Ehrenlob der [72] Music aus den Tischreden Lutheri /cap. 68. pag. 520.

Die Musica ist der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes eine / nicht ein Menschen Geschenck / und der der Teuffel feind ist. 2. Sie ist der besten Kunst eine /darüber grossen Potentaten und Regenten billich gebühret zu halten / wie dann Hertzog Georg Landgraff zu Hessen / und Hertzog Friederich Churfürst zu Sachsen Sänger und Cantorey hielten / auch zu Lutheri Zeiten / Keyser Ferdinandus und Hertzog zu Bäyrn gethan. 3. Musica ist das beste Labsal einem betrübten Menschen. 4. Sie ist eine halbe Disciplin und Zuchtmeisterin / so die Leute gelinder / sanfftmütiger / sitsamer und vernünfftiger machet. 5. Wer Musicam verachtet / sagt Lutherus / mit dem bin ich nicht zu frieden / denn ich hab solche allezeit lieb gehabt / und wer diese Kunst kan / der ist guter Art / und zu allen geschickt. 6. Singen ist die beste Kunst und Vbung. 7. Sänger sind nicht sorgfältig sondern frölich / schlagen die Sorgen mit singen hinweg / es vertreibet den Teuffel / man vergisset darbey alles Zorns /Vnkeuschheit / Hoffart und andere Laster: Ich gebe nach der Theologia der Musica den nechsten locum und höchste Ehre. hæc. ille.

Johannes Damascenus deß Keysers Scribent hat Anno Christi 725. die ersten Musicalischen Noten und deren Regeln erfunden / und die Gesänger in die Melodeyen[72] gefasset; multa semina virtutis insunt iis, qvi delectantur arte musica.

Anno Christi 1028. hat Guido Aretinus / die Musicalischen Instrument erfunden / die Claves und Voces Musicales oder die Scalam ausgedacht: UT, RE, MI, FA, SOL, LA. Vnd hat solche von dem alten Hymno der auff deß Teuffers S. Johannis tag gesetzet worden / hergenommen; so von Herrn Urbano Regie, verbessert worden.


UT qveant laxisRE sonare fibris

MI ni gestorumFA muli tuorum

SOL ve pollutiLA bii reatum,

O Pater alme. Suide & Cedrenus.


Etliche wollen daß in der Insel Creta die Kunst deß Gesangs und anderer Instrumenten solle erfunden worden seyn. Johann Friederich zu Solm in seiner Meerfahrt Anno Christi 1483.

Der Engellender Dunstaphus / hat die Stimmen fein eingerichtet / nach dem Discant, Alt, Tenor, Bass und solche zur perfection gebracht / welche dann itziger Zeit Anno Christi 1645. so hoch hinan gestiegen / daß das vorige singen im Figural gegen das itzige der Kunst nach vor Kinderwerck zu achten ist. Musi ca noster amor. Sigebertus in Chron. fol. 123. Doctor Conr. Diet in Gesangpr. pag. 252.


Musicus arte viget, sed Cantor voce probatur,

Et si qvis utrunque sciat Genio donante beatus.
[73]

Ein Pfarrer in der Schlesien hatte 5. Töchter / so alle die Musicam gelernet hätten / mit welchen er hernach seine freud gehabt / und mit ihnen einen qvinque und Sex singen können. Wolffgang Silberschlag in c.n.


Vinum & Musica lætificant cor hominis & super utraqve dilectio Sapientiæ.


Es fragte einsmals ein Idiot einen Philosophum was es denn wäre / daß die gelehrten immer singen thäten: UT, RE, MI, FA, SOL, LA. Dem gab er hierauff zur antwort: UT RElevant MIseros FAciant SOLamina LAssis.


Das ist:


Das sie Traurige trösten und Betrübte erfreuen.


Post nubila jubila; post aspera prospera.


Die Türcken haben seltzame Art in ihrer Instru mental Music, als Paucken mit rothen Tuch überzogen; Messinge Platten; Siebdeckel mit Pergame überzogen; Höltzerne klöppel. Sal. Schweiggert. D. Conr. Diet. pag. 252.


Aus freyen Künsten iederzeit

Entstanden seyn berühmte Leut.


Manlius setzt in seinen collectaneis wenn jener Meßpriester die hor. canonicas lesen wolte / sang er die 24. Buchstaben deß Alphabets daher / und als er gefragt wurde / warumb er es thäte / sagte er; Er verstünde die Lateinische Sprache nicht / weiln[74] aber die Lateinische Sprach aus dem Alphabet herrührete / so möchte ihm Gott selbst ein Gebet darauß machen / so gut als er wolte. Strigen.


Damit dein Gsang sich hoch erschwing

Lieblich biß in den Himmel kling /

So geb es nur von reinem Hertz /

Sey kurtz und gscheh ohn allen Schertz.


Eine Kloster Jungfer im Niederland sang die Lateinischen Gesänger getrost daher / welche sie doch nicht verstunde / sondern auff Frag sagte sie / ey wenn ich es gleich nicht verstehe / so verstehets doch Gott /der alle Sprachen erschaffen hat: Heilig offt wolln die Leute seyn / und führn doch nur ein lautern schein. Strigen. conc. 6.


Simplicissima fides optima fides.


Es wurd von einem Bäpstischen auff eine Zeit ein alter Bergkman gefragt / was er glaubete / da sprach er: eben was ihr glaubt. Denn singt ihr nicht auch zu Weinachten: Wer uns das Kindlein nicht gebohrn: Zu Ostern; Wer er nicht erstanden: Zu Pfingsten; Du werthes Licht gib uns deinen Schein / etc. Vnd das ist auch mein Glauben und Bekäntnüß. Strigenitius conc. 1.


Mors servat legem, tollit cum paupere regem.


König Christian in Dennemarck / ließ auff seinem Todbette den Hoffprediger und seine bediente / ihm[75] ein Grablied vorsingen / ich wil singen sagte er; daß man hernach sagen soll / der König in Dennemarck hat ihm selbst zu Grabe gesungen; und da heists: die Music unser Freud sol seyn / zur erleichtrung uns'r Sorg und Pein: Herr Doctor David Rungius hochberühmter Theologus der sung in seiner letzten stund / Laus & perennis gloriæ und schlieff darüber ein. Strig.

Herr Sigißmund von Rechenberg schlieff mit diesem Gesang ein: Allein zu dir HERR JESV CHRIST.


Quelle:
Hammer, Matthäus: Rosetum Historiarum. Das ist: Historischer Rosengarten [...]. Zwickau 1654, S. 72-76.
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