3. Szene

[262] Unter Heulen und Pfeifen erscheinen der Schlemmerteufel Krumschal, die Wollustteufelin Bulla und Mephistopheles, der böse Geist.


PLUTO lüstern lächelnd.

Cho! Krumschal, geiles Lasterböckerl!

Und Bulla mit dem kurzen Röckerl

und du, Mephisto, böser Geist:

Hört zu: Der Charon hier verweist

euch Trägheit. He? Was soll das heißen?!

Soll ich euch an den Schwänzen reißen?

Euch dran in's große Feuer hängen?

Die Daumen in die Schrauben zwängen?

Wir brauchen eine schwere Seel'

gleich auf der Stell.

Wißt ihr mir keine?

MEPHISTOPHELES.

Herr, ich weiß eine.

PLUTO.

Ha! Mephistopheles, alter Schieber,

du bist das richtige Kaliber!

Suchst dir die fetten Bissen aus,

bringst keinen toten Frosch nach Haus.

Wen hast du denn jetzt auf dem Zug?
[262]

MEPHISTOPHELES.

Es ist der Faust!

PLUTO.

Der Doktor klug

und hochgelahrt zu Wittenberg?

MEPHISTOPHELES.

Ja, der.

PLUTO.

Da geh' nur fein an's Werk!

Ich kenn' ihn gut und ich muß sagen,

er liegt mir lange schon im Magen.

Doch ist er schwer herumzukriegen,

denn wenn sein Blut auch erdwärts zieht,

es summt ihm doch das alte Lied

vom Höhersein und Aufwärtsfliegen.

's ist die verdammte Melodie,

die uns die Besten streitig macht.

Betäubst du ihn, erstickst du sie –

beug' ich mich selbst vor deiner Macht!

MEPHISTOPHELES.

Ich werde es – doch brauch' ich Zeit.

PLUTO.

Wie lang?

MEPHISTOPHELES.

O, keine Ewigkeit.

Ich schwöre dir: In knapp zwölf Jahren

soll Charon ihn zur Hölle fahren.

PLUTO.

Ich hätt' es keinem zugetraut,

nur dir, vor dem mir selber graut.

Nun, Charon, bist du es gewillt?

CHARON.

Die Zeit ist nichts, wenn's Großes gilt.

Ich warte.

PLUTO.

Brav. Ihr andern helft nach Kräften

bei Mephistopheles Geschäften.

Verschwindet! Rrracks!!!


Charon, Krumschal, Bulla unter Geheul ab.
[263]


Quelle:
Bruno Ertler: Dramatische Werke. Wien 1957, S. 262-264.
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