31.
Auff de Tag Allerheiligen. Matth. 5.

[240] O Selig wer recht arm auff Christum einig trauet!

Sein ist der Himmel reich! O selig dessen Muth

Vol sanffter Geister ligt! sein ist der Erden Gutt.

O selig dem hier stets vor schweren Straffen grauet/

Der nichts als klagen kan! Gott der sein Elend schauet/

Wischt endlich von ihm ab die herbe Thränen Fluth!

O selig den nur dürst in allem was er thut[240]

Nach recht vnd heilig-seyn/ der nur auff Tugend bauet!

Sein Wuntsch wird reichlich voll/ O selig wehm die Noth

Deß Nechsten bricht durchs Hertz! fürwar es jammert Gott/

Gott/ den ein reiner Geist' von Angesicht wird kennen/

Der den so Frieden liebt sein Kind heist vnd sein Haus/

Dem auffschleust den man hier jagt vmb die Wahrheit auß/

Der die man alhier schlegt/ vnd schmäht/ wird selig nennen.

Quelle:
Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der deutschsprachigen Werke. Band 1, Tübingen 1963, S. 240-241.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Sonette
Frühe Sonette (Neudrucke Deutscher Literaturwerke)