Wa Swinęgel un Matten Has' inne Wett lepen

[266] Swinęgel harr de slechte Mod:

Drunk he to vęl, so prahl he grot,

Un keem't ins, dat de Dörst em quäl,

So drunk he jedesmal to vęl,

Un Dörst – dat weer sin swacke Sit –

De quäl em fast to jeder Tid.


Bi'n Mœlendik, to Enn de Wischen,

Harr Pock en Weerthshus mank de Rüschen,

Dar bru de Voss sin baiersch Beer,

Dar weer dat nett, wenn't Summer weer.[267]

Ok kunn man dar dat Water sehn –

Un Pock sin Fru de sung mal schön!


Hans Nachtigal wahn wat to Sit.

Dats doch ok nix vœr Börgerslüd

As Stachelswin un Matten Has',

De hört dat geern, wenn Kukuk blas',

Un rükt dat geern, wenn Wittkohl rük,

Un wültert geern in weken Slick.


De Has' weer bang – he hęv de Pot:

Swinęgel seet der breet un grot,

Un segg: Wat dünkt di, Nawer Matten?

Wi sitt hier fuchdi un in Schatten,

Wi swirt mal um! wi drinkt mal dœr!

Uns Krogweerth kriggt je Schüllgns dervœr.

De Sünndag is de slechste Dag,

De Schosters holt Kantüffeljagd,

Swinęgels ut de Püll to rappsen.

Ik fürch mi gar nich vœr de Tappsen,

Doch makt se Fru un Kinner bang;

Ik ga un spikeleer so lang.

Wüllt wi mal glik blau Maandag maken?

Di knickt se doch je sunst de Knaken.

De ganze Landwęhr is mit Lüssen,

Ik heff man hört, de krigt je Büssen.

Gif an! wat schüll wi mal beriten?

Hest Lust mal inne Wett to smiten?

Schüll wi mal wrangeln? wullt mal haken?[268]

Hest Moth, en Barentog to maken?

Ik harr noch Lust, den Bull to narrn:

Wa schull de Bengel grimmi warrn!


Doch Matten segg, un slick de Hann':

Dat ward wul Tid mal antospann'!

Wenn Nawer mit will, mak he to,

He's man wat langsam inne Schoh.


»Son Stankversit! son Schrœkelbeen!

Hett de wul'n Mullwarp lopen sehn?!«


Genog, Swinęgel makt en Wett,

Wokeen de besten Schinken hett:

Dree mal de Wischen op un dal,

Bi 'n Pockenstohl dar weer dat Mal;

Un keem de Has' toeerst to Stell,

Trock he em föftein Nateln ut Fell,

De wull he an sin Leefste schicken,

Dar kunn se Slachtid Wuss mit pricken;

Den neegsten Sünndag wulln se renn', –

Un darmit harr de Strit en Enn'.

In Fręd un Eendrach, as dat hör,

Broch Matten Nawer bet na Dœr;

De lę sik as en Klun torech,

Un Matten hüpp op Töntjen weg.


Kriggt man des Abends mal en Fęs,

So hett man annern Dags en Blęs,[269]

Un weer man klöker as en Voss,

So steit man Morgens as en Oss:

De Kopp so dick, de Moth so slech,

Un alle Herrlichkeit is weg!

Dats leidi: güstern gungt as smęrt –

Vundag' de ganze Welt verkehrt.


Swinęgel dach: wa weerst du dumm,

De Matten löppt di dremal um!

He föhl al langs de ganze Hut,

As trock man em de Stacheln ut;

He knüll sik wedder still tohopen,

Sin Fru muss em ton Kaffe ropen,

Un muss em fragen, wat em fęhl,

Un lüff em denn sin sware Seel,

Un sä: dar lat du Frunslüd sorgen!

Nix mehr as dat, so büst du borgen!


De Sünndag keem – wa lach de Welt!

De Sünn schin opt Kantüffelfeld,

De Schosterjunges keemn mit Hacken,

Mit Schotfell vœr, in vullen Snacken,

Opkrämpte Arms – un all noch nüchtern!

Uns Stachelswin verkrop sik schüchtern,

Krop langs de Reegen œwern Wall,

Na't Holt rin, na de Wischen dal,

Un seeg dar Matten all ann Graben

Int Gras sik öbn int Springn un Draben.

Wa weer he glatt, wa weer he kämmt![270]

Un alle Lenken smęrt un stemmt,

Als harr Jan Claßen em eerst ręben.

Swinęgel! – lop! – dat gelt dat Lęben! –


De Has' de leep, as weert en Swulk,

As weert en Schatten vun en Wulk,

He leep de lange Wisch hendal,

Un weer int Flegen bet ant Mal.


Süh dar! int Dack ann Mœlenpohl,

Wat sitt dar oppen Pockenstohl?

– De Has' de dacht, he weer wul dun –

Swinęgel ruhi in en Klun! –


»Wat? büst al ankam?« seggt de Has':

»Ja,« seggt Swinęgelsch, »dats je'n Spaß!«

De Has' de seeg man ęben hin,

– He heel ęr vœr Herr Stachelswin: –

So jag he as en Blitz darvan,

Un keem bi't Holt bi'n Dorpahl an.


Süh dar! dar huck al an den Pahl

Fru Stachelswinsche ęr Gemahl!


De Has' de wis' em gau de Rügg

Un jagt hendal, as wenn he flügg.[271]


Un wedder sitt der, jedes Mal,

Opn Pockenstohl – ann Heckenpahl

– Un wenn he as en Kugel sus' –

Swinęgel! ruhi as to Hus!


So leep he dreemal op un af,

As flog en Pil mit vuller Kraf:

Toletz in Angst un Sweet un Noth,

Un as he ankeem – weer he dot.

Quelle:
Klaus Groth: Quickborn. Volksleben in plattdeutschen Gedichten, Berlin 1968, S. 266-272.
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