Vierter Auftritt.

[140] Hanswurst, und Odoardo.


HANSWURST zu Odoardo. Sey der Herr so gut, und meld er mich beym Herrn von Odoardo an, ich hab schon mit dem Hausknecht geredt, ich weiß aber nicht, ob ers dem gnädigen Herrn gesagt hat, der Herr wird a so der Bedagogus im Haus seyn?

ODOARDO. Mein Freund! ihr irret euch ich bin Odoardo selbst, bin in meinem Hause gern comod, und auch sonst kein Liebhaber von der eitlen Pracht, ein Mann meines gleichen mag gekleidet seyn, wie er will, so bleibt er doch allzeit ein Edelmann; ich bin ein ehrlicher Mann, und bin dergleichen nicht gewohnt, wie einige Stutzer unsrer Zeiten, die den Schweiß ihrer Gläubiger, auf dem Rocke, und Weste herum tragen.[140]

HANSWURST. Ich bitt tausendmal um Verzeihung daß ich so ungeschickt war, und sie nicht gekennt hab, weil ich aber weiß, daß sie der gnädige Her seyn, so bitt ich, sie möchten meine Grobheit, meiner Dumheit zuschreiben; hier hab ich ihnen einen Brief von meinem Herrn zu überbringen, ich glaub er gehört an sie, Er ließt. dem hochesel gebohrnen –

ODOARDO. Er scheint mir ein lustiger Mensch zu seyn, allein er muß besser buchstabieren lernen; Er nihmt dem Hanswurst den Brief aus der Hand, liest mit der brülle schnofelnd. dem hochedlgebohrnen Hrn. Hrn. Paphnutius Odoardo von Einhorn, Herr der Herrschaft Kornutenburg, berühmt gewesten Limoni- und Specereykrammer, zu Stixneusiedl an der Elbe, au jubilirten Vorsteher der Simonilad –

HANSWURST. Verzeihen sie mir, so schnofelnd schreibt mein gnädiger Herr nicht, er hat gar eine brave, laute Schrift, und sie schnofeln, wie der Teufel im Kreutzerspiel.

ODOARDO. Sein Herr muß meine Titulatur auch nicht recht wissen, er ist ich glaub ja, ein Diener des Herrn von Leander?

HANSWURST. Es ist a so, belieben sie nur zu lesen, es wird sich alles zeigen.

ODOARDO vor sich. Ich bilde mir es im voraus ein, was in dem Briefe steht, aber aus dem Begehren wird nichts, ich will den Brief doch lesen. Er liest.


»Hochedelgebohrner Herr! dero Fräulein Tochter, welche ich zwar erst eine kurze Zeit her anbette, hat in meinem Herzen, sowohl wegen ihrer Schönheit, als ihren andern unschätzbaren Eigenschaften, die sie blos de edlen Auferziehung ihres Herrn Vaters zu verdanken hat, eine solche Liebe erweckt, daß ich sie zu meiner Gemahlin bereits erwählet habe, da aber bey dieser Wahl, ihre väterliche Einwilligung das erste Votum ist, so erbitte ich mir dieselbe, durch gegenwärtiges Schreiben, ich glaube nicht, daß sie einen billigen Grund finden werden, dieser Verbindung entgegen zu seyn; ich bin vom Stande, und nach dem Tode meines Vaters mit genugsamen Mitteln versehen, ihre Fräule Tochter zu ernähren. Ich erwarte also indessen von ihnen, durch meine Diener eine erwünschte Erklärung, und werde selbst Nachmittag die Ehre haben, ihnen als meinem künftigen Hrn. Schwiegerpapa die Hand zu küssen.

Freyherr von Leander.«


ODOARDO vor sich. Aus dieser Heurathspastete wird ein Talken werden. Zu Hanswurst. meld er seinem gnädigen Herrn, es würde mir eine Ehre[141] wiederfahren, wenn er sich die Mühe geben wollte, zu mir zu kommen, ich würde schon alsdenn mit ihme selbst aus der Sache reden.

HANSWURST. Ich werd ihms wissen auszurichten – aber da hätt ich noch ein paar Zeilen, von einem hüpschen, feinen, wohl meritirten Menschen Euer Gnaden einen Brief zu geben. Giebt dem Odoardo einen rief.

ODOARDO nihmt denselben, Hanswurst vor sich. Ich merke schon, auf was der Vogel anschlägt, der kommt mir eben recht; Zu Hanswurst. ja, und wer soll das trefliche Subjectum seyn?

HANSWURST. Es ist ein guter Freund von mir, ein Blutsfreund dazu, belieben sie zu lesen, es wird sich alles zeigen.

ODOARDO. Guter Freund! er macht mir heut einen starken Posttag, aber es sey, ich will den Brief auch noch lesen; Er liest wieder mit den Brüllen.


»Gnädiger Herr! lieber Alter, derohalben, weil mir die Colombina, ihr Gnaden ihr Mädl wohl gefallt, und ich ihr auch; warum soll ich sie nach nicht heurathen, der Teufel soll dem das Licht halten, der mirs verwehren will; deswegen hab ich ihr Gnaden bitten wollen, zur Fortpflanzung meines hanswurstischen Stammenhauses mir die Colombina unverletzt zuzustellen, auch zu Abwendung alles Verdachts, weil sie schon 3. Jahr im Haus dient, mit 3000. fl. Heurathgut zu bedenken; ich hoffe, sie werden kein Narr seyn, und sich lang bedenken; nichts für ungut. Servus gnädiger Herr!

Hans von der Wurst.

von Haus den 1761. Julii Anno 24.«


ODOARDO. Das ist ein verfluchtes Concept Zu Hanswurst. Mein Lieber! sag er seinem guten Freund, es sey mir leid, daß ich nicht so dächte, wie er denkt, er soll sich keine weitere Mühe geben, aus der colombinischen Heurath wird nichts.

HANSWURST. Das trau ich mir ihm nicht zu sagen, er ist ein schwieriger Mensch, wie der Plunder, er wär im Stand, er schmieß mich die Stiegen hinunter.

ODOARDO. Möglich! nu, weil er das Herz nicht hat, seinem guten Freunde es zu sagen, soll er es von mir selbst hören; es braucht keine Verstellung mein lieber Hanswurst! wisch er sich das Maul ab, er bekömmt die Colombina nicht.

HANSWURST. Warum nicht? was haben sie an mir auszusetzen?

ODOARDO. Ich werd mich mit ihm in keine Weitläufigkeiten einlassen, geh er seine Wege, und laß er mich in Ruhe.[142]

HANSWURST zornig. Nein, nein, und ich werd nicht gehn, ich muß die Sache klärer wissen, warum ich das Madl nit haben soll, oder ich werd zeigen, was zu zeigen ist.

ODOARDO. Sey er nicht grob, oder ich laß ihn die Thür weisen.

HANSWURST. Mir? das will ich auch sehen, Fikrement! Er sieht den Leander kommen. no! just recht, itzt kommt mein Herr, itzt wird es sich gleich zeigen, was zu thun ist.


Quelle:
Die Maschinenkomödie. Herausgegeben von Dr. Otto Rommel, Leipzig 1935, S. 140-143.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich

Deutsche Lieder aus der Schweiz

Deutsche Lieder aus der Schweiz

»In der jetzigen Zeit, nicht der Völkerwanderung nach Außen, sondern der Völkerregungen nach Innen, wo Welttheile einander bewegen und ein Land um das andre zum Vaterlande reift, wird auch der Dichter mit fortgezogen und wenigstens das Herz will mit schlagen helfen. Wahrlich! man kann nicht anders, und ich achte keinen Mann, der sich jetzo blos der Kunst zuwendet, ohne die Kunst selbst gegen die Zeit zu kehren.« schreibt Jean Paul in dem der Ausgabe vorangestellten Motto. Eines der rund einhundert Lieder, die Hoffmann von Fallersleben 1843 anonym herausgibt, wird zur deutschen Nationalhymne werden.

90 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon