43. Wie Dummhans für ein Gerstenkorn ein Königreich bekam.

[232] Es war einmal ein Junge, der war so einfältig, dass ihn das ganze Dorf nur den Dummhans nannte. Als er eingesegnet war, ging er als Knecht zu einem Bauern in den Dienst und hielt dort sieben Jahre treu aus, ohne einen Pfennig zum Lohn zu erhalten. Da bekam er Lust, in die Welt zu gehen und Städte und Länder kennen zu lernen. »Bauer,« sprach er darum am Martinstage, »zahl mir den Lohn aus, welcher mir für sieben Jahre Dienst zukommt; mach's aber nicht zu schwer, dass er mich drückt und mir die Tasche zerreisst.« Der Bauer dachte: »Das willst du schon besorgen!« ging in die Kammer und that ein Gerstenkorn in ein Tüchlein und band einen seidenen Faden darum, trat dann vor Dummhans hin, steckte ihm das Tuch in die Tasche und hiess ihn recht Obacht geben, dass es ja nicht verloren ginge. Dummhans dankte dem Bauer, dass er ihm seinen Siebenjahrslohn so leicht gemacht, und wanderte vergnügt und guter Dinge in die weite Welt hinaus.

Am Abend kam er in ein Wirtshaus und bat um ein Nachtlager. »Das sollst du haben,« entgegnete der Gastwirt, »und wenn du Geld oder Geldeswert bei dir hast, so gieb's mir in Verwahrung, dass es dir nicht gestohlen wird.« – »Und ob ich etwas bei mir hätte!« rief Dummhans, »Einen ganzen Siebenjahrslohn sogar!« und damit griff er in die Tasche, zog das Tüchlein mit dem Gerstenkorn heraus und übergab es dem Herbergsvater; dann legte er sich auf die Streu und schlief fest ein. Dem Wirt liess aber die Neugier keine Ruhe. »Ein Siebenjahrslohn soll in dem Tüchlein enthalten sein?« dachte er bei sich, »Das ist wohl gar ein Demant!« Und wenn ihm auch sein Gewissen zurief: »Gastwirt, Gastwirt, lass das Tüchlein in Ruh, was geht dich des Dummhans Siebenjahrslohn an!« er konnte der Neugier nicht widerstehen und löste den Knoten. Nachdem er jedoch das Tuch auseinander gefaltet, war nichts weiter darin zu sehen, als ein einziges Gerstenkorn. Darüber bekam der Wirt einen solchen Schreck, dass er es fallen liess, und ehe er's sich versah, war der Hahn herbei gesprungen und hatte das Gerstenkorn gefressen.

Am andern Morgen stand Dummhans zeitig auf und verlangte sein Tüchlein. »Der Schatz ist fort,« lachte der Wirt, »der Hahn hat das Gerstenkorn gefressen.« – »Dann gieb mir den Hahn,« sprach Dummhans, »oder ich gehe zum Richter, weil du mich um meinen Siebenjahrslohn betrogen hast.« Vor dem Richter hatte aber der Wirt eine Himmelangst, und so gab er dem Dummhans den Hahn[233] mit auf den Weg und freute sich obendrein, dass er den Jungen so leichten Kaufs los geworden war.

Den nächsten Abend kehrte Dummhans wiederum in einer Herberge ein und übergab dem Wirt seinen Hahn; er solle ihn aber ja nicht aus den Augen lassen, denn er sei ihm über die Massen wert, weil er ihn erhalten habe statt eines Lohnes von sieben Jahren. Der Herbergsvater kehrte sich aber nicht an des Dummhans Gerede, sondern sperrte den Hahn in den Pferdestall. Als nun Dummhans am andern Morgen weiter ziehen wollte und den Hahn zurückforderte, lag der Vogel tot in der Ecke, der Hengst im Stalle hatte ihn mit seinen Hufen erschlagen und ganz breit getreten. Dummhans schrie Mord und Zeter und wollte den Wirt verklagen, weil er ihn um seinen Siebenjahrslohn gebracht, und er ruhte auch nicht eher, als bis ihm der Mann für den erschlagenen Hahn den Hengst abgetreten hatte. Das war ein herrliches Tier mit goldener Mähne und goldenem Schweif, dass es eine Lust war, ihn anzublicken. Ausserdem hatte der Hengst die wundersame Gabe, dass jedes Wesen, welches ihn berührte und zu dem sein Herr sprach: »Bleek an!« dem Pferd auf den Rücken springen musste und dort fest sitzen blieb, bis er es wieder heruntersteigen hiess. Und damit er ja nichts übersähe, wieherte der Hengst jedesmal hell auf, wenn jemand seinem Goldhaar zu nahe kam.

Auf diesen Hengst schwang sich Dummhans, gab ihm die Sporen, und hoch zu Ross ging es nun die breite Landstrasse entlang, dass die Pappeln zur Rechten und zur Linken vorbei flogen und die Wandersleute halt machten und dem stolzen Reiter nachblickten. Endlich wurde es dunkel, und Dummhans langte in dem dritten Gasthofe an. Nachdem er gegessen und getrunken, legte er sich zu dem Goldhengst in den Stall neben die Häckselkiste und schlief fest ein. Den drei Töchtern des Wirtes hatte aber das goldene Haar keine Ruhe gelassen, und es dauerte gar nicht lange, so klinkte die älteste leise die Stallthüre auf und trat an den Hengst und zupfte ihm ein Goldhaar aus der Mähne. In demselben Augenblick wieherte der Hengst hell auf; Dummhans erwachte, rief: »Bleek an!« und auf dem Rücken des Pferdes sass das Mädchen und konnte nicht wieder herunter.

Kaum war Dummhans wieder eingeschlafen, so öffnete sich die Pforte von neuem, und die zweite Tochter schlich sich auf Strümpfen herein. Als sie ihre Schwester auf dem Rücken des Hengstes erblickte, schalt sie zornig: »Du habgieriges Ding, kannst du nicht hier unten pflücken? Schau, mach's, wie ich!« Und damit riss sie dem Tier ein paar Haare aus dem Schweife. Hell wieherte der Hengst auf, Dummhans erwachte, rief: »Bleek an!« und schnarchte weiter; das Mädchen aber sass oben auf dem Rücken des Pferdes hinter der Schwester, und sie verwünschten ihr Geschick. Indem stahl sich die jüngste Tochter des Wirtes herein, um auch für ihren Teil von den Goldhaaren zu nehmen. Wie sie ihre Schwestern auf dem Rücken des Pferdes sah, sprach sie: »Ihr seid wohl ganz und gar nicht klug,[234] was habt ihr denn auf dem Gaule zu suchen?« Die beiden Mädchen winkten ihr jedoch zu, sie solle stille sein, und machten ihr darauf leise klar, dass sie nicht wieder herunter könnten. Das that der jüngsten Schwester leid, und sie fasste die beiden älteren frisch bei den Beinen, um sie herab zu ziehen; doch es gelang ihr nicht, und ehe sie's sich versah, wieherte der Goldhengst hell auf, Dummhans rief: »Bleek an!« und oben sass sie, als die dritte im Bunde, und konnte ihre Schwestern nach Herzenslust knuffen und puffen, weil sie von ihnen mit in das Unglück gebracht war.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als Dummhans sich von der Streu erhob, seinen Goldhengst löste und zum Stalle heraus führte. Auf dem Hof standen der Wirt und die Wirtin und alle Knechte und Mägde und weinten und jammerten, weil die drei Jungfern verschwunden waren. Als sie dieselben auf dem Rosse erblickten, wurden sie froh, dass sie wiedergefunden seien; die drei Mädchen waren aber gar nicht vergnügt, sondern riefen immerfort: »Vater, Mutter, helft uns von dem verwünschten Tier!« Aber so viel sie auch zogen, die Jungfern blieben fest an dem Hengst kleben und rückten und rührten sich nicht. »Ach, lass sie doch wieder herab steigen!« bat nun der Wirt den Dummhans; doch der hatte taube Ohren und sprach: »Ich habe sie nicht stehlen heissen, und wenn sie selbst hinaufgeklettert sind, mögen sie auch selbst herabsteigen!« Dann ergriff er den Hengst am Zügel und führte ihn zum Thore hinaus.

Vor dem Schulhause stand der Küster. Kaum sah er die wunderbare Gesellschaft, so rief er zornig; »Drei grosse, schwere Mädchen auf einem Pferd! Ist das Zucht und gute Sitte? Und lasst ihr euch von einem wildfremden Kerl aus dem Dorfe führen? Wartet nur, ich werde euch kriegen!« Sprachs und lief auf den Goldhengst zu, um die Mädchen herabzureissen. »Hühühü!« wieherte der Hengst, »Bleek an!« sagte Dummhans, und hinter der jüngsten Tochter des Gastwirts sass der Küster und musste mit auf die Reise, er mochte wollen oder nicht.

Der Zug kam an der Kirche vorbei. Da stand der Herr Pastor in Schlafrock und Pantoffeln und sah nach, ob die bösen Buben wieder eins von den kleinen Fensterchen eingeworfen hätten. Wie erschrak er aber, als er des Küsters und der drei Jungfern auf dem Hengst ansichtig ward! Er liess die kleinen Fenster kleine Fenster sein und schrie aus vollem Halse: »Heisst das Kinder lehren und ehrbaren Wandel führen? Schämt er sich denn nicht, mit drei leichtsinnigen Jungfern aus dem Dorfe zu reiten und noch dazu alle vier auf einem Pferde? Herunter mit ihm!« Und schon hatte er den langen Rockschoss des Küsters in der Hand, um ihn herabzuziehen. »Hühühü!« wieherte der Goldhengst; »Bleek an!« sagte Dummhans, und der Pastor sass hinter dem Küster und wusste nicht, wie er hinauf gekommen war.

Er hatte auch gar nicht Zeit, lange darüber nachzusinnen, denn mittlerweile waren sie an den Ausgang des Dorfes gekommen,[235] wo die Grossbäuerin mit der kleinen Magd an dem Backofen hantierte. Die Bäuerin hatte gerade den Schieber in der Hand, um damit in den Ofen zu fahren, als sie die fünf Menschen auf dem Rosse erblickte. »Kinnerlüd!« rief sie ergrimmt, »was ist das für ein Teufelswerk? Und, du mein Schrecken, da sitzt ja auch der Herr Pastor! Das heisst also den Leuten mit gutem Beispiele vorangehen? Heda, Kathrine, komm schnell, dass wir die gottlose Gesellschaft auseinander bringen!« Und sie stürzte mit dem Schieber, Kathrine aber mit dem Besen auf den Goldhengst zu, und dann schlugen sie gemeinsam auf den Pastor ein. »Hühühü!« wieherte der Goldhengst; »Bleek an!« sprach Dummhans, und die Bäuerin und die Kleinmagd sprangen auf das Ross und sassen fest; doch es war nicht mehr viel Platz da, so dass Kathrinchen auf dem äussersten Schwanzende zu sitzen kam.

Kathrinchen war nun böse auf die Grossbäuerin und schlug sie mit dem Besen; die Bäuerin schob die Schuld auf den Pastor und stiess ihn mit dem Schieber; der Pastor hielt sich an den Küster und knuffte ihn in die Seiten; der Küster schalt auf die jüngste Wirtstochter und raufte sie an den Haaren; die jüngste Wirtstochter liess das ihre zweite Schwester entgelten und kniff sie in die Arme; die zweite Schwester rächte sich an der ältesten und zwickte ihr die Ohren; die älteste aber sass stille und weinte, denn sie hatte das ganze Unheil angerichtet. Dummhans allein war vergnügt und heiter, zog seinen Goldhengst am Zaume hinter sich her und zeigte seinen Himphamp in den Dörfern und auf den Höfen und erhielt viel Geld dafür von den Leuten; denn einen solchen Himphamp hatten sie ihr Lebtage noch niemals zu Gesichte bekommen.

Nun führte den Dummhans sein Weg durch eine grosse Stadt. Da kam ein feingekleideter Herr auf ihn zu und bot tausend blitzblanke Thaler, wenn er ihm den Himphamp verkaufen würde. Dummhans stach das viele Geld in die Augen, und er ging auf den Handel ein; der fremde Herr war aber ein Prinz und wollte durch den Himphamp ein König werden. Der alte König nämlich, dem die Stadt gehörte, besass eine Tochter, die noch niemals in ihrem Leben gelacht hatte. Weil ihm das nicht gefiel, so liess er ein Gebot ergehen, wer seine Tochter zum Lachen brächte, der solle sie heiraten. Das hatten schon viele versucht, aber noch keinem war es gelungen. Auch der Prinz war in die Stadt gereist, um die Prinzessin zum Lachen zu bewegen, und da kam ihm gerade Dummhans mit seinem Himphamp entgegen. Jetzt, als er ihn gekauft hatte, glaubte er, gewonnenes Spiel zu haben, und richtig, als er den Himphamp vor dem Schlosse vorbeiführte, sah die Königstochter zum Fenster hinaus und grifflachte über den sonderbaren Aufzug.

Die Sache ward sogleich dem König gemeldet, der sprach: »Grifflachen ist auch ein Lachen; wenn nicht binnen drei Tagen ein anderer kommt, über den die Prinzessin ordentlich lacht, so soll sie den Prinzen nehmen und ihm angetraut werden.« Die Rede des Königs[236] ward bald ruchbar in der Stadt, und auch Dummhans hörte davon, welches Glück durch seinen Himphamp der fremde Prinz erreicht habe. Das ging ihm zu Herzen, und traurig schlich er mit gesenktem Haupte seiner Strasse; ausserdem drückten ihm die harten Thalerstücke das Fleisch wund, und er seufzte von ganzem Herzen: »O! wäre ich doch die tausend Thaler los und hätte meinen Himphamp wieder, dass ich die Prinzessin damit zum Lachen brächte und König würde in dieser Stadt!«

Diese Rede hörte ein steinaltes Mütterchen, welches schon mit dem Kopfe wackelte, das sprach: »Ist es dein Ernst mit den tausend Thalern, so will ich dir etwas geben, dass die Königstochter noch hundert Mal mehr darüber lachen soll, als über den allerbesten Himphamp!« Dummhans ward froh, als er diese Worte hörte, und versprach der alten Frau das Geld, wenn sie ihm dafür die Königstochter zum Lachen brächte. »Lauf morgen früh, ehe die Sonne aufgeht, vor die Stadt auf den Kreuzweg,« sagte das Mütterchen, »und was du dort findest, heb auf und thu's in einen Kasten, mag es auch noch so klein sein.« Dummhans that, wie die Alte ihm befohlen hatte, und fand am andern Morgen auf dem Kreuzweg einen Bussbunk (Mistkäfer), der lag auf dem Rücken und streckte die Beine in die Luft und konnte sich nicht wieder umdrehen. Dummhans ergriff ihn, that ihn in eine Schachtel und brachte ihn dem alten Mütterchen.

»Das hast du gut gemacht,« sagte die Alte, »und morgen gehst du zur selben Stunde noch einmal vors Thor und bringst wieder, was du findest, es mag sein, was es wolle.« – Dummhans folgte ihrem Geheiss; aber so sehr er auch umherguckte, er konnte weiter nichts auf dem Kreuzweg entdecken, als eine einzige kleine Ameise. »Erst ein Bussbunk und dann eine Ameise, das wird dir viel helfen,« dachte er bei sich, »doch wer weiss, wozu es gut ist. Alte Leute wissen mehr, als die jungen.« Damit that er die Ameise in eine Schachtel und kehrte zur Stadt in das Haus des alten Mütterchens zurück. »Recht, mein Sohn,« rief die Alte vergnügt, »nun geh morgen noch einmal auf den Kreuzweg, sei aber flink und behende, dann wird dir die Königstochter nicht entgehen.«

Am dritten Morgen erblickte Dummhans weiter nichts im Sande, als eine kleine Maus. Die lief ängstlich hin und her und suchte zu entwischen; er nahm jedoch seine Beine in die Hand, und so sehr das Mäuschen auch lief, er holte es ein und steckte es in eine Schachtel; dann kehrte er seelenvergnügt in die Stadt zurück und übergab der Alten seine Beute. Die kramte ein kleines Wägelchen aus dem Kasten und spannte den Bussbunk, die Ameise und die Maus davor. Der Bussbunk ging unterm Sattel, die Ameise vorn in der Leine und die Maus hinter der Handseite; Dummhans aber bekam eine allmächtig lange Hetzpeitsche in die Hand und schritt gegen auf und knallte, dass es eine Lust war.

Schon auf der Strasse scharten sich Leute über Leute um ihn, als sie das Gefährt sahen, und lachten aus vollem Halse. Mit jedem[237] Hause wurde die Menschenmenge grösser, und als er vor dem Schlosse anlangte, war die ganze Stadt auf den Beinen, und alles lachte, so laut, dass es die Prinzessin hörte und neugierig zum Fenster lief. Als sie den Wagen mit dem Bussbunk, der Ameise und der Maus und daneben den Dummhans mit der langen Hetzpeitsche erblickte, da war es mit ihrem Ernste aus, sie lachte, dass sie auf den Rücken fiel und dass ihr der Leib wackelte.

»Dummhans wird König! Dummhans wird König!« schrie das Volk, und der alte König musste zugeben, dass die Leute recht hatten; aber ihm wäre der Prinz als Schwiegersohn lieber gewesen, wie der schmutzige Bauernjunge; darum liess er die beiden vor seinen Thron rufen und sprach zu ihnen: »Über des Prinzen Himphamp hat meine Tochter nur gegrifflacht und über des Dummhans Gefährt hat sie gelacht, dass ihr der Leib wackelte; aber dafür ist der Prinz drei Tage früher zum Ziele gekommen. Kurz und gut, die Sache ist unentschieden! Und damit sich keiner von euch beklagen kann, so soll die Prinzessin einen Schlaftrunk bekommen; der Prinz legt sich zur Rechten und Dummhans zur Linken, und wem sie am andern Morgen zugewandt ist, der soll sie zur Frau haben.« Er dachte nämlich, weil ein Prinz lieblich, ein Bauernjunge aber nach Kühen und Schweinen riecht, seine Tochter würde sich jenem zukehren und von diesem abwenden.

Aber Dummhans durchschaute des alten Königs Ränke; er kaufte sich Mandelkern und Zuckerbrot und ass davon zu Abend, dass ihm ein süsser Atem aus dem Munde ging. Als es Schlafenszeit war, legte er sich zur Linken der Königstochter nieder, während der Prinz, als ein Königssohn, seinen Platz an ihrer rechten Seite eingenommen hatte. Nachdem jener fest eingeschlafen war, liess Dummhans den Bussbunk aus der Schachtel. Der setzte sich vor des Prinzen Mund; und da ein Mistkäfer gemeiniglich nicht schön zu riechen pflegt, so wendete die Prinzessin im Schlafe ihr Köpfchen von dem Prinzen ab und drehte es dem Dummhans zu und blieb auch die ganze Nacht über so liegen.

Am andern Morgen sah der alte König selber nach; und als er befand, dass seine Tochter ihren Kopf dem Bauernsohn zugekehrt hatte, konnte er nichts mehr gegen ihn einwenden. Es ward eine grosse Hochzeit angerichtet, und Dummhans heiratete die Prinzessin und lebte mit ihr glücklich und zufrieden sein Leben lang; und wenn sie nicht gestorben wären, lebten sie heute noch.

Quelle:
Ulrich Jahn: Volksmärchen aus Pommern und Rügen l, Norden/Leipzig 1891, S. 232-238.
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