627. Vom Biertrinken und den Namen der Biere in Preußen.

[596] (S. Hennenberger S. 475.)


Die alten Preußen gaben den Männern, welche gestorben waren, ein Schwert und etwas Geld mit ins Grab, damit sie sich unterwegs was zu Gute thun könnten, zum wenigsten ein Brod und eine Kanne Bier kaufen, damit die Leiche nicht etwa hungern und dürsten müsse.

Von der Gewohnheit viel Bier zu trinken hatte man noch im vorigen Jahrhundert in vielen Wirthshäusern das Gesetz, daß wer die Neige gehabt, derselbe von Frischen wieder trinken mußte mit der festgesetzten Strafe für den Uebertreter, 22 Schilling, 1 Seite Speck und 1 Scheffel Kringel.

Unter dem Hochmeister Conrad von Erlingshausen sind zwei Ordensbrüder, lose Buben, im Lande umhergezogen und haben jeglichem Bier einen besonderen Namen gegeben.


Danzig. Wehre Dich.

Elbing. Schlichting.

Königsberg. Saure Maidt.

Thorn. Rolah oder Loröl.

Marienburg. Kelber Zagel.

Graudenz. Krank Heinrich.

Dirschau. Freudenreich.

Mewe. O Jammer.

Nawburgk. Kyrmes.

Stargart. Spülekanne.

Culmen. Glatze.

Newteich. Schwente.

Gerdawen. Mammon oder Mumme.

Heiligenbeil. Gesalzen Merten.

Braunsberg. Stürzen Kerlen.

Straßburg. Kirbel.

Newmarkt. Trumpe.

Tolkemit. Rorkatter.

Mühlhausen. Krebsjauche.

Frauenburg. Singe wohl.

Zinten. Lurley.

Friedland. Wohlgemuth.

Schippenbeil. Nasewisch.

Welau. Sollewurst oder Füllewurst.

Bartenstein. Kühmaul.

Rastenburg. Krewsel.

Neydenburg. Klawmich.

Ressel. Bessre Dich.

Altenburg. Dewsel oder Scheusel.

Wartenburg. Lachemund.

Altenburg. Böckingk oder Borge nicht.

Guttstadt. Lieber Herr Lorenz.

Heilsberg. Schreckengast.

Libstadt. Wuistdas.

Liebemüle. Harlemay.

Eylaw. Wo ist der Magt bet.

Hohenstein. Ich halte es.

Creutzburg. Menge es wohl.

Passenheim. Schlickerrei dicke Bier oder Flickebier.

Marienwerder. Bierkatze.

Reden. Sausewind.

Meelsack. Leertasche.

Wormdit. Kynast.

Morung. Ohne Dank.

Stum. Rokenzagel.

Auf dem Schloß. Rockenzagels Mutter.

Riesenburg. Spei nicht.

Culmensee. Kurant oder Tarant.

Fischhausen. Schleppenkittel oder Salz es bes.

Löbe. Strutzing oder Spülwasser.

Hollandt. Füllewurst.

Osterode. Dünnebacken.

Rosenburg. Krausemüntze.

Lauenburg. Es wird nicht besser.

Stolpe. Schmier nicht.

Pautzke. Rennenkatter.

Hela. O Stockfisch.

Schönecke. O Zetter.

Quelle:
Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau 1868/71, S. 596.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Sagenbuch des Preußischen Staats
Sagenbuch des Preußischen Staats: Erster Band
Sagenbuch des Preußischen Staats: Zweiter Band
Sagenbuch des Preußischen Staats: Erster Band
Sagenbuch des Preußischen Staats: Zweiter Band

Buchempfehlung

Brachvogel, Albert Emil

Narziß. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen

Narziß. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen

Albert Brachvogel zeichnet in seinem Trauerspiel den Weg des schönen Sohnes des Flussgottes nach, der von beiden Geschlechtern umworben und begehrt wird, doch in seiner Selbstliebe allein seinem Spiegelbild verfällt.

68 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon