Juli

[40] 1. Hookischer Versuch mit zwey prismatischen Säulen. Den Anfang des 18. Jahrhunderts abermals durchgedacht. Mittags Dr. Werneburg. Über dessen Bemühungen Maaß und Gewicht betreffend. Modell seines verbesserten Claviers. Nach Tische zu Frau von Stein, die sich zu ihrer Reise nach Ilmenau vorbereitete. Abends allein. Einiges getuscht.

2. Geschichte der Farbenlehre 18. Jahrhundert. Mittags Kaaz. Portefeuilles durchgesehen. Nachher für mich, beschäftigt mit einigen Versuchen. Abends zweyte Leseprobe nom Vierundzwanzigsten Februar. Nachher die Schauspieler zu Tische.

3. Früh mit dem 18. Jahrhundert beschäftigt, um noch mehr Data zusammenzubringen. Buhle's Geschichte der Philosophie letzte Bände. Mittag mit Kaaz. Nach Tische für mich allein. Das Vorseyende durchgedacht. Aufsatz von Falk. Abends im Gartenzimmer. Über Farbenmaterialien mit Kaaz.

4. Früh am 18. Jahrhundert. Nahmen verschiedene Schauspieler Abschied. Mittags mit Kaaz allein. Kamen Mariottens Werke von Göttingen. Abends im Garten. Mit Nachdenken über diese Gegenstände beschäftigt.

5. Früh Mariotte. Auf der Bibliothek. Mittags [41] Dem. Elsermann und Kaaz äu Tische. Nach Tische mehrere Portefeuilles mit Kaaz durchgesehen. Abends spatzieren, begegnete der regierenden Herzogin, welche ich über Oberweimar begleitete.

6. Über Mariotte und Sprat gedacht. Nebenstehenden Brief. An Hrn. Hofrath Sartorius nach Göttingen. Mittag mit Kaaz. Gegen Abend Frau von Wolzogen und Frau Hofrath von Schiller. Alsdann allein. Verschiedenes vorbereitet.

7. Newton und Mariotte. Verschiedenes auf diese Epoche Bezügliches gelesen und durchgedacht. Gegen Mittag mit Frau von Seebach in der Lindenallee. Mittag mit Kaaz. Nach Tische über seine häuslichen und Dresdner Verhältnisse. Ordnung in den Zeichnungen zu machen angefangen. Abends Hofrath Meyer.

8. Weitere Vorarbeiten zum 18. Jahrhundert. Nachher Ordnung in den Kupferstichen und Zeichnungen. Ging meine Frau nach Jena. Mittags mit Professor Voigt von Jena und Kaaz. Jener erzählte allerley Anecdoten von jenaischen Originalen und ihren Verhältnissen. Abends großes Gewitter. Im Theater der lustige Schuster.

9. Mariotte durchgesehen und mit dem Aufsatz verglichen. Ordnung in den Kupfern und Zeichnungen. Meine. Skizzen mit Kaaz durchgesehen. Früher bey Durchlaucht dem Herzog im römischen [42] Hause. Mit Kaaz zu Tische. Nach Tische in der Ordnung fortgefahren. Abends einige Zeit mit Kaaz und Meyer. Hirts architektonisches Werk.

10. Thomas Sprat, und Desaguiliers. Nebenstehenden Brief. An August von Goethe nach Heidelberg. Einige Landschaften angetuscht. Mit Kaaz gegessen. Kam meine Frau mit Fräulein Goldacker und Dem. Eilenstein von Jena zurück. Nachmittags im Garten, beschäftigt mit Gedanken an die Newtonischen Gegner. Abends Hofrath Meyer: griechische Münzen; Verhältnisse des Raums der Zeichenschule zu den anstoßenden Zimmern. Noch etwas getuscht.

11. Erste Gegner Newtons. Gezeichnet und getuscht. Mittags mit Kaaz. Nach Tische Portefeuille mit Kniepischen Zeichnungen. Abends Frau von Wolzogen und Schiller, mit ihnen die Kobellschen Sachen durchgesehen.

12. Litterargeschichte zum vorseyenden Geschäft. Philosophical Transactions. Acta Eruditorum. Mittags mit Kaaz. Nach Tische camera obscura. Die Portefeuilles weggeräumt und sonst Ordnung gemacht.

13. Englischer Plutarch. Auf Newton, Oldenburg und andere Bezügliches. Mittags allein. Nach Tische Geheimer Hofrath Stark. Nachricht von der Ankunft des Herrn von Reinhard. Abends [43] Promenade nach dem römischen Haus, die vor demselben blühenden Pflanzen zu sehen. Fortsetzung der Morgenlectüre.

14. Früh zu Herrn von Reinhard. Dann nach Hause. Besuchten mich von Reinhard und Gemmingen und speisten mit uns. Erwartung des Königs von Westphalen, der die Nacht in Jena blieb. Allmälige Entwicklung der Ursachen des eiligen Rückzuges. Abends allein. Englische Biographien.

15. Früh Herrn Reinhard. Über vergangene und gegenwärtige politische Lagen, sowie über seine persönliche. Über Johannes Müller, dessen letzte Zeit und Abscheiden. Nächste Veranlassungen dazu, sowie Zustand der Wissenschaftlichen Anstalten in Westphalen. von Reinhard und von Gemmingen zu Mittag bey Tische, sowie d'Alton. Der König von Westphalen war nach 12 Uhr angekommen. Nach Tische fuhren die beyden Gesandten ab. Abends die Entführung aus dem Serail, vor dem König und dem Hofe.

16. Abreise des Königs von Westphalen früh um 5 Uhr. Newtons Persönlichkeit. Englischer Plutarch. Zu Tische Dem. Ulrich und Kaaz. Nach Tische mit Kaaz die Tischbeinischen Skizzen der italiänischen Reise. Nachher allein. Ancillon Sur les grands charactéres. Abends mit Hofrath Meyer.

17. An der historischen Arbeit fortgefahren. Erste Anhänger Newtons. Mittags mit Kaaz allein. [44] Nach Tische einige Schubladen Steine geordnet. Recension der Reichardtischen Compositionen. Oberstlieutenant von Hendrich.

18. Geburtstag der Prinzeß Caroline. Übersicht des 17. Jahrhunderts. Nebenstehenden Brief. An Hrn. Oberstlieutenant von Hendrich wegen der Carlsbader Reise. Mittags mit Kaaz. Nach Tische einige Zeichnungen angesehen und ausgezogen. Abends zu Herrn von Wolzogen, wo ich den Erbprinzen fand. Nähere Nachrichten vom Wassenstillstande, die Herr von Ziegesar von Erfurt gebracht hatte. Dann bey der Hoheit, wo Thee in Gala war wegen des Geburtstages der Prinzeß.

19. Briefe und anderes. Zusammengeräumt und die Abreise vorbereitet. Mittags Commissionssecretär Witzel. Dem. Ulrich und Kaaz. Nach Tische alte Zeichnungen zusammengesucht und einige überzogen. Gegen Abend zu Herrn von Ziegesar, wo Frau Generalin von Berg erzählte, wie es dieß Jahr in Carlsbad ausgesehen.

20. Theatersachen und Session. Mittags Legationsrath Falk. politische Gespräche und manches über die Gesinnungen der Zeit. Gegen Abend Ziegesars, wo der Geheime Rath von Drakendors noch spät anlangte, um seine Pferde vor den Oelsischen Requisitionen zu salviren. An Hrn. Kriegsrath Reichard nach Gotha, mit [45] Kepplers Briefen. An Hrn. Rath Rochlitz nach Leipzig, mit der Recension von Reichardts Liedern.

21. Früh bey seiner Durchlaucht dem Herzog. Mit demselben in den Gärten. Kamen dazu die beyden jungem Ziegesars. Hieraus bey Durchlaucht der Prinzeß. Mittags Dem. Engels. Nach Tische einiges geordnet und zur Reise vorbereitet. Alsdann Hofrath Meyer.

22. Früh bey Durchlaucht der Herzogin, beym Erbprinzen und der Hoheit, bey Frau von Wolzogen. Aufsatz an Geh.Rath Voigt, wegen Verbindung sämmtlicher Anstalten für Kunst und Wissenschaft in Weimar und Jena, bey Veranlassung eines in dem Fürstenhause anzulegenden Museums. Mittags allein, mit Kaaz. Über Friedrich und andre Landschaftsmaler. Abends Schauspiel: der goldene Löwe und der Faßbinder.

23. Eingepackt und manches geordnet. Nach Jena, daselbst nach Uhr angekommen. Zu Herrn Oberstlieutenant von Hendrich. Einrichtung im Quartier. Bey Herrn von Hendrich gespeist. Nach Tische verschiedenes vorbereitet. Zu Frau von Berg; dann zu Hause. Abends in Wedels Garten. Kamen die Ziegefarischen und Seidlers; sodann in den botanischen Garten mit Sylvien und Seidlers. Dieselben nach Hause begleitet. NB. Bey Wedel eine Peloria von dem Antirrhinum triste.

[46] 24. Einiges gezeichnet. Nachher Chemica und Botanica. Corrigirt an den Wahlverwandtschaften. Nach Tische Herr von Hendrich. Gegen Abend bey Dr. Seebeck. Sodann zu Knebel. Mit Professor Voigt daselbst Botanica und seine Reise nach Paris durchgesprochen. Mit Knebel seine Übersetzung von Alfieri's Saul. Schöne, obgleich etwas trübe und wolkige Mondnacht.

25. An dem Roman revidirt und einige Hauptstellen durchgedacht. Gegen Mittag Petrarchs Trostbücher deutsch; und einige alte Übersetzungen mit Holzschnitten. Nachmittag Sendung nach Weimar. Abends bey Frommann; sodann im botanischen Garten. Späterhin bey Mondschein Spatziergang um die Stadt und ins Paradies.

26. An dem Roman revidirt. Einiges gezeichnet. Nach Tische Recensionen besonders die über Docens Miscellaneen zu den deutschen Sprachalterthümern. Kam Kaaz von Weimar. Beschäftigung mit den kleinen Landschaften. Abends spät Spatziergang. Schöner Vollmond.

27. An dem Roman revidirt und verbessert. Nachher Kaaz. Allerley Nachrichten und Erzählungen von Weimar und Dresden. Mittags Bibliothekar Vulpius. Nach Tische Heer von Hendrich. Abends zu Frommanns, wo Frau Oberforstmeister von Ziegesar, Fräulein Sylvie, Herr von Knebel, Mamsell Wesselhöft, Kaaz und Mad. Schopenhauer.

[47] 28. An dem Roman revidirt und den Anfang in die Druckerey geschickt. Nach Tische Herr von Hendrich. Sodann Kaaz, dessen Zeichnungen vom Morgen. Nachher bey Hofrath Fuchs, in dem anatomischen Museum. Mit Professor Voigt durchs Paradies zu Herrn von Knebel. Zeichnung seines Sohns nachgeholfen. waren gegenwärtig Dr. Seebeck, Frommann und Kaaz. Gespräch über Landschaftsmalerey, über niederländische Malerey, Ultramarin, andre Farben und Technik.

29. Am Roman fortgefahren. Kaaz öffnete seinen Kasten und zeigte die Landschaften den Freundinnen vor. Nach Tische kam Kaaz, auf kurze Zeit. Gegen Abend zu Bohns. Mit der Gesellschaft in den Wedelschen Garten. Nach Hause. Sendung von Weimar. Lichtenbergs vermischte Schriften 9. Band.

30. Am Roman. Erster Druckbogen desselben. Nach Tische Herr von Hendrich und Herr Frommann. Berathschlagung über den ersten Bogen. Abends zu Dr. Seebeck in den Garten. Dann mit demselben gegen die Rasenmühle; von da mit Knebel und Bohns zurück. Zu Seebecks ins Haus; Abendessen. Nach Tische mit Knebel um die stobt bei schönem Mondschein.

31. Früh am Roman. Nachher spatzieren im Paradies. Nach Tische Professor Voigt. Gegen Abend spatzieren. Zu Major von Knebel, wo ich Seebeck [48] fand und viel mit ihm über die Geschichte der Farbenlehre sprach, besonders der neuern Zeit. Abends bey der Rückkehr starker Regen.


Quelle:
Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, III. Abteilung, Bd. 4, S. 40-48.
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