5. Auf Herrn Peter Kuchens und Jungfrau Helenen Ilgens ihre Hochzeit

[294] 1632 Mai.


Und was ist es fast von Nöten,

daß sich mühen die Poeten,[294]

Bräutgam, um dein Hochzeitfest,

da das junge Jahr in Allen

dir und Deiner zu Gefallen

einen Brauttanz hören läßt?


Der gesunde Mai kommt gangen

in den ganz verblümten Wangen

und verjüngt euch seinen Schein.

Phöbus sendet seine Stralen,

läßt den Platz mit Farben malen

da der erste Reihn soll sein.


Zephyr fleugt mit offnem Munde

und haucht aus dem Blumenschlunde

mancher Blumen liebe Zier.

Aklei, Tulpen und Narzissen

sieht man aus dem Boden sprießen,

den ihr tretet, für und für.


Die gelehrten Nachtigallen

schrein euch zu mit lauten Schallen:

Glück, Glück, Glück, du trautes Paar!

Dir, dir, dir gilt unser Singen,

dem die Täler widerklingen!

ruft des Federpöfels Schaar.


Auf den Feldern, in den Auen

habt ihr eure Lust zu schauen;

Alles schicket sich in euch.

Die verbulten Heerden scherzen,

wenn sie euch sehn sehnlich herzen,

und umfangen sich zugleich.


Daß die Elster heller rauschet,

daß um Bulerinnen tauschet

manches liebes Wasservolk,

daß die Püscher sanfter brausen,

daß die Lüfte linder sausen

und uns trübet keine Wolk':


Alles diß und anders Alles,

was uns wol tut gleiches Falles,

wen wol trifft und geht es an?

Seid nicht ihr's, ihr Liebsten beide,[295]

denen die und andre Freude

blos zur Lust wird angetan?


Ja, ihr seid's! So braucht der Ehren,

die euch Alles hilft vermehren,

was sich freuet weit und breit!

Eilt zur Lust, lauft zu den Tänzen,

weil ihr noch seid in den Lenzen,

euren und des Jahres Zeit.


Norden, Osten, Süd und Westen

blasen den berauschten Gästen

kühle, linde Lüfte zu.

Ihr indessen, weil sie trinken,

laßt die matten Augen sinken

in die angenäme Ruh'!


Wol! Wer will euch das verwehren,

was wir Alle doch begehren?

Geht das sanfte Rasten ein!

Was ihr schlafet, was ihr wachet,

was ihr lachet, was ihr machet,

werden lauter Scherze sein,


solche Scherze, so mit nichten

bloße Scherze sind zu richten,

daß hernach diß sage frei,

warum ihr euch itzt wollt herzen,

daß zugleich in euren Scherzen

Schimpf und Ernst gewesen sei.

Quelle:
Paul Fleming: Deutsche Gedichte, Band 1 und 2, Stuttgart 1865, S. 294-296.
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