Nacht,« sagte Oliver leise.

Der Jude ging zur Türe, spähte aber dabei immerwährend über die Schulter nach Oliver. Plötzlich blieb er stehen und rief ihn.

Oliver Twist blickte auf. Der Jude deutete auf die Kerze und befahl ihm, sie anzuzünden. Oliver gehorchte; und wie er den Leuchter auf den Tisch stellte, bemerkte er, wie ihn Fagin von der Türe aus unter halbgeschlossenen Augen genau beobachtete.

»Hüte dich, Oliver, hüte dich!« warnte er und drohte ihm mit der Faust. »Bill is ä roher Mensch und denkt an nix als an Blut, wenn sei eigens ämol in Wallung is; ich rat dir, was auch geschieht, sag' nicht ä Wort und widersprich nicht; tu, was er dir befiehlt, das merk' dir, verstanden?« Allmählich verzogen sich seine Mienen zu einem gespenstigen Grinsen, und mit einem Kopfnicken ging er langsam aus dem Zimmer.

Oliver schlug die Hände vors Gesicht, als der Alte draußen war, und dachte mit bebendem Herzen über die eben vernommenen Worte nach. Je mehr er grübelte, desto weniger konnte er den geheimen Sinn, der in den Sätzen zu liegen schien, ergründen. Er vermutete ganz richtig, daß man ihn als Handlanger zu irgendeiner verbrecherischen Tat ausersehen habe. Er war bereits daran gewöhnt, stumm sein Leid zu tragen, denn er hatte in seinem Leben viel zu viel gelitten, als daß er einen Wechsel in seiner bisherigen Lebensweise all zu hart empfunden hätte. Ein paar Minuten blieb er noch in Gedanken versunken sitzen, schneuzte dann mit einem schweren Seufzer die Kerze und nahm das Buch vor, das ihm der Jude zurückgelassen hatte.

Achtlos blätterte er anfangs die Seiten um, aber[147] bald stieß er auf Stellen, die seine Aufmerksamkeit heftig erregten, und bald war er in das Buch vertieft. Es waren Schilderungen von fürchterlichen Verbrechen, und die Blätter waren ganz abgegriffen vom häufigen Lesen. Es standen Dinge drin, die ihm das Blut in den Adern stocken machten, Schilderungen von heimlichen Mordtaten, die auf einsamen Plätzen verübt worden, von Leichen, die man in tiefen Brunnen versteckt hatte; und immer waren die Brunnen noch nicht tief genug gewesen, die Ermordeten zu verbergen – schließlich hatte die Sonne doch alles wieder ans Licht gebracht. Und beim Anblick der Opfer hatten sich die Mörder so entsetzt, daß sie voll Grauen ihre Schuld eingestanden und nach dem Galgen geschrien hatten, um ihrer Gewissensangst ein Ende zu bereiten. Er las darin von Menschen, die in tiefer Nacht in ihren Betten gelegen und plötzlich von ihren eigenen Gedanken zu solchen entsetzlichen Bluttaten getrieben worden waren, daß es Oliver beim bloßen Lesen eiskalt überlief. Alles war so lebendig geschildert, daß die Seiten sich blutrot zu färben schienen und die Worte, die aus ihnen kamen, klangen ihm wie das hohle Gemurmel von Schemen Getöteter.

Außer sich vor Furcht und Entsetzen warf Oliver das Buch von sich. Dann fiel er auf die Knie und betete zu Gott, er möge ihn bewahren vor solchen Taten, – ihn lieber sterben als zum Verbrecher werden lassen auf Erden.

Allmählich beruhigte er sich wieder und flehte zum Himmel um Erlösung aus den Gefahren, in denen er schwebte, wo er doch mutterseelenallein, umgeben von Verbrechen und Sünden wäre. Er hatte sein Gebet zu Ende gesprochen und lag immer noch am Boden, den Kopf in den Händen vergraben, als ihn ein raschelndes Geräusch aufschrecken machte.

»Was ist das?« schrie er und fuhr zusammen, als er eine Gestalt an der Türe stehen sah. »Wer steht dort?«

»Ich. Nur ich bin's,« antwortete eine bebende Stimme.

Oliver hob die Kerze in die Höhe und spähte in die Finsternis. Es war Nancy.[148]

»Setz' die Kerze hin,« befahl die Dirne und wandte das Gesicht ab. »Sie blendet mich.«

Oliver sah, daß sie sehr blaß war, und fragte höflich, ob sie krank sei. Nancy warf sich in einen Sessel, kehrte Oliver den Rücken, rang die Hände und schwieg.

»Gott verzeih' mir,« rief sie nach einer Weile, »ich wußte doch nicht, daß es so kommen würde.«

»Was ist geschehen?« fragte Oliver. »Kann ich Ihnen helfen? Ich will alles tun. Wirklich und wahrhaftig.«

Nancy wiegte sich hin und her, packte sich bei der Kehle, stieß einen gurgelnden Laut aus und schnappte nach Luft.

»Nancy!« rief Oliver entsetzt. »Was fehlt Ihnen?«

Die Dirne schlug sich mit den Händen auf die Knie und stampfte mit den Füßen auf den Boden, dann hielt sie plötzlich inne, zog sich ihr Umschlagtuch dichter über die Brust, und man hörte, wie ihr die Zähne klapperten.

Oliver schürte schnell das Feuer. Nancy rückte ihren Stuhl dicht an den Kamin und saß dort eine Weile stumm. Schließlich richtete sie den Kopf auf und blickte um sich.

»Ich weiß nicht, was mich manchmal packt,« murmelte sie und tat, als striche sie ihr Kleid zurecht. »Wird wohl der dumpfe schmutzige Kasten hier sein, glaub' ich. Na, Nolly, bist de fertig?«

»Soll ich mit Ihnen gehen?« fragte Oliver.

»Jawoll. Willem hat mir herjeschickt,« erwiderte die Dirne, »du sollst mit mir kommen.«

»Wozu denn?« fragte Oliver zurückweichend.

»Wozu?« wiederholte Nancy geistesabwesend. »O zu nischt Bösem.«

»Das glaub' ich nicht,« sagte Oliver, der sie nicht aus den Augen gelassen hatte.

»Na, denn glaub's nich,« sagte Nancy und lachte gezwungen. »Zu nischt Gutem also.«

Oliver bemerkte genau, daß er in gewissem Sinn Gewalt über die besseren Gefühle des Mädchens hatte, und überlegte einen Augenblick, ob er nicht an ihr Mitleid mit der Hilflosigkeit seiner Lage appellieren solle. Aber da fuhr ihm der Gedanke durch den Kopf, daß es[149] kaum elf Uhr sein könne und sich noch viele Menschen auf den Straßen befinden müßten, von denen sich gewiß viele bereit finden würden, ihm Glauben zu schenken, wenn er ihnen die Sachlage erzählte.

Einen Augenblick überlegte er das alles, dann tat er einen Schritt vorwärts und sagte ein wenig hastig, er sei bereit mit Nancy zu gehen. Beides war der Dirne keineswegs entgangen. Sie blickte ihm fest ins Gesicht, und er las in ihren Augen, daß sie seine Gedanken erraten hatte und damit einverstanden war.

»Scht,« flüsterte sie und beugte sich mit einem scheuen Blick auf die Tür über ihn, »du kannst dir jetzt nicht allein helfen. Ich hab' mir die beste Mühe jegeben, aber es hat alles jetzt keinen Zweck. Se haben dich feste an der Strippe. Wenn de mal später weg kannst, – jetzt is nich die Zeit dazu.«

Betroffen über die Eindringlichkeit ihrer Worte blickte Oliver ihr erstaunt ins Gesicht. Er sah, daß sie die Wahrheit sprach. Ihr Gesicht war leichenblaß; sie zitterte an allen Gliedern.

»Ick habe dir mal vor Mißhandlung jeschützt und werd' es immer wieder tun,« fuhr Nancy lauter fort, »ick habe mir davor verbürgt, daß de dir ruhig verhalten und auch schweigen wirst. Tust de das nich, dann bringen se mich vielleicht um. Das hab' ick alles um deinetwejen uff mir jenommen, so wahr Gott uns jetzt sieht!«

Dabei deutete sie auf ein paar Hieb- und Kratzwunden an ihrem Nacken und an ihren Armen und fuhr hastig fort:

»Denk' dran, wat ick dir jesagt habe, und bring' mir nich in die Patsche; ich sag' dir: wenn ich dir helfen könnte, tät ich's jewiß, aber ick sag' dir, es jeht jetzt nich. Se haben nich im Sinn, dir was zu leide zu tun, und wozu se dich zwingen werden, is für dich doch keene Sünde. Still jetzt. Jedes Wort, das de sprichst, is 'n Schlag für mir. Gib mir jetzt schnell die Hand und mach' rasch.«

Sie ergriff Olivers Hand und blies die Kerze aus. Dann zog sie ihn hinter sich her die Treppe hinunter. Eine in der Finsternis unkenntliche Gestalt öffnete rasch[150] die Türe und schloß sie ebenso schnell wieder hinter ihnen. Vor dem Hause stand eine Droschke. Nancy schob Oliver hinein und ließ die Fenstervorhänge herunter. Ohne einen Befehl abzuwarten, peitschte der Kutscher auf sein Pferd los; gleich darauf rasselte der Wagen in vollem Galopp dahin.

Immerwährend hielt das Mädchen Oliver an der Hand und flüsterte ihm von Zeit zu Zeit Warnungen und Trostesworte ins Ohr. Alles ging so rasch vor sich, daß Oliver kaum Zeit hatte, nachzudenken oder zu überlegen, wo er war, und da hielt die Kutsche auch schon vor dem Hause, zu dem der Jude am Abend seine Schritte gelenkt hatte.

Rasch warf Oliver einen forschenden Blick auf die menschenleere öde Straße, und ein Hilferuf schwebte ihm auf den Lippen. Aber wiederum flüsterte ihm Nancy etwas ins Ohr und bat ihn so voll Entsetzen, sein gegebenes Versprechen zu halten, daß er nicht den Mut fand, um Hilfe zu rufen. Im nächsten Augenblick war er drin im Hause, und die Türe fiel hinter ihm ins Schloß.

»Hier hinauf,« sagte Nancy und ließ jetzt zum erstenmal seine Hand los. »Bill!«

»Hallo?« antwortete Sikes, der mit einem Licht oben an der Treppe erschien. »Na, das is mal pünktlich. Nur herauf mit euch!«

Für einen so temperamentvollen Herrn wie Mr. Sikes war dies ein ungewöhnlich herzliches Willkommen, und Nancy schien sich sehr darüber zu freuen.

»Der Köter ist mit Tom weggegangen,« brummte Sikes und leuchtete den beiden die Treppe hinauf. »Er wäre uns hier im Wege gewesen.«

»Das ist recht,« sagte Nancy.

»Na, und wie ist's mit ihm? Ist er ruhig mitgekommen?« fragte Sikes mit einem Blick auf Oliver.

»Gehorsam wie ein Lamm.«

»Freut mich, zu hören,« sagte Sikes, »schon im Interesse seines jugendlichen Kadavers, dem's sonst schlecht bekommen wäre. Komm' mal her, Bursche, damit ich dir gleich mal ne gute Lehre gebe. Je früher, je besser.« Dabei riß er dem Knaben die Mütze vom Kopf und[151] warf sie ins Eck, dann packte er ihn an den Schultern, setzte sich an den Tisch und sah ihm drohend ins Gesicht.

»Schau mal her: Nummer 1. Weißt du, was das fürn Ding ist?« Er griff nach einer Taschenpistole, die auf dem Tisch lag.

Oliver nickte.

»So, da pack' mal aus,« fuhr Sikes fort. »Das hier ist Pulver und das hier ne Kugel, das hier 'n Stück von einem alten Hut. Daraus mach' ich 'n Pfropfen.« Oliver murmelte, daß er begriffen habe, und Mr. Sikes lud umständlich die Waffe.

»So, nun ist sie geladen,« brummte er, als er damit fast fertig war.

»Ja, Sir, ich sehe,« hauchte Oliver.

»So, und jetzt höre,« sagte der Strolch mürrisch, packte Oliver am Handgelenk und setzte ihm den Lauf so dicht an die Schläfe, daß der arme Junge einen Schreckensruf nicht unterdrücken konnte. – »Also, jetzt höre: Wenn du bloß ein Wort redest, wann ich mit dir draußen bin, ausgenommen, ich spreche dich an, dann hast du die Ladung im Schädel drin. Wenn du also Lust hast, ins Gras zu beißen, dann kannst du noch vorher ein Gebet sprechen. Soviel ich weiß, wird sich wohl niemand besonders eingehend nach deinem Verbleib erkundigen; ich hätte es also gar nicht nötig, dir den ganzen Kram erst auseinanderzusetzen, aber es geschieht zu deinem eignen besten. Verstanden?«

Sodann deckte Nancy, nachdem sie Oliver vorher noch einen warnenden Blick zugeworfen, schleunig ein Tuch über den Tisch, verschwand für ein paar Minuten und kehrte mit einem Krug Bier und einer Schüssel Hammelfleisch zurück. Als das Abendessen vorüber war, bei dem Oliver begreiflicherweise keinen besonderen Appetit an den Tag legte, goß sich Mr. Sikes noch ein paar Gläser Brandy mit Wasser hinter die Binde und warf sich, nachdem er Nancy mit einer Reihe von Flüchen und Verwünschungen befohlen, ihn pünktlich früh um fünf Uhr zu wecken, auf sein Bett. Oliver streckte sich auch angezogen auf eine am Boden liegende Matratze, und die Dirne kauerte sich neben dem Ofen zusammen, um wach zu bleiben, damit sie nicht versäume, Mr. Sikes[152] pünktlich zur vorgeschriebenen Zeit zu wecken. Auch Oliver blieb noch eine Weile wach, hoffend, daß Nancy ihm noch ein paar Worte zuflüstern würde, aber sie rührte sich nicht, und endlich schlief er ein. Als er er wachte, war der Tisch bereits mit Teegeschirr bedeckt, und Mr. Sikes beschäftigte sich gerade damit, verschiedene Sachen in den Taschen seines über einer Stuhllehne hängenden Mantels unterzubringen. Es war noch dunkel draußen und das Zimmer von Kerzenschein erhellt. Ein grimmiger Regen peitschte gegen die Scheiben, und der Himmel war schwarz und mit Wolken bedeckt.

»Na, wird's bald?« murrte Sikes, als Oliver emporfuhr. »Es ist schon halb sechs. Mach' rasch, sonst kommst du zu spät zum Futter.«

Oliver brauchte nicht lange, um seine Toilette zu vollenden, und nachdem er ein paar Schluck Tee zu sich genommen, erwiderte er auf die mürrische Frage Mr. Sikes', er sei nunmehr fertig und bereit.

Nancy warf ihm ein Taschentuch mit der Weisung zu, er solle es sich gegen die Kälte um den Hals knüpfen, und Sikes warf ihm einen großen rauhen Kragen über und nahm ihn beim Handgelenk, nachdem er ihm noch einmal mit drohender Miene seine Pistole gezeigt.

An der Türe drehte sich Oliver um, in der Hoffnung, einen Blick von Nancy aufzufangen; aber wieder hatte die Dirne sich neben den Kamin gekauert und starrte regungslos ins Feuer.

Quelle:
Dickens, Charles: Oliver Twist. München 1914, S. 146-153.
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