49. Schmied Günther.

[256] Der Teufel hat seit jeher mit jedermann gern anbinden mögen. Eines Tages traf er Sankt Petrus, rühmte sich seiner Stärke, und als Petrus nicht Wort haben wollte, dass er der Stärkere sei, schlug Jenner ein Wettmähen vor. »Wer am glattesten mäht und am längsten aushält,« sagte er, »der soll der Stärkste sein. Ich will das Feld auswählen, du, Peter, magst die Sensen besorgen; aber schön blinken und glänzen muss die meine!« – Nun wohnte in der Gegend Schmied Günther, der war weit und breit berühmt, dass er am besten schmieden könne. Zu dem ging Petrus und sagte: »Höre, Schmied Günther, kannst du mir wohl ein Paar Sensen schmieden, die eine von Messing, glänzend und blinkend, die andere von gutem Stahl? Thust du das, so sollen dir drei Wünsche gewährt sein, die dir am meisten am Herzen liegen.« – »Darauf geh' ich ein,« sprach Schmied Günther, »über drei Tage sind die Sensen fertig!«

Als die drei Tage vergangen waren, kam Petrus, die Arbeit zu besehen. Da lag die glänzende Sense von Messing, und das Herz lachte ihm im Leibe über dem Anblick; daneben aber lehnte die zweite Sense, die war schwarz und unansehnlich, denn Schmied Günther hatte sie mit einem Heringskopfe bestrichen. Petrus aber sah nicht auf die äussere Gestalt, sondern ergriff ein Stück Stabeisen, wie mein Arm stark, und stiess es in den Erdboden; dann nahm er die Sense, holte weit aus, schlug zu, und, siehe, glatt und leicht durchschnitt der Stahl das Eisen, als wäre es Butter. Nachdem Petrus darauf die Schneide besehen und keine Scharte, keine Kante darin gefunden hatte, sagte er: »Schmied Günther, die Sense ist gut! Wenn ich[256] zurückkomme, sollst du deinen Lohn erhalten.« Sprach's und ging mit den beiden Sensen auf den Acker, wo der Teufel seiner schon harrte.

Hastig griff Jenner nach der blinkenden Sense von Messing, und dann machten sie die Bedingungen aus, unter welchen der Wettkampf vor sich gehen sollte. »Gemäht wird ganz glatt, dass keine Stoppeln zu sehen sind, gestrichen wird nur am Anfang und am Ende der Reihe!« Ausserdem sollte Petrus zwölf Schritte vorbekommen, so wollte es der hochmütige Teufel. Und nun begann das Mähen! Petrus holte gewaltig aus, und das Korn rauschte im Fallen, und so glatt über dem Boden weg mähte er die Halme, dass alle Feldsteine, die im Wege lagen, durchschnitten wurden. Der Teufel arbeitete noch mächtiger; aber nachdem er drei Schwaden gemäht, war seine Sense verdorben, und weil alles Streichen nicht helfen wollte, hieb er wild auf das Korn ein und wühlte Sand und Steine auf. Daher kommen all die Gruben und Berge, die noch heute auf dem Felde den Mähern die Arbeit erschweren. Petrus kam indessen schon zum zweiten Male herab, und »Streich, Petrus, streich, dass der arme Teufel mitkommt!« rief Jenner ihm zu; doch als Petrus immer noch nicht strich, ward er ganz verzagt, warf seine blinkende Sense ins Korn und lief auf und davon, der Hölle zu.

So hatte Petrus den Wettkampf gewonnen, und er ging mit seiner Sense zu Schmied Günther und sprach zu ihm: »Die Sense magst du behalten! Eine bessere giebt's auf der ganzen Welt nicht; und wenn ein ordentlicher Mensch kommt, der ihrer würdig ist, darfst du sie ihm schenken oder verkaufen. Und nun sprich drei Wünsche aus, die dir am liebsten sind, vergiss aber das Beste nicht!« Sprach Schmied Günther: »Auf drei Wünsche habe ich mich lange gefreut. Zuerst will ich, dass meine Branntweinflasche nimmer leer wird.« – »Das war ein schlechter Wunsch,« sagte Petrus, »vergiss das Beste nicht!« – »Du hast recht,« erwiderte Schmied Günther, »das Beste darf man nicht vergessen. In meinem Garten steht ein Birnbaum, von dem stehlen mir die Jungen alle Jahre die Birnen. Wenn nun einer hinaufklettert, so muss er oben bleiben, bis ich ihn wieder heruntersteigen heisse.« – »Der Wunsch ist dir auch gewährt,« sagte Petrus ärgerlich, »nun hast du nur noch einen einzigen. Vergiss das Beste nicht!« – »Wie werde ich denn!« rief Schmied Günther; »Hinter meinem Ofen steht ein Grossvaterstuhl. Nun will ich, dass, wer sich darauf setzt, nicht eher wieder aufstehen kann, bis ich's ihm erlaube.« – »Du bist ein Narr,« schalt Petrus, »was nützen die thörichten Wünsche? Die ewige Seligkeit hättest du dir wünschen sollen.« Und damit Schmied Günther wenigstens etwas Vernünftiges habe, bestrich Petrus den grossen Haufen Stabeisen, der in der Schmiede lag, mit der Hand und verwandelte es dadurch in lauteres Gold; dann ging er zur Thüre hinaus und verschwand.

Nun war Schmied Günther ein reicher Mann geworden und hielt sich viele Gesellen, und sein Ruhm wurde je länger, je grösser. Das[257] dauerte einige Jahre lang, da kam eines Tages der Teufel und sprach: »Schmied Günther, du musst wandern!« – »Das will ich gerne glauben,« antwortete Schmied Günther, »aber der Weg ist lang; du könntest wohl vorher auf den Birnbaum steigen und ein paar Birnen für unterwegs abpflücken, derweile ich das Schwert fertig schmiede.« Das war der Teufel zufrieden und stieg auf den Birnbaum, konnte aber nicht wieder herunter. Da tobte und fluchte er, schalt und schrie; doch Schmied Günther that, als höre er nichts, und liess ihn oben sitzen, bis er schwarz wurde.

Darüber mochten nun wohl so ein hundert Jahre verstrichen sein, da kam der Tod an, klopfte dem Schmied auf die Schulter und sprach: »Schmied Günther, komm mit!« – »Zu essen giebt's bei dir ja wohl nichts?« fragte Schmied Günther; und als der Tod das bejahte, lud er ihn ein zum Abschiedsmahle auf Backobst und Klösse und ein gutes Stück Schinken. Das war dem Tod schon recht, und er setzte sich neben dem Ofen auf den Grossvaterstuhl, während Schmied Günther vor ihm Platz nahm. Nachdem sie gegessen und getrunken hatten, mahnte der Tod zum Aufbruch; Schmied Günther lachte jedoch und ging wieder in die Schmiede an die Arbeit, der Tod aber musste in dem Lehnstuhl sitzen bleiben und konnte sich nicht rücken und nicht rühren.

Nach vielen, vielen Jahren wurde Schmied Günther des Lebens daheim überdrüssig; er übergab seinem ersten Gesellen die Schmiede und befahl ihm, nicht in den Garten und nicht in die Stube zu gehen, dann schnallte er sein Felleisen auf, packte Hammer und Zange, Nägel und Hufeisen hinein, steckte die Branntweinflasche in die Tasche und wanderte los. Als er ein paar Meilen gegangen war, ward er müde und wollte sich auf einer Waldwiese unter einen Silberpappelbaum legen; da erblickte er einen Wandersmann, der dort schon im weichen Grase lag und seine Glieder streckte. »Guten Tag, Schmied Günther!« sagte der Fremde. Die Stimme kam ihm bekannt vor, er sah dem Wanderer scharf ins Gesicht, und siehe, da war's kein anderer als Petrus, der wieder einmal auf Erden umherzog und nachschaute, wie es den Menschen ginge. Das freute Schmied Günther über die Massen, dass er einen solchen Reisegefährten gefunden, und er zog die Flasche aus der Tasche und reichte sie Petrus dar, und sie tranken beide auf gute Kameradschaft.

Nachdem sie sich ausgeruht hatten, zogen sie weiter, und es dauerte gar nicht lange, so kamen sie an ein Dorf. »Geh du links, ich werde rechts gehen,« sagte Schmied Günther, »und was wir zusammen erfochten haben, kommt in einen Beutel und wird nachher geteilt.« Und so geschah es auch. Schmied Günther hatte viel Glück gehabt und zwanzig Groschen eingenommen; doch als er am Ende des Dorfes mit Petrus zusammentraf, hatte dieser gerade noch einmal so viel erhalten. »Das liegt an der Gegend!« rief Schmied Günther ärgerlich; »Bei dem nächsten Dorf gehst du rechts und ich links; dann wird's wohl anders werden.« Aber er hatte sich geirrt, als sie[258] durch das zweite Dorf gezogen waren, Petrus rechts und Schmied Günther links, war es dieselbe Geschichte. Petrus hatte doppelt so viel erfochten, als Schmied Günther. – »Ich werde dich schon kriegen!« dachte Schmied Günther, als sie vor das dritte Dorf kamen; denn dort war gerade eine reiche Bauernhochzeit zur rechten Seite der Strasse. »Ich bleibe auf dem rechten Wege,« sagte er zu Petrus, »da ist Musik und Tanz, und du bist ein frommer Mann und kein Freund von gottlosen Dingen!« Sprach's und lief in das Hochzeitshaus, half in der Küche und bediente die Gäste, und weil man bei einer grossen Hochzeit fleissige Hände gerne sieht, wurde er auch gut belohnt und hatte fünfzig Groschen in der Tasche, als er am Ende des Dorfes mit Petrus zusammenkam. »Du bist ja lange geblieben!« rief dieser ihm schon von weitem zu; dann zählten sie, was ein jeder hatte, und siehe, Petrus hatte hundert Groschen erfochten. »Nun hört aber alles auf!« rief Schmied Günther; doch er tröstete sich bald, denn das Geld musste ja geteilt werden.

Im nächsten Dorfe begegnete ihnen ein Leichenzug. Dem Grossbauer war nämlich die einzige Tochter gestorben, und die Eltern gingen hinter dem Sarge her und weinten und klagten zum Gotterbarmen. Der Jammer schnitt Petrus ins Herz, er hiess die Träger halten, der Sarg wurde geöffnet, und Petrus sprach zu der Leiche: »Steh auf, du Tote!« Da schlug das Mädchen die Augen auf, erhob sich aus dem Sarge und war frisch und gesund, wie zuvor. Der Vater und die Mutter wussten gar nicht, was sie vor Freude anfangen sollten; sie nahmen die beiden Wanderer mit sich in ihr Haus, und aus dem Totenmahle wurde ein Festschmaus, und sie assen und tranken, was der Hof zu geben vermochte. Darauf verabschiedete sich Petrus von dem Grossbauer. Der wollte ihn nicht mit leeren Händen ziehen lassen und bat ihn, dass er so viel Geld mit sich nähme, als er und sein Geselle zu tragen vermöchten. Petrus schlug ihm das aber rund ab und sagte: »Was ich thue, das thue ich aus gutem Herzen um Gotteslohn.« Damit liess er den Bauer stehen und ging mit Schmied Günther vom Hofe. »Bist du nicht bei Sinnen!« schalt Schmied Günther, als sie draussen waren; »So lässt du dir den Verdienst entgehen?« Antwortete Petrus: »Für solche Sachen darf man kein Geld nehmen!« und achtete nicht weiter auf Schmied Günthers Reden.

In der Gegend, durch welche sie jetzt kamen, waren die Dörfer rar, und nachdem sie einen ganzen Tag lang gewandert waren, ohne ein Haus zu treffen, hungerte sie sehr. »Drüben weidet ein Schäfer,« sprach Petrus, »lauf hinüber und bitt ihn um ein Lamm!« – »Da werden wir unsere Spargroschen angreifen müssen!« sagte Schmied Günther; »Umsonst giebt der nichts heraus!« Aber als Petrus ihm zum zweiten Male befahl, hinüber zu laufen, gehorchte er und that, wie jener ihm geboten hatte. Richtig, der Schäfer war gar freundlich, als er die Bitte vernahm, der Hund musste die Schafe herumholen, der Schäfer griff das beste Lamm heraus und gab es dem[259] Wandersmann, dass er es Petrus brächte. Unterdes hatte dieser ein Feuer angezündet und einen Spiess geschnitten; darauf wurde das Lamm gesteckt, nachdem es abgezogen war, und Schmied Günther sollte es braten, derweile Petrus in dem nahen Walde lustwandelte. Als das Lamm sich zu bräunen begann, roch es gar lieblich, und Schmied Günther konnte sich nicht enthalten und stahl die Leber aus dem Leibe und steckte sie in den Mund und ass sie auf.

Nachdem der Braten gar war, kam Petrus aus dem Walde zurück, zerteilte das Lamm und sprach: »Wo ist die Leber?« – Antwortete Schmied Günther: »Lieber Petrus, weisst du denn nicht, dass Lämmer keine Leber haben?« – »Wo ist die Leber?« fragte Petrus zum zweiten Male; »Jedes Tier hat eine Leber und ein Lamm auch.« – »Du sprichst, wie du es verstehst!« erwiderte Schmied Günther; »Gewiss, ein Schaf hat eine Leber, aber ein Lamm noch nicht. Dem muss die Leber erst mit der Zeit wachsen. Vorher hat's nur Wasser im Leibe.« – »Das ist gelogen,« sagte Petrus. – »Wenn's nicht wahr ist, soll mich der Teufel holen!« rief Schmied Günther; denn er wusste ja, dass Jenner das gar nicht konnte, weil er daheim bei ihm auf dem Birnbaume sass. Da musste sich Petrus zufrieden geben; aber ganz zufrieden war er doch nicht, sondern er sprach: »Ich bin deiner Gesellschaft überdrüssig geworden; gieb den Beutel her, dass ich teile, was wir erfochten haben.« Schmied Günther gab ihm den Beutel, und Petrus machte drei Teile von dem Gelde, die waren bei Heller und Pfennig einander gleich. »Warum machst du drei Teile?« fragte Schmied Günther; »Wir sind doch nur zwei!« – »Der dritte Teil gehört dem, der die Leber gegessen hat,« antwortete Petrus. Da klopfte ihm Schmied Günther auf die Schultern und sagte: »Petruschen, dann bekomme ich noch einmal so viel, wie du. Mach dir nur keine Gedanken, ich habe die Leber gegessen.« Sprach's und strich die beiden Haufen ein. – »Es ist Sündengeld,« sagte Petrus, »aber weil du mir damals die schöne Sense geschmiedet hast, will ich dir doch noch ein Geschenk und einen guten Rat geben: Hier hast du zum Geschenk meinen Tornister, in den muss kriechen, was du hinein wünschst. Dann gebe ich dir den guten Rat: Sei nicht vorwitzig und mach keine Toten lebendig, es kostet dich dein Leben.« Damit sprang Petrus auf und war verschwunden, ehe sich Schmied Günther noch bedanken konnte.

»Ein guter Kerl ist's doch,« sprach Schmied Günther bei sich, »du hättest am Ende die Leber nicht essen sollen;« aber lange quälte er sich mit schweren Gedanken nicht ab, trank einen guten Schluck aus seiner Flasche, sprang auf und zog seiner Wege. Über eine Weile kam er in ein grosses Kirchdorf; da gingen die Glocken gar traurig: Bim-bam, bim-bam, bim-bam-bum! denn sie trugen des Edelmanns einziges Kind auf den Kirchhof. Da konnte es Schmied Günther nicht lassen, und er rief den Trägern zu: »Haltet, ihr Leute, ich will das Mädchen wieder lebendig machen.« Die Männer dachten, er sei von Sinnen und kehrten sich nicht an seine Worte. »Wenn ich's nicht[260] fertig bringe, mögt ihr mich hängen!« rief Schmied Günther. Da dachte der Edelmann, der hinter dem Sarge ging: »Wenn's so ist, wollen wir's versuchen.« Der Sarg wurde auf die Erde gesetzt, der Deckel geöffnet, und Schmied Günther trat an die Leiche, ergriff sie bei der Rechten und rief: »Tote, ich sage dir, stehe auf!« Aber der Leichnam rückte und rührte sich nicht. »Tote, ich sage dir, im Namen Gottes, stehe auf!« sprach Schmied Günther zum zweiten Male; aber es half wiederum nichts. Da wurde Schmied Günther ärgerlich und rief mit lauter Stimme: »In drei Teufels Namen, Tote, ich sage dir, stehe auf!« Schrien der Edelmann, die Träger und alle Leute, welche der Leiche nachfolgten, als sie die gottlosen Worte hörten: »Das ist ein Zauberer und Betrüger, der will uns zum Narren haben und das Mädchen dem Teufel übergeben!« fielen über Schmied Günther her, fesselten ihn an Händen und Füssen, warfen ihm eine Schlinge um den Nacken und schleppten ihn zum nächsten Baum, dass sie ihn daran hängten.

In der höchsten Not trat Petrus dazwischen und sprach: »Mensch gegen Mensch! Lasst ihr den Schelm laufen, wenn ich das Mädchen vom Tode erwecke?« Das versprach der Edelmann und alles Volk, das dabei stand; und Petrus ergriff die Leiche bei der Rechten und sprach zu ihr: »Tote, ich sage dir, stehe auf!« Da stand das Mädchen auf von seinem Totenbette und fiel dem Vater um den Hals, und der weinte vor Freude, und alles Volk drängte sich heran, um das Wunder zu schauen. Petrus aber fasste Schmied Günther an der Hand und führte ihn aus dem Gedränge an einen sicheren Ort. Dort ermahnte er ihn noch einmal, keine Toten zu erwecken; dann kehrte er in den Himmel zurück, von wo er gekommen war.

Schmied Günther zog vergnügt seiner Strasse, denn es war ihm gar nicht recht gewesen, dass er gehängt werden sollte; und als es Abend wurde, gelangte er an ein grosses Wirtshaus. Da wollte er die Nacht bleiben. »Nein, guter Freund,« antwortete der Wirt, »hier ist alles besetzt. Doch drüben im alten Schlosse ist Platz genug. Aber dass ich es gleich sage, wer dort übernachtet hat, ist noch stets am andern Morgen auf den Kirchhof getragen.« Das war so recht etwas für Schmied Günthers Magen, und er sprach sogleich zu dem Wirte: »Wenn er mir gut Braten und Brot vorsetzt, so will ich so lange in dem Schlosse bleiben, als er es verlangt.« Das war der Wirt zufrieden, und nachdem er gegessen und getrunken hatte, bekam er ein Licht in die Hand und wurde zum alten Schlosse gebracht. In der Nacht, als die Uhr 11 schlug und Schmied Günther schon längst in dem grossen Himmelbette lag, das in dem Schlosse stand, ging es rumpeldipumpel über alle Treppen; die Thüren wurden geworfen, die Fenster klirrten, und mit einem Male sprang auch die Thüre zu seiner Schlafkammer auf, und neun kleine, schwarze Teufelchen kamen herein gelaufen. Die gingen nun, wo sie wollten, seit ihr Vater auf dem Birnbaume sass, und trieben es von Tag zu Tag je länger, je ärger.

Es dauerte gar nicht lange, so begannen die neun Teufelchen[261] zu tanzen, und weil ihnen das Bett im Wege stand, fassten sie alle neun daran an, um es aus der Kammer zu schieben. »Das ist nicht mehr, wie billig,« dachte Schmied Günther, »wenn sie tanzen wollen, kann das Bett nicht in der Stube bleiben.« Damit kroch er aus den Federn und legte sich auf die harte Diele; den Tornister aber hatte er als Kissen unter dem Kopfe zu liegen. »So, ihr Teufelchen,« sprach er, als sie das Bett hinaus geschoben hatten und wieder herein gekommen waren, »nun nehmt euch aber in acht und tretet mich nicht!« Die neun Teufelchen hatten ihn aber zum Narren, und bald trat ihn der eine, bald der andere, bis Schmied Günther endlich zornig wurde und rief: »Alle neun Teufelchen in meinen Tornister hinein!« Hui! sassen sie drinnen, und er hatte Ruhe die ganze Nacht. Am andern Morgen kam der Wirt, um nachzusehen, was aus dem Gaste geworden sei; da lag derselbe frisch und gesund auf der Diele, und er hatte Mühe, ihn aufzuwecken. Als Schmied Günther wach geworden war, erzählte er dem Wirte alles, wie es gekommen war, und sie gingen beide, bis sie zur nächsten Schmiede gelangten. Dort musste der Meister den Amboss glühend machen, dann legte Schmied Günther den Tornister darauf, und nun schlugen er, der Meister und die Gesellen mit den schweren Schmiedehämmern auf den Tornister. Die neun Teufelchen quiekten wie die jungen Ferkel; aber allmählich wurde das Schreien sachter, und endlich hörte es ganz auf. »Nun sind sie tot,« sprach Schmied Günther, und der Tornister war auch wirklich ganz dünne geworden; als er ihn aber aufthat, sprang dennoch das kleinste Teufelchen heraus, das sich in einer Falte verkrochen hatte, und floh, so schnell es konnte, der Hölle zu. Von den acht andern war nur Staub und Asche geblieben.

Nun sollte Schmied Günther bei dem Wirte bleiben, dem er das Schloss erlöst hatte, der wollte ihn pflegen bis an seinen Tod; Schmied Günther litt es aber in der Fremde nicht länger, er kehrte nach Hause zurück, wo der Teufel und der Tod seiner schon mit Schmerzen harrten. »Mit mir ist's alle!« schrie der Tod, und auch der Teufel ächzte und seufzte, als ob es ans Sterben ginge. »Versprecht ihr mir, dass ihr nimmermehr an mir teilhaben wollt?« fragte Schmied Günther; und als ihm der Tod und der Teufel das zu geschworen hatten, liess er sie laufen. Aber auch ihm wollte seine Schmiede nicht mehr gefallen, er sehnte sich nach dem Himmel und stieg den schmalen Weg hinauf, der nach oben führt. »Wer da?« rief Petrus, als es pochte. »Schmied Günther!« antwortete der Meister. »Dann magst du hübsch draussen bleiben,« erwiderte Petrus, »warum hast du dir damals nicht die ewige Seligkeit gewünscht! Dort drüben in der Hölle bist du gut aufgehoben.« Da ging Schmied Günther zur Hölle; und als er dort anpochte, öffnete jemand die Thüre und steckte den Kopf heraus, um zu sehen, wer der Gast wäre. Schmied Günther hatte ihn aber sogleich erkannt, denn es war das Teufelchen, welches ihm damals aus dem Tornister entrann; und eins fix drei hatte er Drahtstift und Zange aus dem Tornister hervor geholt und das Teufelchen[262] mit seiner langen Nase an den Thürpfosten genagelt. Das gab ein grosses Geschrei in der Hölle, und die Teufel waren in solche Angst versetzt, dass sie um alles in der Welt Schmied Günther nicht einlassen wollten. Da musste er wohl oder übel sein Heil noch einmal an der Himmelsthüre versuchen; aber Petrus war unerbittlich. »Wenn du's nicht anders haben willst,« rief endlich Schmied Günther ärgerlich, »so wünsche ich dich in deinen eigenen Ranzen hinein, den du mir geschenkt hast!« Da sass Sankt Petrus auch schon drinnen, und Meister Günther schloss jetzt die Himmelsthüre auf und ward Pförtner an Petrus' Statt. Und das ist er geblieben bis auf diesen Tag.

Quelle:
Ulrich Jahn: Volksmärchen aus Pommern und Rügen l, Norden/Leipzig 1891, S. 256-263.
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