Zwölfter Auftritt.

[155] Mägera eine Zauberin, welche aus dem Cabinet heraus kömmt, und die Vorige.


MÄGERA zu Leander. Was unternihmst du rasender Liebhaber! weist du dein dir so theuer seyn sollendes Leben nicht besser zu schätzen, als daß du e deiner blinden Liebe aufopferest? was hält mich ab, daß ich statt meiner Dienstfertigkeit, dir nicht meine Rache widerfahren lasse?

LEANDER läßt die Pistollen fallen. Wertheste Frau Zauberinn, Hexe oder Teuflinn! wie ich sagen solle, meine Liebe, meine übergroße Liebe ist die Ursach, an dieser meiner Verzweiflung.

MÄGERA. Und war es dir nicht genug in deiner Thorheit so weit zu gehen? so hast du sogar deinen unschuldigen Diener zu dem Tod gezwungen?

HANSWURST auf der Erde. Ja, er hat eh kein Fried gegeben, bis er mich erschossen hat.

MÄGERA zu Hanswurst. Steh auf getreuer Diener deines närrischen Herrn.

HANSWURST. Ich kann nicht aufstehen; ich hab einen Schuß.

MÄGERA. Probier es nur, und stehe auf, es ist dir nichts geschehen.

HANSWURST steht forchtsam auf, und nachdem er sich hin und herangesehen. Es ist wahr, es ist mir nichts, es muß mich nur die Contusion niedergeschlagen haben.

MÄGERA. Hört mich, ich komme zu eurer Hülf hieher, mein Schicksal ist sehr wunderlich! ich bin ein Verwalters Tochter, aus einem hier nahe liegendem Schlosse gebürtig, meine Eltern hatten mir öfters gesagt, daß es in dieser Gegend unsicher wäre, und als ich ein Mädchen von 18. Jahren war, so gieng ich einsmal ganz allein auf den Abend spazieren, als ich in diese Gegend kam, so ward ich auf einmal von einem dicken Staub umrungen, und eh ich mich versah, in diese Zauberhütte, die ihr hier sehet, gebracht; ein Zauberer Namens Schlickziroschurakas, wohnte in selber, er hatte sich in mich verliebt, deßwegen hatte er mich rauben lassen, es ware auch kein Mittel, mich von ihme los zu machen, 30. Jahr mußte ich bey ihm in dieser[155] Höhle seyn, und mit ihm als seine Frau leben, durch diese Zeit lehrte er mir alle seine übernatürliche Künste, und als er starb, hinterließ er mir allen seinen Reichthum, mit dem Bedeuten, daß ich seine Künste fortsetzen, und zur Hülf der unglückseligen Verliebten gebrauchen sollte. Widrigenfalls er mir den Hals umdrehen würde; da ich nun nach seinem Tode schon manchem Verliebten Hülf geleistet; man weis auch auf des Odoardo Gut gar wohl, daß diese Gegend unsicher ist; man setzet mir auch nach, allein es war noch nie möglich, und wird niemals möglich seyn, mir beyzukommen; man heißt mich in dieser Gegend die förderliche Hexe: denn erst im vorigen Jahre, hab ich des geizigen Odoardo Weingärten durch einen Hagel gänzlich zu Grunde gerichtet, euch beyden aber will ich also zu Hülfe kommen.

LEANDER. Mächtige Zauberinn, wenn Unglückselige anderst eurer Hülfe würdig seyn, so steht uns nur bey, daß wir uns an dem Odoardo rächen, und zu dem Besitze unserer Geliebten gelangen können.

MÄGERA. Ich weis alles zum Voraus, das erste versprech ich euch gewiß, das zweyte hingegen laß ich euch selbst über, denn ich kann euch sagen, daß eure Geliebten keineswegs so getreu sind, als ihr es euch einbildet; sie wohnen hier auf einem Landgute, wo ein Mangel an Mannspersonen, die sich für sie schicken, ist, deßwegen sind sie euch getreu, allein ich will euch durch ein, und andere Prob schon noch überführen, daß eure Liebsten euch ungetreu seyn können.

LEANDER. Mein Hauptabsehen ist nur, mich an den eigensinnigen, und geizigen Odoardo zu rächen.

HANSWURST. Allerliebste Madam Hexe! wenn sie nur die Gütigkeit haben, und verwandeln den alten Odoardo in einen Rihnocerus, mehr verlang ich nicht.

MÄGERA. Sorget euch um nichts, ihr sollt Genugtuung bekommen! ich selbst will meine Unterhaltung dabey haben, doch damit ihr sehet, wie weit meine Macht sich erstrecke, ja was ich alles zu bewerkstelligen fähig bin, so will ich euch kleine Probstücke hievon zeigen: doch entsetzet euch an nichts, was ihr sehen werdet, denn es soll euch nichts Leides geschehen.

MÄGERA zu Leander und Hanswurst.


Aria I.

Nehmt die unumschrenkte Macht

Meiner Künste wohl in acht![156]

Laßt euch unerschrocken sehen!

Denn euch soll kein Leid geschehen;

Wenn gleich alles kracht und bricht,

So bleibt ruhig, zittert nicht.


Sie macht mit dem Stabe verschiedene Kreise in der Luft, und auf der Erde.


Pluto, Charon, Phlegeton,

Lethe, Stix, und Acheron,

Tantalus, und Radamas,

Sisiphus, und Salverkaß,

Teufeln, Furien der Höllen,

Hört mein ernstliches Befehlen,

Seyd zu meinem Wink bereit!


Man höret ein erschröckliches Geschrey.


Hört, wie ihr Geschwader schreyt!


Zu Hanswurst und Leander.


Die Unmöglichkeit der Sachen,

Kann ich öfters möglich machen;

Mit dem Stab befehl ich nur,

Gleich gehorcht mir die Natur.

Ich darf einmal nur gebieten,

Alsbald muß das Wasser wütten,


Der Fluß fängt an zu wellen.


Alsbald thürmen sich im Lauf,

Die sonst sanfte Wellen auf,

Kaum wird es von mir befohlen,

So hört man den Donner rollen,


Es kommen Wolken, welche die Sonne verfinstern, wobey es donnert und blitzt.


So entzündet sich der Blitz,

So verschwindt die Sonne Hitz.

Bäume kann ich auch beleben;


Die an dem Gestatt stehende Bäume bewegen sich.


Berge müssen Feuer geben,


Der hinter den Wasser stehende Berg speyt Feuer.
[157]

Und ein unbeselter Stein,

Muß ein Frauenzimmer seyn.


Der an dem Wasser stehende kleine Felsen, verkehret sich in ein Frauenzimmer.


An der Treue meiner Teufeln,

Dürft ihr keinesweges zweifeln;


Es kommen von beyden Seiten Teufeln von der Erde, welche einander um fangen, mitten kommt der Tod aus der Erde.


Seht sogar der schlaue Tod!

Kommt, und ehret mein Geboth.

Meine wohl gebauten Riesen

Hab ich euch noch nicht gewiesen.


Es kommen zwey Riesen.


Habt ihr sie genau betracht?

Sagt! sind sie nicht schön gemacht?

Gleichfalls muß ich meine Zwergen

Eurer Neugir nicht verbergen,

Von den Pagen müssen zween

Stäts an meiner Tafel stehn.


Es kommen vier häßliche Zwergen.


Bären, Tyger, Löwen, Drachen,

Weis ich Lämmern gleich zu machen,


Es kommen fügende Brachen, wie auch einige krichende Thiere, welche sich der Zauberin zu Füssen legen.


Seht, wie sanft ruhen sie hier!

O! die allerliebsten Thier!


Sie streichelt die Thiere.

Zu Leander und Hanswurst.


Nun habt ihr es schon gesehen,

Was durch meine Macht geschehen,

Drum Gespenster weicht zurück!

Fort in einem Augenblick!


Alle Gespenster entfernen sich, die Risen gehen ab, die Zwerge auch, die Thiere krichen, die Teufel umfangen sich wieder, und verschwinden, wie der Tod unter Feuer die Brachen fliegen ab, die Wetterwolken verziehen sich, es[158] hört auf zu donnern, und zu blitzen, die Sonne scheint wieder, das Frauenzimmer verwandelt sich wieder in einen Felsen, die hellen hören auf sich zu thürmen.


Du Natur! laß dich nun wieder

In die alte Ruhe nieder!

Thue meinem Wink genug,

Ohne mindesten Verzug.


Zu Hanswurst und Leander.


Nu! wie gefallen euch diese Kleinigkeiten?


LEANDER. Es ist mir unbegreiflich, was ich gesehen habe.

HANSWURST. Frau Hexin, sie haben schöne Hausofficier, aber warum haben sie denn das schöne Schatzerl wieder lassen zu einen Stein werden?

MÄGERA. Da ist nichts daran verlohren, ich kann in einem Augenblick hundert noch schönere Mädel herbeyschaffen.

HANSWURST zu Mägera. Wenn sie das können, so därfen sie nur in die Stad gehn, und denen Männern ihre wilde Weiber schön machen, so können sie grundreich werden.

MÄGERA. Höret mich! mein Nam ist Mägera, und mein Aufenthalt in dieser Höhle, allein, wenn ich auch nicht bey euch bin, so dürft ihr nur den Namen des Zauberers, von deme ich meine Künste habe, nennen; so könnt ihr alles machen, was ihr wollt, und ich werde euch allzeit beystehen; der Nam des Zauberers ist Schlickziroschurakas.

LEANDER. Ganz recht, Schlickziroschurakas, Zu Hanswurst. du must dir ihn auch merken.

HANSWURST. Das ist ja leicht zu merken, ich denk halt auf das Schlicken, und auf ein Kaß.

MÄGERA. So kommt nur in meine Zauberhöhle, ich werde euch schon weiteres sagen, was ihr zu thun habt, denn wir wollen zu unsern Spaß den Anfang machen.

LEANDER. Ich werde euch folgen. Also mit Mägera und Hanswurst in die Zauberhöhle ab, die sich wider zuschließet.


Ende der ersten Abhandlung.


Quelle:
Die Maschinenkomödie. Herausgegeben von Dr. Otto Rommel, Leipzig 1935, S. 155-159.
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