58.

[97] Der Herbstwind rüttelt die Bäume,

Die Nacht ist feucht und kalt;

Gehüllt im grauen Mantel,

Reite ich einsam im Wald.


Und wie ich reite, so reiten

Mir die Gedanken voraus;

Sie tragen mich leicht und luftig

Nach meiner Liebsten Haus.


Die Hunde bellen, die Diener

Erscheinen mit Kerzengeflirr;

Die Wendeltreppe stürm ich

Hinauf mit Sporengeklirr.


Im leuchtenden Teppichgemache,

Da ist es so duftig und warm,

Da harret meiner die Holde –

Ich fliege in ihren Arm.


Es säuselt der Wind in den Blättern,

Es spricht der Eichenbaum:

[98] »Was willst du, törichter Reiter,

Mit deinem törichten Traum?«

Quelle:
Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Band 1, Berlin und Weimar 21972, S. 97-98.
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