Siebzehnter Auftritt.

[182] HANSWURST als Wirth aus dem Wirthshaus. O gnädiger Herr von Odoardo! sind sie es? das ist wohl eine Gnad für mich, daß sie sich auf mein Wirthshaus bemühen! mit was kann ich ihr Gnaden bedienen? wollen sie etwa gar bey mir einlogieren, die Gassengelegenheit hab ich erst heut ausputzen lassen, diese steht ihr Gnaden zu Befehl, ich will gleich aufmachen.

ODOARDO. Ich brauch weder seine Gassen- noch seine Hofgelegenheit, er soll mir nur aufrichtig bestehen ob meine Tochter, die Colombina und der Hanswurst nicht bey ihm in Haus sind?

HANSWURST. Was soll ichs euer Gnaden verschweigen, ja sie sind alle darinen, ich bin ein ehrlicher Mann, ich sage ihnen die Wahrheit, was hab ich von den jungen Leuten, ihr Gnaden bin ich schuldig mehr zu gehorsamen, als der Fräule; ja sie sind darin, sie essen und trinken am besten, daß es ein Freud ist, und sie schimpfen auf sie, und auf einen gewissen alten Herrn von Anselmo, daß es ein Schand und Spott ist.

ODOARDO. Bravo, er ist ein ehrlicher Mann! ich werde bey allen Gelegenheiten zeigen, daß ich für ihn, mein lieber Wirth, ein Gnädiger Herr bin; jetzt aber wollen wir die Zeit nicht versäumen, sondern sie überfallen.

HANSWURST. Aber ich bitte, nur schön still, denn wanns was merken, so kunten sie sich verschliefen, und sich, derweil wir im Zimmer suchten, davon schleichen, ich gehe voran, nur hübsch still, ich bitt gar schön, sie verderben sonst den ganzen Spaß.

ODOARDO. Das ist ein lieber Mann, er läßt sich die Sach angelegen seyn; geh der Herr nur voran, wir wollen schon unsre Sache gut machen, Herr von Anselmo, Riepel! ich bitte nur still.


[182] Sie gehen den Hanswurst nach, und da Hanswurst im Haus ist und Odoardo auch hinein will, schlägt er ihm die Thür vor der Nase zu.


ODOARDO ganz still. He, Herr Wirth! der Herr hat zugesperrt! mach der Herr auf, Klopft ganz sachte an. he, Herr Wirth! mach er auf, sag ich! Odoardo zornig. je was Teufel! was ist das? hat sich denn alles verschworen, uns für Narren zu halten? soll der Wirth, den ich vor einen ehrlichen Mann gehalten hab, mit meiner Tochter auch verstanden seyn? ha, ha, der Hacke will ich bald einen Still finden; Riepel, allo! Herr von Anselmo, wir wollen mit Gewalt hinein brechen!

ANSELMO. Ich fürcht immer es setzt Wixe, und ich bin es gar nicht gewohnt; bey nahe sollt mir der Apetit zum Heurathen vergehen!

RIEPEL. Das ist ein gespaßiger Mann der Wirth, ich habs selber nicht gemerkt, daß er uns gefopt hat; aber lassen sie es nur gehn, gnädiger Herr! ich will gleich die Thür einsprengen, und sieh ich, daß es Schläg absetzen möcht, so holle ich geschwind die Bauern.

ODOARDO. So recht Riepel! wartet ihr Nichtswürdigen, komm ich hinein, ich will euch zeugen, wer ich bin! wenn ich böse werde.

RIEPEL. Wenn ich den Wirth erwisch, soll ich ihm das Kreuz eintreten, oder einschlagen? mir ist das alles eins, es geht in einer Mühe hin.

ODOARDO. Um den Wirth bekümmere dich nicht viel, nur auf meine Tochter, und die Colombine richt dich, daß du sie fest hältst, den Wirth will ich schon erwischen.

RIEPEL. O Safrement! itzt geht es darüber her.


Er lauft gegen die Thür, sogleich verwandelt sich das Wirthshauß in ein Paruckenmachergewölb, Mägera, Angela und Colombina als Peruckenmachergesellen, desgleichen Leander, sind mit accomodiren beschäftiget. Hanswurst als der Herr geht dem Odoardo, Anselmo, und Riepel entgegen, sogleich fangt sich an die Aria.


Aria III.

Lustig Gesellen! zur Arbeit nicht faul!

Hier hab ich euch neue Kundschaften zu weisen,

Greift nach dem Kampel, Pomade und Eisen,

Butzet und scherret den Barth von dem Maul!

Lustig Gesellen! zur Arbeit nicht faul!
[183]

MÄGERA, ANGELA, COLOMBINA, UND LEANDER.

Wir wollen alle unsre Sachen,

Recht fleißig, und geschickt heut machen,

Die Kundschaft freut uns sonderbar,

Die hat für unsre Hände Haar.

HANSWURST.

Nun so verweilt nicht! legt Händ an das Werk!

Zeigt im Friesiren anheut eure Stärk!

Richtet die Haare, und schneidt das Toupee!

ODOARDO, ANSELMO, UND RIEPEL.

Auweh, ihr Herren! o jeckes, auweh!

MÄGERA, ANGELA, COLOMBINA, UND LEANDER.

Wir wollen alle unsre Sachen, etc.


Wie oben.


HANSWURST.

Laufet, und rennet!

Senget, und brennet!

Knüpft die Parocken,

Krauset die Locken,

Richtet die Haare, und schmiert das Toupee.

ANSELMO, ODOARDO UND RIEPEL.

Auweh, ihr Herren! o jeckes, auweh!

MÄGERA, ANGELA, COLOMBINA UND LEANDER.

Wir wollen alle unsre Sachen, etc.


Wie oben.


HANSWURST, MÄGERA, ANGELA, COLOMBINA, UND LEANDER.

Last uns für unser grosses Bemühen

Nun den verdienten Lohn auch ziehen,

Gebt alte Lumpen, Geld itzt her!

Sonst fordern wir es mit der Scheer.


Mägera, Angela, Colombina, und Leander ab. Da aber Odoardo, Anselmo, und Riepel nicht bezahlen wollen, kommen einige Teufeln, welche die alten abjagen, und sodann auf den Hanswurst los gehen wollen, Hanswurst fängt an mit Haarbuder unter die Teufel zu stauben und mit dieser Scene ab.

Ende der zweyten Abhandlung.


Quelle:
Die Maschinenkomödie. Herausgegeben von Dr. Otto Rommel, Leipzig 1935, S. 182-184.
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