2. An die Wolgebornen Herrn Hans Heinrichen und Herrn Christianen, Herren von Schönburg. 1630

[325] Trautes Paar der Pierinnen,

das nicht nur ein Föbus liebt,

dem sich iede Charis giebt,

hohen Blutes, hoher Sinnen,

Paar an Ehren, Paar an Tugend,

Paar einander gleich an Jugend?


Soll denn meine Klio singen,

Klio, meine Bauer-Magd,

dich, von dem Apollo sagt,

daß die Saiten nicht recht klingen,

wenn er will zu deinen Ehren

ein Getöne lassen hören?


Doch schallt es noch fein in Püschen,

wenn die frische Fyllis tönt,

frühe, wenn sich Titan sehnt

aus den Wassern vorzuwischen,

wenn sie singet von dem Herzen,

das ihr Mopsus gab mit Scherzen.


Meine Klio, meine Liebe,

lasse dich nichts fechten an,

ob hier Föbus selbst nichts kan!

Stell dein Antlitz nur nicht trübe,

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .


Trautes Paar der Pierinnen,

das nicht nur ein Föbus liebt,

dem sich iede Charis giebt,

hohen Blutes, hoher Sinnen,

Paar an Ehren, Paar an Tugend.

Paar einander gleich an Jugend!
[325]

Itzt hab' ich mir fürgenommen

durch die Wälder, durch das Feld,

durch die weite runde Welt,

auch wo Föbus nie hinkommen,

dich zu suchen, dich zu ehren,

deines Lobes Lob zu mehren.


Wird den Erdenkreis bestralen

Föbus warmes Angesicht',

oder wird das Silber-Licht,

Zynthius die Nächte malen,

wirstu schlafen, wirstu wachen,

wirst du weinen, wirst du lachen,


wirst du Spiel' und Jagten halten,

wirst du zu der Tafel gehn,

wirst du vor der Liebsten stehn,

bis du letzlich wirst erkalten:

so soll dich zu allen Zeiten

meine Klio auch begleiten.


Trautes Paar der Pierinnen,

das nicht nur ein Föbus liebt,

dem sich iede Charis giebt,

hohen Blutes, hoher Sinnen,

Paar an Ehren, Paar an Tugend,

Paar einander gleich an Jugend!


Quelle:
Paul Fleming: Deutsche Gedichte, Band 1 und 2, Stuttgart 1865, S. 325-326.
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