28.

[227] Küsse, die man stiehlt im Dunkeln

Und im Dunkeln wiedergibt,

Solche Küsse, wie besel'gen

Sie die Seele, wenn sie liebt!


Ahnend und erinnrungsüchtig

Denkt die Seele sich dabei

Manches von vergangnen Tagen,

Und von Zukunft mancherlei.


Doch das gar zu viele Denken

Ist bedenklich, wenn man küßt; –

Weine lieber, liebe Seele,

Weil das Weinen leichter ist.


Quelle:
Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Band 1, Berlin und Weimar 21972, S. 227.
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