Erstes Capitel
Das Examen

[709] Die Geheimräthin Pauline von Harder winkte ...

Ernst, der Bediente, der an der Thür des Gartensalons verlegen harrte, verstand das Zeichen seiner strengen Gebieterin, trat an's Fenster, öffnete – da ihn die bunten Malereien der Scheiben ungesehen machten – und rief hinaus in den Hof ...

Nach einigen Secunden trat noch der Bediente Franz ein ...

Franz sah verstört und überwacht aus ...

Die Ludmer fixirte ihn mit Habichtsaugen und griff zur Erhöhung ihrer geistigen Kraft und zur Unterstützung ihrer Würde in die Horndose diesmal mit einer gewissen Feierlichkeit.

Ernst hat uns von einem Bilde gesprochen, begann die Geheimräthin zu Franz gewendet, von einem Bilde, das der verdächtige Gefangene, von dessen Haft im Thurme zu Plessen ich Bericht erhalten habe, hätte von der Wand nehmen wollen. Er entsinnt sich nicht, was es darstellte?

Eine schöne junge Frau ... sagte Franz.

Schön? wiederholte die Geheimräthin mit einem eigenen spöttischen Tone.[709]

Ganz blaß gemalt, sagte Franz und beschrieb ausführlich das uns bekannte Gemälde, indem er von seiner Verlegenheit sich allmälig sammelte.

Die Geheimräthin betrachtete die Ludmer mit den ihr gleichfalls eigenen großen stechenden Raubvogelaugen. Entsinnst du dich ein solches Bild in der Remise gesehen zu haben? fragte sie erstaunt.

Es sind im Ganzen vierzehn Bilder, sagte die Ludmer. Ja, ja und auch runde sind darunter und Pastellbilder ....

Im Verzeichniß steht Alles genau angegeben, meinte Ernst, und auch dies muß darunter sein.

Die Ludmer sah nach dem Verzeichnisse, das auf einem der kleinen Marmortische lag.

Die Geheimräthin zählte die angegebenen Bilder und fand zu ihrem Erstaunen ... eins durchstrichen.

Wie kommt der Strich durch diese Nummer? fragte sie mit großer Strenge.

Die Bedienten sahen auf das Verzeichniß und zuckten die Achseln ...

Sie wußten nichts, als daß Excellenz selbst die Liste bei sich getragen hätte ...

In der Geheimräthin stieg ein Verdacht auf, ein immer lebhafterer, ohne daß sie recht wußte, wo sie ihre Vermuthungen anknüpfen sollte.

Hier las sie von einem runden Bilde, in Medaillonform ... ein solches hatte man entwenden wollen ... und nun fehlte es!

Zornig fuhr die Ludmer die Diener an, sie sollten jetzt[710] nur gleich gestehen, wo dies Bild hin wäre und warum überhaupt Franz nun erst mit dem Landau nachkäme ....

Die Diener standen verlegen ....

Sie blieben stumm. Die Frauen wußten, daß Beide gewohnt waren, immer nur den Willen ihrer Herrin zu thun und vom Geheimrath keine Notiz zu nehmen ... sie konnten kaum mistrauen.

Es kam aber doch zu einigen Erörterungen.

Die Diener sollten erzählen, was Alles zuvor auf dem Schlosse sich Verdächtiges ereignet hätte ....

Wie groß war da freilich Paulinens Bestürzung, als sie die durch Melanie's Mädchen entstandene Plauderei, die Hackert erfahren und Dankmarn gemeldet hatte, nun auch ihrerseits in Erfahrung gebracht zu haben gestanden und der Geheimräthin eröffneten, es wäre später ein verdächtiger Mensch, der mit dem Handwerker im Thurme auffallend vertraut gewesen wäre, auf dem Schlosse erschienen, hätte dort bei den Damen außerordentliches Glück gemacht, den Geheimrath sogar in seinem Glanze sozusagen ausgestochen und man hätte sich zugeflüstert, dieser junge Mann wäre kein Anderer als der Prinz Egon von Hohenberg ....

Einen heftigern Schlag konnte Pauline nicht fühlen. Der Sohn ihrer Todfeindin, ein junger Mann, der ihr aus vielen Gründen selbst verhaßt war, erscheint auf dem Schlosse halb unerkannt und in dem wichtigen Augenblicke, wo sie sich jedes von seiner Mutter nachgelassenen Schnitzelchens und Spahnes bemächtigen wollte, um ...[711]

gewisse alte Dinge im Keime zu ersticken! Sie wußte, daß der Prinz von Paris hier angekommen, dann plötzlich sogleich verschwunden war, sie hatte durch Rapporte aus dem hohenbergischen Palais eine Ahnung von Dem, was die Diener erzählten und dafür als Jeannettens Quelle einen vom Justizrath Schlurck angekommenen Brief erwähnten .... Sie sah ihre gewagtesten Vermuthungen eingetroffen und mußte sich auf einem ihrer seidenen Polster erst sammeln, bis sie reden konnte.

Die Ludmer, umsichtiger, weil minder leidenschaftlich als ihre Gebieterin, setzte das Examen fort.

Die Bedienten kamen auf die Vorfälle im Heidekrug ...

Daß dort der Fremde, in dem sie den Prinzen vermutheten, wieder auftauchte, erschien ihnen, sagten sie, auch da im höchsten Grade verdächtig, sie hätten dem Geheimrath es, wie sie sagten, »stechen« wollen, aber ... hier fingen die beiden geschäftigen Livree – Sklaven an zu stocken ... zu erröthen, sich gegenseitig verlegen anzublicken.

Den Frauen entging davon nichts.

Was habt Ihr? hieß es.

Nichts! war die zögernde Antwort ...

Aber bald sahen die Frauen, daß ihnen gewisse Dinge verschwiegen geblieben waren und daß sie sehr gut gethan hatten, dem später angekommenen Franz zu verbieten, sich erst auf's Hofamt zum Geheimrath zu begeben.

Was wußten sie? Die Bedienten berichteten ...

Sie wußten, der Geheimrath war gestern Nacht mit dem großen Möbelwagen angekommen, auf dessen Bock[712] er, wie er sagte aus Vorsicht, bis zum Stadtthore selbst gesessen hätte. Später nahm er am Thor einen Fiaker ....

Man hatte den Geheimrath Kurt Henning Detlev von Harder zu Harderstein beim Thee, nachdem sich der Maler Heinrichson entfernt hatte, über diese Sorgfalt schon gestern sehr ausgelacht und in der Freude, den möglichen Versteck von Memoiren, die zwei Jahre lang nicht erschienen waren und doch existiren sollten, in der Wagenremise unten ganz sicher zu wissen, ihn sehr anerkannt und gelobt, trotz der lächerlichen Figur, die der ernste Mann auf dem Bock des Möbelwagens gemacht haben mußte ...

Jetzt aber erschien seine Aufopferung plötzlich verdächtig.

Man begriff nicht, wie er Franzen hatte, wie dieser sagte, verschweigen können, daß er mit dem Transportwagen fahre und als dieser sich verwirrte und sein späteres Eintreffen keineswegs, wie der Intendant, mit irgend einem Übel der Pferde entschuldigte, mußte denn vorläufig schon diese Wahrheit an den Tag, daß auch Ernst gestand, die Excellenz keineswegs gleich beim Ausfahren auf dem Bocke bemerkt zu haben. Man wäre mit dem Transportwagen vorausgefahren, in der festen Meinung, der Landau käme sogleich nach, und als das eine Weile gedauert hätte und man an eine Ecke und sonst sich schlängelnde Wege gekommen wäre und sich dem Glauben hingegeben hätte, der Landau würde schon nachkommen, da ...[713]

Da?

Da ...

Um des Himmelswillen, riefen die Frauen, wo war denn da die Excellenz?

Franz war nun ebenso neugierig wie die Damen und blickte Ernsten an ...

Als Ernst in äußerster Verlegenheit erst schwieg, dann zur Erde blickte und von der Ludmer ein wenig in handgreiflicher Sokratischer Methode an der Schulter gerüttelt worden war, sagte Franz endlich:

Wir suchten Excellenz im ganzen Heidekrug und ich hätte schwören mögen, er wäre uns gemordet worden. Sein Bett war nicht berührt. Wie er am Abend ging und stand, so war er am Morgen verschwunden.

Nun war es an Ernst, zu reden.

Über und über roth, schwieg er aber noch immer ...

Pauline pflegte in jungen Jahren bei ähnlichen Fällen an ihren Leuten durch eine kräftig eingesetzte, mit Geschicklichkeit an die Wange applicirte Ohrfeige deren Trieb nach Wahrheit zu unterstützen. Schon fühlte Ernst etwas von den Vorbereitungen eines Rückfalls in diese freundliche Ermunterungsmethode, als er lieber aus eigenem Anreiz der Wahrheit entgegen kam und seine Bereitwilligkeit, Geständnisse zu machen, durch ein schadenfrohes, boshaftes Lächeln nun schon im Voraus ankündigte.

Aha! Er lacht! Was ist? sagte die Ludmer.

Ernst wandte sich nun wie verschämt um, und meinte ganz einfach:[714]

Es ist eine curiose Geschichte!

Diese Einleitung genügte vollkommen, spannte aber auch die Neugier der Frauen auf's Höchste.

Geheimrath waren wirklich mit uns gefahren auf dem Transportwagen, sagte Ernst schlau; wir hatten ihn nur nicht gesehen.

Nicht gesehen? fragte die Ludmer und ihre Gebieterin ergänzte mit ganz gewöhnlicher auf die Würde des Intendanten nicht Rücksicht nehmender Phraseologie:

Wo steckte er denn?

Drin im Wagen, sagte Ernst und platzte mit längstverhaltenem Lachen so hervor, daß die Toilette der Damen fast in Gefahr kam.

In dem Transportwagen drin? riefen die Frauen.

Excellenz saßen im Transportwagen drin und hatten auch drin geschlafen, fuhr Ernst fort. Ja! ja! aus Wachsamkeit ganz inwendig geschlafen! Erst nachdem wir eine Stunde gefahren waren, hörten wir immer was so sonderbar rufen. Es war, als spukt' es oder als wären Ratzen in den Möbeln, so sonderbar klopfte es. Erst wußte die Gendarmerie nicht, wo's herkam. Hernach aber merkten wir's, daß es doch von inwendig kam und keine Ratzen waren. Halt! dachten wir, da hat sich Einer drin gefangen, und schon berathschlagten wir, was nun zu thun. Das Klopfen aber hörte nicht auf und statt jeder Antwort auf unser: »Wer ist denn da drin?«, bekamen wir wieder das Klopfen. Da machten wir denn die Stange los und öffneten behutsam, wie wenn Einer Vögel lebendig gefangen hat[715] und die Falle aufmacht. Wer kroch in Lebensgröße heraus? Excellenz! Von Fragens war natürlich keine Rede; denn Excellenz waren furchtbar ungnädig, winkten mit der Hand und setzten sich vorn auf den Bock, wo sie sehr wenig gesprochen haben, nichts aßen und nichts tranken als eine Tasse Kamillenthee in einem Dorfe ... und mir verboten haben ...

Verboten? rief die Geheimräthin mit satirischer, von der Vorstellung des aus dem Kasten kriechenden Gatten zum Lachen höchstgeneigter Miene; verboten, von dieser Aufopferung zu sprechen? Das Abenteuer ist so amusant, was ist da zu verbieten?

Sie betrachtete dabei mistrauisch mit den Augen zwinkernd die Ludmer.

Die Ludmer aber, die nie etwas ganz schwarz sehen konnte, lachte über die Maßen. Das Kinn wackelte ihr vor Entzücken über den eingeschlossenen Geheimrath und weit entfernt, dem Zusammenhang sothaner Misverständnisse nachzuspüren, hielt sie sich ganz einfach an das komische Factum, wie der hagere, steife, stolze Herr müßte ausgesehen haben, als er aus seiner Falle herausgekrochen gekommen wäre.

Falle sagst du, Charlotte? wandte sich die Geheimräthin zu ihr. Falle? Wer hat ihm denn eine Falle gestellt? Wie ist denn der Geheimrath hineingekommen in den Wagen, von dem mir doch gesagt wurde, daß er von Euch und zwei Bewaffneten bewacht war?

Jetzt blickten die Diener wieder scheu zur Erde und[716] verriethen, ohnehin durch die Confrontation verlegen, was ihnen Ferneres vorgestern Abend begegnet war.

Dies kam denn darauf hinaus:

Der Geheimrath hätte die übrige von Hohenberg nachkommende Gesellschaft, wie sie dachten des Prinzen wegen, mit großer Spannung im Heidekruge erwartet, wäre aber den ganzen Abend über nur mit Madame Schlurck und Fräulein Tochter zusammengewesen, wäre dann zu ihnen in den Hof gekommen, wo es vom Regen fast nicht zum Aushalten gewesen und hätte ihnen gesagt:

Kinder, wir sind hier sicher, ich will nicht, daß ihr des Wagens wegen um einen trocknen Platz kommt! Da geht hinauf und trinkt auf des Königs Wohl! Damit hätte er ihnen einen Thaler gegeben. Sie wären hinaufgegangen in die Wirthsstube und müßten sich freilich schämen zu gestehen, daß sie auf des Königs Wohl über Kräfte getrunken hätten, woran die Gendarmen Schuld wären und wie gesagt, des Königs Wohl. Nach einer halben Stunde wären dann Excellenz gekommen und hätten den Schlüssel zu der Eisenstange am Wagen verlangt. Er wollte etwas nachsehen, hätt's geheißen. Sie hätten ihn natürlich begleiten wollen, allein Excellenz hätten es nicht leiden mögen und so hätten sie für des Königs Wohl gesessen bis in die Nacht hinein. Nachher wär' ihnen aber denn doch der Schlaf gekommen und die Sorge für den Wagen. Wie groß wär' ihr Erstaunen gewesen, als sie den Wagen in der Dunkelheit offen, die Stange aber mit dem Schlüssel an einem Ende baumelnd gefunden hätten. In[717] Angst, es möchte der Geheimrath aus Vergeßlichkeit hier Gelegenheit zu einem Diebstahl gegeben haben, wären sie rasch bei der Hand gewesen, die Thür wieder zuzuschließen. Und da hätten sie denn ihren Herrn, der auf einem der Fauteuils wahrscheinlich entschlummert wäre, wider Wissen und Willen mit eingekerkert und einen so vornehmen Herrn gezwungen, die ganze Nacht in dieser höchst elenden und bejammernswürdigen Lage zuzubringen.

Pauline hielt beide Hände über die Stirn und rief halb im Zorn, halb doch von der komischen Situation ihres Gatten amüsirt, laut aus, ob denn so etwas möglich, nur denkbar und wirklich glaublich wäre!

Dann aber des sicher bei dieser Gelegenheit verloren gegangenen Bildes gedenkend, rief sie:

Was hatte er aber so spät in der Nacht in dem Wagen zu schaffen! Der furchtsame Mann, der nicht allein des Abends oben auf sein Zimmer gehen kann! Der Verschlafene, der wie die Hühner nach Sonnenuntergang kein Auge mehr offen behält!

Ernst, wie immer lebhaft, und an diese vertrauliche Art, über den Intendanten zu sprechen, im Hause längst gewöhnt, lachte und platzte mit den Worten heraus:

Nun, die Äugelchen hat wol an dem Abend das Fräulein wach gehalten.

Das Fräulein –?

Einem solchen Verrathe, der aus einer recht bösen Lust zu schaden hervorging, aus einer absichtlichen Reizung[718] zum Unfrieden, mußten denn freilich jetzt die umständlichsten Geständnisse folgen ...

Welches Fräulein? Demoiselle Melanie? Melanie Schlurck? Wie war Das? Was sah man? Was hörte man? ...

Wir lassen nun einen Vorhang fallen über die fernere Entwickelung dieser häuslichen Angeberei, die zu den allerdings wiederkehrenden täglichen Erscheinungen großer Häuser gehört, zugleich aber zu den widerlichsten Belegen raffinirter Entsittlichung.

Die Diener wurden mit dem Bemerken entlassen, daß sie zwar für die Vernachlässigung ihrer Pflichten auf dem Heidekrug Strafe verdient hätten, indessen wolle man in Anbetracht ihrer sonst aufrichtigen Geständnisse Gnade für Recht ergehen lassen und nur diese Bedingung noch ihnen ernstlich einschärfen, daß sie die Mitwissenschaft der Frauen ihrem Herrn zu verschweigen und sich überhaupt im ferneren Verlauf dieser Dinge zu erinnern hätten, von wem ihr längeres Verweilen in einem so guten Dienste, mit dem gewöhnlich eine künftige Staatsanstellung als Kastellan eines königlichen Schlosses verbunden war, abhinge, ob von Excellenz dem Geheimrath oder Excellenz der Geheimräthin ...

Die Diener gingen leise und erleichtert.

Pauline winkte der Ludmer und schlüpfte über einen kleinen Verbindungsgang aus dem Gartensalon in ihre Zimmer.

Diese lagen je nach ihrer Stimmung nach vorn oder hinten.[719]

In dem Zimmer nach vorn empfing sie nähere Bekannte, in dem, das nach hinten lag, dachte und grübelte sie; beide waren durch ihr Schlafzimmer, einen nach beiden Seiten hin offenen Alkoven, getrennt.

Das vordere Boudoir war ungemein geschmackvoll und auch ganz so eingerichtet, als wenn sie immer in ihm verweilte. Ein Schreibtisch von Jacarandenholz, sehr zierlich gearbeitet und mit den reichsten Schnitzereien eingefaßt, trug alle jene kleinen Geräthschaften, Briefbeschwerer, Siegel, Statuetten, Visitenkartenhalter, wie man sie bei einer so gewählten Einrichtung anzutreffen pflegt. Alles lag hier zierlich und wohlgeordnet nebeneinander. Das Zimmer war hellblau. Die Sessel alle mit gelbem Plüsch überzogen. Auch die Vorhänge fielen gelb von den im Sommer sonnengeplagten Fenstern herab. Hier sah man eine Bibliothek mit kostbaren Einbänden, eine Etagère mit den »Souvenirs« und Geschenken einer ziemlich langen Lebensperiode, dazwischen Blumen, jedoch nur geruchlose, des Schlafzimmers wegen, das durch einen schweren auch gelbseidnen Vorhang von diesem Zimmer getrennt war.

Das Schlafzimmer hatte kein eignes Fenster und wurde nur durch die Fenster der beiden Zimmer, die es verbanden, gelüftet. Das Bett war einfach und verrieth in seiner geringen Aufladung einen abgehärteten fast männlichen Sinn. Das war kein Bett zum süßen Träumen, sondern zum wirklichen Ausruhen von ernstem Wachen![720]

Ebenso war das zweite vertrautere Boudoir, das nach hinten hinausging zu dem Winkel, den im Garten der vorgeschobene Anbau des Gartensalons und das Frontgebäude bildeten, sichtlich nicht zum bloßen Staate bestimmt. Hier lebte Pauline wie sie war. Zur Rechten lag der Eingang in eine große Garderobe, wo in Schränken rings an allen Wänden ihre Kleider hingen. In diesem zweiten Boudoir war Alles grün. Auch der Vorhang, der nach dieser Seite das Schlafzimmer trennte, war grün, von einfacher Seide. Hier lagen Bücher und Schriften wild durcheinander, Papiere zerrissen im Papierkorbe, Siegel und Siegelwachs in reichster Anzahl und von wirklichem Gebrauche zeugend. Im blauen Zimmer mit den gelben Vorhängen sah man wol auch Spuren von Thätigkeit, auch einen Papierkorb, auch Siegelwachs und Petschafte, aber Alles zierlich, lieblich, graziös, wie für den Gebrauch eines Elfen, einer Sylphide bestimmt. Im hellgrünen Zimmer mit den dunkelgrünen Vorhängen und Möbeln dagegen traf man das wirkliche Leben ihrer starkgeistigen Bewohnerin. Da waren Schubfächer mit geheimen Druckern, Schränke, festverschlossen, und Polster, die wirklich zerlegen und zersessen waren. Hier war Pauline wahr. In dem Vorderboudoir gab sie einen gefälligen Schein. Wohnlich und traulich war es dort ... Man mußte glauben, in ihre geheimste innere Werkstatt zu kommen, wenn man durch eine lange Reihe Gemächer endlich durch den allgemeinen Empfangsalon bis in jenes blaue Zimmer gelangte. Da war Alles fesselnd und sinnvoll, gemüthlich[721] und beziehungsreich. Man mußte die sinnige Frau, den still waltenden Geist bewundern, der hier wirkte und schaffte und sich mit dem bescheidenen, anspruchlosen Bett begnügte. Aber ... Pauline wohnte nicht hier. Sie wohnte in dem Zimmer Grün in Grün mit düstren Vorhängen, schattig und dunkel und in hundert Spuren die Wildheit ihres Innern verrathend. Hätte sie noch so lieben können, wie sie einst liebte und Niemanden leidenschaftlicher, als jenen Heinrich Rodewald, sie würde auch diesen Raum zu einem Tempel der Liebe erweitert und verschönert haben ... Jetzt trug er keine Spuren mehr davon. Mit ihrer letzten längern »Liaison«, dem französischen Attaché Grafen d'Azimont, hatte sie diesen sie ganz allein erfüllenden Anregungen ihres Innern Lebewohl! gesagt und sich überhaupt, in Rücksicht auf die kleinen Cirkel, einer musterhaften Aufführung befleißigt. Man muß gestehen, daß sie Ursache hatte, endlich etwas zu finden, was sie ganz erfüllte. Sie hatte zu Vielem entsagt, um nicht Ansprüche auf die stärkste und umfassendste Befriedigung ihrer nach Thätigkeit schmachtenden Seele zu haben. Das Verhältniß zu dem Maler Heinrichson war jetzt ein letzter sanfter Abendschimmer der Vergangenheit. Dieser junge, schöne, elegante Salonmaler besuchte sie täglich, aber sie gefiel sich darin, vor der Welt die Miene anzunehmen, als wenn er in ihr, der bald Sechzigjährigen, nur eine Mutter besäße, eine ältere, rathende, anregende Freundin ... Wie hätte sie auch sonst von Heinrichson's kleinen Aventüren sprechen und oft zur Trompetta, zur[722] Mäuseburg, zur Werdeck, zur Landskrona, zur Spitz sagen können: Ach, ich bin recht verstimmt ... Heinrichson hat so viel Unglück mit einer kleinen Blondine oder einer Brünette, die er liebt! Ich habe das Mädchen besucht, ihr einen Shawl geschenkt ... oder einen Hut ... aber sie liebt ihn nicht und macht mich unglücklich!

Die Ludmer folgte Paulinen in das Zimmer Grün in Grün. Aufmerksam hörte sie ihrer Gebieterin und Freundin zu, als diese auf eine Ottomane sich werfend, nunmehr ausrief:

Welche Entdeckungen! Welche Enthüllungen! Henning im Möbelwagen! Prinz Egon auf Hohenberg! Eine junge Kokette, die so liebenswürdig und geistreich sein soll, daß der Geheimrath ganz aus der Façon gekommen sein muß und seine Grandezza und seine pariser Perrücke einmal vergessen hat! Ein Bild, das über dem Wirrwarr verloren geht, vielleicht geraubt wird! Wer bringt Licht in dies Dunkel? Wer entwirrt uns eine Intrigue, die doch an den sichtbarsten Fäden uns umsponnen hält? Und bei dem Allen, mag es sich entwirren wie es will, wer bringt uns das von Harder hier ausgestrichene Bild zurück, das vielleicht grade die Denkwürdigkeiten meiner Feindin, die Rache einer Heuchlerin enthält! Denn ich besinne mich! Die Fürstin starb mit dem letzten Ausruf:

das Bild! Und die Familienbilder sollte Prinz Egon behalten ...

Ach! Man verlangt von Hardern, sagte die Ludmer beruhigend, einen genauen und unverhohlenen Bericht.[723]

Was kann uns der helfen? antwortete Pauline, wenn er selbst, wie es scheint, zu Denen gehört, Die irgend eine schlaue Berechnung täuschte. Hat er wohl ein Wort von Prinz Egon's Anwesenheit gesprochen? Er wird uns vielleicht nicht betrügen, gehört aber, wie wir Alle, zu den Betrogenen! Es ist gar zu lächerlich, in einem Möbelwagen verschlossen zu werden und statt im Bett, auf einem Fauteuil in einer ambulanten Remise einzuschlafen. Und gib Acht! Wir werden forschen dürfen, so viel wir wollen, wir werden nichts von ihm erfahren, als daß er hätte »gewissenhaft« sein wollen.

Es kommt auf eine Prüfung an, sagte die Ludmer, die sich mit Recht von der Furcht Henning von Harder's vor seiner Gattin viel versprechen durfte.

Und Schlurck, fuhr Pauline fort, der sonst so aufmerksame Schlurck, der mir nie etwas verschwieg, was sich auf Egon bezog, er verschweigt mir diese Reise nach Hohenberg! Auch Zeisel hat mich vergessen, weil ich es nicht möglich machen konnte, ihm eine seinem alten Range angemessene Versetzung zu verschaffen. Er soll die Arrestation des neugierigen, sicher verkappten Handwerksburschen ganz oberflächlich betrieben haben. Kurz, ich bin nicht mehr Die, die ich war ... ich existire nicht ... man ignorirt mich, man durchkreuzt mir die besonnensten Pläne.. man operirt, daß sie scheitern müssen!

Du unternimmst zuviel, antwortete die Ludmer, und war erfreut beim ruhiger ausströmenden Schmerz der[724] Gebieterin mit Anstand wieder eine Prise nehmen zu dürfen. Du wagst dich an die schwierigsten Dinge, ohne dafür eine Anerkennung zu finden. Ich wünschte wol, du hütetest dich vor Schlurck –

Vor Schlurck? Wie so?

Seine Späße sind oft bitter! Seine Mienen haben etwas Säuerliches, als wollte er sagen: ....

Nun? Was sagen?

Die Ludmer stockte ...

Foltre mich nicht! fiel die Geheimräthin ein. Verdächtige mir nicht die besten Freunde!

Die dich benutzen und fallen lassen, wenn sie dich auspreßten ....

Schlurck mich benutzen? fragte verdrießlich die Geheimräthin, deren Geschmack zugleich an dem Bilde von der ausgepreßten ... Citrone kein Gefallen fand.

Schlurck ist mir verdächtig ... sagte die Ludmer. Ein so boshafter kalter Egoist ....

Ah! Bah! antwortete die Geheimräthin. Das verstehst du nicht. Das ist ein Philosoph und nach dem Abenteuer seiner Tochter mit Harder zu schließen, hat das Mädchen Laune und Geist ... ich muß sie kennen lernen ....

Damit sie dich immermehr umstricken? Immermehr misbrauchen!

Misbrauchen? Wozu? fragte die Geheimräthin ungeduldig.

Der Obercommissair hat mir Alles erklärt und auseinandergesetzt ....[725]

Man muß gestehen, sagte die Geheimräthin bitter, deine Verwandtschaft wirkt sehr ungleichartig auf dich. Deiner Nichte weisest du die Thür ... und deinem sogenannten Neveu, der dich beerben wird, der jetzt schon sogar deine Verwandtschaft erbt, ohne je etwas Anderes gewesen zu sein als ein gewandter Intrigant und dein Liebhaber ....

Pauline! Du bist gereizt! sagte die Alte mit ärgerlichem Tone, aber doch von dem Worte: Liebhaber! angewandt auf ihre alten welken Züge, ein wenig geschmeichelt ....

Was sagte denn Pax? fragte die Geheimräthin.

Als Obercommissair der Polizei kann Pax klar sehen, antwortete die Ludmer. Er warnt vor Schlurck. Wenn Prinz Egon die Verwaltung seiner Güter übernimmt, verliert der Justizrath die Hälfte seiner Einkünfte. Die andere Hälfte kommt von der Administration der alten städtischen Häuser .... Mit der sieht es gleichfalls nicht besser aus.

Er wird sie behalten!

Denkst du? Jetzt, wo das Ministerium Alles daran setzt, diesen Proceß zu gewinnen?

Der Hof ist für die Ansprüche der Commune.

Dank deinem Einflusse! Wie schlau weiß ihn dieser Schlurck nicht zu benutzen! Wie zerfloß er in Rührung, als du ihm sagtest: Die Königin misbilligt die Handlungsweise des Ministeriums und bietet Alles auf, der Commune ihre alten Schätze zu erhalten!

Kind! Er lachte darüber! sagte die Geheimräthin. Er[726] lachte über die Geistesrichtung des Hofes, daß dieser sogar gegen seinen eignen Vortheil gestimmt ist, wenn es sich um eine mittelalterliche Träumerei handelt. Du sprichst von meinem Einflusse! Soll Das Spott sein? Anna! Anna! Meine Schwester! Das ist die Quelle, zu der Schlurck Zugang finden müßte! Anna wird entscheiden können ....

Warum Anna?

Durch unsern Schwiegervater! Das Obertribunal wird in letzter Instanz Recht geben und behalten. Wer weiß, ob das dringende Verlangen des Hofes, Annen's Bekanntschaft zu machen, nicht mit jenem Proceß zusammenhängt!

Nimmermehr, sagte die Ludmer, die sich auf die Länge immer mehr als eine kluge, praktische Frau zu erkennen gab, nimmermehr, Herz! Solche Einwirkungen können wol den Untergeordneten einfallen, aber die Oberhofmeisterin, die Altenwyl, denkt an solche Pläne nicht. Man schätzt Anna, weil sie für anspruchslos gilt und sich ganz und ausschließlich der Pflege eines ehrwürdigen Alten widmet. Auch treibt sie alte Musik. Das ist allein schon hinreichend, ihr ein Lüstre zu geben, wie man's nun oben einmal liebt. Rechnet man noch die Neugier hinzu, eine Frau kennen zu lernen, die von dir so verschieden sein soll, so ist Alles beisammen, was dort für sie spricht. An den Proceß denkt Niemand. Pax meint Das auch.

Ich will es glauben, sagte Pauline, was Anna's Beziehung zum Papa anlangt. Allein der Gegenstand, um den[727] mich Schlurck neuerdings besucht, ist dem Hofe wirklich sehr wichtig. Er wird viel besprochen und auf die Lösung ist man allgemein gespannt. Und so wunderlich ist dabei die Stellung der kleinen Cirkel zum Ministerium, daß beide ganz verschiedene Zwecke verfolgen. Die Ministerien wollen die alte Erbschaft für den Staat und die kleinen Cirkel sind dafür, daß sie der Stadt verbleibt. Das wissen sehr Wenige und Keiner wird es begreifen, der sich nicht in die Natur dieser träumerischen Menschen oben hineingefühlt hat. Und sind wir doch selbst an der Entscheidung betheiligt? Unser altes Familienhaus in der Stadt ist ein Johanniterlehn. Jahrhunderte lang zahlten die Marschalks eine sehr geringe Abgabe an die Stadt, der die Rechte und Besitzungen übertragen wurden, als die alten Ritterorden protestantisch wurden und ihre großen Güter auseinanderfielen an den Ersten Besten, der in Zeiten allgemeiner Verwirrung von ihnen Vortheil zog und Besitz zu ergreifen verstand. Wenn wir nun vom Staate abhängig werden, würde der Zins ohne Zweifel erhöht. So geringfügig dieser Grund sein mag, der auch uns sollte wünschen lassen, die Sache bliebe beim Alten, so habe ich doch dadurch ein geeignetes Mittel, den intimsten Wünschen der eigentlich einflußreichen und das Ganze regierenden Partei entgegenzukommen, und es ist wiederum eine unbegreifliche Vernachlässigung Schlurck's, daß er mir so lange auch nicht über den Gang dieser Angelegenheit berichtet hat.

Lange wogte so das Chaos von vielen ungewissen und[728] quälenden Stimmungen und Betrachtungen in der ehrgeizigen, thatendürstenden Frau auf und ab. Was war da nicht Alles, das schattenhaft vor ihr auf – und niedergaukelte! Liebe, Haß, Streit, Friede, Staat, Familie, die Welt, ihr Haus, ihr Herz .... Alles war in Aufregung und keine Idee war da, die ihr als Stütze und Anlehnung in dieser Verwirrung hätte dienen können.

Sie warf einen Rückblick auf die Vergangenheit ....

Ach! sagte sie; wo sind die Männer, die uns einst zur Seite standen?

Lass' Das! rief Charlotte Ludmer. Sieh, da geht der Commissionair des Hotel garni am Paradeplatz ... er kommt zu uns ....

Ich will nichts wissen von der Gegenwart, sagte Pauline. O diese Vergangenheit! Diese kraftvollen Arme, die uns einst emporhielten über diese schaale Welt ....

Ein Bedienter geht über den Hof und bringt eine Karte, sagte die Ludmer, die von dem grünen Zimmer zuweilen in das gelbe schritt ....

Erst dieser Ried, mein erster Mann! Ich war jung, kindisch. Ich nahm einen reichen Finanzier. Er war alt, dick, unausstehlich, aber in seiner Weise anerkennenswerth, unternehmend, speculativ. Dann Anton.. auch Eduard ... aber Heinrich Rodewald! Welch ein Heros! Welcher Titan an Größe des Geistes! .... Mit seiner Untreue brach meine Kraft.

Du wirst in den Blättern deines Lebens nachschlagen, sagte die Ludmer spottend, bis du auf Zeck kommst ....[729]

Charlotte!

Denselben Zeck, den Schlurck schon einige Male in deiner Gegenwart so zweideutig genannt hat!

Schlurck? Es ist wahr ...

Wenn Schlurck die Denkwürdigkeiten der Fürstin Amanda längst besäße!

Charlotte!

Eben wollte die Ludmer sagen: Warum vermeidet dich seit einiger Zeit der Justizrath? als der Bediente Ernst eintrat und zwei eben abgegebene Gegenstände brachte, eine Karte und einen Brief.

Auf der Karte stand: Justizrath Schlurck wird sich die Ehre geben, binnen einer Viertelstunde, wenn erlaubt, aufzuwarten ...

Triumphirend blickte die Geheimräthin, die viel Neigung für Schlurck's philosophische Weltanschauung hatte, auf die »auch gar zu kluge«, wie sie sie öfters nannte, geheime Vertraute.

Und als sie vollends den vom Commissionair gebrachten Brief entgegengenommen und die Aufschrift gelesen hatte, gerieth sie in ein höchst angenehmes Erstaunen.

Von der d'Azimont! rief sie. Ist es möglich? Aus Paris?

d'Azimont? Kommt der Graf zurück? fragte die Ludmer gedehnt und gedachte dabei im Nu der Möglichkeit neuer Störungen des sittlichen Verhaltens, das Pauline dem Hofe gegenüber behaupten wollte.

Pauline durchflog das Billet in gespanntester Aufmerksamkeit und ließ während des Lesens die Worte hinfallen:[730]

Nein – der Graf nicht – von ihr – Was? – krank – Wer? Prinz Egon ist krank? – Der Arme – sie hat sich brouillirt – mit dem Grafen? – Nein, mit Egon auch? O! -Sieh! Sieh! – Sie ist rasend – sie verzweifelt – sie wird abreisen? – sie kommt von Paris – Nein, was les' ich denn! Sie ist schon da! Himmel der Brief ist ja von hier –

Die d'Azimont ist hier? fragte die Ludmer.

Die d'Azimont! Helene d'Azimont, Egon's Geliebte! Hier?

Sie war dir immer zugethan ... aber ....

Indem fuhr ein Wagen vor. Ohne Zweifel schon der angekündigte Besuch des Justizrathes ...

Unterhalte dich eine Weile mit Schlurck, sagte Pauline rasch, legte das empfangene Billet zurecht und setzte sich zu einer Antwort hin. Schlurck soll nicht gehen, hörst du? Der Bediente der d'Azimont soll warten. Ernst soll sich erkundigen, ob Prinz Egon wirklich wieder sichtbar, wirklich krank ist und seit wie lange? Ich vermuthe, er verleugnet sich nur der Armen wegen, mit der er brechen will, der alberne Sohn einer albernen Mutter – Franz soll auf's Hofamt sagen, daß ich den Geheimrath um drei Uhr zu sprechen wünsche – wir essen um vier ... Um acht heute Gesellschaft ... Wenn Schlurck fort ist, mach' ich Toilette ....

Die Ludmer ging gehorsam nach vorn in's Empfangzimmer und brummte lachend vor sich etwas hin, als wollte sie sagen:

Nun ist ja Alles wieder im besten Zug![731]

Und in der That schien es wirklich zu gehen. Da war ja mit einem Male Alles wieder wie es sein sollte. Menschen, Briefe, Neuigkeiten, Situationen ... Alles, was Pauline haben mußte, um leben zu können.

Mit rascher Hand warf sie auf ein zierliches Blatt die Worte:

»Tausendmal gegrüßt, liebenswürdige Freundin! Engel, wie schön, daß Sie da sind! Zittern Sie doch nicht um Ergon! Wenn er seiner Mutter gleicht, ist er sanft und wenn er dem Vater gleicht, nur leichtsinnig! Kommen Sie an mein Herz! Haben Sie Thränen zu weinen, in meiner Brust ist eine Stelle, wo Thränen nicht entweiht werden! Kommen Sie! Kommen Sie! Um Eins! Toute à Vous! Um Eins, oder um Sechs, wie Helene will! Ach Helene, wie lieb' ich Sie! Nein daß Sie da sind! Wie überraschend! Wie Helenisch! Willkommen! Willkommen!«

Rasch gesiegelt, geklingelt, abgegeben. Den Kopf geordnet, das Bandeau über das Haar gezogen, die langen spitzenbesetzten Zipfel noch einmal zu einer schönen Schleife geknüpft, die Falten der Morgenrobe geglättet, ein Batisttuch in die Hand genommen, noch ein Blick in den Spiegel und dann nach vorn geschwebt, durch das Schlafkabinet aus dem Zimmer Grün in Grün in das Zimmer Gelb in Blau. Die Thür geöffnet ... alle unmuthigen Mienen verschmolzen in holdseligstes Lächeln –

Schlurck trat ein ...[732]

Quelle:
Karl Ferdinand Gutzkow: Die Ritter vom Geiste. [Band 1–3], Frankfurt a.M. 1998, S. 709-733.
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Geschichten aus dem Sturm und Drang II. Sechs weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang II. Sechs weitere Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Für den zweiten Band hat Michael Holzinger sechs weitere bewegende Erzählungen des Sturm und Drang ausgewählt.

424 Seiten, 19.80 Euro

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