398. Alboin gewinnt Ticinum[364] 1

Drei Jahre und etliche Monate hatte Alboin Ticinum belagert, eh es sich ergab. Als nun der König durch die Johannespforte an der Ostseite der Stadt einritt, fiel sein Pferd mitten unter dem Tor hin und konnte durch keine Streiche dahin gebracht werden, wieder aufzustehen. Da sagte ein Langobarde: »Gedenk, o König, deines Gelübdes und brich es, so wirst du in die Stadt eingehen, denn es wohnt auch Christenvolk darin.« Alboin hatte nämlich gelobt, das ganze Volk, weil es sich nicht ergeben wollte, über die Klinge springen zu lassen. Hierauf brach er nun das harte Gelübde und verhieß den Bürgern Gnade; alsbald hob sich sein Pferd auf, und er hielt ruhig den Einzug.[364]

Fußnoten

1 Pavia.


Quelle:
Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsche Sagen. Zwei Bände in einem Band. München [1965], S. 364-365.
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