(XLIX.)
Der betrogene Zauberer.

[169] Wer einmal sein Vertrauen von Gott ab / und auf GOttes Feind / den Satan gesetzet / der ist verflucht / und muß sich endlich betrogen finden. Die andre verzaubern und verblenden / sind selbsten die bezaubersten und verblendsten Leute / welche mit falscher Müntz bezahlet werden: ob sie ihm wol treulich und mit Verlust ihrer Seelen Seligkeit dienen: O ihr Blinde / sagt jener Kirchenvatter / die ihr die abscheuliche[169] Welt und den Fürsten der Finsterniß liebet / und hasset hingegen das schönste Liecht ewiger Warheit. Jederman nennet ihn einen Betrüger / und ihr trauet ihm; jederman sagt / daß er verführe / die ihm folgen / und ihr laufft ihm nach. O ihr blinde und bethörte Leute / wolt ihr das Ewige gegen dem Zeitlichen verlieren? Wolt ihr GOtt zu einem Schutzherrn anrufen / den ihr verachtet / und sein Wort in den Wind geschlagen.

2. Zu Bauge an dem Schweitzer-Gebürge / wurde ein Mann eingezogen / wegen verübter Zauberey / und nachdem er vieler Unthaten überzeuget / ist er zu dem Strang und hernach zu dem Feuer verurtheilet worden. Ein Geistlicher vermahnet ihn beweglichst / er solte sich zu dem Tod bereit machen / und seine Seele nicht in ewiges Verderben setzen / etc. Er aber verstopffet seine Ohren / wie ein Schlange vor dem Beschwerer.

3. Weil es nun das Ansehen hatte / er wolle mit Verzögerung der Busse sein Leben fristen / ist er zu Folge ergangenen Urtheil zu dem Hochgericht geführet worden / ihm zu weisen / dz es Ernst / und daß solche Verstockung diene Gnade zu erlangen. Er aber hatte gelachet / gespottet und vernehmen lassen; er sey versichert / daß er nicht erhangen könte.

4. Jederman wartete mit Verwunderung / wie es doch diesem Vbelthäter ergehen würde. Der Geistliche sprach ihm zu / er sehe den Tod für Augen / er soll doch noch seine Sünde bereuen / und könte leichtlich abnehmen / daß nun keine Hinderung mehr eintretten könte / ihn von dem Galgen zu retten: Er antwortet / daß er wol mit dem Leben darvon kommen werde.

5. Als er nun mit dem Hencker die Leiter hinauf stiege / sagte er / wir werden beede viel eher herab kommen / als du nicht vermeinest: wie dann auch geschehen / daß der Galgen gebrochen / der Hencker und der Dieb zu Boden gefallen / und doch niemand sehen können / wie solches zugegangen und geschehen mögen. Der Zauberer lachte / und vermeinete / daß er bereit gewonnen habe.[170]

6. Der Bannrichter befahle alsobald / man solte ihn an den nechst darbey stehenden grossen Baum hangen; darůber erschracke der Bößwicht / und fielen die Schuppen der Finsterniß von seinen Augen / daß er deß Satans Betrug ersehen kunte / welcher ihm versprochen er solte nicht an Galgen kommen.

7. Er beichtete offentlich für der gantzen Gemeine / weil der Satan / wie er sagte / von ihm gewichen / dz er den Bund / welchen er mit ihm gemachet / widerruffen können / und bereitete sich zu einem seligen Sterbstündlein / begehrte auch wegen seiner übermachten Sünden lebendig verbrennt zu werden; welches aber der Bannrichter nicht in Befehl hatte / und deßwegen das gefällte Urtheil vollziehen lassen.

8. Also kan der Heilig Geist in einem Augenblick die Felsenharte Hertzen der Sünder verschmeltzen / und die Verführten zurecht bringen / ja die in den Schatten der Finsterniß und deß Todes sitzen / kan er in einem Nu zu dem ewigen Leben ruffen. Wer aber auf Barmhertzigkeit sündiget / über den wird ein unbarmhertzig Gericht ergehen / darfür uns Gott gnädig behüten wolle.

Quelle:
Georg Philipp Harsdörffer: Der grosse Schau-Platz Lust- und Lehrreicher Geschichte, 2 Bde, Frankfurt a.M. und Hamburg 1664, S. CLXIX169-CLXXI171.
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