18. Herrn Jacob Sperlingen und Jungfrauen Anna Schelhammer in Hamburg

[314] 1636 Juni 13.


Freund, ich bin dir für gewiß

gut zu tun weit mehr als diß,

daß ich deines Hymens Feier,

der dir heut' ein Fest bestellt,

das dem Himmel wol gefällt,

zieren soll mit meiner Leier.
[314]

Dreimal hat dir, Wassermann,

Zynthius Bescheid getan,

dreimal will es Winter werden,

seit ich dein Hamburg ließ stehn

und mit dir fing an zu gehn

gegen Reußlands kalten Norden.


Damals stund auch dir dein Sin

weit mit mir zu fahren hin,

wo der junge Tag erwachet,

wo das teure Holstein nun

etwas Solches hat zu tun,

das uns Allen Freude machet.


Nach der Zeit so hastu dich

ganz gesetzet gegen mich.

Ich bin ganz erpicht auf Züge:

du erwählest dir die Ruh',

und der Ruhe Rast darzu

giebt sich dir in voller Gnüge.


Diß gewündschte Hindernüß

fördert dich, das ist gewiß.

Dein' Gedanken, Tun und Lassen,

Alles, was du bist und hast,

das giebst du in einer Last

deiner Liebsten zu umfassen.


Gott, der weiß, wie mirs noch geht.

Nun, ihr wisset, daß ihr steht:

ich besteh' in Unbestande.

Dich verknüpft ein freies Band:

ich, wie los mir ist die Hand,

bin verstrickt auf weite Lande.


Wol euch, übel mir, daß ich

so verwegen bin auf mich!

Gott, der mag uns beiderseiten,

weil es ja muß sein getan,

dich mit Segen sehen an,

mich mit Hulden auch begleiten.


Komm' ich wieder wol zu dir,

so gelingt es dir und mir,[315]

dir, daß du mich kaust empfangen,

mir, daß eine lange Schaar

deiner Kinder, Paar und Paar,

recht entgegen kömmt gegangen.


Quelle:
Paul Fleming: Deutsche Gedichte, Band 1 und 2, Stuttgart 1865, S. 314-316.
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