10.

[29] Wie dichte Wolken liegen Dunst und Hauch

Des heißen Mittags auf der Ebnen Weiten.

Die Sonnenstrahlen wie durch Nebel gleiten,

Schwarz wälzt sich hin verbrannter Felder Rauch.


[30] Der Toten Blut und Wunden faulend stinken.

Die Sterbenden, die Durst wahnsinnig macht,

Kriechen auf Vieren durchs Gewühl der Schlacht

Zu den schon Toten, um ihr Blut zu trinken.


Hier haben zwei im Staube sich gefunden.

Ein Perser und ein Grieche. Halb schon tot,

Der in der Brust, der in dem Bauch die Wunden.


Der stärkre Perser drosselt den Hellenen.

Dann läßt er des Erstickten Blut sich munden,

Das wie ein Bach tritt aus des Bauches Venen.

Quelle:
Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Band 1, Hamburg, München 1960 ff., S. 29-30.
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