11. Szene

[301] Der Mond hebt sich.

Faust – Mephistopheles.


MEPHISTOPHELES kommt.

Recht so! Wenn wir den Schwur erneuen,

so war er meist schon abgewetzt.

Doch tust du schlecht, gerade jetzt

dich hier pathetisch anzuschreien.

Dein Engel weiß sich keinen Rat,

du hast sie meisterlich erhitzt!

Ich bin ihr just vorbeigeflitzt

und half durch eine schnelle Tat.

FAUST fährt auf.

Du hast – –?!

MEPHISTOPHELES.

Nur keine Angst! Ich habe

sie nur gefragt, wieso? warum?

Die Gute nahm es gar nicht krumm;

sie sieht mir's an der Nase an,

daß ich alles wohl verstehen kann:

Sie gab mir Botschaft und ich trabe

zu dir. Du siehst, ich spiele nur

einmal den postillon d'amour.

FAUST schnell.

Sie gab dir Botschaft? Wie?!

MEPHISTOPHELES.

Nur still![301]

Sie sagt, daß sie dich sehen will,

jetzt gleich, noch vor dem Abendessen.

Ich sagte ihr, wo du gesessen.

Drum bleib und warte. –


Weist auf den Mond.


Mondenschein!

Nun fehlt nur noch Gitarrengezimpel,

dann spürt es jeder poetische Gimpel:

Hier muß die Liebe wirksam sein!

FAUST plötzlich.

Ich warte nicht!

MEPHISTOPHELES.

Du bist verrückt!

Ich freu' mich, daß es so geglückt

und du willst fort?

FAUST.

Ich geh' zum Feste.

MEPHISTOPHELES.

Dies Fest – – ich glaub', es ist das beste,

du meidest es.

FAUST.

Das Fest? Warum?

MEPHISTOPHELES.

Es summt was in der Luft herum.

FAUST.

Was soll es schaden oder nützen?

MEPHISTOPHELES.

Ich kann dich diesmal nicht beschützen.

Es kommt die ganze Klerisei,

da bin ich lieber nicht dabei.

Es würde mich zu sehr verdrießen:

Riech' ich nur Weihrauch, muß ich nießen!

FAUST.

Wenn sonst nichts hemmt, was kümmert's mich!?

MEPHISTOPHELES.

Bleib hier, mein Freund, ich warne dich.

FAUST.

Winkt mir Gefahr, dann will ich gehen,

Mann gegen Mann sie zu bestehen!


Will fort.
[302]


Quelle:
Bruno Ertler: Dramatische Werke. Wien 1957, S. 301-303.
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