2.

[71] Wie kühl schweift sich's bei nächt'ger Stunde,

Die Zither treulich in der Hand!

Vom Hügel grüß ich in die Runde

Den Himmel und das stille Land.


Wie ist da alles so verwandelt,

Wo ich so fröhlich war, im Tal.

Im Wald wie still! der Mond nur wandelt

Nun durch den hohen Buchensaal.


Der Winzer Jauchzen ist verklungen

Und all der bunte Lebenslauf,

Die Ströme nur, im Tal geschlungen,

Sie blicken manchmal silbern auf.[71]


Und Nachtigallen wie aus Träumen

Erwachen oft mit süßem Schall,

Erinnernd rührt sich in den Bäumen

Ein heimlich Flüstern überall.


Die Freude kann nicht gleich verklingen,

Und von des Tages Glanz und Lust

Ist so auch mir ein heimlich Singen

Geblieben in der tiefsten Brust.


Und fröhlich greif ich in die Saiten,

O Mädchen, jenseits überm Fluß,

Du lauschest wohl und hörst's von weitem

Und kennst den Sänger an dem Gruß!

Quelle:
Joseph von Eichendorff: Werke., Bd. 1, München 1970 ff., S. 71-72.
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