Erste Szene

[272] HANS in Zivil, sitzt hinten links am offenen Klavier. Er hat gespielt, beim Aufgehen des Vorhangs hört man noch ein paar verklingende Akkorde. Er legt die linke Hand oben aufs Klavier und stützt den Kopf abgewandt gegen den Arm.

HAROLD tritt rasch ein und sieht sich erstaunt um. Er bemerkt den im Halbdunkel sitzenden Hans und geht auf ihn zu. Lebhaft, aufmunternd. Hans! Kerl! Du verkriechst dich ja im eigenen Gehäuse. Ich habe dich bei Gott im ersten Augenblick gar nicht bemerkt. Er klopft ihm auf die Schulter. Na, was machst du denn? Sag mir mal wenigstens guten Tag!

HANS dreht sich um, sieht ihn an und reicht ihm, ohne aufzustehen, die Hand. Guten Tag, Harold.

HAROLD. Klapp dein Klavier zu und komm an die Sonne! Was ist denn das! An einem solchen Tage! Ich bitte dich! Karnevalsonntag und noch dazu ein so herrlicher Tag. Vorwärts! Komm ans Licht! Er nötigt ihn ans Fenster. Schau mal her! Sollte man das für möglich halten? – Fenster auf! Er öffnet das Fenster. Eine Luft – der reine Frühling – Ende Februar – unerhört!

HANS. Ja ... schön ... sehr schön. – Der Exerzierplatz.

HAROLD. Ach was, Exerzierplatz! Alter Kommißhengst! Sieh mal da hinten ... über der Mauer ... die drei Linden ... wie fein und scharf jeder kleinste Zweig auf dem klaren Himmel – famos! Bei Gott: wie das schönste Filigran. Nach einem forschenden Blick auf Hans. Na? – Du gefällst mir nicht, Hans. Was hast du denn? Er führt ihn zum Sofatisch. Dich quält[272] natürlich immer noch die alte Geschichte? Kannst noch nicht drüber wegkommen, was? Na sprich dich lieber aus ... es ist besser, als so ... Seit drei, vier Tagen bist du nicht mehr ins Kasino gekommen ... meinst du, das fällt nicht auf? Sobald du hier bist, hört man dich spielen –

HANS apathisch. Können sie mir das auch verbieten?

HAROLD. Wer denkt denn daran. Aber du mußt doch vernünftig sein und dich deinen Stimmungen nicht so hingeben. Reiß dich doch mal zusammen! Ich will dir mal was sagen, lieber Freund – irgend so was macht schließlich jeder von uns mal durch – irgendein Opfer, das recht schmerzlich sein kann, muß schließlich jeder mal den Unerbittlichkeiten seines Standes bringen – vorausgesetzt, daß er überhaupt was zum opfern in sich hatte. Glaubst du, mir wäre das erspart geblieben?

HANS. Dir?

HAROLD. Jawohl, mir. Oder meinst du, ich wäre damals aus reiner Streberei nach Afrika gegangen?

HANS erstaunt. Hm?

HAROLD. Das sind alte Geschichten, die schon bald nicht mehr wahr sind. Ich erzähl sie dir ein andermal.

HANS. Weshalb ein andermal? Wer weiß, ob wir ... so bald wieder daraufkommen.

HAROLD. Ach, es ist im Grunde nicht der Rede wert. Eine ganz gewöhnliche Geldgeschichte. – – Solange du mich kennst, hab ich Geld, wie du weißt.

HANS mit einem Seufzer. Ja – leider – ich bin ja ...

HAROLD. Pardon! Nichts hat mir ferner gelegen, als dich zu erinnern ... Unsinn! Ich mußte das nur erwähnen, weil es – weil es nicht immer so war. Vor zehn Jahren hatt ich nichts – außer einer lebenden Tante, der Witwe eines Essigfabrikanten. Und als ich mich mit meiner Jugendliebe verloben wollte, da sagte diese Tante: »Nein, eine arme Professorentochter heiratest[273] du nicht.« Das hätte mir in tausend andern Fällen gleichgültig sein können, aber ich war Offizier, und zwar mit Leib und Seele, wie du – und man verlangte von mir den Nachweis des bewußten Kommißvermögens – zum Heiraten. –

HANS. Ach, und so ... bist du damals zur Schutztruppe ...?

HAROLD. Ja. Als ich aber zwei Jahre in Afrika gewesen war, starb meine liebe Tante und ich kam in die Heimat zurück. Da erfuhr ich denn, daß sich meine gute Elisabeth inzwischen mit einem Tierarzt verheiratet hatte. – Sehr banal, nicht wahr? Na – und das ist alles. Aber mir schien's damals grade genug. – – Siehst du: da heißt es denn – bißchen die Zähne zusammenbeißen – bis man's verwunden hat. Aber verwunden wird's! Verlaß dich drauf! Hol die Pest alle feigen Memmen!

HANS sieht ihn nachdenklich an und lacht dann auf.

HAROLD verblüfft. Was lachst du denn? Das ist doch schließlich zum Donnerwetter nichts zum Lachen.

HANS stärker lachend. Doch! Verzeih, lieber Harold – aber das ist doch was zum Lachen! Sei doch froh, Mensch! Freuen solltest du dich und deinem Gott danken, daß du auf die Art um deine gute Elisabeth rumgekommen bist. Der Himmel hat es gut mit dir gemeint.

HAROLD ärgerlich. Na, hör mal! Das könnt ich dir denn doch wohl mit größerem Rechte zurufen!

HANS. Wieso? Wieder apathisch. Ja, so ... du weißt ja nicht ... du weißt ja nicht ...

HAROLD scharf. Was denn? Aha! Sie ist wohl unschuldig – ganz unschuldig? Wie der frischgefallene Schnee? Hm? Sie hat es dir wohl selber gesagt?

HANS ganz ruhig. Ja. Sie hat es gesagt. Und es ist so. – Aber lassen wir das doch ... laß das doch ... das ist ja so gleichgültig. –

Sage mir, Harold: was machst du mit einem Menschen, mit einem Kameraden, der dich bis ins Innerste,[274] bis ins Mark der Knochen verletzt und beleidigt hat?

HAROLD. Ich schieße mich mit ihm.

HANS ironisch. Nicht wahr! Das dacht ich doch! Es liegt ja nah genug. – – Nu, also bitte, du bist ja mein Freund ... nimm dir noch einen, meinetwegen ... Moritz oder Benno, wen du willst ... und geh zu meinen Vettern, zu Grobitzsch und ...

HAROLD. Ach Hans – du weißt ja, daß das nicht geht.

HANS losbrechend. Ha, ha, ha, ha!! – Jawohl! Ich weiß es! Das – geht nicht. Das geht nicht. – Was hat mir der Hauptmann Melchior gesagt? Was würde mir der Ehrenrat sagen? »Wegen so 'n Mädel schießt man sich nicht!« – »Wegen so 'n Mädel schießt man sich nicht.« Oh! Wenn das Töchterchen eines Stabsoffiziers nur mal schief angesehen wird – es kann die blechernste Gans oder die raffinierteste Canaille sein – da schießen sie sich wie die Wilden. Aber so 'n Mädel, so 'n Mädel – ein Menschenkind wie meine Traute, das so hoch steht über all dem Weiberplunder – das darf ich nicht verteidigen – das ist wehrlos gegen diese Buben – – wegen so 'n Mädel schießt man sich nicht. O diese Jammerseelen! Diese Jammerseelen!

HAROLD. Hans! Hans! Besinn dich doch! Was ist denn in dich gefahren? – –

HANS am Fenster. Leise. »Das ist deine Welt. Das heißt eine Welt.«

HAROLD. Was sagst du?

HANS. Nichts. – Er wendet sich zu ihm um. In verändertem Ton. Nichts, Harold! Reden wir von was anderm! Trinkst du ein Glas Sekt mit mir?

HAROLD. Wenn es dazu dient, deine Laune zu bessern – meinetwegen.

HANS geht zur Tür. Heinrich! Heinrich!

HEINRICH in der Tür. Herr Leutnant befehlen?

HANS. Geh ins Kasino und laß dir 'ne Flasche Pommery geben! Vorwärts! Halt! Was hab ich gesagt?[275]

HEINRICH. 'ne Flasche Pommery ...

HANS. Zwei Flaschen! Und Gläser. Drei Gläser! Marsch!

HEINRICH verschwindet.

HAROLD. Drei?

HANS ohne darauf zu hören, munter werdend. »Meine Laune zu bessern?« Gott, weißt du: im Grunde ist sie gar nicht so schlecht heute, meine Laune ... Nur höllisch wankelmütig, noch nicht so recht sicher – wir wollen sie mal ein bißchen befestigen. Also, mein lieber Harold: du hast dich wirklich gewundert, daß ich nicht ins Kasino gekommen bin? Du hast wirklich erwartet, daß ich mich meinen lieben Vettern gegenübersetzen würde, daß ich mit ihnen auf das Wohl unserer lieben Großmama trinken würde – ja? Wirklich?

HAROLD. Mein Gott, du kannst sie ja schneiden bis auf weiteres. Aber so geht das doch nicht weiter – das mußt du doch einsehn.

HANS. Nein: so geht es nicht weiter – da hast du recht.

HAROLD. Bedenke doch! Morgen ist Rosenmontag! Unser Fest! Deine Leute kommen aus Köln ... das ist doch eine verdammte Situation.

HANS lacht höhnisch auf. Allerdings. Etwas peinlich.

HAROLD. Nun ja! Sei ein Mann und sieh den Dingen ins Gesicht!

HANS nachdrücklich. Das tu ich, Harold.

HAROLD. Nein, das tust du nicht, Hans. Du hingst deiner dumpfen Leidenschaft nach, du wühlst dich in deine Wut ein, statt kalt und klar zu überlegen, was der nächste Morgen von dir verlangt.

HANS lächelnd. Meinst du? – Nun, in einem Sinne hast du wohl recht. Manchmal nämlich, zuzeiten – wenn ich allein bin und am Klavier sitze – kommt ein merkwürdiger Friede, eine wundervolle, ganz grundlose Versunkenheit über mich – so etwas wie gesund und leicht werden – als Rekonvaleszent hab[276] ich es auch ein paarmal gefühlt. Wenn du musikalisch wärst, könnt ich es dir vielleicht klarer machen ... Das ist dann aber weder Wut noch Leidenschaft, sondern etwas Großes, Schönes, was alles versöhnt ...

HEINRICH kommt mit den Flaschen und Gläsern.

HANS. Na, Kerl? Was bringst du denn? Er nimmt ihm die Flaschen ab. Stimmt. Bravo, mein Sohn. – Hier hast du einen Daler. Da! Du darfst dich heute Abend besaufen.

HEINRICH grinst. Danke schön, Herr Leutnant.


Er geht ab.


HANS. Da. – Siehst du: wieder ein glücklicher Mensch mehr.


Er macht sich an das Öffnen der Flasche.


HAROLD ist aufgestanden und geht im Zimmer auf und ab. Er kommt vor die Staffelei, über die die Dominos gehängt sind. Was ist denn das? Er will die Dominos abnehmen und wirft dabei das Bild herunter. O Pardon! Entschuldige vielmals ...


Er hebt das Bild wieder auf.


HANS mit Einschenken beschäftigt. Laß liegen! – Komm!

HAROLD. Das sind ja zwei Dominos.

HANS. Ist das so was Wunderbares – am Karnevalsonntag?

HAROLD. Ja, du willst doch nicht ...?

HANS. Nanu? Das werd ich doch wohl noch können? Natürlich! Ich gehe heut Abend auf den Funkenball im Römischen Kaiser. Da ist ja alle Welt. – »Und in dem Strudel will auch ich genesen!« Meine lieben Vettern sind doch sicher auch da ... ich hoffe auf eine zwanglose ... ä ... Aussprache mit ihnen.

HAROLD. Hm. Und dazu brauchst du zwei Dominos?

HANS lachend. Ei freilich: So allein macht es doch keinen Spaß. – Aber nu komm mal her! Du bist hier nicht als Untersuchungsrichter, die Rolle liegt dir nicht! Erhebe dein Glas und stoß mit mir an! – –[277] Worauf wollen wir trinken? – Halt! Ich hab es. Auf unserer Herzen Ehre!

HAROLD. Was ist das?

HANS. Das weißt du nicht? Wirklich? Weißt du das nicht? ... Fühlst du denn gar nicht, daß ein Herz seine wahre Ehre nur darin finden kann, zu lieben, wo es geliebt wird? ... – Siehst du: das ist des Herzens Ehre, und die wollen wir uns rein halten und unbefleckt bis in den Tod! – Darauf trinke ich. Prost!


Er leert sein Glas.


HAROLD hat angestoßen und ausgetrunken. Hans!Er umarmt ihn. Pause. Sieh mich an, Hans! Willst du auf mich hören?

HANS. Wenn ich kann ...

HAROLD. Du mußt dich fassen! Du mußt dich halten! Dein Zustand ist ja furchtbar. Es ist ja ganz wie damals, eh du krank wurdest. Höre mich! Höre mich! – In diesem Zustand kannst du morgen unmöglich deinen Leuten entgegentreten. Du mußt abschreiben, mußt dich krank melden. Meitzen muß kommen, muß dir ein Attest schreiben ... Ruhe, Ruhe brauchst du ... Hörst du mich, Hans?

HANS wieder ganz apathisch. Ja, ja ...

HAROLD. Willst du das tun?

HANS. Ja, ja ... meinetwegen ... was liegt daran –

HAROLD. Gut. Und nun hör weiter! Wenn der Karneval vorüber ist ...

HANS matt lächelnd. »Wenn der Karneval vorüber ist ...«

HAROLD. Dann gibt es nur eins, Hans. Dann gehst du zum Oberst – erzählst ihm deine ganze Geschichte – alles – alles – du weißt, wie er im Grunde ist –: nobel – durch und durch nobel – und bittest ihn – um deine Versetzung.

HANS. Versetzung?!

HAROLD. Jawohl: Versetzung. Das ist das Einzige, was dir noch helfen kann. Schwer genug wird es mir, dir das zu raten, das kannst du mir glauben. Aber du [278] mußt hier heraus – es ist das Einzige. Da Hans schweigt, freundlich. Lieber Freund: es ist sogar das einzig Mögliche! Denke dir: dann wirst du die ganze Sache nach und nach – mit der Zeit los. Du hast keine Rambergs mehr, du hast keinen Grobitzsch mehr und –


Er hält inne.


HANS sieht ihn fragend an.

HAROLD. Und das Mädchen, die Traute ...

HANS. Hm?

HAROLD. Ist auch nicht da. – Verzeih – aber besser ist besser. Man soll der Verführung, der Versuchung aus dem Wege gehn.

HANS nach einer Pause, langsam und mit besonderem Nachdruck. Ich werde nicht zum Oberst gehn. Er zieht einen Brief aus der Tasche. Hier, Herr von Grobitzsch teilt mir mit, daß er es unter obwaltenden Umständen zu seinem Bedauern für seine Pflicht gehalten habe, den Herrn Oberst von dem Besuche jenes Mädchens bei mir in Kenntnis zu setzen. Er hoffe indes ... und so weiter. Hier. Er gibt ihm den Brief.

HAROLD. Donnerwetter! – Seine Pflicht?

HANS. Pflicht. Ja. Ein ganz bekanntes Wort. Du siehst also ...

HAROLD. Donnerwetter! – Aber das ist ja ganz einerlei. Im Gegenteil! Jetzt mußt du erst recht – gleich morgen mußt du zum Oberst gehen – mit vollem Vertraun – und ihm alles erklären.

HANS schüttelt still den Kopf.

HAROLD eifrig. Aber gewiß! – Bei Gott! Da gibt's ja nichts andres mehr. Mensch – Hans!

HANS. Es ist zu spät.

HAROLD. Was?! Nichts ist zu spät. Du sagst dem Oberst, wie du dazu gekommen, wie du dazu getrieben worden bist – daß du endlich reinen Wein haben wolltest – und daß du deshalb die Traute zu dir kommen ließest. Das kann dir kein Mensch verdenken, und er wird es, wenn er erst alles weiß, am wenigsten tun. – Wie? – Du hast dir doch nichts[279] vorzuwerfen! Oderkönntest du dem Oberst nicht mehr...?

HANS schweigt und sieht vor sich nieder.

HAROLD. Weshalb schweigst du?

HANS. Es ist – zu spät.

HAROLD stutzt. Wie? – – Hans!!

HANS nickt. Leise. Hm.

HAROLD fällt ihm mit heftig abwehrender Bewegung ins Wort. Um Gottes willen: ich habe nichts gehört ... Leise. Weiß jemand was?

HANS sieht ihn zunächst streng an. Was? Dann, den Kopf aufrichtend, ruhig, aber fest. Ich heiße Hans Rudorff. Das Bild meines Großvaters hängt in Eurem Kasino. – Was kümmert es mich, ob es jemand weiß oder nicht. – Stark. Aber selbst wenn es keinen Oberst und keinen Ehrenrat und kein Wort mehr auf der Welt gäbe – ich würde es dennoch niemals leugnen! – – Ja! Ich habe Tage hinter mir, Harold, voller Gewissensangst – Kampf und Qualen – aber auch ganz voll von tiefster, weltvergessener Wonne.

HAROLD mit äußerster Härte, fast schreiend. Teufel auch! So geh denn nach Amerika und werde Kellner!

HANS ruhig, aber mit Nachdruck. Nein, Harold – das werde ich nicht tun. – – Schade, daß ich das nicht kann.

HAROLD. So tu, was du Lust hast – wir sind geschiedene Leute!

HANS still. – Ich weiß es. – Deshalb wollt ich vorher noch ein letztes Glas mit dir trinken – und wollte dir noch einmal danken für – deine Freundschaft – bis zu dieser Stunde. – – –

Ich wußte wohl, daß du mich jetzt fallen lassen mußt – so wie alle andern – wie alle Welt mich – fallen lassen muß.

Ich gehöre nun meinem Schicksal – und will auch kein Mitleid. – Aber es würde mir leichter geworden sein, dem Unvermeidlichen entgegenzugehen, wenn du, Harold – wenn du – nicht so – nicht so von[280] mir gingest. – Denn alles, was ich. verschuldet habe – – alles hab ich doch nur tun können, weil ich betrogen und in meinem Heiligsten verraten war. Und du, Harold – von dir hatt ich gehofft, – daß du das wenigstens mit mir fühlen würdest – wenn auch nicht verzeihn.

HAROLD hat ihm, halb abgewendet, in der Nähe der Tür stehend, mit mächtiger innerer Erregung zugehört. Er verharrt auch jetzt noch schweigend in dieser Stellung. Dann mühsam, leise. Komm ... komm mit mir! Zieh dich an!

HANS überrascht, leise. Mit dir? Was soll ich denn? Wohin denn?

HAROLD. In meine Wohnung. – Ich will dir – was geben. Du mußt fort. Je schneller, desto besser. Diese Nacht – statt in den Trubel zu gehn – und Unglück zu stiften, solltest du ...

HANS versteht. Ach so ...

HAROLD. Ja, und ... also komm!

HANS schüttelt den Kopf. Du willst mir – »was geben«?

HAROLD. Du weißt ja, wie ich lebe ... ich brauche ja nichts. Früher mal ... aber jetzt? Von mir kannst du's ruhig nehmen. – Komm! Zieh dich an!

HANS nach einer Pause. Nein. – Ich danke dir, Harold – ich danke dir aus tiefstem Herzen, aber ... es ist nicht mehr nötig.

HAROLD. Darüber reden wir noch ... komm nur!

HANS schüttelt den Kopf.

HAROLD eindringlich. Ich bitte dich! Besinn dich nicht!

HANS. Ich kann auch sonst nicht. Ich muß hierbleiben.

HAROLD. Mußt! – Du erwartest sie?

HANS. Ja.

HAROLD. Hier?

HANS. Ja.

HAROLD. Und willst dich mit ihr – zeigen – diese Nacht?

HANS. Ja

HAROLD kurz. Leb wohl.


Er geht ab.


Quelle:
Otto Erich Hartleben: Ausgewählte Werke in drei Bänden. Band 3, Berlin 1913, S. 272-281.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Ebner-Eschenbach, Marie von

Meine Erinnerungen an Grillparzer

Meine Erinnerungen an Grillparzer

Autobiografisches aus dem besonderen Verhältnis der Autorin zu Franz Grillparzer, der sie vor ihrem großen Erfolg immerwieder zum weiteren Schreiben ermutigt hatte.

40 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon