Vierter Zeitraum

[193] (Mahomed liegt unter einem Baume und schläft.)


Das Chor.


Erstes Chor.


Sohn der Stärke! Gott der Siege!

Hülfreich warst du in der Schlacht,

Doch umsonst; zu blutigerm Kriege

Rüstet neu sich Mekkas Macht,

Wir, die Sieger müssen irren

Flüchtig durch die Wüsten fort,

Keine Rettung will uns führen

In des Friedens sichern Port.

Nacht! hüll uns in deine Schatten!

Tag! wir scheu'n dein helles Licht!

Doch, umsonst, denn Wälder, Schatten,

Bergen uns der Rache nicht.


Zweites Chor.


Seht, wie er schlummert,

Freundlich und heiter,

Wie in der Höhle,

Grimmiger Löwen,

Schlummert ein Kindlein. –

Seliger Friede

Kränzt ihm die Schläfe;

Duftige Träume

Streuen die Blüthen

Ueber das Leben,

Ueber die Welt.


[194] Ali, die Vorigen.


Ali.


Mahomed! Mahomed!


Mahomed (aufspringend.)


Ali! du? was begehrst du?


Ali.


O Herr, es bedroht uns ein großes Unglück.


Mahomed.


Welches denn? rede!


Ali.


Habib-Ebn-Malec der Emir der Nomaden lagert im Thal unfern von hier, mehrere Tausend streitbare Männer begleiten ihn und sein Heereszug ist allen Stämmen furchtbar.


Mahomed.


Nun! ist das ein Unglück für uns?


Ali.


Alle Stämme von Mekka, die Haschemiden ausgenommen, haben ihm eine Gesandtschaft geschickt, die ihn zum Schiedsrichter ihrer Streitigkeiten mit dir ernannt hat. Heute werden zehen Koreschiten vor ihn treten und dich der Gotteslästerung, des Hochverraths und des Aufruhrs verklagen; sie sind alle fest entschlossen auf deinen Tod zu dringen.


Mahomed.


O Himmel! welche Gefahr umgiebt mich? Doch stille, meine Seele! es muß ja Rettung kommen. – Aber sprich, Ali! wer gab dir von allen dem Kunde?


Ali.


Ich war diese Nacht in Mekka; Abu-Johl, der verdammte Lästerer, konnte seine Schadenfreude nicht bergen, er trat zu meinem Vater und sprach: Nun, weiser Abu-Taleb! rette dein Söhnlein, denn Mahomeds Frevel hat ein Ende, der große Emir wird ihn zum Tode verdammen und alle seine Anhänger der Schande und der Verbannung Preis geben. So sprach Abu-Johl, und seine Blicke waren[195] noch grimmiger, als seine giftigen Reden. Ehe noch der Morgen graute verließ ich die Stadt, um dich zu warnen.


Mahomed.


Umsonst, wo soll ich hinfliehen? ich muß bleiben und erwarten.


Ali.


Verbirg dich in den Schlünden der Gebirge von Najed, erscheine nicht vor dem Emir.


Mahomed.


Ich erscheine, wenn er mich fodern läßt.


Ali.


Habib muß sich freuen, es muß ihm schmeichlen, daß ihn die stolzen Koreschiten zum Richter erwählet haben; ihnen zu gefallen, wird er dich verderben, du wirst das Opfer seines Ehrgeizes werden.


(Ein Bote kommt.)


Bote.


Bist du Mahomed Abul-Casem, der Koreisch?


Mahomed.


Ja, ich bins.


Bote.


Habib-Ebn-Malec, der Emir der Emiren sendet mich zu dir, du sollst noch heute vor seinem Richterstuhl erscheinen; wessen du angeklagt bist, sollst du aus seinem Munde erfahren.


Mahomed.


Meldet dem großen Emir, ich würde vor ihm erscheinen.


(Bote ab.)


Ali.


So ist es denn unwiderruflich?


Mahomed.


Geh, Ali! nimm diese Männer mit dir (auf die Chöre deutend.) Hüllet euch in Feierkleider und bereitet euch vor Habib zu erscheinen, geht voraus, ich folge euch nach.


(Ali und das Chor ab.)


[196] Mahomed (kniet nieder.)


O Allah! Gott meiner Väter! der du wohnst in der Herrlichkeit siebenfacher Himmel! Weisheit, Allmacht und Gnade umgeben dich von Ewigkeit zu Ewigkeit; deine Barmherzigkeit ist unendlich, alle Schuld gehet darin unter, wie ein Tropfen im Weltmeer. O Herr! erbarme dich auch deines Knechtes, laß mich nicht zu Schanden werden vor meinen Feinden, laß mich nicht ein Spott werden der Gottlosen; sieh gnädig herab auf mich aus deiner ewigen Klarheit, sende mir einen Strahl von deinem himmlischen Lichte, daß deine Wahrheit durch meinen Mund offenbar werde den Völkern, und sie erkennen, du seyest der lebendige, einzige Gott und Mahomed dein Prophet, den du in die Welt gesandt hast, dich zu verkündigen, und durch dein göttliches Leben die Sterblichen zur Unsterblichkeit zu führen.


(Er steht auf.)


Drei Greise treten auf.


Erster Greis.


Bist du Mahomed, der Prophet, den die Bürger von Mekka verfolgen?


Mahomed.


Ja, ich bins, doch wer seyd ihr? euer Ansehen ist so ehrwürdig und so wunderbar zugleich, daß ich euch für die Geister dieses Gebirges halten mögte; wenn ihr es seyd, so würdigt mich eurer Antwort.


Zweiter Greis.


Wir sind die Rabbis der Judäischen Gemeinden im Lande Yatreb, unser Weg führt uns nach Mekka, aber die kühlen Schatten[197] dieses Waldes luden uns zur Mittagsruhe ein, ungesehen von dir haben wir dein Gebet gehört. Ja, du mußt ein Prophet seyn, nur ein Gotterfüllter kann so beten, wie du gethan hast.


Dritter Greis.


Dein Ruf erfüllt ganz Arabien, auch in Yatreb kennt man dich; wir haben stets gut von dir gedacht, denn du gleichst den alten Propheten unsers Volks, und viele ihrer Weissagungen erfüllen sich in dir.


Erster Greis.


Wahrlich, du bist der, von dem geschrieben steht: Er wird kommen und uns erretten von aller Schmach und von aller Knechtschaft der Fremden.


Mahomed.


Wenn ihr von den Meinen seyn wollt, so sprecht: Es ist nur ein einziger Gott, und Mahomed ist sein Prophet.


Alle drei Greise (sich vor ihm niederwerfend.)


Ja, du bist der Prophet des einzigen Gottes, du bist der Verheißene.


Mahomed.


Steht auf, meine Freunde, zieht hin ins Land Yatreb, verkündet dem Volke das Heil, das euch widerfahren ist, und behaltet treu die Wahrheit in euern Herzen. –


Zweiter Greis.


Wir wollen verkündigen, was du uns verkündiget hast, du bist der Messias der Welt; vergiß uns nicht, und wenn dich die Ungläubigen verfolgen, so flüchte in unsere Thäler, wir wollen für deine Vertheidigung sterben.


Mahomed.


Zieht hin in Frieden, Allah geleite euch!


(Die drei Greise gehen ab.)


[198] Nahlid und Mahomed.


Nahild.


Ich habe dir eine sehr traurige Botschaft zu bringen. Kadischa, dein Weib ist gestorben.


Mahomed.


Ich wußte es wohl, daß ich sie nicht wiedersehen würde.


Nahild.


Herr! ich habe dir noch etwas zu entdecken; meine Seele ist schwer belastet, bald möchte ich reden und bald auch wieder schweigen. Sieh mich nicht so gütig an, du wirst mich hassen, ich habe Hochverrath an dir begangen.


Mahomed.


Nimmermehr! du hast geträumt, es kann nicht seyn!


Nahild.


Ich habe den Sofian entrinnen lassen, sein Leben ist mein Werk und dein Verderben.


Mahomed.


Das hättest du gethan? absichtlich gethan?


Nahild.


Ja, Halima bat für sein Leben, und ich, ich liebe Sofians Tochter.


Mahomed.


Du liebst sie?


(Pause.)


Komm! ich verzeihe dir.


(Beide ab.)


(Ebne unfern Mekka.)


(Viel Volk geht ab und zu, dann bringen vier Sclaven einen Thronsessel und setzen ihn nieder, ihnen folgt ein kriegerischer Zug, zuletzt tritt Habib-Ebn-Malec auf und setzt sich auf den Thron nieder, es wird nach und nach dunkler und der Mond geht auf.)


Habib (zum Gefolge.)


Geht, ruft die Gesandten von Mekka zu mir.


[199] Sofian, Abu-Johl, Kaled, Gefolge, die Vorigen.


Abu-Johl (sich vor Habib niederwerfend.)


Ist es mir vergönnt, vor dir zu reden, Emir der Emire! Sonne Arabiens!


Habib.


Wenn du der Sprecher dieser Gesandtschaft bist, so rede.


Abu-Johl (aufstehend.)


Ja, aber es ist eine traurige Angelegenheit, die uns zu deinem Thron führt. Wir sind gekommen, um einen unserer Mitbürger zu verklagen, deine Gerechtigkeit, deine Weisheit und deine Kenntniß der Dinge haben uns bewogen, uns deinem Richterspruch zu unterwerfen; wir wünschen, daß auch unsern Feinden Recht wiederfahre, darum schwören wir, mit ihnen zu thun, wie du es befiehlst.


Habib.


Seyd ihr das alle einverstanden? unterwerft ihr euch meinem Urtheil?


Kaled,


Sofian,


Abu-Johl, wir unterwerfen uns deiner Weisheit.


Habib.


Nun so fahre fort.


Abu-Johl.


Mahomed Abul-Casem, ein Bürger von Mekka aus dem Stamme Koreisch, hat sich des Hochverraths, der Gotteslästerung, des Aufruhrs und des Mordes schuldig gemacht.


Habib.


Ists möglich? Nie habe ich Mahomeds Namen mit solchem schändlichen Zusatz nennen hören; man preist seine Tugenden durch ganz Arabien.


Abu-Johl.


Herr! er ist, wie wir, aus dem edlen[200] Stamm Koreisch entsprossen, er ist unser Mitbürger, unser Verwandter, er war der Genosse unserer Jugend, nur das Uebermaaß seiner Verbrechen, nur der Untergang, den er unserer Stadt bereitet, zwingt uns zu dieser Anklage.


Habib.


Du verklagst ihn des Aufruhrs, der Gotteslästerung, des Hochverraths und des Mordes, wie rechtfertigest du deine Aussage?


Abu-Johl.


Er ist ein Hochverräther, denn er unterhandelt mit fremden Stämmen über Mekkas Untergang. Er hat den Sahamiden die Plünderung unserer Vaterstadt versprochen, wenn sie ihn zu unserm Herrn machen würden; er will nichts als herrschen, darum spielt er den Propheten.


Habib.


Ist keiner, der dem widerspräche? Ist die Anklage erweislich?


Al-Abbas (hervortretend.)


Verzeiht mir, Abu-Johl! eure Aussage ist nicht gegründet.


(Zu Habib.)


Wenn du mir vergönnen willst, zu reden, großer Emir! so könnte ich vielleicht diese Sache ganz aufklären.


Abu-Johl.


Herr! ich bin ernannt zu reden, nicht dieser, es geziemt ihm nicht, mich zu unterbrechen.


Habib.


Ich werde alle hören.


(Zu Abbas.)


Rede!


Al-Abbas.


Ich bin genauer von den Unterhandlungen des Mahomed mit den Sahamiden unterrichtet, als alle andere in Mekka. Mahomed hatte einige Beschwerden gegen die Häupter der Koreschiten, er foderte lange vergeblich Genugthuung, endlich wandte er sich an einige sahamidische Emiren,[201] um durch ihre Fürsprache seine Forderungen durchzusetzen. Sie ließen sich damals nicht mit ihm ein, obgleich sie späterhin sein Bündniß, um Mekka zu verderben, suchten; Mahomed beschloß nichts zum Verderben seiner Vaterstadt, er zerstörte vielmehr die feindseligen Pläne der Sahamiden. – Ich stehe mit meinem Kopfe für das Gesagte.


Sofian.


Wir bestehen nicht auf diesen Klagpunkt, indem wir nicht genug unterrichtet sind.


Kaled.


Wir freuen uns, daß Al-Abbas unsern Mitbürger gerechtfertiget hat, und wir wünschen ihn von jeder Schuld so befreiet zu sehen, als von dieser.


Abu-Johl.


Er hat unsere Götter öffentlich gelästert, er hat sie unförmliche, unmächtige Klötze genannt.


Sofian.


Bei allem, was heilig ist, er hat es gethan.


Viele Stimmen.


Ja, wahrlich! wir haben es gehört.


Abu-Johl.


Er hat eine neue Religion verkündigt, die Jugend verführt, ihre Götter zu verlassen, durch seine Anhänger die Stadt und das Volk in zwei Partheien getheilt, und Unruh und Zwistigkeit in unsere Mauern gebracht.


Viele Stimmen.


Ja, das ist wahr.


Kaled.


Die Eintracht hat uns verlassen, seit dieser falsche Prophet sich durch alle Künste der Verführung Schüler zu erwerben sucht.


Sofian.


Er hat die Stämme von Mekka durch[202] seine Lehren mit einander entzweit und alle Bande der Ordnung zerrissen.


Ein Sclave kommt.


Sclave.


Abu-Taleb, der Oberpriester der Kaabe, wünscht vorgelassen zu werden.


Habib.


Er komme.


(Sclave ab.)


Abu-Johl.


Abu-Taleb ist der Oheim und Erzieher des Mahomed, er wird ohne Zweifel dein Mitleid, o großmüthiger Emir! für den Elenden zu erwecken suchen.


Habib.


Laßt diese Sorge mir.


Abu-Taleb, Ali, Nahlid, Gefolge und die Vorigen.


Abu-Taleb.


Vergönne mir, großmüthiger Sohn des weisen Malec! die Anklagen gegen meinen Neffen mit anzuhören.


Habib.


Es ist dir vergönnt. – Fahre fort, Abu-Johl.


Abu-Johl.


Mahomed hat uns, als wir durch die Wüste zogen, räuberisch überfallen, und als wir uns zur Wehr setzten, dreißig unserer Knechte und zwei Koreschiten getödtet.


Habib.


Wie? er hat euch überfallen, als ihr friedlich vorüberzogt?


Abu-Johl.


Ja, wir zogen vorüber an – an – einem Wald, in dem er mit den Seinigen versteckt war, und da überfiel er uns.


[203] Abu-Taleb.


O großer Emir! diese Aussage ist eine schändliche Verläumdung. Abu-Sofian, Abu-Johl und zehen Koreschiten waren mit hundert und funfzig Kriegsknechten ausgezogen, den Mahomed zu tödten.


Abu-Johl.


Hab ich es denn geläugnet?


Ali.


Der großmüthige Omar war mit ausgezogen gegen den Mahomed, aber Gott wandte sein Herz; er gieng zu dem Propheten über, entdeckte ihm die Gefahr, in der er schwebte, und wurde ein Moslem.


Nahild.


Als Mahomed sah, daß man ihn überfallen wollte, rüstete er sich, zog den Fremden entgegen und schlug sie aufs Haupt.


Abu-Taleb.


Die priesterliche Binde versenge meine weißen Haare, wenn es nicht so ist.


Habib.


Ihr scheint mir unwahr und widersprechend in euren Aussagen, ihr Ankläger!


Sofian.


Herr! wir zogen aus gegen Mahomed, weil uns kein anderes Mittel zu unserer Rettung übrig blieb.


Abu-Johl.


Wenn Mahomed sich rein wüßte, so würde er längst vor dir erschienen seyn, aber davor hütet er sich, er wird wohl noch eine einsame Bergkluft wissen, in der er sich versteckt, um der Gerechtigkeit zu entrinnen.


Abbas.


Er wird erscheinen, denn er ist muthig und wahrhaft.


Abu-Johl.


Al-Abbas scheint ein warmer Vertheidiger Mahomeds geworden zu seyn.


[204] Mahomed, Omar, die Chöre, die Vorigen.


Abu-Taleb.


Da kommt Mahomed selbst, er wird der Verläumdung giftige Zunge zu zähmen wissen.


Habib.


Tritt näher, Mahomed! die Koreschiten haben mich zum Schiedsrichter zwischen dir und ihnen ernannt, unterwirf dich meinem Urtheil.


Mahomed.


Ja, Herr!


Habib.


Du bist schwerer Verbrechen vor mir angeklagt, die Koreschiten beschuldigen dich der Gotteslästerung.


Mahomed.


Der einzige Gott, der alle Dinge geschaffen hat, den die Ungläubigen nicht kennen, hat zu mir gesagt: Mahomed! stehe auf und verkünde den Völkern der Erde meine Wahrheit, daß sie genesen vom Irrthum und die falschen Götter nicht ferner anbeten. So hat der Geist zu mir gesprochen und nicht die frevelhafte Willkühr treibt mich diesem Volke die Nichtigkeit seiner todten, ohnmächtigen Götzen zu zeigen; meine That ist nicht mein Werk, sondern der Wille Gottes.


Erstes Chor.


Das Schicksal hat den Seher sich erkohren,

Es ließ ihn seine tiefsten Tiefen sehn,

Von ihm erzeugt, wird neu die Welt gebohren,

Der Tempel Gottes aus dem Schutt erstehn.


[205] Habib.


Die Koreschiten verklagen dich des Aufruhrs, sie sagen, du hättest Unruhe und Zwistigkeiten in das friedliche Mekka gebracht.


Mahomed.


Ich habe meinen Gott in Licht und Kraft verkündigt, darum sind die Gottlosen gegen mich aufgestanden, mich zu verderben.


Habib.


Mahomed! hältst du nicht deine Wünsche für die Eingebungen eines Gottes?


Mahomed.


Bei den Sternen, die über uns funklen, Gott spricht durch meinen Mund, der Sprecher Gottes kann nicht irren.


Habib.


Hat dich Gott als seinen Propheten an die Völker Arabiens gesandt, so wird er dir auch die Kraft geben, deinen hohen Beruf zu beweisen.


Mahomed.


Hast du den Koran gelesen, und bedarfst du noch eines andern Beweises? Kannst du noch zweifeln, daß Gott durch den Koran spricht? Oder kann ein Sterblicher Worte des Himmels reden?


Habib.


Nicht für mich, nein, um deine Ankläger zu überzeugen, fordere ich, daß du ein Wunder thust, um die Göttlichkeit deiner Sendung außer allen Zweifel zu setzen. Noahs göttliche Sendung bewies seine wunderbare Rettung durch die Arche; Moses hieß dem Felsen Quellen entsprudeln; Jesus von Nazareth gebot der stürmischen See und sie gehorchte ihm. Aehnliche Beweise mußt du geben, wenn die Völker Arabiens deine göttliche Sendung anerkennen sollen.


[206] Abu-Johl.


Ja, wir schwören, wir wollen ihm glauben, wenn er ein Wunder zu thun vermag.


Sofian.


Ja, unter dieser Bedingung wollen wir glauben und ihn als den Propheten Gottes verehren.


Mahomed.


O ihr Bethörten! Ihr wollt mich zu Schanden machen, aber der Gott des Sieges ist mit mir! Wohlan, ich will das Wunder thun.


(Er wirft sich zur Erde nieder. Lange feierliche Stille. Mahomed steht auf und wendet sich mit dem Angesicht gegen den Mond.)


Dunkelheit! steige herauf über die Gebirge Najeds! Mond! verhülle dich auf dem Gipfel des hohen Merva!


(Der Mond verdunkelt sich fast ganz. Lange Pause.)


O Allah! Herrscher der Himmel! du hast mein Gebet erhört. Betäubt stehen die Ungläubigen, Entsetzen hat ihr innerstes Mark ergriffen. O Gott! verherrliche mich jetzt vor ihren Augen in himmlischer Klarheit.


(Der Mond wird sehr hell. Lange Pause.)


Habib.


Ja, wahrlich, Mahomed ist ein Prophet; ihr Völker Arabiens! ihr Männer von Mekka! hört mich! Es ist nur ein einziger Gott und Mahomed ist sein Prophet.


Ali,


Nahlid,


Omar,


Abbas, Heil dir, Mahomed! Heil dir, Liebling der Gottheit!


Viele Stimmen.


Wahrlich! Mahomed ist der Prophet Gottes.


Habib.


Er ists, zweifelt nicht, unterwerft euch ihm, ihr Männer von Mekka!


[207] Abu-Johl.


Nimmermehr, er ist ein Betrüger.


Sofian.


Es sind betrügerische Künste, mit denen er blendet und verführt.


Kaled.


Wie? unsere wohlthätigen Götter sollen wir verrätherisch verlassen und dem Lügenkünstler anhangen?


Habib.


Ist das euer Wort, euer Schwur, ihr Koreschiten?


Mahomed.


Wundere dich des nicht, Sohn des weisen Malec! so verkehrt, so treulos war immer das Beginnen meiner Feinde; so sind ihre Thaten und ihre Schwüre Fallstricke, die Treue zu betrügen.


Habib.


So verlasse die Treulosen, o Mahomed! und komm in die Wüste, ich werde dich schützen.


Abu-Johl.


Und auch du lässest dich von ihm bethören, großer Emir? Fliehe ihn, Blendwerk, Täuschung und Betrug sind seine Wunder, seine Nähe ist gefährlich.


Habib.


Eure Wahrhaftigkeit erprobt sich heute schlecht, ihr Koreschiten! Ich habe euch nun nichts mehr zu sagen, ich verlasse euch und Mekka. Ihr werdet zu spät bereuen, was ihr heute gethan habt. Du, Mahomed, wirst stets eine sichere Freistatt bei mir finden. Lebe wohl! Heil wiederfahre dir!


(Er geht mit seinem Gefolge ab.)


Abu-Johl (zu Mahomed.)


Das ist dir gelungen, abscheulicher Betrüger! Auswurf deines Volkes! Schandfleck deines edlen Stammes!


[208] Ali (zieht sein Schwerdt.)


Giftiger Lästerer! dies sey deine letzte Schmähung.


Mahomed.


Lasse den Unsinnigen, seine Raserei ist nicht gefährlich.


Abu-Johl.


Nicht gefährlich? Bei Al-Ozza, mein Schwerdt soll dir gefährlich seyn.


(Er zieht das Schwerdt.)


Omar (zu Mahomed.)


Er zieht das Schwerdt gegen dich! Lasse es nicht ungerochen, Mahomed! Auf, ihr Moslems! vertheidigt den Propheten!


Sofian.


Zu den Waffen! zu den Waffen, ihr Koreschiten!


(Alle ziehen die Schwerdter, das Volk theilt sich in zwei Partheien, der größere Theil ist auf Mahomeds Seite.)


Abu-Johl.


Krieg! Krieg! einmal muß es sich entscheiden, darum begonnen!


Sofian.


Laßt uns heimziehen, Abu-Johl! ihr seht die Uebermacht ist auf Mahomeds Seite.


Kaled.


Wir wollen heimziehen, wir können heute nicht gewinnen.


Abu-Johl.


Eure Feigheit verdirbt uns, sie schlägt uns, nicht Mahomeds Schwerdt.


Ali (zu Mahomed.)


Laß uns schlagen, wir werden siegen.


Omar.


Bei Gott! Der Augenblick ist sehr günstig.


Mahomed.


Laßt sie in Frieden ziehn, der Augenblick ist noch nicht gekommen, Mekka ist uns noch nicht gegeben und unnöthiges Blut mag ich nicht vergießen.


Ali.


O Herr! Laß uns die Feinde schlagen!


Mahomed.


Gehorche!


[209] Abu-Taleb.


So kommt, ihr Koreschiten, folgt mir nach Mekka.


Abu-Taleb, Kaled, Sofian, Abu-Johl und Gefolge gehen ab.


Omar.


Es ist nicht klug, o Mahomed! daß du die Feinde so glücklich entrinnen ließest.


Mahomed.


Verzeihe mir, Omar! es war nothwendig.


Tarrik, Othmann, Gefolge, die Vorigen.


Tarrik.


Sey gegrüßet, Mahomed!


Mahomed.


Willkommen Freund! gesegnet sey die Stunde, die dich mir zuführt. Aber sprich, warum vernahm ich so lange nichts von dir?


Tarrik.


Ich verließ dich bei Mekka mit dem festen Vorsatz, durch deine Hülfe in diese Stadt zu dringen; bald aber vernahm ich, du verfolgtest einen ganz andern Plan, als den ich entworfen hatte, da bemächtigte sich Mißtrauen meiner Seele, ich wollte erwarten, was aus dir würde und dich zu Grunde gehen lassen. Mit diesem Entschluß kam ich nach Medina, da sah ich Othmann, er verkündigte mir, du seyest der Prophet des einzigen Gottes, er las mir den Koran, ich erkannte die Göttlichkeit deiner Sendung und wurde ein Moslem. Gebiete mir jetzt, ich will dir dienen als der treuste deiner Knechte.


Mahomed.


Laß des Korans Schicksal dein eignes werden, dies, Tarrik! ist der Sinn unserer Gemeinschaft. – Und du, Othmann! hast mir ein köstliches Kleinod in diesem Freund erworben.


Othmann.


Herr, überall war das heilige Wort[210] des Koran lebendig in That und Wirkung. Medina erkennt dich als den Gesandten des Himmels, und Giasar hat im Lande Yatreb viele Schüler und Freunde für den Islam erworben. – Glück und Sieg war mit uns, nur die Stämme Thaab, Moharab und Aum widerstreben dir, sie verfolgen deine Anhänger und bedrohen deine Freunde in Medina mit Mord und Verwüstung; Schrecken hat sich dieser Stadt bemächtigt, und sie fleht dich um Hülfe gegen ihre ergrimmten Feinde.


Mahomed.


Hülfe soll ihr werden. Du, Tarrik! brich auf mit deinen Schaaren und beschütze Medina. Du, Omar! ziehe gegen die Stämme von Thaab und Aum, ich will dir den wackern Obeida zum Begleiter geben. Und du, mein tapfrer Ali! sollst mit mir gegen unsern grimmigen Feind, den Sarakos, ziehen, Nahlid begleitet uns. Ihr wißt nun alle, was ihr zu thun habt, beginnet muthig eure Bahn; denn ich sage euch, wahrlich! wir werden uns siegreich vor Mekka versammlen.


Alle ab bis auf die Chöre.


Erstes Chor.


Ungerne wirst du,

Theure Erde!

Trinken die Tropfen

Bluts deiner Kinder,

Trauernd verhüllen

Blutige Leichen

Blühender Söhne,

Die du erzeuget.


[211] Zweites Chor.


Umsonst schlingt wechselnd sich der Tanz der Horen,

Ach! keine Stunde führt uns Frieden zu,

Der höchste Reiz geht im Gewühl verloren,

Die tiefe Stille und die süße Ruh.


Erstes Chor.


Fort, daß die tiefe Sehnsucht nicht erwache,

Fort in die Schlacht, zu Mord und Tod und Rache.

Quelle:
Karoline von Günderrode: Gesammelte Werke. Band 1–3, Band 1, Berlin-Wilmersdorf 1920–1922, S. 193-212.
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