Kurzer, doch ausführlicher Inhalt und Auszug

Der merkwürdigsten Sachen

eines jeden Kapitels dieser lust- und lehrreichen Lebensbeschreibung der Erzlandstörzerin und Zigeunerin Courasche.

[10] Das I. Kapitel.

Gründlicher und notwendiger Vorbericht, weme zu Liebe und Gefallen und aus was dringenden Ursachen die alte Erzbetrügerin Landstörzerin und Zigeunerin Courasche ihren wundernswürdigen und recht seltsamen Lebenslauf erzählet und der ganzen Welt vor die Augen stellet.


Das II. Kapitel.

Jungfrau Lebuschka (hernachmals genannte Courasche) kommt in den Krieg und nennet sich Janco, muß in demselben eine Zeitlang einen Kammerdiener abgeben; dabei wird vermeldet, wie sie sich verhalten und was sich Verwunderliches ferner mit ihr zugetragen.


Das III. Kapitel.

Janco vertauschet sein edles Jungferkränzlein bei einem resoluten Rittmeister umb den Namen Courasche.


Das IV. Kapitel.

Courasche wird darumb eine Ehefrau und Rittmeisterin, weil sie gleich darauf wieder zu einer Witwe werden mußte, nachdem sie vorhero den Ehestand eine Weile ledigerweise getrieben hatte.


Das V. Kapitel.

Was die Rittmeisterin Courasche in ihrem Witwenstand vor ein ehrbares und züchtiges, wie auch verruchtes gottloses Leben geführet, wie sie einem Grafen zu Willen wird, einen Ambassador um seine Pistolen bringet und sich andern mehr, um reiche Beute zu erschnappen, willig unterwirft.
[11]

Das VI. Kapitel.

Courasche kommt durch wunderliche Schickung in die zweite Ehe und freiete einen Hauptmann, mit dem sie trefflich glückselig und vergnügt lebte.


Das VII. Kapitel.

Courasche schreitet zur dritten Ehe und wird aus einer Hauptmännin eine Leutenantin, triffts aber nicht so wohl als vorhero, schlägt sich mit ihrem Leutenant umb die Hosen mit Prügeln und gewinnet solche durch ihre tapfere Resolution und Courage; darauf sich ihr Mann unsichtbar macht und sie sitzen läßt.


Das VIII. Kapitel.

Courasche hält sich in einer Okkasion trefflich frisch, haut einem Soldaten den Kopf ab, bekommt einen Major gefangen und erfährt, daß ihr Leutenant als ein meineidiger Überlaufer gefangen und gehenket worden.


Das IX. Kapitel.

Courasche quittiert den Krieg, nachdem ihr kein Stern mehr leuchten will und sie fast von jedermann vor einen Spott gehalten wird.


Das X. Kapitel.

Courasche erfähret nach langem Verlangen, Wünschen und Begehren, wer ihre Eltern gewesen, und freiet darauf wiederumb einen Hauptmann.


Das XI. Kapitel.

Die neue Hauptmännin Courasche ziehet wieder in den Krieg und bekam einen Rittmeister, Quartiermeister und gemeinen Reuter durch ihre heldenmäßige Tapferkeit in einem blutigen Gefecht gefangen; verleurt darauf ihren Mann und wird eine unglückselige Witwe.


Das XII. Kapitel.

Der Courasche wird ihre treffliche Courage auch wieder trefflich von dem ehedessen von ihr gefangnen Major eingetränkt, wird jedermanns Hur, darauf nackend ausgezogen und muß eine gar schändliche Arbeit verrichten. Wird aber endlich von einem Rittmeister, den sie auch vorhero gefangen bekommen, erbetten, daß ihr nicht etwas Ärgers widerfuhr, und darauf auf ein Schloß geführt.


Das XIII. Kapitel.

Courasche wird als ein gräfliches Fräulein auf einem Schloß gehalten, von dem Rittmeister gar oft besucht und trefflich bedienet, aber endlich auf Erfahrung der Eltern des liebhabenden Rittmeisters durch zween Diener gar listig aus dem Schloß nacher Hamburg gebracht und daselbst elendiglich verlassen.


Das XIV. Kapitel.

Courasche wirft ihre Liebe auf einen jungen Reuter, der einen Korporal, so ihme Hörner aufsetzen wollte, also zeichnete, daß er des Aufstehens vergaß. Darauf wird ihr Liebster harkebusiert, die Courasche aber mit[12] Steckenknechten vom Regiment geschicket, die zweien Reutern, so Gewalt an sie legen wollten, ziemlich übel mitfuhre, da ihr ein Musketierer zu Hülfe kame.


Das XV. Kapitel.

Courasche hält sich bei einem Markedenter auf; ein Musketierer verliebt sich trefflich in sie, dem sie etliche gewisse Conditiones vorschreibet, wie sie den Ehestand ledigerweise mit ihme treiben möchte. Wird auch darauf eine Marketenterin.


Das XVI. Kapitel.

Courasche nennet ihren Courtisan, den Musketierer, mit dem Namen Springinsfeld; dem ein Fähnderich auf der Courasche Anstalt gar listig ein Paar großer Hörner aufsetzet, darzu der Courasche vermeinte Mutter treulich hilft; kurz, sie ziehet ihn trefflich bei der Nasen herumb und schicket sich stattlich in den Handel.


Das XVII. Kapitel.

Der Courasche widerfährt ein lächerlicher Posse, den ihr eine Kürschnerin auf Anstiften einer italianischen Putanin erwiesen, als sie eben bei einem vornehmen Herren beim Nachtimbiß war; sie bezahlet aber sowohl die Putanen als die Kürschnerin wieder redlich und ausbündig, macht auch einem Apotheker ein wunderliches Stückchen.


Das XVIII. Kapitel.

Die gewissenlose Courasche erkauft von einem Musketierer einen Spiritus Familiarem, empfindet darbei großes Glück, und gehet ihr alles nach Wunsch und Willen vonstatten.


Das XIX. Kapitel.

Courasche richtet ihren Springinsfeld zu allerlei Schelmenstücklein trefflich ab, der sich bei einer vornehmen Dame vor einen Schatzgräber ausgibt, in den Keller gelassen wird, darauf etliche kostbare Kleinodien listig erpraktiziert und bei Nacht von Courasche aus dem Keller gezogen wird.


Das XX. Kapitel.

Courasche nebenst ihrem Springinsfeld bestiehlt zween Mailänder auf unerhörte Weise, indeme sie dem einen, der sehen wollte, was in ihrer Hütten vor ein Gepolter war und den Kopf zum Guckloch aussteckte, mit scharfem Essig in die Augen sprützte, dem andern aber den Weg mit scharfen Dornen verlegte.


Das XXI. Kapitel.

Courasche wird von ihrem Springinsfeld im Schlaf mit Ohrfeigen angepacket und übel zugerichtet, der aber, nachdem er erwachet, sie demütig umb Gnade und Verzeihung bittet, welches doch nichts helfen will.


Das XXII. Kapitel.

Courasche wird von ihrem Springinsfeld im Schlaf aus dem Bett nur im Hembd gegen des Obristen Wachtfeuer zugetragen, darüber sie erwacht[13] und jämmerlich zu schreien beginnet, daß alle Offizierer zulaufen und des Possens lachen; sie schaffet ihn darauf von sich und gibt ihm das beste Pferd, nebenst 100 Dukaten und dem Spiritu Familiari.


Das XXIII. Kapitel.

Courasche heuratet wiederumb einen Hauptmann, wird aber dessen, ehe er kaum bei ihr erwarmet, wieder beraubet. Lässet sich darauf auf ihres ersten Hauptmanns Güter in Schwabenland nieder und treibt ihr Huren-Handwerk wie zuvor, doch gar vorsichtig mit den eingequartierten Soldaten.


Das XXIV. Kapitel.

Courasche bekommt eine unflätige Krankheit, reiset darauf in den Sauerbronnen und macht mit Simplicio Kundschaft; als er sie betreugt, betreugt sie ihn redlich wieder und läßt ihm ihrer Magd neugebornes Kind vor seine Tür legen nebenst schriftlichem Bericht, als ob es Courasche mit ihm erzeugt hätte.


Das XXV. Kapitel.

Courasche treibet mit einem alten Susannen-Mann in ihrem Garten ungebührliche Händel, als eben zween Musketierer auf einem Baum Birnen mauseten und der eine aus Unvorsichtigkeit die geraubten Birnen alle fallen ließ. Darüber die Courasche, mit ihrem alten Liebhaber vertrieben, endlich offenbaret und der Stadt verwiesen wird.


Das XXVI. Kapitel.

Courasche wird eine Musketiererin, schachert darbei mit Tabak und Branntewein. Ihr Mann wird verschicket, welcher unterwegs einen toden Soldaten antrifft, den er ausziehet, und weil die Hosen nicht herunterwollten, ihm die Schenkel abhaut, alles zusammenpacket und bei einem Bauren einkehret, die Schenkel zu Nachts hinterlässet und Reißaus nimmt; darauf sich ein recht lächerlicher Poß zuträgt.


Das XXVII. Kapitel.

Nachdem der Courasche Mann in einem Treffen geblieben und Courasche selbst auf ihrem Maulesel entrunnen, trifft sie eine Zigeunerschar an, unter welchen der Leutenant sie zum Weib nimmt, sie sagt einem verliebten Fräulein wahr, entwendet ihr darüber alle Kleinodien, behält sie aber nicht lang, sondern muß solche, wohlabgeprügelt, wieder zustellen.


Das XXVIII. Kapitel.

Courasche kommt mit ihrer Kompagnie in ein Dorf, darinnen Kirchweih gehalten wird, reizet einen jungen Zigeuner an, eine Henne todzuschießen; ihr Mann stellet sich, solchen aufhenken zu lassen; wie nun jedermann im Dorf hinauslief, diesem Schauspiel zuzusehen, stahlen die Zigeunerinnen alles Gebratens und Gebackens und machten sich samt ihrer ganzen Zunft eiligst und listig darvon.

Quelle:
Grimmelshausens Werke in vier Teilen. Band 3, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart o.J. [1921], S. 10-14.
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