Der dritte Auftritt.

[379] Menalkas. Amaryllis. Damon. Nisus.


MENALKAS.

Was lachst du denn so sehr? Und du stehst so verdrossen?

NISUS.

Ha ha! das war ein Spaß!

AMARYLLIS.

Was habt ihr denn für Possen?

NISUS.

Ey! Atalanta – – –

MENALKAS.

Nun, was hat sie angestellt?

NISUS.

O recht was herrliches! lacht mit, wenns euch gefällt.

So lacht doch! ha! ha! ha!

AMARYLLIS.

Was sollen wir denn lachen?

Es scheint, du willst zur Lust uns hier zu Narren machen.

MENALKAS.

Ein Thor lacht ohne Grund: drum sag uns, was es ist.

NISUS.

Ey lacht doch! Damon hat – – –[380]

MENALKAS.

Was hat er denn?

NISUS.

geküßt.

MENALKAS.

Sonst nichts?

NISUS.

Ja hört nur erst, wie schön es ihm bekommen.


Damon thut als ob ihm die Nase blutete.


AMARYLLIS.

Der Kuß ward ihm gewiß sehr übel aufgenommen?

MENALKAS.

Wen hat er denn geküßt?

NISUS.

Ich kann vor Lachen nicht! – – –

Nun, Atalanta wars, die stieß ihm ins Gesicht.

MENALKAS.

Der arme Damon! Ey! hat er dabey gelitten?

AMARYLLIS.

Fürwahr er dauert mich! Was? half denn gar kein Bitten?

Denn sonder Zweifel hat er sie darum ersucht.

NISUS.

Ja freylich; doch ihr Zorn das war die ganze Frucht.

MENALKAS.

Indessen ist es doch kein feiner Streich gewesen.[381]

AMARYLLIS.

Ey! warum hat er sich nichts bessers auserlesen?

Er kennt ja lange wohl der spröden Schönen Art,

Dadurch so mancher schon zurück gewiesen ward.

So geht es, wenn man nascht, wo man nicht naschen sollte!

DAMON.

Ihr plaudert trefflich klug. Wenn ich mich rächen wollte,

So sollt Menalkas sehn, was diese Sprödigkeit

Der Schwester nach sich zieht. Doch schwör ich einen Eid:

Es ist ihr Strafe gnug, wenn ich sie künftig hasse,

Und, ihr zum Possen, bald ein schöner Kind umfasse.

Fürwahr! die Stolze, die! denkt wunder wer sie ist!

Ich habe hundertmal was besseres geküßt,

Als dieser Starrkopf ist! Und deutsch heraus zu sagen,

Mein Herz und Sinn hat mich nie recht zu ihr getragen.

Was Henker, sollte mir ein solches Jägerweib!

Ich that es nur zum Spaß, zum bloßen Zeitvertreib.

NISUS.

Du bist wie jener Fuchs, mit seinen sauern Trauben.

DAMON.

Und du erzürnst mich noch! Ich sag dirs, laß das Schrauben!

Sonst werd ich wahrlich toll!

AMARYLLIS.

Ey Damon! zürne nicht!

Es steht dir gar nicht wohl. Dieß ist ein Bösewicht,

Der gerne spaßt und lacht, und doch nichts übel meynet;

Er ist bey weitem nicht so boshaft, als er scheinet.

DAMON.

Du machst mich wieder gut, geliebte Schäferinn![382]

Ja, glaube, daß ich dir schon längst ergeben bin:

Du hast an Artigkeit und angenehmen Sitten,

Der Schwester allezeit den Vorzug abgestritten.

Und wenn dus glauben willst, so sag ichs rund und frey,

Sie kömmt dir wahrlich nicht in einem Stücke bey.

AMARYLLIS.

Du scherzest, Damon!

DAMON.

Nein! So wahr ich vor dir stehe!

Ich schwöre, daß ich nicht von dieser Stelle gehe,

Bevor du mir versprichst, daß du mir günstig bist!

Hierdurch vergeß ich leicht, wie grob die Schwester ist.

Mein Herz bleibt dir geweiht.

AMARYLLIS.

Du änderst dich geschwinde!

DAMON.

Nur darum, weil ich dich so liebenswürdig finde.

NISUS.

Seht doch den Schäfer an! Zwo Schwestern auf einmal!

AMARYLLIS.

Vielleicht gereuet dich auch diese neue Wahl,

So bald, als da du erst nach meiner Schwester giengest,

Die du doch gleich, aus Zorn, bald an den Nagel hiengest.

DAMON.

Nein, Amaryllis, nein! du bist was bessers werth!

Ich weis, daß mir von dir der Schimpf nicht widerfährt,

Den jene mir gethan. Bey dir sollt ich was wagen!

Gewiß, wir wollen uns weit artiger vertragen.[383]

AMARYLLIS.

Die Hoffnung ist gar gut; wir wollen weiter sehn!


Sie und Menalkas gehen ab.


DAMON.

Wohlan! mein Glücke blüht.

NISUS.

Es kann sich noch verdrehn!


Geht ab.


DAMON.

Ha! dort kömmt Corydon; ich muß es ihm erzählen.


Quelle:
Johann Christoph Gottsched: Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Joachim Birke, Band 2: Sämtliche Dramen, Berlin 1968/1970, S. 379-384.
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