33. Auf Herrn Timothei Poli Namenstag

[370] 1636 Januar 24.


Ja, er hat es weit gebracht,

unsrer Sprache werter Meister!

Durch den Witz der klugen Geister

hat er uns den Weg gemacht,

daß wir nun die höchsten Sinnen

vieler Völker trutzen können.
[370]

Unser wird, was Andern war.

Tass' Torquat, Petrarca weichen.

Unsern Deutschen mag nicht gleichen

Bartas, Sidney, Sannazar.

Wenn Katz, Heins' und Opitz singen,

so will ganz nichts Fremdes klingen.


Auch das Alte wird verjüngt.

Der Pelasger schönes Wesen

und was Rom zuvor gelesen

hört man, wie mans bei uns singt.

Venus und ihr ganzer Orden

ist nun kurz auch hochdeutsch worden.


Du durchrennst des Lobes Bahn,

Freund, mit abgeschoßnem Zügel!

Ich auch setz' in vollem Bügel

auf das schöne Wesen an,

von dem Dafnes edle Sprossen

um mein braunes Haar geschossen.


Kastalis, dein teurer Fluß

soll durch mich auch sich ergießen

und mit völlern Ufern fließen

um Cytherons grünen Fuß!

Cyrrha soll mir Anlaß geben,

was mein Meißen kan erheben.


Heute laß uns unser sein!

Der Tag, dein Tag, der so schöne,

ruft uns treue Musensöhne

von uns aus und zu dir ein.

Der Tag, dein Tag, den wir ehren,

soll uns neue Freude lehren.


Dann so laß uns alles Leid,

allen Kummer in die Gaben

des gesunden Evans graben!

Dann gedenk an keinen Neid,

der, indem er uns verletzet,

auf sich selbst sein Messer wetzet!


Was bekümmert dich ein Maul,

das nichts anders kan als klaffen[371]

und aus Gutem Böses schaffen,

schnell' auf Schmach, auf Loben faul?

Laß sie sagen, was sie wollen,

wenn nur wir tun, was wir sollen!


Wenn der Reben güldner Saft

in den lichten Römern springet,

und uns in die Stirne dringet

seiner Stärke heiße Kraft,

da vergessen wir der Sachen,

die die Herzen irdisch machen.


Das ist unser Pegasus,

der uns von dem schweren Volke

hoch setzt über eine Wolke,

da uns Niemand schaden muß.

Ehren uns Thymbräus Schwestern,

so laß jene sicher lästern!


Recht so, Polus, rufe laut!

Her die Hand, dieweil ich trinke!

Doch von Herzen geht die Linke,

wie man itzt will sein getraut.

Wer uns heute wird betrüben,

den soll Phöbus nimmer lieben!


Grahman wird nicht ferne sein,

Grahman, unser dritter Treuer,

der ihm um das Schorsteinfeuer

wol läßt schmecken deinen Wein.

Was du schenkest deinen Gästen,

das kömmt dennoch dir zum Besten!


Sind der Freunde mehr noch hier,

wol! so laß sie alle kommen!

Keiner muß sein ausgenommen,

der dich ehrt und liebt wie wir.

Du und er und ich und Alle

wollen frölich sein mit Schalle.


Sa, ihr Freunde, machts wie ich!

Leeret die gefüllten Schaalen!

Polus mag das Mahl bezahlen!

Sa, ihr Brüder, seht auf mich![372]

Tut mirs nach, wie ichs euch weise:

auf die Wolfart unsrer Reise!


Quelle:
Paul Fleming: Deutsche Gedichte, Band 1 und 2, Stuttgart 1865, S. 370-373.
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