Ein und zwanzigstes Capitel.

Der Cornet.

[116] Er genaß endlich vollkommen, und selbst die Spuren seiner Verwundung waren verschwunden. Der Herbst ging zu Ende; wir dachten darauf in die Stadt zu ziehen, als ein Brief von seinem Vater ankam, der unsern ganzen Plan veränderte.

»Weißt du was Neues, lieber Gustel?« – sagte der Junker, und klopfte in die Hände.[116] – »Ich komme als Cornet zum Regimente.« –

Ich wurde leichenblaß, und ließ die Arme sinken; es war, als ob man mir mein Todesurtheil angekündigt hätte.

Er bemerkte es. – »Nun? Und du gehst mit!« – fuhr er fort, und drehte mich bey den Achseln herum – »Du gehst mit, lieber Gustel! da sollst du reiten lernen, Herr Bruder!« –

Der Uebergang zur Freude hat etwas äusserst Wollüstiges. Nie war er mir so schön vorgekommen, ich hätte ihn an mein Herz drücken mögen.

»Wenn denn?« – fragte ich mit halberstickter Stimme.

»So bald als möglich. – Der Papa schreibt, ich soll eilen! Der Oberste will mich[117] gerne vorrücken lassen. – Das soll ein Leben werden! – Die Tante giebt Zulage, und der Papa ebenfalls.« –

Er sprang vor Freude hin und her. Ich aber sah in süßer entzückender Freude zu, und dachte, wie schön ihm die Uniform stehen würde.

Wenig Tage waren hinreichend, unsere Einrichtungen zu machen; aber Lorchen ging umher und weinte. – »Wirst du mich auch nicht vergessen? – Wirst du mich auch immer lieb haben, Herzensgustel?« – fragte sie mich tausendmal des Tages, und ich konnte es ihr als – eine Schwester versprechen.

Endlich brach der Tag der Abreise an; sie kam vor mein Bette und weckte mich. –[118] »Da, mein guter Junge!« – sagte sie – »da hast du noch ein kleines Andenken von mir!« – Es war ein Busenstreif und ein gehenkelter Gulden. – »Ich habe die ganze Nacht daran gearbeitet; er ist fleckig geworden, denn meine Thränen sind darauf gefallen.« – Sie küßte mich dreymal – »Nachher kann ich nicht, wenn ihr fortfahrt!« setzte sie hinzu.

Ich war äußerst gerührt; ach! ich fühlte, wie sehr eine Trennung schmerzen konnte. – Der Junker kam dazu. – »Nun Lorchen!« – sagte er – »wird dir der Abschied schwer? Laß nur gut seyn, zum Sommer kommen wir auf Urlaub wieder.«

Bald darauf waren wir reisefertig; die gnädige Frau gab uns tausend Vermahnungen und Segenswünsche auf den Weg; Lorchen[119] warf mir noch einen Kuß zu, und wischte sich die Augen, und Andres schüttelte mir die Hand. Der Knecht fuhr zu, und in wenig Minuten waren wir im Felde.

Quelle:
Christian Althing: Hannchens Hin- und Herzüge nebst der Geschichte dreyer Hochzeitsnächte. Leipzig 21807, S. 116-120.
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