Zum Wolf und den Geiserchen. [6] No. 5.

muß auch, wenigstens sonst, in Frankreich seyn bekannt gewesen. Lafontaine hat offenbar die 15te Fabel seines 4ten Buchs daraus gemacht, allein wie mager erzählt er sie; vielleicht hatte er auch bloß die frühere Bearbeitung Corrozets (le loup, la chevre et le chevreau) vor sich, wo sich gleichfalls die junge Ziege hütet und den Wolf gar nicht einläßt. Die Fabel ist aber viel älter, und steht u.a. bei Boner XXXIII., wo jedoch der Umstand mit der weißen Pfote, dessen schon Lafontaine nebenbei gedenkt, fehlt. Dagegen erinnern wir uns eines Bruchstückes aus dem vollständigen französischen Kindermärchen. Der Wolf geht zum Müller, reicht ihm die graue Pfote hin und spricht:


»meunier, meunier trempe moi ma patte dans ta farine blanche!«

non non, non non! – »alors je te mange!«


da thut es der Müller aus Furcht. – Auch Psamathe die Nereide sandte den Wolf auf Peleus und Telamons Heerden, der Wolf fraß sie insgesammt und wurde dann versteinert, wie ihm hier Steine eingenäht werden. Doch liegt die Sage[6] vom versteinerten Wolf tiefer, als sie hier ausgeführt werden kann.

Quelle:
Jacob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen. 2 Bände, Band 1, Berlin 1812/15, S. VI6-VII7.
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