3.

[215] Sie grüßen dich in deinem schwarzen Sarge

Und flattern über dich wie Frühlingswind.

Wie Nachtigallen rühren sie das karge,

Wachsbleiche Haupt mit ihren Klagen lind.


Mit Sammethänden wollen sie dich grüßen

Von meiner Qual. Und wie ein Weinblatt rot,

So taumeln ihre Küsse dir zu Füßen,

Und ziehn wie Tauben sanft um deinen Tod.


Sie schwingen über dir die Fackelbrände,

Die furchtbar wecken auf die schwarze Nacht.

Sie geben dir in deine weißen Hände

Tränen von Stein, die ich dir dargebracht.


Sie laden Düfte aus den Duft-Amphoren

Und überschütten dich mit Ambra ganz.

Dein schwarzes Haar steht auf, an Himmels Toren,

Wie eines Sterngewölkes dünner Glanz.


Sie werden große Pyramiden bauen,

Darauf sie türmen deinen schwarzen Schrein.

Dann wirst du in die wilde Sonne schauen,

Die in dein Blut stürzt wie ein dunkler Wein.

Quelle:
Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Band 1, Hamburg, München 1960 ff., S. 214-215.
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