Die II. Abhandlung.

[31] Der Schau-Platz verändert sich in der gefangenen Königin Zimmer.


MARIA.

Gott / der du unsre Zeit und unsre Jahre zählst /

Und uns mit Lust erfreust / und uns mit Creutze gvälst!

Wann wirstu nach der Pein mich wiederumb erqvicken!

Wie lange soll mich dann der schnöde Kercker drücken?

Der Kercker / der den Leib / doch nicht die Seele / schleust /

Die Seele / die sich hin zu deiner Wohnung reist.

Was hab ich / grosser Gott! von Kindsbein an gelitten?

Wie hat mich Noth und Tod und Leyd und Neyd bestritten?

Bestritten / nicht besiegt / weil noch dies Hertze lebt /

Dies Hertze / so dem Feind' großmüthig widerstrebt.

Ihr / die ihr Printzen pflegt als Götter zuverehren!

Mein Kercker / meine Noth und Unglück wird euch lehren /

Wie nichtig ihre Pracht und eitle Herrligkeit;

Schaut mich an / die ihr noch was zweiffelhafftig seyd:

Ich / eine Königin zu Thron und Cron gebohren /

Hab / als der Eltern Trost ich allzufrüh verlohren /[31]

Schon Unfalls gnung gefühlt; doch ward der Riß ersetzt /

Als Galliens Erbe mich auff seinen Thron gesetzt.

Ich meinte nun dem Glück selbst in der Schooß zusitzen /

Als schon der Himmel fieng auffs neue an zublitzen:

Wie wurd ich doch betrübt / als ich so bald verlohr

Den / der mich kurtz zuvor zu Bett und Thron erkohr.

Der Gallier Cron-Erb starb / mit Ihm mein gantzes Hoffen /

Als die mich nach der Zeit das groste Creutz betroffen /

So jemahls auff der Welt bey sterblichen mag seyn.

Ich / gleichsam wie versehn zu lauter Angst und Pein /

Beschloß stracks nach dem Tod' deß Printzen heimzukehren /

Und meinen Unstern / zwar unwissend / zu vermehren.

Die Sonne schwärtzte sich / aus Tag wurd finstre Nacht /

So lang ich auff der See ja Reisen zugebracht.

Ach! daß ich damahls doch mich meiner Ruh' beraubte /

Ach! daß ich damahls nicht den trüben Wolcken glaubte /

Den Wolcken / die mir da schon deutlich angesagt /

Was mich nach dem gedruckt / und was mich jetzund plagt.

Ich reis'te Schottland zu / lies Englands Klippen liegen /

Die mich wiewohl ümbsonst / versuchten zubetriegen.

Man sah' so bald ich in die rauhe Insul kam /

Und Schottlands Scepters Gold in meine Rechte nahm /

Mein Ansehn durch mein Volck beym Gottesdienste schände /

So daß ich must die Macht durch schimpflichs bitten wenden.

Wie grob man da mit mir schon pflegte ümbzugehn /

Must das rebell'sche Volck gezwungen selbst gestehn.

Mein Sorgen war ümbsonst / was ich auch nur anwannte;

Das Volck war gantz erhitzt / der falsche Eifer brannte.

Was that ich damahls nicht / wer wurde wohl versehrt /

Weil dieses Haar gecrön't / offt hab ich selbst gehört

Der Unterthanen Noth / wen hab ich je verschonet /

Der Straffens würdig war / und wen auch nicht belohnet /

So Tugend-eifrig schien. Ich wandt' die Reichs-Gefahr

Auch noch von aussen ab / und weil es nützlich war /

Daß Britten unser Freund / ließ ich es bald beschicken /

Und dennoch suchte man mich hier und dar zudrücken /

So gar / daß man sich auch der Waffen nicht geschähm't /

Die doch / recht bleibt doch recht / durch meine Macht bezähm't.[32]

Doch dieses war noch nichts / nichts gegen dem zuschätzen /

Was mich erst nach der Zeit begunte zuverletzen /

Als ich dem / dem ich mir zum andernmahl vertraut /

Bey den Verrätern selbst als Oberhaupt beschaut.

Als die verfluchte Hand mein Kleid mit Blut befleckte /

Mich und so gar die Frucht in Mutter Leib erschreckte /

Die Frucht / die kurtz hernach wurd' an das Licht gebracht /

Und machte daß mein Hertz / wie schwach es war / verlacht

Die immer frische Noth / die es bißher gekräncket /

Und mit so vieler Qvaal wohl tausendfach ümbschräncket;

Doch war die Freude kurtz; bald folgte neue Qvaal /

Die mir die letzte Zier den guten Namen stahl:

Als auch den Königs-Mord die Feinde auff mich brachten /

Und solches vor der Welt so listig scheinbar machten.

Gott / der die Warheit sieht / auch in der Lügen Nacht

Weis wie mir diese Schuld so unrecht zugedacht.

Ach dieses war noch nicht bey drauff erfolgtem Hohne /

Als mir der Kercker ward zu meiner Mühe Lohne;

Den ich doch nach der Zeit durch Beystand treuer Hand

Und Hoffnungs voller Macht mich endlich überwandt;

Doch kurtze Zeit besaß. Den mein ermüd'tes Hoffen /

Wurd' durch den Donnerschlag deß Feindes Sieg getroffen /

Biß / als mein Thron und Cron und Sieg und alles hin /

Ich sucht' in Brittens Schooß den doppelten Gewinn.

Was hab ich / indem mir Verwandten Reiche funden?

An statt der Freyheit hat man mich noch mehr gebunden.

Was hab ich nicht gesehn? was hab ich nicht gefühlt?

Wie hat so mancher Blitz auff meinen Kopff geziehlt?

Wie ist so mancher Held nur bloß umb mich gefallen?

Und ich muß gleichwohl noch in dieser Wüsten wallen.

Wie hat so manche Angst die Seele mir gerühr't?

Wie hat der Diamant mich doch so gar verführ't?

Den / vielleicht aus Betrug / Elisabeth zerstückte /

Und als ein Freundschafft-Pfand mir nur die Helffte schickte.

Was hab ich nicht erlebt? und was erfahr ich noch?

Erlöser! ach wie lang zieh' ich an diesem Joch?

Wie fern von meinem Hof? und mir entwandten Crone /

Und umgekehrten Reich / und meinem lieben Sohne?[33]

Und doch giebt man mir Schuld / ich richte Unruh' an /

Ich hätte diß und das / bald hier / bald dar / gethan.

Ists unrecht / daß ich so nach meiner Freiheit strebe?

Ich / der ich nun so lang in diesem Kercker lebe?

Daß ich nach diesem steh' / was unrecht mir geraubt?

Und noch kein Ende seh'; Und ist es nicht erlaubt?

Soll ich nicht / wie ich thu / bey Frembden Mittel fassen;

Da Doch mein eigen Volck und Frembde mich verlassen?

Doch mag nur Volck und Freund und alles von mir gehn /

Wann nur mein Heyland bleibt / so wil ich dennoch stehn.


Maria und eine von Ihren Staats-Jungfrauen.


JUNGFRAU.

Gleichwie bey dunck'ler Lufft und trüben Wolcken-Weine

Uns Thürme / Stadt und Haus und Berge weiter scheinen /

Und wie deß Nebels Dunst die güldne Sonne deckt /

So kan Ihr trüber Geist / von trauren gantz erschreckt /

Den nahen Sonnen-Schein / so pfleget auffzugehen /

Und Bald erscheinen wird / vor lauter Furcht nicht sehen.

MARIA.

Ja freylich sieht man nicht bey trüber Unglücks-Lufft /

Wie nah' uns unser Sarg / wie nah uns unsre Grufft /

Die uns offt diesen Tag / in dem wir Freude hoffen /

Den wie zur Lust bestimmt / im Augenblick betroffen.

Was können wir doch seyn vor einen Sonnen-Schein /

Wir / die wir noch ümbhüll't mit Kerckers Wolcken seyn.

Der Nebel deckt den Zorn deß dräuenden Cometen /

So wohl als er sonst kan der Sonnen Gläntzen tödten.

JUNGFRAU.

Durchläuchtige Princeß! ich bitte / Sie verzeih' /

Wenn ich bekenne / daß sie allzufurchtsam sey.

Gesetzt / es führt uns Gott bißweilen in die Wüsten /

Da keine Quelle rinnt

Daß wir uns öffters selbst zu unserm Tod uns rüsten /

Löst er doch auff / was blind /[34]

Daß wir wie Hagar können schauen /

Deß Himmels unverhofftes trauen /

Er treibt die See von unsern Hertzen /

Daß derer Wellen stoltzer Guß

Uns oft erziehlet heisse Schmertzen /

Doch ist es nur der Wunder-Fluß /

Durch dessen unbegreifflichs regen /

Sich unsers Unglücks Kranckheit legen.

MARIA.

Es nahm zwar Londens Hoff den Vorschlag willig an.

JUNGFRAU.

Und was ist dann / das uns nun weiter hindern kan?

MARIA.

Wann Gifftgefüll'ter Neyd der Tugend Glantz bekrochen /

Wird offt der schon gemacht' und feste Schluß zerbrochen.

JUNGFRAU.

Ich sehe nicht / wer uns hier kan zugegen seyn.

MARIA.

Was England gleich gebaut / reist Schottland wieder ein.

Mein Schottland / das nicht kan als nur sein Haupt verfluche /

Sein Haupt / das es doch mehr zufreyen solte suchen.

JUNGFRAU.

Offt hält man einen Freund in fälschlichem Verdacht.

MARIA.

Ein schöner Freund / der uns in so viel Angst gebracht.

JUNGFRAU.

Sie muß sich nicht so sehr mit leerem Argwohn qvälen;

Man muß im Hoffen nur das beste stets erwehlen.

MARIA.

Wir fürchten nicht zusehr / und hoffen nicht zuviel;

»Doch kennen wir vorlängst deß wancklen Glückes Spiel /

Das offt ein enges Nu / das offt ein Augenwincken21

Hat zwischen Cron und Strang / und zwischen stehn und sincken.«

Herr! der ich nur Durch dich in solchen Nöthen steh /

Herr! der ich deiner Faust und Macht allein zudancken /

Daß meine Sinnen nicht in so viel Nöthen wancken /[35]

Daß ich / ein schwaches Weib und meines Heylands Magd /

Gleichwohl vor deiner Kirch und Lehr soviel gewagt.

Soll ich noch meinen Feind gestürtzet vor mir schauen /

Soll ich noch deine Kirch auff diesen Felsen bauen /

So gieb / daß / wann mein Schiff die frohen Segel streifft /

Und mit erwünschtem Wunsch in seinen Hafen läufft /

Nicht komme in dem Port auff Klipp und Sand zustehen.

Ists aber / daß ich soll und muß zu Grunde gehen /

Und soll ich deiner Kirch ein werthes Opffer seyn /

Mein Heyland! ich bin hier mit Leib und Seele dein.


Maria und eine andere von ihren Staats-Jungfrauen.


Durchläuchtige Princeß! Sie laß ihr Trauren schwinde.

Die Königin läst uns durch zwey der Band entbinden /

Der Bande / die bißher so lange uns gedrückt /

Durch zwey / die sie zu uns von ihrem Hoff geschickt.

O längst gewünschte Zeit / O längst gewünschte Stunden!

Wir haben / wornach wir so sehr gewünscht / gefunden.

MARIA.

Bemeistre deinen Geist.

JUNGFRAU.

Die Freude ist zugroß.

MARIA.

Du gläubst / was ungewiß; wir sind noch nicht schon loß.

JUNGFRAU.

Kan sie denn auff der Welt gantz keine Lust ergetzen?

MARIA.

Man wird uns nicht so bald in vorge Freyheit setzen.

Es ist noch mir / noch dir / was man anbringt / bewust.

Es ahnt mir wenig Guts / es klopfft und hüpfft die Brust.

JUNGFRAU.

Wohl! weil ihr Hertze nicht wil meinen Worten trauen;

So soll ihr Auge selbst in kurtz die Warheit schauen.


[36] Baron Burckhorst, Beal, (die zwey Abgeschickten) Maria.


BEAL.

Durchläuchtige Princeß! nach dem man gnug erwegt /

Was vor und wieder Sie vor Zeugnüß auffgelegt /

So hat der grosse Rath einmüthiglich gesprochen /

Daß Sie an Englands Haupt und Crone sich verbrochen /

Und wil / weil jederman Sie numehr schuldig nennt /

Daß Sie vor Ihrem Tod' noch, ihre Sünd' erkennt /

So Sie an Ihrem Gott und Königin begangen.

Der waren Kirchen Heyl muß ihren Tod verlangen.

MARIA.

O Freudenvoller Schluß! mein Gott! ich bins nicht werth /

Daß mir dies hohe Glück in dieser Welt beschert /

Daß ich als Opffer soll der Römschen Kirchen dienen.

Willkommen werther Todt! du bist erwünscht erschienen.

Erlöser! habe Danck vor überreichte Cron!

O Ewigs Königreich! O überstiegner Thron!

O Freyheit meiner Seel! O auffgelöste Bande!

Mein Heyland rufft durch dies mich hin zum Vaterlande /

Durch dies / das mir gewünscht deß Lebens Ende macht /

Deß Lebens / das ich hier so mühsam durchgebracht.

Danckt euer Königin / und sagts / wie hoch wirs schätzen /

Daß Sie uns wil sobald ins ewge Reich versetzen /

Und sprecht sie noch zuletzt von unsertwegen an /

Wir lassen / weil Sie uns nicht lebend dulden kan /

Sie durch den höchsten Gott durch Stamm und Freundschafft bitten /

Daß Sie / weil auff der Welt uns22 Unruh stets bestritten /

Uns doch nach unserm Tod' ein ruhig Grab verstatt'.

Und weil der Schotten Kirch der Feind entheiligt hat /

Und England niemand kan nach Römschen Brauch begraben /

Soll Franckreich meinen Leib nach meinem Tode haben /

Wo meiner Mutter Grab. Und weilen Tyranney

Von unser Feinde Wuth uns zubefürchten sey /

So dulde sie doch nicht / daß ein verborgen Eisen[37]

Uns Haupt und Leben raub' / Sie gönne / daß wir weisen /

Wie wir im Tode stehn / daß Priester / Volck erschein /

Als unsers Glaubens Zeug / und Beystand unsrer Pein.

Daß man von unserm Tod nicht Lügen kan außsprengen /

Die man uns lebend war beflissen anzuhengen.

Sie gönn' / daß meinen Freund' und Dienern wiederfährt /

Was etwa ihm mein Tod und Testament bescheert:

Sie gönn' / – – – – doch kan ich nur so viel Genade finden /

So wird Elisbeth Uns mit letzter Gunst verbinden /

So is mein Leben mir vor Ihre Crone feil /

So wünsch ich / daß mein Tod sey Ihres Reiches Heyl.

BURCKHORST.

Wir werden solches ihr schon wissen vorzuragen /

Sie wird Ihr diese Gunst und nochmehr nicht abschlagen.


Maria alleine.


Das Briten über mich23 ein solches Urtheil spricht /

Ist nicht so ungewohnt / ja gantz kein Wunder nicht.

Wie offte hat es doch sein Fürstlichs Bluth vergossen?

Und Ich / der ich au bin aus ihrem Bluth entsprossen /

Wil noch was bessers seyn / und hoffe mehr Gewinn

Als andre weit vor mir. – – – – – – –


Eine von Ihren Staats Jungfrauen tritt ein.


– – – – – – – – – – – – Durchläuchtge Königin!

Der Gallier Abgesandt24 läst Dienst und Hülff antragen /

Und wil / wo Sies nur stimmt / ein solches Stücke wagen /

Das Ihre Majestät in kurzem soll befreyen /

Elisabeth soll tod / Sie Englands Fürstin seyn.

MARIA.

Danck Franckreich vor die Treu / un thut Ihm stracks zuwissen /

Daß ich kein Reich verlang durch mördrisch Blutvergiessen /25

Ja selbst die Freyheit nicht / die uns doch so beliebt /

Daß ewig sie der Grund / deß / was uns jetzt betrübt.[38]

Ade beherrschtes Reich! Wir wollen uns durch sterben

Und durch den tapffern Todt ein höhers Reich erwerben.


Reyen.


Der Gefangenen Jungfrauen.


Hilfft dann nicht in Purpur sitzen /

Nicht der Cron und Scepter Schein /

Nichts mit Diamanten blitzen /

Nichts mit Gold gezieret seyn?

Bringt man dann von aller Wahre26

Nur ein blosses Tuch zur Baare /

Und von allem Schmuck und Pracht

Kaum deß Sarges schwartze Tracht?


Helffen nichts die schönen Wangen /27

Und deß Mondes Purpur Klee /

Die so manches Hertz gefangen?

Hilfft dann nichts der Hände Schnee /

Nichts der Venus starcke Pfeile

Wieder Plutons Donner-Keile?

Nicht der Schönheit holde Pracht /

Der zu liebe alles lacht?28


Nein; Maria / die am Stande

Keinem in Europa weicht /

Die an Königreich und Lande

Auch den grösten Printzen gleicht /

Die / von der der Schotte lebte /

Und der Gallier so erhebte /

Wird in Britten / da man schreibt

Nur mit lauter Blut / entleibt.


Diese Schöne / derer Gaben

Himmel / Feuer / Lufft und Welt

Längsten angebetet haben:

Die man fast vor Göttlich hält /[39]

Die so vieler Hertzen lenckte /29

Der man soviel Cronen schenckte /

Wird durch Brittens herben Neyd

In der Blüthe abgemeyt.


Grosse Fürstin!30 deine Crone31

Wird durch diesen Mord befleckt.

Es gereicht dir mehr zum Hohne /

Und dein Ruhm wird gantz verdeckt.

Die vorhin so hell geschienen /

Wird forthin zum Deckel dienen /

Wann man Stahl auff Printzen wetzt /

Und den Thron durch Thron verletzt.


Nymphen! die ihr in Gestrüppen

An der schwancken Temse sitzt /

Die ihr auff den weissen Klippen

Euch mit Amphitrit bespritzt /

Lasset zu Marien Ehren

Noch ein Grab- und Lob-Lied hören:

Die / ob sie gekärckert war /

Dennoch tausend Lust gebahr.


Lobt nicht Ihre Marmor Wangen /

Nicht den göldnen Königs Crantz /

Nicht das königliche Prangen /

Nicht deß rothen Purpurs Glantz /

Nicht ihr hoch gestiegnes Wesen /

Das man ohne dem wird lesen /

Biß die Welt vergeht in Gluth;

Nur den Helden gleichen Muth.


Aber du Durchläuchtge Seele!

Eile auß dem eitlen Wust

In deß Grabes Ruhe-Höle

Heldenmüthig / wie du thust.

Besser recht als unrecht leiden /

Besser Welt als Himmel meiden[40]

Offt / der so wie du verdarb /

Mehr / als er verlohr / erwarb.


Dem der nicht aus Gottes Gnade

Und dem guten Namen fällt /

Ist der Fall zwar wohl ein Schade

Doch nur vor der bösen Welt.

Denn offt fällt vor bösen Buben

Auch der Frömmste in die Gruben;

Und wen Tugend fallend hällt /32

Steht mehr als er etwa fällt.

21

In diesen und nachfolgenden Worten wird gesehen auff die ausbündigen Worte Senecæ: de Tranqvillitate cap. 2. Qvod Reg numest, cui non parata sit ruina & proculcatio, & Dominus & Carnifex, nec magnis ista intervaliis, divisa, sed horæ momentum interest inter folium & aliena genua. Qvem notatu dignissimum locum Gryphius noster (Cet Poete si heroiqve qve la mort nous a trop tost enleve: Cette admirable personne, qve l' on pent appeller la merveille de son fexe, & qvi scait exprimer d' lune facon si noble si donce & si inginieuse les tendres & grandes sentimens) in Catharina sua concisius ita expressit:

Offt hat / der mit bekröhnten Haupt beherrschter Länder Macht erschüttert /

In einem Nu vor frembdem Stuhl in angeschlossnem Stahl erzüttert.

22

Dieses und folgendes soll Sie durch ein Schreiben an die Königin Elisabeth haben gelangen lassen. Vid. pag. 379. unsers Historienschreibers. Wir haben aber solches füglicher der Königin Maria zu den Abgeordneten redende in den Mund legen wollen.

23

Dieses sind Mariæ eigne Worte / beym Camdeno in dem cIc Ic LXXXVI. Jahre. Welche auch Gryphius in den Anmerckungen über seinen Carolum referiret: Anglos in suos Reges subinde cædibus sævisse, ut neutiqvam novum nunc sit, si etiam in me ex eorum sangvine natam ibidem sævierint.

24

Wie es mit diesem Anschlag abgelauffen / lehret das 382. Blat unsers Ubersetzers.

25

Solches betheruret Sie weitläufftig in dem Examine. vid. p. 367. & 372. unsers Brunn, quells.

26

Nehmlich deß Glücks: weiln Reichthumb / Ehre etc. Güter und Waaren deß Glücks genennet werden.

27

Von Ihrer Schönheit zeuget unser offtbemeldter Autor, oder vielmehr Cambdenus, daß Sie von Gestallt die Allerschönste gewesen / die man solchen Fürstlichen Personen beyzehlen müste / derer Glück mit Unglück sich verwechselt am 409. Blat. Am 397. Blat sagt er / daß Sie die schönste Fürstin ihrer Zeit gewesen / braun von Augen und Haaren / lang und schmal von Gliedermassen / jedoch nunmehr etwas völliger und breit von Antlitz mit einem doppelten Kinn. Ihre Geschicklichkeit loben die kostbaren Tapeten / mit welchen der Königliche Thron im Oberhause deß Parlaments zu Londen bekleidet ist / als an welchen Sie das Englische Wapen und andre Zierathen mit ihrer eignen Hand soll gestickt und verfertiget haben.

28

Denn also singt fast auff gleichen schlag ein berühmter Französischer Poet.:

Q'un beau Visage

A d' Avantage

Tous luy rie

Tous luy fait la Cour.

29

Massen König Heinrich der VIII. von England /König Heinrich von Franckreich vor den Dauphin Franciscum seinen Sohn (welcher Letztere Sie auch erhalten) in ihrer Jugend / (besiehe das 409. Blat.) Der Römische Käyser vor seinen Herrn Bruder / der König in Spanien Philippus vor seinen Sohn / (besiehe das 268 Blat.) Und der Hertzog von Norfolk vor sich in ihrem mittler Alter und Wittwenthumb umb Sie geworben.

30

Wird die Königin Elisabeth verstanden / welcher mit dem höchsten Rechte dies Encomium beyzulegen. Denn also beschleust Cambd. seine Englischen Annales: Vivit, vivetqve in animis hominum apud omnium seculorum posteritatem memoriâ felicissima Elisabetha: qvippe qvæ, ut non aliis qvam successoris (Jacob! puta in Procem. Dori Basilici) verbis utar, prudentia & felicitate imperandi omnes inde ustqve ab Augusto Principes (absit verbo invidia / superavit.

31

Dieser gantze Satz ist genommen ex Grammondi Histor. ab Excessu Henrici IV. lib. 13. p. 621. Dessen Worte eben dieses Inhalts folgende: Sanè eo facto multum Elisabethæ decesit de virtutis Fama, qva in eam diem valuerat, neqve enim ipsi in æqvalem jus erat. Taut qve les ficcles dureront l' on blasmera la memorie d'Isabel, Reine d. Angel terre, d. avoir faict mourir ignominieusement Marie Reine d' Escosse & veufe d' un Roy de France. Bret. de la souveraineté du Roy de Fr. Civ. 2. chap. 15. p. 316. h.e. Qvo. usq; secula numerabimus, atro carbone notabitur memoria Elisabethæ Reg. Angl. qvod ignominiosa morte sustulerit Mariam Reginam Scotiæ Viduam Regis Galliæ.

32

Dieses ists / was der vortreffliche Spanische Münch Campanella in opere suo Philos. saget: Nunqvam homo perdit, si in Virtute lucratur, si autem in ipsa perdit, nunqvam lucratur, etiamsi Mundi Dominus fiat.

Quelle:
August Adolf von Haugwitz: Schuldige Unschuld oder Maria Stuarda. Bern und Frankfurt a.M. 1974, S. 31-41.
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