Zehnter Auftritt


[111] Die Vorigen. Dr. Hippokras.


DR. HIPPOKRAS. Was befehlen Eure Gnaden?

FRAU VON TIEFENBORN. Ich will Sie nur nochmals erinnern, daß Sie bei Tische mich brav krank machen sollen.

DR. HIPPOKRAS. Gar wohl![111]

HERR VON ZIEGENDORF. Ich will tapfer helfen. Eure Gnaden sollen ein recht lebendiges Hospital werden.

FRAU VON TIEFENBORN zum Doktor. Es hat seine Ursachen; und damit meine Hausgenossen es noch mehr glauben: so wird nach Tische ein gewisser Doktor herkommen, der zwar keiner ist; allein, das schadet ihm nicht.

DR. HIPPOKRAS verwundernd. So?

HERR VON ZIEGENDORF. Es ist sonst eine Person, die die gnädige Frau gern sprechen will, und die sie auf diese Weise am besten sprechen kann.

DR. HIPPOKRAS. So, so! Denn sonst! wenn Eure Gnaden nur bloß krank bleiben wollten: so brauchten Sie eben nicht noch einen Arzt holen zu lassen. Eure Gnaden krank zu erhalten, das kann ich so gut als einer von meinen Kollegen.

FRAU VON TIEFENBORN. Das glaube ich wohl, Herr Doktor. Allein Sie haben nichts zu besorgen. Er ist nichts weniger als ein Arzt.

HERR VON ZIEGENDORF lacht. Nein, nein!

FRAU VON TIEFENBORN. Sie wissen, wie meine junge Brut mich hier bewachet, und daß sie keinen Menschen zu mir läßt.

DR. HIPPOKRAS lachend. Ja, ja!

FRAU VON TIEFENBORN. Haben Sie etwa wieder was erfahren?

DR. HIPPOKRAS. Nein. Ich habe einige von Eurer Gnaden krankem Hofgesinde besuchet und damit fast anderthalb Stunden zugebracht.


Quelle:
Deutsche Literatur in Entwicklungsreihen. Reihe Aufklärung. Band 6, Leipzig 1933–1935, S. 111-112.
Lizenz:
Kategorien: