Am Jahrestag von Düppel

[233] (18. April 1865)


Des Frühlings erste Spitzen

Umsäumen Baum und Strauch,

Im Blau die Wolken blitzen,

Die Ströme blitzen auch;

Ein Keimen allenthalben,

In jedem Mauerriß,

Und kommen nicht heute die Schwalben,

So kommen sie morgen gewiß.


Und Frühling kam und Friede

Auch über den Schleswig-Strand,

Wo donnernd die Feuerschmiede

Am Düppeltage stand;

Und wo bei Blitz und Wolke

Erzitterte der Grund,

Ziehn Möwen in flatterndem Volke

Hin über den Alsen-Sund.


Ein Friede über den Wellen

Und Friede in Feld und Flur;

Unter all den stillen Stellen

Ist eine stillere nur:

Bei Sturmmarsch-Trommeln und -Blasen[233]

Mußten sie schlafen ein,

Nun grünt der erste Rasen

Über ihren Stein.


Ruht sanft; in eurem Grabe

Sei euch die Erde leicht!

Des Lebens beste Habe

Hat euch der Tod gereicht:

Um Sieg und Himmel werben,

So war es euch beschert;

Ihr mußtet frühe sterben,

Doch war es Sterbens wert.


Quelle:
Theodor Fontane: Sämtliche Werke. Bd. 1–25, Band 20, München 1959–1975, S. 233-234.
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