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TRÜBER HIMMEL

[71] Dein auge erscheint wie umschleiert von dunstigem tau

Geheimnisvoll (ist es blau oder grün oder grau?)

Das wechselnd grausam · träumerisch oder verliebt

Die gleichmut und blässe des himmels wiedergibt.


Du bist wie die tage weiss und lau und verhüllt

Wo sich das bezauberte herz mit tränen erfüllt

Wenn von dem wehe das unbekannt in ihnen kreist

Zu wache nerven verspotten den schläfrigen geist.


Zuweilen bist du den schönen wolken verwandt

Wenn sie die sonne der nebligen zeiten entbrannt ..

Wie wirfst du dann deinen schimmer – gefeuchtete welt

Von eines getrübten himmels strahlen erhellt!


O werd ich – gefährliche frau und verführende luft –

So lieben euren schnee und nebligen duft

Und nehme ich aus dem himmel trostlos und kahl

Vergnügen die stechender sind als eis oder stahl?

Quelle:
George, Stefan: Baudelaire. Gesamt-Ausgabe der Werke, Band 13/14, Berlin 1930, S. 70-71.
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