bb) Rübezahl verwandelt sich in ein Rad.

[323] In Schlesien soll ein Fuhrmann bey einem Wagner ein Rad bestellet haben, welches er auch, nachdem es fertig gewesen, soll abgeholet haben, wie er aber unterwegens gewesen, solches Rad, nach Gewohnheit, einzeln fortzurollen, da soll es sich begeben haben, daß er drüber müde geworden, das Rad an einen Baum gelehnet, und sey darbey nieder zur Erden gefallen, und entschlaffen. Inmittelst soll der Berg-Geist diesen Possen gestiftet haben, daß er das rechte Rad weggenommen, und sich in Rades-Gestalt dafür hingestellet hat. Wie hernach der Fuhrmann aufgewachet, und sein Rad weiter fortrollen wollen, so soll es erstlich sich nicht haben wollen lenken lassen, drüber er, auf Fuhrmanns-Weise, zu fluchen und zu sacrementiren angefangen, drauf das Rad wie der Henker alleine weggelauffen, dem der erschrockene Fuhrmann kaum folgen können, wiewol er sich im Rennen so starck angegriffen, als er je vermocht hat. Endlich aber soll das Rad allgemählig ein wenig gemacher gethan haben, und sachter gelauffen seyn, also, daß der Kerl es hat ereilen können, und auf seine vorige Weise angegriffen hat. Wie er aber ein wenig fürder gekommen, soll das Rad sich niedergeleget, den Kerl über sich hergezogen haben, und mit ihm nach seinem[323] Losement geflogen seyn, da es verschwunden, und den Kutscher allein im Sumpfe gelassen.

Quelle:
Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau 1868/71, S. 323-324.
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