Von der Fürsehung Gottes

[126] Die Göttliche Fürsichtigkeit

Mich trösten kan in allem leit;

Denn was mir widerfahren thut/

Heiß wie es woll/ böß oder gut/

Das alles regiert Gott allein:

Drumb kan ich allzeit frölich seyn.


Daß ein Göttlich Fürsehung sey/

Muß jederman bekennen frey/

Dieweils so hell und offenbar/

Auch in der heilgen Schrifft ist klar/

Durch welche alles wolgeziert/

Verordnet und regiret wird.

Daß auch ohn die kein ding auff erd

Geschehen ist/ und noch seyn werd/

Wissen wir/ Gott sey lob und ehr/

Denn es ist nichts von anfang her/

Wird auch biß zum end nichts geschehn/

Das nicht zuvor von Gott ersehn.

Vnd wann wir ungezweiffelt diß

Glauben/ und halten für gewiß/

Daß gar nichts geschicht ohn gefehr/

Kan uns kein unglück seyn zu schwer;

Sondern wir können alß Gott will/

Gedüldig seyn und in der still/

Alles ertragen und außstehn/

Weil wir wissen es muß so gehn;

Denn was kan doch mehr frewd im leben

Alß die Fürsehung Gottes geben?

Wir wissen wie die Schrifft vermeldt/

Daß unser hare sind gezehlt/

Ein Sperling ohn Gotts willen nicht

Felt auff die Erde/ Christus spricht.

Wie solt nun dann uns Menschen doch/[127]

Was grössers widerfahren noch/

Ohn Gottes Willen und Fürsehn?

Fürwar es kan je nicht geschehn.

Vnd wenn ich diß bey mir betracht/

Mein Hertz für tausend Frewden lacht;

Auch in der grösten Trawrigkeit/

Kan es seyn voller Lust und Frewd;

Dafür ich Gott lob/ preiß und Ehr/

Will sagen allzeit immermehr/

Das er durch seine Gnad und gunst/

Lauter/ ohn mein verdienst/ umb sonst/

Zu der Erkentnüß mich gebracht/

Lob/ Ehr und Danck/ sey jhm gesagt;

Er walle auch zu seinen Ehrn/

Den Trost und diß erkentnüs mehrn

In mein'm und aller menschen hertzen/

Dadurch auch lindern alle schmertzen/

Vmb Jesu Christ meins Herren willen/

Bitt ich woll Gott mein Wunsch erfüllen.

Amen Hanns Ovens Tochter spricht/

Gott erhört es/ sie zweiffelt nicht.


G.

H.

G.H.V.H.G.

H.

G.


Gott Hat Vnser Hare Gezehlt.

Gott Höret Vnd Heisset Gern.


All's was Gott thut/ Ist nütz und gut/

Vnd g'reicht zu seinen Ehren.

Nach sein'm Fursehn Muß alles gehn/

Niemand kan solches wehren.

Nichts kompt auch her/ Von ohngefehr/

Glück/ unglück/ todt und leben.

Alles regiert Gott/ wie man spührt/

Durch sein Fürsehn/ merck eben.[128]

O Frommer Christ/ Wie Selig ist/

Der in all seinen sachen

Von hertzen grundt Zu aller stundt

Ihm diß kan nutzlich machen.

Es mag kein leit Noch trawrigkeit

Sein Gemüth überwinden;

Nichts ist ihm schwer/ In dieser Lehr

Kan er bald lindrung finden.

All' Weltlich ding/ Helt er gering/

Für Eitel und Vergänglich;

Hat seinen sinn Gesetzet hinn

Zu dem das überschwencklich;

Ohn Gott er acht Kein pracht noch macht/

Weltfrewd kan er leicht meiden;

Ihm ist stets wol/ Denn was er soll/

Kan er gedultig leiden;

Jst wie Gott will/ Friedlich und still/

Er hab viel oder wenig/

Es gilt ihm gleich: Denn er ist Reich/

In Gott/ mit dem er einig;

Richt sich allzeit/ In lieb und leit/

Nach Gottes wolgefallen;

Sehr danckbarlich Erzeigt er sich

Auch allzeit in den allen.


Man kan Gott so viel gutes nicht

Zutraw'n/ er ist noch besser.

Groß übelthat hab ich verricht/

Doch ist sein Gnad viel grösser.

So ich im Glauben nur nicht gleit/

Sondern steh' vest ohn wancken/

Bleibt wol vest sein Barmhertzigkeit/

Der ich will Ewig dancken.
[129]

G.

R.

M.

G.R.M.H.M.R.G.

M.

R.

G.


Gott Regier Mein Hertz/ Mach Reine Gedancken/

Laß mich in frewd und schmertz ja nicht von ihm wancken.


H.

G.

G.

D.

D.

G.

V.

G.

B.

E.

M.

G.

H.G.G.D.D.G.V.G.B.E.M.G.G.G.M.E.B.G.V.G.D.D.G.G.H.

G.

M.

E.

B.

G.

V.

G.

D.

D.

G.

G.

H.


Herr Gott Gedencke Doch Deiner Güte Vnd Grossen Barmhertzigkeit/ Erhör Mein Gebet Gnädig/ Gib Mir Ein Beständig/ Gehorsam/ Vnd Gedültig/ Demütig/ Dir Gantz Gelassen Hertz.


A.O.H.[130]

Quelle:
Anna Ovena Hoyers: Geistliche und Weltliche Poemata, Amsteldam[!] 1650, S. 126-131.
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