Vierzehntes Kapitel.

[47] Ein wirklich grauenvolles Kapitel, und wir raten nur wenigen Lesern, sich des Abends daran zu wagen, besonders wenn sie eben allein sein sollten.


Jones schlürfte einen großen Napf junge Hühner- oder vielmehr alte Hahnenbrühe mit ebenso gutem Appetite aus, wie er wirklich den Hahn selbst verzehrt haben würde, wovon sie gekocht war, und ein Pfund Schinken obendrein; und nunmehr da er nicht weiter spürte, daß ihm an Gesundheit oder Mut etwas abginge, entschloß er sich aufzustehen und seinen Feind aufzusuchen.

Erst aber schickte er zum Wachtmeister, welches seine älteste Bekanntschaft unter diesen Herren vom Militär war. Zum Unglück war dieser Kriegsmann, nachdem er im buchstäblichen Verstande sein Bier mit Maßen getrunken hatte, auf sein Streulager zur Ruhe gegangen, auf welchem er so laut schnarchte, daß es nicht leicht war, einen Schall in seine Ohren zu bringen, der vermögend gewesen, den Schall, der durch seine Nasenlöcher ertönte, zu übertäuben.

Weil indessen Jones auf seinem Verlangen beharrte, ihn zu sprechen: so fand endlich ein schreihalsiger Kellnerbursche Mittel, ihn in seinem Schlummer zu stören, und ihm die Botschaft zu hinterbringen. Der Wachtmeister hatte solche nicht so bald verstanden, als er sich von seinem Lager erhob und, da er sich nicht von neuem[47] anzukleiden brauchte, augenblicklich seine Aufwartung machte. Jones hielt es nicht für dienlich, dem Wachtmeister sein Vorhaben zu eröffnen, ob er's gleich mit großer Sicherheit hätte thun können; denn diese Zierde des Kurzgewehrs war selbst ein Mann von Ehre und hatte seinen Mann im Zweikampf erlegt. Er würde sonach dies Geheimnis getreulich bewahrt haben, oder in der That auch ein jedes andres, auf dessen Entdeckung kein Preis gesetzt worden. Da unterdessen Jones diese Tugenden bei einer so kurzen Bekanntschaft nicht hatte entdecken können, so war seine Behutsamkeit vielleicht klug und lobenswürdig genug.

Er fing also damit an, daß er dem Wachtmeister sagte: nachdem er jetzt unter die Armee gegangen sei, schäme er sich, daß ihm etwas fehle, was vielleicht das notwendigste Bedürfnis eines Soldaten ausmache, nämlich: ein Degen; und setzte hinzu, er würde ihm unendlich verbunden sein, wenn er ihm zu einem verhelfen könnte. »Ich will Ihnen,« sagte er, »gerne jeden billigen Preis dafür bezahlen. Es kommt mir auch eben nicht auf ein silbernes Gefäß an, wenn die Klinge nur gut ist und von der Beschaffenheit, daß sie ein ehrlicher Soldat an der Hüfte tragen kann.«

Der Wachtmeister, welcher recht gut wußte was vorgegangen war, und gehört hatte, daß Jones sich in gefährlichen Umständen befände, machte aus solch einer Botschaft, zu solch einer Zeit des Nachts, und von einem Manne in solch einer Lage, den unmittelbaren Schluß, es müsse in seinem Kopfe nicht ganz richtig zugehn. Da ihm nun (um die Redensart hier in gewöhnlicher Bedeutung zu nehmen) der Kopf allemal auf der rechten Stelle stand, so bedachte er sich nicht lange, aus dem Einfalle des kranken Mannes seinen Vorteil zu ziehen. »Herr,« sagte er, »ich glaube ich kann aushelfen. Ich führe ein wackeres Ding von dem Schlage in der Kompanie. Ein silbernes Gefäß ist nun freilich nicht daran, welches, wie Sie richtig bemerken, für einen braven Soldaten sich nicht einmal schickt; aber der Griff ist doch anständig genug, und die Klinge ist so gut als eine in Europa. Es ist eine Klinge, Herr! – eine Klinge! – die – kurzum, ich will Ihnen gleich den Degen herholen, und Sie sollen ihn sehen, und sollen 'n probieren! – 'S ist mir herzlich lieb, daß ich Ihr Gnaden so wohl sehe.«

Nachdem er im Augenblick wieder mit dem Degen zurückgekommen war, gab er solchen Herrn Jones in die Hände, welcher ihn nahm, ihn auszog, und darauf dem Wachtmeister sagte, er werde wohl angehn, und ihn darauf bat, seinen Preis zu fordern.

Der Wachtmeister fing nun an, seine Ware in die Länge und Breite herauszustreichen. Er sagte, (ja er beschwor es ganz kecklich,) die Klinge wäre in der Schlacht bei Dettingen von einem französischen[48] Offizier von sehr hohem Range erbeutet. »Ich nahm s' ihm selbst,« sagt' er, »von der Seite, nachdem ich 'n eins über'n Kopf versetzt hatte. Das Gefäß war von purem Golde; das verkauft' ich an einen von unsern vornehmen Putzdocken; denn, Ihr Gnaden wissen ja wohl, daß es der Leute genug gibt, die sich mehr aus dem Gefäße machen, als aus der Klinge.«

Hier fiel ihm der andere in die Rede und bat, ihm den Preis zu sagen. Der Wachtmeister, der gar nicht anders glaubte, als Jones habe seine Sinne nicht alle beieinander und wäre seinem Ende sehr nahe, meinte er thäte Sünde, wenn er seiner eigenen Familie dadurch zu nahe thäte, daß er zu wenig forderte, begnügte sich gleichwohl, nachdem er ein paar Minuten nachgedacht hatte, damit, daß er zwanzig Stück Karolinen forderte und dabei schwur, er wollte ihn seinem eigenen Bruder nicht um weniger verkaufen.

»Zwanzig Stück Karolinen!« sagte Jones mit der äußersten Verwunderung. »Der Herr hält mich gewiß für verrückt oder meint, ich habe in meinem Leben noch keinen Degen gesehen. Zwanzig Karolinen! Ich dächte gar! Ich hätte mir nicht eingebildet, daß mich der Herr so zu prellen suchen wollte. – Da, da nehm' der Herr seinen Degen! – Doch nein, besser gedacht, will ich ihn selbst behalten und ihn morgen früh Ihrem Offizier zeigen, und ihm dabei sagen, wie viel Sie von mir dafür gefordert haben.«

Der Wachtmeister, welchem, wie wir gesagt haben, der Kopf (in sensu praedicto) allemal auf der rechten Stelle stand, und der jetzt sehr deutlich merkte, daß es mit Jones' Kopfe nicht so beschaffen sei, wie er gedacht hatte, faßte sich auf der Stelle, äffte eine ebenso große Verwunderung nach, als der andere bezeigt hatte, und sagte: »Herr, ich bin gewiß, daß ich Ihnen nicht viel vorgeschlagen habe. Daneben müssen Sie bedenken, daß ich nur den einen Degen habe, und ich's darauf wagen muß, daß mich mein Offizier bestraft, wenn ich selbst ohne 'en Degen gehe; und wahrhaftig! alles das zusammengenommen, so sollt' ich denken, zwanzig Kopfstück wär' nicht so greulich viel dafür!«

»Zwanzig Kopfstück, wie? Der Herr forderte ja den Augenblick zwanzig Stück Karolinen.« – »Wie!« schrie der Wachtmeister, »sicher, Ihr Gnaden haben nicht recht gehört, oder ich habe mich versprochen – Nu! ein Wunder ist's auch nicht; denn ich bin noch halb im Schlafe. Zwanzig Karolinen, ja das glaub' ich! Kein Wunder, daß Ihr Gnaden das so übel nahmen! ich sagte auch zwanzig Stück Karolinen! – Nein, nein, ich meinte zwanzig Kopfstück, versichere Sie; und wenn Ihr Gnaden alles recht bedenken, so hoff' ich, werden Sie den Preis so überteuer nicht finden. Es ist freilich wohl[49] wahr, daß Sie einen Degen, der ebenso hübsch aussieht, wohl für etwas weniger Geld haben könnten, aber –«

Hier unterbrach ihn Jones und sagte: »Ich bin so wenig gesonnen, lange mit Ihnen zu feilschen, daß ich Ihnen lieber noch etwas mehr geben will, als Sie fordern.« Das that er denn wirklich und sagte ihm dabei: er solle nur wieder zu Bett gehen, und er wünschte ihm auf morgen einen guten Marsch, hinzufügend, er hoffte, die Division noch wieder einzuholen, bevor sie Glocester erreicht hätte.

Der Wachtmeister nahm sehr höflichen Abschied, herzlich zufrieden mit seinem getroffenen Handel, und nicht weniger vergnügt über seine Behendigkeit, womit er den falschen Schritt gewendet hatte, wozu er durch die Meinung, daß es dem kranken Manne im Kopfe spuke, sich hatte verführen lassen.

Sobald der Wachtmeister fortgegangen war, stand Jones auf von seinem Bett, kleidete sich völlig an, und zog sogar den Rock über, welcher, da er von weißer Farbe, die Ströme von Blut sehr sichtbar zeigte, welche darüber hingeflossen waren. Er faßte darauf seinen neugekauften Degen in die Hand und war im Begriff fortzugehen, als der Gedanke an das, was er zu thun auf dem Punkt stände, ihn plötzlich überfiel, und er zu überlegen begann, daß er vielleicht innerhalb ein paar Minuten einem menschlichen Wesen das Leben nehmen, oder auch sein eigenes verlieren mochte. »Sehr gut!« sagte er, »und in was für einer Sache wage ich denn mein Leben? Nun, in Sachen meiner Ehre! Und was für ein menschliches Wesen ist es denn? Ein Schurke, der mich, ohne daß ich ihn dazu gereizt habe, beleidigt hat und beschimpft. Aber verbietet nicht die Religion, sich zu rächen? – Ja; aber die Welt dagegen befiehlt es. Wohl! soll ich aber der Welt gehorchen, und dem ausdrücklichen Befehle des Himmels und der Religion zuwider handeln? Soll ich lieber den göttlichen Zorn auf mich laden, als mich von der Welt – ha! eine feige Memme, einen nichtswürdigen Schuft nennen lassen? – Ich will nicht mehr daran denken! Ich bin entschlossen! – Ich muß mich mit ihm schlagen.«

Es war schon über zwölf Uhr, und jedermann im Hause war zu Bett gegangen, ausgenommen die Schildwache, welche vor Northertons Gefangenzimmer stand, als Jones ganz leise seine Thüre öffnete und fortging, seinen Feind aufzusuchen, von dessen gefänglichem Aufenthalte er eine vollkommene Beschreibung von dem Kellnerburschen eingezogen hatte. Man kann sich nicht leicht eine fürchterlichere Gestalt einbilden, als er jetzt vorstellte. Er hatte, wie wir bereits gesagt haben, einen hellfarbigen Rock an, der mit Strömen von Blut bedeckt war. Sein Angesicht, dem eben dieses Blut sowohl,[50] als noch zwanzig Unzen mehr fehlten, welche ihm der Wundarzt abgezapft hatte, war ganz blaß. Rund um seinen Kopf herum hatte er einen großen Verband, der so ziemlich aussah wie ein türkischer Turban. In der Rechten trug er einen Degen, und in der Linken ein Licht! so, daß der blutige Banko im Trauerspiel nicht wert war, mit ihm in Vergleichung gestellt zu werden. Im Ernst glaube ich nicht, daß jemals ein fürchterlicheres Gespenst auf einem Kirchhofe erschienen, oder in die Einbildung der guten Leute gekommen sei, welche an einem winterlangen Abend in einer Christnacht sich um ein Kaminfeuer in Somersetshire versammeln.

Als der Mann auf dem Posten unsern Helden gewahr ward, begann sein Haar ganz leise seine Grenadiermütze zu heben, und zu gleicher Zeit fingen seine Kniee an gegeneinander einen Wirbel zu schlagen; und plötzlich darauf fing sein Körper noch heftiger als in einem kalten Fieber an zu zittern. Er schoß seine Flinte ab und fiel mit dem Knall der Länge nach auf sein Angesicht nieder.

Ob Furcht oder Kourage ihn die Flinte lösen ließ, oder ob er nach dem Gegenstande seines Schreckens zielte, das kann ich nicht sagen. Wenn er aber zielte, so war er so glücklich seinen Mann zu verfehlen.

Als Jones den Mann fallen sah, argwöhnte er die Ursache seines Schreckens; und er konnte sich nicht enthalten darüber zu lächeln, ohne im geringsten die Gefahr zu überlegen, der er eben entgangen war. Er ging darauf bei dem Kerl vorbei, welcher noch immer in der Stellung lag, wie er gefallen war, und trat in das Zimmer, in welchem, wie ihm gesagt worden, der Fähnrich Northerton gefangen saß. Hier in trauriger Einsamkeit fand er – einen leeren Bierkrug auf dem Tische stehend, auf welchem etwas verschüttetes Bier herunterfloß, und dadurch den Anschein gab, als ob das Zimmer noch vor kurzem bewohnt gewesen, für jetzt aber stand es völlig leer.

Jones fing an zu vermuten, es möchte wohl nach einer andern Kammer führen. Allein, nachdem er alles rund umher durchsucht hatte, konnte er keiner andern Thüre ansichtig werden als der, durch welche er hereingekommen und vor welcher die Schildwache ihren Posten gehabt hatte. Er fing darauf an, den Fähnrich Northerton verschiedene Male bei seinem Namen zu rufen, niemand aber antwortete, und dies Rufen diente in der Welt zu nichts weiterem, als die Schildwache in ihrem Schrecken zu bestärken, welche nun überzeugt wurde, daß der Volontär an seinen Wunden gestorben und der Geist gekommen sei, seinen Mörder zu peinigen. Der Kerl lag nun da in allen Qualen der grauenhaftigsten Angst und ich möchte von Herzen wünschen, daß einige von den Schauspielern, die[51] inskünftige einen Mann vorstellen sollen, der vor Schrecken alle seine Sinne verloren hat, ihn gesehen haben möchten, damit sie lernen könnten, die Natur getreu nachahmen, anstatt, zur Freude und zum großen Wohlgefallen der obersten Galerie ihre alten Gebärdenspiele und Gaukelpossen zu treiben.

Als er merkte, daß der Vogel ausgeflogen, wenigstens verzweifelte, ihn zu finden, und mit Recht besorgte, daß der Knall der Flinte das ganze Haus in Aufruhr setzen würde, blies unser Held sein Licht aus und schlich sich leise wieder nach seiner Kammer und in sein Bette, wohin er wohl schwerlich unentdeckt gekommen sein möchte, wenn irgend jemand außer ihm in dieser Flur gewohnt hätte, ausgenommen ein einziger alter Herr, den das Podagra im Bette hielt, denn ehe er noch seine Kammerthüre erreichen konnte, war der Vorplatz, woselbst die Schildwache ihren Posten gehabt hatte, schon halb mit Leuten angefüllt. Einige waren in bloßen Hemden und andere nur halb angekleidet, alle aber befragten sich untereinander sehr ernsthaft, was denn hier vorging?

Man fand nun den Soldaten auf eben der Stelle und in eben der Positur liegen, wie wir ihn kurz vorher verlassen haben. Einige machten sich gleich darüber her, ihn aufzurichten, und einige hielten ihn für tot; diese merkten aber bald ihren Irrtum. Denn er sträubte sich nicht nur gegen diejenigen, welche ihre Hände an ihn legten, sondern fing auch an zu brüllen wie ein Ochse, weil er wirklich meinte, es wären lauter Gespenster oder höllische Geister, welche ihn anpackten. Seine Einbildungskraft war einmal mit fürchterlichen Erscheinungen angefüllt und verwandelte also alles, was er sah oder fühlte, in lauter Geister und Gespenster.

Zuletzt ward er durch die Anzahl überwältigt und wieder auf die Beine gebracht. Als man mit Licht kam und er zwei oder drei von seinen Kameraden erblickte, kam er wieder ein wenig zu Sinnen; als sie ihn aber fragten, was da vorgegangen sei, war seine Antwort: »Ach ich bin ein Kind des Todes! das ist's alles! Ich bin ein Kind des Todes! Ich kann's nicht überwinden! Ich hab'n gesehn! Ich hab'n gesehn!« – »Was hast du gesehn, Jakob?« sagte einer von den Soldaten. – »O, ich hab'n gesehn, den Volontär, der gestern totgeschmissen wurde!« Er verwünschte sich dann mit den schwersten Flüchen, wenn's nicht wahr wäre, daß er den Volontär gesehn hätte, der über und über bedeckt mit Blut und Feuer aus dem Munde und Nasenlöchern speiend, vor ihm vorbeigegangen wäre in die Kammer, woselbst Fähnrich Northerton gefangen gesessen, und drauf noch ferner gesehn hätte, wie der Geist den Fähnrich beim Halse gepackt und mit ihm unter einem Donnerschlage davongeflogen wäre.[52]

Die Erzählung fand bei den Zuhörern einen sehr günstigen Beifall. Alle gegenwärtigen Weiber glaubten steif und fest daran und baten den lieben Gott, er möchte sie doch vor Mord und Totschlag bewahren! Auch unter den Männern hatten manche Glauben an die Historie; andere aber machten sich darüber lustig und suchten sie lächerlich zu machen, und ein dabei stehender Furier sagte ganz kaltblütig: »Junger Kerl! Ihr werdet so nicht davonkommen, daß Ihr auf Eurem Posten geschlafen und geträumt habt!«

Der Grenadier versetzte: »Strafen können sie mich so viel sie wollen, aber meine Augen waren eben so wach als jetzt, und der Urian soll mich holen, wie er den Fähnrich geholt hat, wenn ich nicht den toten Mann gesehen habe, wie ich euch sage, mit so großen und glühenden Augen, als zwei große Fackeln.«

Das Haupt der Truppen und das Haupt des Hauses waren nun beide herbeigekommen: denn der erste, welcher noch nicht eingeschlafen gewesen und die Schildwache ihr Gewehr abschießen gehört, hatte es für seine Pflicht gehalten, alsobald aufzustehen, ob er gleich kein großes Unglück besorgte; da hingegen die Besorgnis der andern um ein vieles größer war, ihre Löffel und Kannen möchten sich in Marsch setzen, ohne dazu von ihr die geringste Ordre empfangen zu haben.

Unsre arme Schildwache, welcher der Anblick dieses Offiziers nicht viel willkommner war, als die Gespenstererscheinung, die er nach seinen Gedanken vorhin gesehen hatte, erzählte von neuem die grausenvolle Geschichte und zwar mit einigen Zusätzen von Blut und Feuer; er hatte aber das Unglück, bei den beiden letztgedachten Personen keinen Glauben zu finden. Denn der Offizier war, obgleich ein sehr religiöser Mann, frei von aller dergleichen abergläubischer Furcht; überdem hatte er den Jones, wie wir gesehen, noch erst so kürzlich in solchen Umständen verlassen, daß er an seinen Tod gar nicht glauben konnte. Die Wirtin ihrerseits war zwar nicht gar zu religiös, doch hatte sie keinen großen Widerwillen gegen die Lehre von Geistern und Gespenstern; aber es fand sich ein Umstand in der Erzählung, von welchem sie besser wußte, daß er falsch sei: wie wir dem Leser den Augenblick berichten wollen.

Jedoch, ob Northerton im Donner oder im Feuer davongeholt, oder auf was Weise er davongekommen war: das Gewisse von der Sache bestand darin, daß sein Körper sich nicht mehr im Gefangnenstocke finden ließ. Ueber diesen Umstand fiel der Schluß des Leutnants nicht sehr verschieden aus von dem Urteile des Furiers, dessen wir kurz vorher erwähnt haben; er befahl daher, die Schildwache auf der Stelle in Arrest zu nehmen. Sonach ward,[53] nach einem sonderbaren Laufe des Glücks (obgleich beim Soldaten nicht gar so unerhört), der Bewachende zum Bewachten.

Quelle:
Fielding, Henry: Tom Jones oder die Geschichte eines Findelkindes. Stuttgart [1883], Band 2, S. 47-54.
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