1.
Uber die Geburt des Herren Jesu

[95] Der Himmel hat bißher sich auf die Erd erhitzt

Und mit viel Schwefel/ Feur und Flammen lichten krachen/

Gelodert und getobt; Die Erd hat aus dem Rachen

Des Abgrunds auf die Luft und Sternen selbst geblitzt:

Nicht einer der das Schloß des grossen Throns besitzt

Hat iemahls sich ins Feld der Erden wollen machen/

Nicht einer der allhier muß auf der Erden wachen

Hat auf den gülden Bau des Himmels sich gespitzt.

Nunmehr wil Gott Friede machen und schlägt edle Mittel vor/

Er wird selbst ein Mensch gebohren und entschleust des Himmels-Thor

Was haben wir für Ursach mehr zu zancken?

Gott und Engel steigen nieder; Schwache Menschen fahren auf

Nunmehr wird eins Erd und Himmel/ Engel/ Menschen sind ein Hauff.

Wer wundert sich daß Mensch und Engel dancken.

Quelle:
Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der deutschsprachigen Werke. Band 1, Tübingen 1963, S. 95.
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