Copial, deß Mosaischen Scheidbrieffs / so die Jüden vor Jahren pflegten zu geben

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Copial, deß Mosaischen Scheidbrieffs / so die Jüden vor Jahren pflegten zu geben.

Heute / auff Montag / den N. deß Monats Sinon / im Jahr nach erschaffung der Welt / N. allhier zu N. in der Stad am N. gelegen / hab ich Abraham also genennet / eines Priesters Sohn / dieser Zeit in derselbigen Stadt berathschlaget; in betrachtung meiner Seelen / von niemand gezwungen / und hab ledig gezehlt und frey gelassen / und von mir außgetrieben und verstossen N. Tochter / die du bißher mein Weib gewesen bist / und hab dir erläubet und vergönnet / daß du deines Rechten seyst / ein Herr deiner Seelen / daß du nach deinen wolgefallen gehest / wo hin du wilt / daß dich nehmen mög ein ieglicher Mann / den du haben wilt / und dich niemand in deinem thun verhindere von nun an biß in ewigkeit / und nun sihe / nun bistu frey gelassen einem ieden Mann / dessen zum zeugnüß hastu diesen Scheidbrieff / Paßbrieff unn Vhrkundlich Instrument deiner Freyheit / das Warzeichen und Siegel der Ehescheidung / nach der einsetzung Moisis und Israelis. M. Majus.

Ein Schüllers Knab hatte eine Wittbe geschwängert / als nun das Kind zur Tauff gebracht wurde / hat solchs der Pfarrer nicht tauffen wollen / sondern der Mutter wieder geschickt / sie solt zuvor sagen / wer der Vater gewesen wäre / drüber sich die Kindelbetterin[159] erzürnt / erwürgt das Kind / henget sich selbsten auch / da es der Kinds Vater erfehrt / ersticht er sich /als der Pfarrer weis / daß er an diesem allen schuldig /erhenckt er sich auch: Non opus est lachrymis, si mens stupet anxia luctu. Sturm. pag. 464. Zad. pag. 79.

Demosthenes wolt der schönen Huren Laidi zu Corintho nicht so viel geben / was sie wolte / sagte. Tanti pænitere non emo.

Als der Hertzog Pausanias ein Mägdlein zum Beyschlaff begeret hätte / und sie kompt / als er schleffet /wil sie in aller still das Liecht in der Kammer ausleschen / läst aber unvermeint den Leuchter aus den Händen fallen / darüber erschrickt der Hertzog /denckt aus bösen gewissen / es wolle ihn iemand umbbringen / wischet aus dem Bett auff / und ersticht das Mägdlein / ist ihm stets hernach in der Nacht vorkommen / und hat ihn geengstiget: Metus mortis acerbior ipsa morte. D. Conr. Diet.

Zur Zeit der Pest begibt sich ein Barbierer von Tholosa an ein ander Ort / das Weib wil nicht mit ihm fort / sondern bleibt da / als er hinweg / begibt sie sie sich daselbst ins Prediger Kloster; als die Pest nachgelassen / kömpt der Mann wieder / und weiln er sein Weib nicht erfragen kan / denckt er / sie sey mit andern im Spittal dahin gestorben / läst ihr durch Ordensleut / in der Jacobiter Kirch ein Leichbegängnüß halten / darunter seine Frau mit sechs andern Weibern nebens denen München / in Kutten angeleget /[160] sich in der Procession bezeiget / und ihre Portion / am Gelb gleich andern München empfehet: Bald darauff begibt sichs daß eine unter denen sechs Weibern mit den München in streit kömpt / dem Barbierer sagt / wo seine Frau sey / der zeiget solches den Gerichten an /da werden sie eingezogen und verbrennet; die Münche aber sind darvon gelauffen / geschehen Anno Christi 1560. Sleidanus lib. 5. cap. 59. & 229.

Bey hen Pisitern war der Gebrauch / da iemand im Ehebruch begriffen / must er auff einem Esel in allen Gassen zum Spott herumb geführet werden.

Die Egyptier liessen ihnen die Nasen abschneiden zum Spot der unzüchtigen Augen. D. Conr. Diet.

Als der Gemahlin Keysers Sigismundi das Leid geklaget wurd über ihren Herrn / vermahnet / sie dem Turteltäublein nachfolgen solte / gab sie zur Antwort: wenn du wilst daß ich den unvernünfftigen Thieren nachfolgen sol / warumb hältestu mir nicht vielmehr die Spatzen vor / als Turteltäublein: Æneas Sylvius. D. Conr. Diet. Super. 5. Bußpsalm. pag. 345. Traurgeschicht. 168.


Was einem ist gebohren an /

Dasselbig er nicht lassen kan /

Denn es ist einmahl war und gwiß /

Säs der Frosch auff ein seid'nen Küß /

So hüpffte er doch in den Bach /

Natur und g'wonheit läst nicht nach.
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Biblis ist ihrem Bruder der unzüchtigen Lieb wegen / weit nach gezogen.

Von dreyfacher Blutschand / so jener zu Erfurth in Thüringen begangen / welcher unwissend die Mutter beschlaffen / hernacher auch das erzeugte Kind als Schwester geeheliget: Ließ D. Meland. Tom. 2. Jocoser. num. 125. Schaupl. 325.

Mithridates hat unzüchtiger lieb wegen / Mutter /Gemahlin / Brüdere / Schwestern und Kinder ümb bracht / wegen der Ipsicratea.

König Chilpericus hat es ingleichen gethan / der Fredegondæ zu lieb. Zeitb. im 15.

Keyser Vitellius liebte seines Knechts Tochter also sehr / daß er Vnsinnig drüber ward / als er einen bösen Halß bekam / nam er ihren Speichel / vermischete solchen mit Honig / und salbete sich darmit.

König Wentzel in Böhmen brachte seine Zeit mit einer Bad-Dirn Susanna zu Trithemius. Zeitb. cap. 14. pag. 168.

Königin Laodicea brachte ihre eigene fünff Kinder voriger Ehe ümb mit gifft / nur daß ihr Liebhaber regieren möchte. Traurge. 248.

Appius Claudius verliebte sich in deß Virginii Tochter; aber der Vater erstach sie / wolt lieber ein Todschläger seyn / als einer geschändeten Tochter ihr Vater.

Pontius Aufidianus that es auch / wolte keine Vnehr haben; erstach Tochter und Diener.
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Die Lieb ist süß anfänglich zwar /

Aber zu letzt vergället gar /

Venus kompt bißweiln frölich her /

Geht aber weg mit reu und b'schwer.


Königs Seleuci Sohn Antiochus verliehte sich in seine Stieffmutter / wurd drüber sterbens kranck / der Medicus Erasistratus kont ihm auch mit nichts anders helffen die Kranckheit zu heilen / biß der Vater verwilligt / die Stieffmutter ihme zum Weib zuüberzulassen. Trauergeschicht. pag. 420.


Ein alter sol nicht Bulschafft pflegn /

Er mags wohl lassen unterwegn /

Er thut den Mägdlein doch nicht g'falln /

Sonst muß ers theuer gnug bezahln.


König Artaxerxes zeugete mit seiner Gemahlin 3. und mit denen Concubinen 115. Kinder. Trauergeschicht. pagina 630.

König Priamus erzeugete mit der Gemahlin. 17. und ausser der Ehe 50. Söhne

Hercules sol in einer Nacht deß Thespii 50. Töchter geschwengert und daher 50. Söhne bekommen haben.

Ein Landherr hatte seine eigene Magd geschwängert / solches wolt er dem König Alphonso nicht gestehen; da befahl der König / man solte das Kind[163] übers Meer verkauffen / da bekennet er es / daß er Vater wär.

Ein grober Mann vermischete sich mit einer Kuh in Niederland / zeugete einen Sohn / so getauffet wurd. Trauerge. pag. 243. Item; Bischoff Majol.

Ein Beer raubete einsten eine Jungfer / schwängerte solche / da gebahr sie einen Sohn / so ihr gleich sahe /aber eine rauche Haut hatte / daß er Ursus der Beer genennet wurd. Olaus. Johann Magnus. Trauergeschicht. 246.


Cornua qvi faciunt, ne cornua ferre recuserit.


Ein Mann zu Wildungen bulele mit seiner Nachbarin / solches merckete sein Weib / und da er einsten ein gut trüncklein Wein mit der Nachbarin genossen /versteckte sie sich unters Bett / als er nun mit der Huren frölich war / wischete sie erfür / stach nach ihr / aber sie entwischete / der Mann muste büsen / und nolens volens ihm die Testiculos ausschneiden lassen. D. Otto Meland Tom 1. Joco ser. num. 341. Trauergeschicht. pagina 608.

Vor Jahren trieben auch wohl die Todtengräber unzucht mit denen Todten Cörpern also; daß man die Leichen nicht wohl eher dürffte zu Erden bestatten /biß am vierdten Tag / da sie riechen thäten. Fulgosus aus dem Herodoto.

Zeleucus der Locrenser Gesetzgeber wolte der vorbitt seinem Sohn nicht anders geniessen lassen /wegen begangenen Ehebruchs; als daß er ihm ein Aug[164] ausstechen ließ / und der Vater auch eines / weiln die Straff auff zwey Augen gesetzt ward. Trauerge. pag. 267.

Sejanus war beym Keyser Tiberio in so hohen Gnaden / daß ihm auch nichts mehrers als der Keyserliche Titul mangelte / aber er wurd doch endlich geköpfft /und in die Tyber geworffen / die Töchter vom Hencker beschlaffen / und neben den andern Kindern ümbgebracht. Trauergeschicht.

Ericus König in Dennemarck wurd von den seinigen unzucht wegen erschlagen. Boterus.

Eine Wirthin zu Trident wurd von ihrem Mann im Ehebruch erwischt und erstochen; der Ehebrecher kam dißmals zum Fenster hinaus / ist aber hernach in einen Brunnen gesprungen / und sich ersäufft.

Quelle:
Hammer, Matthäus: Rosetum Historiarum. Das ist: Historischer Rosengarten [...]. Zwickau 1654, S. 158-165.
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