Die beständige Liebe

[31] Aria.


Die Schönheit ist es nicht gewohnt,

Gefangne los zu laßen;

Ihr Auge bindet mehr als Gold.

Wer einmahl ihrer Herrschaft zollt,

Der muß die Freyheit haßen

Und wird davor mit Lust belohnt.

Da Capo.


Recitat.


Dein Antliz hält uns viel zu scharf,

Als daß ein Mensch Erlösung hofen darf;

Ich lieg in deinen Ketten,

Du angenehmes Kind,

Und werde nie gesinnt,

Mein treues Herze zu erretten.

Das süße Joch, die leichte Last,

Mit der du mich gebunden hast,

Ergözt mich mit dem schönsten Spiele;

Denn wenn ich Schlummer fühle,

So sieht die finstre Ruh

Den halb geschloßnen Blicken zu,

Die an die Sterne dringen

Und durch die kalte Luft

Den Schwur zum Abendopfer bringen,

Den Echo öfters nachgeruft.


Aria.


Ihr Wächter der gestirnten Bühnen,

Ihr güldnen Herzen jener Welt,

Vereinigt die vergnügten Triebe

Und lernt den Vorzug meiner Liebe,

Die meines Mägdgens Brust behält,

Solange Lenz und Wälder grünen.

Da Capo.


[32] Recitat.


Es bleibt dabey:

Du bist ein mehr als menschlich Wesen,

Und darum hab ich dich

Zur Göttin auserlesen.

Der starcken Zeiten Tyranney

Bestürmet Felsen, Stein und mich,

Jedoch verzehrt sie nicht die Treu,

Die dir der Lüste Weihrauch brennet.

Gefällt dir der Geruch,

Den deßen Flamme giebet,

So soll mein Leichentuch

Der kalten Gruft die Nachricht sagen,

Es hab in unsern Tagen

Kein Mensch als ich so rein geliebet.


Aria.


Mit deinem Nahmen will ich sterben,

Mit deinem Bilde geh ich hin,

Und wenn ich nichts als Asche bin,

So soltu noch den Ruhm erwerben,

Daß mich viel mehr der Liebe Macht

Als Tod und Gruft ins Grab gebracht.

Da Capo.

Quelle:
Johann Christian Günther: Sämtliche Werke. 6 Bände, Band 1, Leipzig 1930, S. 31-33.
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