Der Herbst

[13] Nun heben an zu klagen die Hügel, That und Feld,

Es bringt viel Mißbehagen des rauhen Windes Kält',

Es fallen falbe Blätter

Und schweben in der Luft;

Denn Schnee und Winterwetter

Der Nordenstürmer ruft.


Die reifen Früchte fallen, wenn man sie nicht nimmt ab,

Die alten Menschen wallen hin zu dem alten Grab.

Das, was hat zugenommen

Bis auf gewisse Zeit,

Muß zu dem Ende kommen

In dieser Eitelkeit.[14]


Wann wir die Aexte sehen den Bäumen angesetzt,

So ist es bald geschehen, daß er, dadurch verletzt,

Zu der entfärbten Erden

Sich neigend bricht und kracht,

Und muß er endlich werden

Dem Feuer zugebracht.


So müssen auch die alle, so sind ohn' gute Frucht,

Sich fürchten vor dem Falle, das ist die Menschensucht.

Und wie der Baum gefället,

So liegt er fort und fort;

Der Böse wird gestellet

Dort in den Jammerort.


So lasset uns bedenken bei dieser Herbsteszeit,

Wie alle Ding' erkranken und zu dem Tod bereit.

Daß wir noch länger leben,

Daß Alles nicht ist aus,

Hat Gottes Gnad' gegeben

Hier in dem Erdenhaus.


Quelle:
Auserlesene Gedichte von Georg Philipp Harsdörffer, Johann Klaj, Sigmund von Birken, Andreas Scultetus, Justus Georg Schottel, Adam Olearius und Johann Scheffler, Leipzig 1826, S. 13-15.
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