54. Die Maränen.

[281] Es war einmal ein König, der war in fremden Landen gewesen; und als er zurück kam, sagte er zu seinem Fischer: »Geh hinaus und wirf dein Netz aus und fang mir die Fische, welche ich auf meiner grossen Reise so gerne gegessen habe!« – »Was waren das für Fische?« fragte der Mann. »Das waren Maränen;« antwortete der König, »aber nun mach und eile dich, der Koch soll sie mir noch heute zum Mittagsmahle bereiten!« – »Herr König,« erwiderte der Fischer, »Maränen giebt's bei uns zu Lande nicht.« – »Ach was,« fiel ihm der König ins Wort, »du hast immer deine Mucken! Da ist der Jäger ganz anders. Jeden Vogel, welchen ich haben will, schiesst er mir auch.« – »Mit den Vögeln ist's ganz was anders, als mit den Fischen;« entgegnete der Fischer, »die Vögel leben in der Luft und fliegen durch die ganze Welt, aber von den Fischen braucht jeder sein besonderes Wasser. Und Maränen können hier nicht leben, darum giebt es sie bei uns auch nicht.« – »Schnack immer zu!« rief der König zornig, »Du schaffst mir aus dem See in drei Tagen ein Gericht Maränen zur Stelle oder du bist die längste Zeit mein Hoffischer gewesen!« Da wischte der Fischer aus dem Auge eine Thräne, ging vom Schlosse zum See und warf dort seine Netze aus.[281]

Er fischte den ersten Tag, und er fing auch Hechte, Aale, Zander, Barsche, Plötze und Breitlinge und noch manche andere Fische, aber Maränen waren in dem Netze nicht zu finden, so oft er auch auswarf. Als es Abend ward, ging er nicht nach Hause zu seiner Frau, der Fischerin, er arbeitete die ganze Nacht durch, und so blieb er bei den zweiten Tag und die zweite Nacht; doch am dritten Tage um die Mittagszeit, da war er totmüde und setzte sich auf den Bord seines Kahnes am Seeufer und starrte traurig vor sich hin. Da kam mit einem Male ein stattlicher Schiffer auf ihn zu, mit grossen Krempstiefeln und einem Piejäcket (kurze Jacke) angethan, und auf dem Kopfe hatte er einen gewaltigen Südwester. »Guten Abend, Kollege!« sagte er lustig; »Warum so traurig? Darf ein Fischer auch traurig sein!« – »Ja, du hast gut reden,« antwortete der Fischer, »ich soll in diesem See Maränen fangen, und die giebt's hier doch nicht.« – »I, was du meinst,« rief der Fremde, »in diesem See giebt's alle Arten Fische, so werden auch Maränen darin sein!« – »Du redest, wie der König,« versetzte der Fischer ärgerlich, »und der redet so klug oder so dumm, als er es versteht.« – »Na, nur nicht hitzig, Kollege Fischer,« sprach der Fremde, »versprichst du mir zu geben, was in deinem Hause verborgen ist, wenn es vierzehn Jahre alt geworden ist, so sollst du sehen, dass du auf den nächsten Zug Maränen über Maränen fängst.« – »Was ich in meiner Hütte verborgen habe, magst du gerne bekommen,« lachte der Fischer, »du wirst aber wenig finden.« – »Um so besser,« sagte der Fremde, »aber gieb's mir schriftlich.« Dann zog er aus seiner Tasche Schreibzeug und Papier, und der Fischer verschrieb dem fremden Manne, dass er bekommen solle, was in seinem Hause verborgen sei, sobald es vierzehn Jahre alt geworden, wenn er auf den ersten Zug Maränen finge. Und nachdem der Vertrag aufgesetzt war, unterzeichnete er ihn mit seinem eigenen Blute. – Der Fremde steckte das Schriftstück zu sich und entfernte sich wieder.

»Du willst doch sehen, ob er recht hat,« sagte der Fischer neugierig und warf, so müde er auch war, das Netz noch einmal aus. Als er es wieder heraufziehen wollte, schien es ihm schwerer, denn je zuvor. Er zog und zog und brachte das Netz endlich so weit, dass er die Fische, die darin waren, sehen konnte. Richtig, es waren Maränen; und er liess voll Staunen das Netz wieder fahren und ruderte zum Strande, damit er Leute vom Schlosse herbei hole, die ihm das Netz herauf ziehen hülfen. Um zu der Dienerschaft zu gelangen, musste er durch den grossen Schlossgarten, und mitten darin begegnete ihm der König und sagte zu ihm: »Nun, Fischer, weisst du schon? Heute Morgen ist zur selben Stunde, wie meine Frau, die Königin, auch dein Weib niedergekommen. Mein Kind ist ein Mädchen, das deine ein Knabe; da habe ich ihn sogleich aus der Hütte auf das Schloss bringen lassen, damit er mit meiner Tochter zusammen aufgezogen werde.« – »Das ist mir schon recht!« antwortete der Fischer, »Bis er vierzehn Jahre alt ist, mag der Junge immerhin mit der Prinzessin zusammen leben; dann gehört er nicht mehr mir, sondern[282] dem Teufel.« Denn jetzt wusste er, wer der fremde Schiffer gewesen war. »Was ist das wieder für ein dummes Gerede?« sprach der König, »Was soll denn das heissen?« Da erzählte ihm der Fischer alles, wie es gekommen war, und der König fiel fast um vor Schrecken und sagte: »Aber Fischer, nun dient er mir schon über zwanzig Jahre, und noch nie hat er mein Wort auf die Goldwage genommen! Wie hätte ich ihn denn um der Maränen willen aus dem Dienste entlassen?« – »Ja, nun ist's einmal so gekommen!« meinte der Fischer; »Und was soll ich jetzt mit den Maränen machen?« – »Von den Teufelsfischen esse ich mein Lebtage nicht!« erwiderte der König, »Mögen sie schwimmen im See, so lange sie wollen. Und dein Sohn bleibt bei mir, bis er vierzehn Jahre alt geworden ist.« – Der Fischer ging darauf in die Hütte zu seiner Frau, erzählte ihr aber nichts von dem ganzen Handel; und auch der König hielt reinen Mund, und die Sache blieb ein Geheimnis zwischen den beiden lange Zeit.

Der Knabe wurde inzwischen in des Königs Hause erzogen, als wäre er ein wirklicher Prinz. Er lernte alles, was man in der Welt erlernen kann, und kein Hauptmann vermochte besser mit seinen Leuten auszukommen, als er trotz seiner jungen Jahre mit den Soldaten umging. Der König gewann ihn darum von ganzem Herzen lieb; und als das vierzehnte Jahr sich seinem Ende näherte, wurde er von Tag zu Tage trauriger. »Vater,« sagte der Prinz eines Morgens, »warum seht Ihr jetzt immer so traurig aus?« Der König antwortete, das schiene ihm nur so, er sei gar nicht betrübt; und der Prinz gab sich damit zufrieden. Aber jeden Morgen fiel ihm die Sache wieder auf, und er wiederholte dieselbe Frage.

Den Tag, ehe der Junge sein vierzehntes Lebensjahr vollendet hatte, ward dem Alten das Herz zu schwer; er nahm darum den Prinzen beiseite und erzählte ihm alles, wie es gekommen sei, dass er nur sein Pflegevater wäre und dass sein Vater, der Fischer, ihn vor der Geburt an den Teufel verkauft habe. – »Was mein Vater gethan hat, das geht mich nichts an,« antwortete der Junge trotzig. »Da bist du im Unrecht,« sagte der König, »was der Vater einbrockt, das muss der Sohn ausessen. Mach dich also bereit, dass du mit dem Teufel zur Hölle fährst.« Das war dem Jungen gar nicht recht, und er jammerte und weinte den ganzen Tag. Gegen Abend kam ein steinaltes Männchen auf ihn zu und drückte ihm ein kleines Buch in die Hand und sagte: »Das steck zu dir und wirf es nie fort, es wird dein Glück sein!« Dann verliess es ihn wieder, und der Knabe that, wie ihm das Graumännlein geboten hatte.

Am andern Morgen erschien der alte Fischer auf dem Schlosse, nahm den Jungen bei der Hand und führte ihn, nachdem er sich noch zuvor ein Stückchen Weissbrod eingesteckt hatte, wie er war, in seiner prinzlichen Kleidung zum Seeufer hinab. Dort wartete der Teufel schon ein gutes Weilchen, und ehe der Knabe wusste, wie ihm geschah, und ehe er seinem Vater ein Lebewohl sagen konnte, hatte ihn der Böse mit den Krallen ergriffen und fuhr mit ihm schräg weg in die[283] Luft empor. Der Alte stand unten und sah ihnen nach und weinte bitterlich. Und der Teufel und der Knabe wurden kleiner und kleiner; endlich konnte er nur noch einen kleinen schwarzen Punkt am blauen Himmelsgewölbe unterscheiden, und noch ein paar Augenblicke, so war auch der kleine schwarze Punkt verschwunden. Da wandte der Fischer sich um und kehrte schweren Herzens in seine Hütte zurück.

Indessen hatte der Teufel mit dem Jungen viele hundert Meilen zurückgelegt. Mit einem Male that er den Mund auf und sagte: »Du hast etwas bei dir, und das wirst du wegwerfen!« – »Das werde ich bleiben lassen!« antwortete der Junge. Nach einer Weile hub der Teufel von neuem an und sprach: »Du hast etwas bei dir, und das wirfst du fort, sonst lass' ich dich in das tiefe Meer fallen!« – »Das thu nur!« gab ihm der Junge zurück. Aber der Böse that es nicht, sondern flog noch ein paar hundert Meilen mit ihm. Da ward's ihm aber zu viel, und er rief: »Ich weiss, du hast etwas bei dir, das ist ein kleines Buch; und wirfst du's nicht fort, so geht es dir schlecht!« Weil der Junge aber das Buch durchaus nicht fahren lassen wollte, so liess er sich mit ihm auf die Erde herab. Kaum hatten sie jedoch festen Boden unter den Füssen, so zog der Knabe geschwind seinen Degen und beschrieb damit einen Kreis um den Teufel im Sande und schlug ein Kreuz darein. Da war der Böse gefangen und konnte nicht vorwärts und nicht rückwärts. »Willst du den Kreis öffnen, Schelm!« schrie er zornig; aber der Junge that, als höre und sehe er nichts, und ging seiner Wege. Jetzt wurde der Teufel ein gut Teil sanftmütiger und sagte freundlich: »Ach, lass doch die Streiche und tritt den Kreis aus!« – »Das magst du selber besorgen,« entgegnete der Junge, »ich will nichts mehr mit dir zu schaffen haben.« Sprach's und setzte seinen Weg fort. Nun wurde dem Bösen himmelangst zu Mute, denn er fürchtete, er möchte hier in der Wildnis stehen bis an den jüngsten Tag, und er bat und flehte, der Knabe möge ihm seine Freiheit wieder schenken. Als der Junge merkte, dass der Teufel mürbe geworden sei, sprach er zu ihm: »Ich will dich aus dem Kreise lassen, wenn du mir das Schreiben, welches du mit meinem Vater aufgesetzt hast, zurück giebst und mir ausserdem einen Schein ausstellst, dass du auf ewig an mir keinen Teil haben wollest.« Das schien dem Bösen zu hart, und er sagte: »Darauf gehe ich nicht ein.« – »Dann steh in dem Kreis, bis du schwarz wirst!« erwiderte der Junge und kehrte dem Teufel den Rücken. Schon hatte er ein gut Stück Weges zurückgelegt, da schrie der Böse von ferne: »Meinetwegen, du sollst bekommen, was du haben willst.« Darauf zog er den Pakt mit dem Fischer hervor und schrieb einen neuen Schein, dass er an dem Jungen keinen Teil haben wolle, und unterzeichnete ihn mit seinem Blute. Als der Knabe die beiden Schreiben in den Händen hatte, trat er den Kreis mit dem Fusse aus und verwischte das Kreuz, und in demselben Augenblicke hatte sich auch schon der Teufel in die Lüfte gehoben und war verschwunden.

Als er des Bösen ledig war, sah der Junge erst, wo er sich befand.[284] Das war eine unendlich weite Ebene; nichts als Himmel und Sand, wohin man auch schauen mochte. Nirgends war ein Baum oder Strauch zu sehen, und nur ab und zu wuchsen im Sande zerstreut spärliche Kräuter. Er musste darum machen, dass er aus der Wüste heraus kam, und er schritt rüstig aus, immer der Nase entlang. Den ersten Tag ging es so leidlich, da hatte er noch von dem Weissbrot, welches er aus dem Schlosse seines Pflegevaters mit auf die Reise genommen; aber vom zweiten Morgen an musste er Hunger und Durst mit den Blättern und Wurzeln der wilden Kräuter stillen, die er unterwegs fand. So ging er sechs Wochen lang, und er glaubte schon nimmermehr aus der Wüstenei zu kommen in ein fruchtbares Land, als er plötzlich vor sich einen kleinen Hügel erblickte, der aussah, wie ein Anberg, den der Wind zusammen weht. Er ging um den Sandhaufen herum, und, siehe, da erblickte er auf seiner Rückseite eine kleine hölzerne Thür. »Wo eine Thür ist, da werden auch Menschen sein,« dachte er bei sich; und damit klopfte er an und trat in den Hügel hinein. Drinnen befand sich eine freundliche, kleine Stube, und vor einem Tische sass ein alter Mann, der fragte ihn: »Wo kommst du her? und was willst du bei mir? Ich sitze hier nun schon so viele Jahre, und noch niemals hat mich ein Mensch in meiner Einsamkeit aufgesucht!« Da erzählte ihm der Junge, wie es ihm gegangen sei, und der Alte antwortete: »Wenn du willst, kannst du bei mir bleiben. Du erhältst zu essen und zu trinken, was dir beliebt; aber du hast auf ein Gebot und auf ein Verbot zu achten. Du musst, wenn du ausgehst aus dem Hügel, immer den Weg zur Linken einschlagen, und du darfst niemals zur Rechten dich wenden.« Der Junge versprach dem Alten, sich darnach zu richten; er ass und trank jeden Tag, so viel er wollte, und was er begehrte, das war allsogleich zur Stelle, und er ging niemals den rechten Weg, sondern immer den linken, und das that er zehn Jahre lang.

Eines Tages dachte er bei sich: »Es ist doch Jammer und Schande, dass du in dem elenden Sandhügel dein junges Leben verliegest; du wirst einmal das Gebot übertreten und zur Rechten gehen, mag kommen, was will!« Und der Gedanke liess ihm keine Ruhe, bis er aus dem Hügel heraus gegangen war und den verbotenen Weg eingeschlagen hatte. Siehe, da war's ein fester Fusssteig, so fest, dass er gewiss alltäglich von zwanzig Mann betreten wurde. Das kam ihm absonderlich vor, wie das in der Wüstenei zu erklären sei, wo er ausser dem Alten in zehn Jahren keinen einzigen Menschen gesehen hatte, ihm wurde gruselich zu Mute, die Haare stiegen ihm zu Berge, und er machte, dass er wieder in die Stube zu dem Alten zurückkam. Der merkte ihm sogleich an, dass er ungehorsam gewesen war, und sagte zu ihm: »Warum siehst du so verstört aus?« – »Ich habe dein Gebot übertreten, Väterchen,« antwortete der Junge »es war mir über geworden, immer zur Linken zu gehen.« – »Und ich hatte dir doch befohlen, mir zu gehorchen,« sprach der Alte, »sonst ginge dir's schlecht.« – »Vater,« sagte der Junge, »es wird nicht so[285] schlimm sein, dass du es mir nicht vergeben könntest?« – »Nun ja, so soll es dir vergeben sein,« versetzte der Alte, »aber thu's künftig nicht wieder.« Damit hatte die Sache ihr Bewenden, und der Jüngling mied den Weg zur Rechten noch ängstlicher, wie zuvor, einige Wochen lang.

Eines Morgens kam ihm jedoch wieder der Gedanke: »Du verliegst hier dein junges Leben, es ist Jammer und Schande, dass du deine Tage in dem elenden Hügel verbringst.« Diesmal war er aber klüger und offenbarte dem Alten seine Not und sprach zu ihm: »Vater, was hat es denn mit dem Weg zur Rechten auf sich, dass ich ihn nicht betreten darf?« – »Wer den Weg geht,« antwortete der Alte, »der muss fest sein, sonst eilt er dem Tode entgegen.« – »Wenn's weiter nichts ist,« erwiderte der Junge, »dann will ich mich auf die Fahrt machen. Fest bin ich; denn ich habe schon mit Hölle und Teufel zu thun gehabt und bin nicht mürbe geworden.« – »Wenn's dein Wille ist, so geh,« entgegnete der Alte, »ich habe dir nichts zu befehlen und kann dich nicht zurückhalten. Aber sei fest, das ist mein Rat.« Da bedankte sich der Jüngling bei dem Alten für all das Gute, das er bei ihm genossen hatte, sagte ihm ein freundliches Lebewohl und ging zur Thüre hinaus und schlug den Weg zur Rechten ein. Eine Zeit lang ging es auf ebener Strasse, dann wurde der Weg abschüssig, dass er kaum noch langsam zu gehen vermochte, und es dauerte gar nicht lange, so stand er vor einer eisernen Pforte, die in eine Bergwand hinein führte.

Er nahm den Drücker in die Hand; und da die Thür nach innen ging, so klinkte er auf und stemmte sich mit dem Körper dagegen. Aber er hatte das gar nicht nötig gehabt; denn kaum war der Drücker nach unten geklinkt, so bekam er von unsichtbaren Händen einen Stoss und flog in einen dunklen Gang, und hinter ihm wurde die Pforte mit grossem Gekrach wieder zugeworfen. Das schien ihm wunderlich, und er tappte und tastete mit den Händen, dass er die Klinke in die Hand bekäme und die Thüre wieder öffne; aber so sehr er sich auch anstrengte, es wollte ihm nimmer gelingen. Da beugte er sich zur Erde nieder und griff nach dem Boden; der war fest und glatt, als wenn er gemauert wäre. »Ach wäre doch ein Fenster, dass ich sehen könnte!« seufzte er von ganzem Herzen auf, und sogleich war es lichter Tag um ihn her, und er befand sich in einem grossen Gemach, hoch und luftig; aber an ein Herauskommen war nicht zu denken, denn die Thüre blieb verschlossen und das Fenster war mit grossen Eisengittern versehen.

»Jetzt wäre es hier schon zu ertragen, hätte ich nur Tisch und Stühle zur Stelle!« sprach der Junge vor sich hin; und sogleich stand ein fest gearbeiteter Tisch in der Mitte der Stube und Stühle davor. »Wenn man hier nur zu wünschen braucht, um etwas zu erlangen, so ist's gut,« dachte er, und wünschte sich das schönste Essen und Trinken herbei. Und es kam; doch als er satt gegessen und getrunken hatte, verschwand es sofort. Als die Sonne untergegangen war, sprach[286] er: »Jetzt bin ich müde und möchte schlafen gehen. Hätte ich doch ein Licht zum Leuchten und ein Bettchen, dass ich mich darein legte und schliefe!« Sogleich stand ein Leuchter auf dem Tisch und eine grosse, hellbrennende Kerze darauf, und dabei lag eine Lichtputzschere, um den Docht zu schnäuzen und zu säubern. Und noch ein Weilchen, so rollten zwei Betten herein, die waren weiss, wie frischgefallener Schnee. »In welches legst du dich nun?« sprach der Jüngling bei sich. Bald schien ihm das eine besser und bald das andere; endlich sagte er: »So gross wird der Unterschied nicht sein!« that seine Kleider von sich und legte sich in das erste beste hinein; aber so weich er auch lag, kein Schlaf wollte ihm in die Augen kommen.

Drei Viertel vor elfe sprang plötzlich die Thüre auf, und eine schwarze Jungfrau trat herein. Die sah vergrämt aus, als wenn es ihr sehr schlecht ginge; und nachdem sie sich in dem Zimmer umgesehen hatte, schritt sie auf des Jungen Bett zu und sagte: »Jetzt liegt er und schläft. Ach, wenn er doch nur nicht aufwachen würde, wenn sie zum Kartenspielen kommen; es wäre mein Unglück und sein Tod.« Dann machte sie sich noch ein wenig in dem Zimmer zu schaffen und verschwand wieder. Es dauerte nicht lange, so schlug die Uhr elf, und drei Kerle traten herein und setzten sich an den Tisch. »Was wollen wir heute beginnen?« sagte der eine zum andern. »Ich dächte, wir spielten Karten,« warf der dritte dazwischen. »Wo sollen wir denn aber den Vierten hernehmen?« meinte der erste. »Den haben wir schon,« rief der zweite, »da liegt ja einer im Bett und schnarcht, dass die Wände zittern. Heda, Landsmann, wach auf und mach mit uns ein Spielchen!« Aber der Junge that, als habe er nichts gehört, und schnarchte ruhig weiter. Da standen die drei auf und rüttelten und schüttelten ihn; aber er liess sich das nicht anfechten und hielt die Augen geschlossen. »Warte nur,« sagten die Kerle, »das ist einer mit dickem Fell, aber wir wollen dich schon kriegen!« Dann stellten sie sich im Dreieck auf, rissen den Jungen aus dem Bett und warfen ihn sich einander zu und spielten Fangball mit ihm. Das gab Knüffe und Püffe genug, und er dachte oft, jetzt gälte es das Leben, aber er blieb fest; und plötzlich schlug die Uhr zwölf, und die Kerle verschwanden wieder, und er lag in seinem Bette frisch und munter, wie zuvor, und erwachte erst, als die Sonne hoch am Himmel stand.

Der zweite Tag verging ihm, wie der erste. Er wünschte sich alles, was er brauchte; und sobald er den Wunsch ausgesprochen hatte, stand das Begehrte vor ihm. Als er am Abend in seinem Bette lag, trat die schwarze Jungfrau wieder an ihn heran und sagte: »Hier liegt er und schläft. Ach, wenn er doch im Schlaf bliebe und nicht munter würde, es wäre mein Unglück und sein Tod; doch er wird wohl aufwachen, denn heute treiben sie's mit ihm arg.« Der Junge that, als höre er von ihren Reden nichts und schnarchte weiter; aber als sie hinausging, blinzelte er ihr mit den Augen nach und ward gewahr, dass sie schon zur Hälfte weiss geworden war. Das ermutigte ihn, auch diese Nacht auszuhalten, es möge noch so schlimm[287] kommen. Und es kam wirklich schlimm genug. Denn als diesmal die drei Kerle in das Zimmer getreten waren und eine Zeitlang vergebens versucht hatten, ihn zum Kartenspielen zu bewegen, sprach der eine von ihnen: »Das ist ein Nichtsnutz, der will uns zum Narren haben; heute braucht er nicht müde zu sein, hat er doch gestern die ganze Nacht geschlafen.« – »Lass es doch gut sein,« besänftigten die beiden andern, »er mag sich sorgen und Furcht vor uns haben!« Dann redeten sie ihm freundlich zu, er möge doch mit ihnen spielen; und wenn er die Karten nicht kenne, so brauche er ja nur ein Wort zu sagen, und sie liessen ihn in Frieden. Aber der Jüngling dachte an des alten Mannes im Sandhügel Wort und blieb fest, und es kam kein Laut über seine Lippen. Als die drei Kerle sahen, dass es so mit ihm stünde, wurden sie über die Massen zornig; der eine holte einen Klotz herein, der andere ein Beil, und der dritte zerrte ihn aus dem Bette heraus und warf ihn auf den Hauklotz. Und sie hieben ihm den Kopf ab mit dem Beile und hackten den ganzen Körper kurz und klein, dass er aussah, wie Wurstfleisch. Sobald jedoch die Glocke zwölf schlug, nahmen sie ihn und warfen ihn in das Bett und eilten dann zur Thüre hinaus. In demselben Augenblick wurde auch der Jüngling wieder gesund und munter, wie er vorher gewesen war, drehte sich auf die andere Seite und schlief bis zum lichten Morgen.

In der dritten Nacht öffnete sich wieder drei Viertel vor elf die Thür, und die Jungfrau trat herein. Diesmal sah sie aber schneeweiss aus und war über alle Massen schön. Sie trat an das Bett, in dem der Junge lag, und sprach vor sich hin: »Da liegt er und schläft! Ach, wenn er doch im Schlafe bliebe und nicht munter würde, es wäre mein Unglück und sein Tod. Doch er wird wohl aufwachen, denn was er heute zu bestehen hat, das ist allzu schwer.« Dann wandte sie sich der Thüre zu und verschwand. Nicht lange darauf, so schlug die Uhr elf, und es kam von draussen jemand hastigen Schrittes an das Fenster gelaufen und rief: »Bist du hier, mein Sohn? Siehe, ich bin dein Vater, und ich habe dich so viele Jahre gesucht, bis ich dich jetzt hier gefunden. Mach auf, mein Sohn, und antworte deinem Vater!« Der Jüngling erschrak, denn es war seines Vaters Stimme, die er draussen vernahm; dann gedachte er aber an die Worte der Jungfrau, und er sprach bei sich: »Du magst der Teufel sein, aber mein Vater bist du nicht.« Die Stimme draussen klagte immer leiser und leiser, bis sie endlich verstummte.

Nach einer kleinen Weile vernahm er wiederum Tritte vor dem Fenster, und diesmal war's die Stimme seiner Mutter, die rief: »Bist du hier, mein Sohn? Ach, dann steh auf und öffne uns die Thür. Siehe, ich bin deine Mutter, die dich zur Welt gebracht. Steh auf, mein Sohn, dass ich dich umarme und küsse.« Aber der Jüngling sprach wieder bei sich: »Du magst der halben Welt Mutter sein, die meinige bist du nicht,« und er blieb ruhig liegen. Jetzt klagten aber beide zusammen. Der Vater schrie: »Verzeih mir mein Sohn, dass[288] ich dich dem Teufel verkaufte! Ich hab's gethan, aber ich musste es thun, denn Brot schmeckt süss, und ich mochte nicht Hungers sterben. Nun, da ich dich gefunden, denk nicht mehr an die alten Geschichten und vergieb deinem Vater!« Und die Mutter klagte: »Was hab' ich dir denn gethan, mein Sohn? Hadere mit deinem Vater, aber nicht mit mir! Mach mir doch auf, ich bin ja deine Mutter!« Und dann riefen sie zusammen: »Lass doch deine Eltern herein in die Stube, dass wir nicht erfrieren in der kalten Nacht und die wilden Tiere uns zerreissen und fressen!« Und das sprachen sie so traurig und ganz so, wie sein lieber Vater und seine liebe Mutter früher zu ihm gesprochen hatten, dass er dachte: »Das kann doch kein Teufelsspuk sein, das sind meine armen, alten Eltern!« Und er that den Mund auf und wollte gerade hinausschreien: »Ja, ich bin's, kommt nur herein, Vater und Mutter!« da schlug die Uhr zwölf, und die Stimmen draussen verstummten, und er biss in die Bettdecke hinein, und es kam kein Laut über seine Lippen.

Darauf schlief er ein, und als er am andern Morgen erwachte, wünschte er sich wie gewöhnlich Wasser zum Waschen und Kaffee und Kuchen zum Morgenimbiss; aber so sehr er auch wünschte, es war nichts zur Stelle. Das nahm ihn Wunder, und er richtete sich auf in seinem Bette und schaute um sich; da lag er in einem herrlichen Königsgemach, und am Thürpfosten lief ein mit Perlen gestickter Klingelzug herab, und unten daran befand sich ein goldener Griff. Er kannte königliche Pracht und Herrlichkeit aus seines Pflegevaters Schlosse her, aber hiergegen war das alles ein Wind. Sobald er an der Klingel gezogen hatte, erschienen zwei Diener, die fragten: »Was befiehlt unser Herr, der König?« Da gebot er ihnen, dass sie ihm königliche Kleider herbei schafften; und als sie ihm dieselben gebracht und angelegt hatten, öffnete sich die Thüre, und die schöne Jungfrau trat herein. Die fiel ihm um den Hals und sagte zu ihm: »Du hast mich befreit, ich bin die Prinzessin des verwünschten Reiches, das du durch deine Festigkeit erlöst hast. Und wenn du willst, so kannst du mich zur Frau bekommen.« Das war der Junge wohl zufrieden, und nachdem er die Wachtparade über seine Soldaten abgenommen hatte, wurde die Hochzeit mit grosser Pracht und Herrlichkeit gefeiert, und er lebte in Glückseligkeit und Freude mit seiner Gemahlin ein ganzes Jahr.

Endlich liess ihm die Sehnsucht nach Vater und Mutter und nach seinen Pflegeeltern keine Ruhe mehr, und er sagte darum eines Morgens zu seiner Frau, der Königin: »Wenn du nichts dagegen hast, so würde ich wohl gerne einmal in mein Vaterland zurückkehren, um die Meinen zu besuchen und meine alten Eltern mit mir zu nehmen in mein Reich.« – »Deine Angehörigen besuchen, das soll dir unverwehrt sein,« antwortete die Königin, »das ist nicht mehr wie billig; aber deine Eltern darfst du nicht mit dir nehmen in dies Königreich!« – »Warum denn nicht?« fragte der König. »Bis zu deines Pflegevaters Land sind viele tausend Meilen,« erwiderte die Königin, »aber[289] unten im Stalle steht ein Schimmel, der trägt dich in einem Tage dorthin. Er kann aber nur einen Menschen tragen und nicht drei; darum darfst du nimmermehr deine Eltern mit dir bringen in dieses Reich.« Das sah der junge König ein. Der Schimmel wurde aus dem Stalle geführt, und nachdem er sich alle Taschen voll Goldgeld gesteckt hatte (denn Gold wird nach dem Gewichte bezahlt und gilt in der ganzen Welt gleich viel) schwang er sich auf das Ross. Ehe er aber seiner Frau ein Lebewohl zurief, sagte sie ihm: »Hüte dich, lieber Mann, und lobe weder mich noch mein Land, wenn du zu deinem Pflegevater kommst, und mach es auch nicht schlecht. Übertrittst du dies Gebot, so wirst du unglücklich dein Leben lang.« Der junge König versprach, in allem zu folgen, gab seinem Schimmel die Sporen und ritt davon. Der Schimmel lief aber nicht auf ebener Erde, sondern hub sich hoch in die Luft und rannte so schnell wie der Wind über die Wolken dahin. Und als die Sonne unterging, liess er sich nieder, und sie hielten dicht vor dem kleinen Häuschen, in dem die alten Fischersleute ihr Wesen hatten. Dort sprang der junge König vom Schimmel herab, ergriff ihn am Zügel und leitete ihn bis vor die Thüre. Der Fischer und seine Frau traten heraus und verbeugten sich tief vor ihrem Sohne; dann fragten sie ehrerbietig, was der gnädige Herr von ihnen wolle. »Ich bin müde vom langen Ritt, und mein Pferd hat sich den einen Fuss lahm gelaufen,« sagte der König, »und darum bitte ich euch, dass ihr mich die Nacht bei euch behaltet.« – »Das geht nicht an,« entgegnete die Fischersfrau und war schier des Todes erschrocken, »da drüben in dem Schloss seid Ihr besser aufgehoben! Bei solch armen Leuten, wie wir sind, könnt Ihr nicht bleiben.« – »Nun, ihr werdet doch einen Stall für mein Pferd und eine Streu für mich haben,« meinte der König; und als die beiden Alten das zugegeben hatten, zog er einen Dukaten aus der Tasche und gebot der alten Frau, in die Stadt zu gehen und dort etwas Gutes für den Abend zu besorgen. Der Fischer führte inzwischen den Schimmel in den Stall, und als sein Weib zurückgekehrt war, setzten sie sich nieder und assen und liessen es sich gut schmecken.

Nach der Mahlzeit hub der junge König an und sprach: »Habt ihr denn gar keine Kinder, dass ihr so allein seid?« Da fingen die beiden Alten bitterlich an zu weinen und antworteten: »Ja, wir hatten einen Sohn, das war ein kluger, prächtiger Junge; aber er wurde schon vor der Geburt dem Teufel verkauft. Und als er das vierzehnte Jahr vollendete, hat ihn der Böse geholt und mit sich in die Hölle genommen.« – »An den Teufel habt ihr euren Sohn verkauft?« warf der junge König dazwischen und schüttelte mit dem Kopfe; und die alten Leute hörten nicht auf zu weinen und erzählten ihm, wie alles gekommen sei. Als sie die Geschichte zu Ende gebracht hatten, konnte er es nimmermehr aushalten. »Würdet ihr's glauben,« rief er, »dass ich euer Sohn sei?« – »Nein, das glauben wir nimmermehr,« antworteten die Alten einstimmig. – »Ausserdem hatte unser Sohn ein Mal auf der Brust,« sagte des Fischers Frau. Da öffnete der junge[290] König Rock und Hemd und wies ihnen das Mal. Jetzt war aber die Freude gross, und der Fischer lief spornstreichs auf das Schloss, damit der alte König das Wunder erführe. Der kam auch alsbald in seinem Wagen herbei gefahren, und der junge König stieg mitsamt den Fischersleuten hinein, und dann fuhren sie wieder auf das Schloss zurück. Dort wurde noch einmal das Wiedersehen gefeiert, und der junge König musste haarklein erzählen, wie es ihm in den vielen Jahren ergangen sei.

Am andern Tage stellte der alte König seinem Pflegesohn zu Ehren eine grosse Parade an; und als die vielen Soldaten in Reih und Glied bei ihnen vorbei marschierten, warf er sich in die Brust und fragte stolz: »Nun, mein Sohn, hast du in deinem Reiche auch so stattliche Soldaten?« – »Ach, mein Vater,« erwiderte der junge König, »dein rechter Flügelmann ist noch drei Zoll kleiner, als mein linker.« Da biss sich der alte König auf die Lippen, erklärte die Parade für beendigt und kehrte mit seinem Pflegesohne in das Schloss zurück. An dem Thore wartete ihrer die Prinzessin, die mit dem jungen König zusammen erzogen war. Da fragte er wieder: »Nun, mein Sohn, ist deine Frau, die Königin, auch so schön wie meine Tochter?« – »Ach, mein Vater,« versetzte der junge König, »meine Frau hat unter den Sohlen eine zartere Haut, als deine Tochter in ihrem Gesicht.« Das war denn doch eine zu arge Beleidigung; und der König liess Diener kommen, die mussten den jungen König ergreifen und ihn bei Wasser und Brot in einen Kerker werfen, den nicht Sonne noch Mond beschien. Dort konnte er darüber nachsinnen, was ihm seine Frau vor der Abreise gesagt hatte: »Hüte dich, bei den Deinen Schlechtes oder Gutes von mir und meinem Lande zu reden.«

Nachdem er genugsam gejammert und geklagt hatte, sann er auf Rettung. Die Not war gross, denn am neunten Tage sollte er hingerichtet werden; so hatte es der König befohlen. Nun war ein kleines Loch in der Mauer, durch das sah er hindurch und wurde draussen Kinder gewahr, die vor dem Schlosse spielten. Schnell warf er ein paar Goldstücke unter sie, und als sie dieselben aufgerafft hatten, liefen sie an die Mauer, um noch mehr zu erlangen. »Ihr seid gute Kinder,« rief der Gefangene aus dem Kerker heraus, »und der soll eine ganze Hand voll Goldstücke erhalten, der hinab an den See zu den alten Fischersleuten läuft und mir von dort den Schimmel aus dem Stalle bringt!« Die Jungen liefen, so schnell sie ihre Füsse zu tragen vermochten; aber schon nach kurzer Zeit kehrten sie zurück und riefen: »In dem Stalle des Fischers steht kein Schimmel mehr, der ist ver schwunden!« Da war auch der letzte Trost hin, und er gab alle Hoffnung auf Rettung verloren und bereitete sich auf seinen Tod vor.

Zwei Tage hatte der junge König schon in dem Kerker zugebracht, da erscholl am dritten die Botschaft im Schloss: »Ein gewaltig grosses Heer lagert vor der Stadt!« Und ehe der alte König[291] noch recht wusste, wie ihm geschah, kam ein Bote zu ihm geritten, der überreichte ihm einen Brief, und als er ihn öffnete, stand darin: »Giebst du mir nicht augenblicklich meinen Mann heraus, so liegt die Stadt in zwei Stunden in Asche. Willst du ihn mir nicht im Guten geben, so werde ich ihn mit dem Schwerte holen.« Da ward dem König himmelangst, und er sagte dem Boten, er würde in kurzer Frist selbst vor seiner Herrin erscheinen. Dann musste der Kerkermeister den Turm aufschliessen, und der junge König wurde herausgeführt; darauf setzte er sich mit dem alten König in den Sechsspänner, und sie fuhren zusammen vor die Stadt hinaus in das Lager der Königin.

»Hier hast du deinen Mann wieder,« sprach er zu ihr, »und ich hätte ihn nicht in den Kerker geworfen, wenn er mich nicht so schlecht behandelt hätte.« Da schloss die Königin mit ihm Frieden, und sie kehrten gemeinsam auf das Schloss zurück, um sich an Speise und Trank zu ergötzen. Der alte König musste sich aber gestehen, dass sein Pflegesohn die Wahrheit gesprochen, denn von seinen Soldaten war wirklich der linke Flügelmann noch drei Zoll grösser, als sein rechter; und die Königin gar sah aus, wie die Sonne am Himmel, und war die schönste Frau, die man auf dem Erdboden finden konnte. Als sie nun gegessen und getrunken hatten und die Königin mit ihrem Manne allein war, that sie ihm einen Schlaftrunk in seinen Becher, und er trank daraus und fiel sogleich in einen tiefen Schlaf. Als er wieder erwachte, war die Königin verschwunden. Nur ein Paar eiserne Schuhe und ein eiserner Knotenstock standen neben ihm, und dabei lag ein Briefchen, darin hatte sie geschrieben: »So wenig du die eisernen Schuhe zerreissen und den eisernen Stock zerwandern kannst, so wenig kannst du jemals dein Königreich und deine Gemahlin wieder erlangen. Behüt dich Gott, lieber Mann, lebe wohl!«

Betrübt zog der junge König die Eisenschuhe an; dann ergriff er den eisernen Knotenstock und schlich aus dem Schlosse und ging zum See hinab in das Häuschen seiner Eltern. Dort zählte er ihnen all das Gold, das er mit sich aus dem erlösten Königreiche genommen hatte, auf den Tisch und sagte zu ihnen: »Nehmt das und bereitet euch davon ein sorgenloses Alter! Und wenn euch künftig jemand fragt: Wo ist euer Sohn? so antwortet, dass ihr niemals einen Sohn gehabt habt, wie auch ich von jetzt ab euch verleugnen werde.« Darauf gab er den beiden Alten noch einmal die Hand und wanderte in die weite Welt hinaus. Er reiste von einem Land in das andere und von einem Königreich in das andere, und die Eisenschuhe unter seinen Füssen nutzten sich nicht ab, und der eiserne Knotenstock wurde nicht kleiner. Endlich gelangte er eines Tages an einen Waldessaum, da war ein Rat versammelt. Er eilte näher hinzu und gewahrte drei Männer, die sich um etwas zankten. »Was macht ihr da?« rief der König. »Wir streiten uns um unser Erbteil,« antworteten die Männer, »was der eine gerne möchte, will auch der andere haben,[292] und so kommen wir nimmer zu Ende.« – »Wenn's euch recht ist, so werde ich euer Schiedsrichter sein,« sprach der junge König, und die drei Männer waren es zufrieden und wiesen ihm die einzelnen Stücke.

Der erste gab ihm einen Hut und sprach: »Dieser Dreimaster ist ein Wunschhut. Drehst du ihn, so geht ein Schuss nach dem andern daraus, und das Schiessen hört nicht auf, bis du mit dem Drehen inne gehalten hast.« – »Der Hut ist nicht schlecht,« sagte der König. »Ja, darum will ihn auch jeder von uns haben,« erwiderte der erste. Als er fertig war, reichte der zweite dem König ein Paar Stiefel dar und sprach: »Das sind Siebenmeilenstiefel! Wer die trägt, der kann mit jedem Schritte sieben Meilen zurücklegen.« – »Die Stiefel lobe ich mir,« versetzte der König. »Das glaub' ich,« entgegnete der Mann, »darum will sie auch jeder von uns haben.« – Zum Schlusse trat der dritte auf den König zu und übergab ihm einen Mantel. »Wer diesen Mantel anzieht,« sprach er, »ist unsichtbar.« – »Das ist das Beste!« rief der König erstaunt. »Das mag wohl stimmen,« gab der dritte zurück, »darum will ihn auch jeder von uns haben.«

Nachdem der König die drei Wunschdinge erhalten hatte, sprach er zu den Männern: »Jetzt tretet zurück, eine gute Strecke weit; dann werde ich mit dem Finger auf die einzelnen Stücke zeigen, und jeder erhält, was er sich selbst gewählt hat.« Das leuchtete den Männern ein, und sie thaten, wie er ihnen geboten hatte. Der junge König fuhr aber geschwind in die Stiefel hinein, stülpte den Dreimaster aufs Haupt und warf den Mantel um; dann rief er den Kerlen zu: »Seht ihr mich?« – Die antworteten: »Nein, wir sehen dich nicht!« – »Nun, dann seht ihr mich nun und nimmer nicht,« sprach der König und machte sich auf und davon und liess den Leuten nur den eisernen Stab und die Eisenschuhe als Andenken zurück.

Als die drei Männer sahen, dass sie jetzt ganz und gar um ihr Erbteil betrogen seien, schob einer die Schuld auf den andern, und zu guter Letzt gab es dicke Augen und wunde Köpfe; aber dadurch bekamen sie den Hut und den Mantel und die Stiefel doch nicht wieder. Der junge König aber dachte bei sich: »Bekommst du dein Reich und die Königin jetzt nicht zurück, so ist es überhaupt damit aus!« Dann schritt er mit seinen Siebenmeilenstiefeln mächtig aus, bis er gegen Abend ein kleines Haus am Walde sah. Dort zog er die Stiefel aus, ging hinein und bat, ob er für die Nacht ein Unterkommen finden könne. In der Hütte war niemand anders, als eine steinalte Frau, die sagte zu ihm: »Hier darf deines Bleibens nicht sein. Kommt mein Sohn zu Hause, so frisst er dich auf, denn er ist ein grosser Menschenfresser!« – »Wie heisst denn dein Sohn?« fragte der König. »Es ist der Mond,« sagte die Alte, »und du kannst mir's glauben, mit ihm ist nicht zu spassen.« – »Ach, er wird mich schon nicht finden,« antwortete der junge König, hing den Wunschmantel um und legte sich hinter den Ofen.[293]

Es dauerte gar nicht lange, so kam der Mond heim; und als er in der Hütte war, rief er: »Ich rieche, ich rieche Menschenfleisch!« und dann schaute er überall nach, aber er konnte nirgends jemand entdecken. Endlich ward er müde und sprach: »Komm hervor, wer du auch seist, dein Leben soll dir geschenkt sein.« Da that der König den Mantel von sich und kroch hinter der Hölle hervor. »Was willst du hier?« fragte der Mond. »Ich bitte für die Nacht um eine Unterkunft,« entgegnete der König, »denn ich suche mein verlorenes Königreich. Kannst du mir nicht sagen, wo es ist? Du scheinst doch überall hin.« – »Ich komme nicht überall hin,« antwortete der Mond, »und kenne dein Land auch nicht. Aber tausend Tagereisen von hier wohnt mein Bruder Sonne, der wird dir wohl besser Bescheid sagen können. Nun komm und iss! Mutter, was giebt es denn heute?« – »Etwas Schweinefleisch mit Kartoffeln,« sagte die Alte, und dann kam sie mit einem ganzen gebratenen Schwein herein und mit einem Kessel, in dem waren fünf Scheffel Kartoffeln. »Die verstehn's!« dachte der König bei sich; aber der Mond sagte: »Das wird für drei nicht reichen,« und die Alte schaffte noch ein Brot herbei, das war aus einem Scheffel Korn bereitet. »Fünf Scheffel Kartoffeln, ein Schwein und vom Scheffel ein Brot, lieber Herr Mond,« sagte der König, »das wird wohl genug sein!« – »Wir wollen's hoffen,« antwortete der Mond, »ich esse nur einmal des Tages, und da liebe ich's reichlich.« Dann setzten sie sich nieder und assen, und es blieb nichts übrig als die weissen Knochen des Schweins und die schwarzen Schalen der Kartoffeln.

Am andern Morgen brach er frühe auf, sagte dem Mond und der alten Mutter Lebewohl, zog die Siebenmeilenstiefel an, warf den Wunschmantel über die Schultern und wanderte weiter. Gegen Abend kam er wieder an ein kleines Häuschen am Waldessaum und kehrte dort ein. Drinnen stand ein altes Weib am Herde und rührte mit dem Löffel im Kessel herum. »Was willst du hier?« rief sie. »Ich möchte gerne hier übernachten,« gab der junge König zur Antwort. »Mach nur, dass du aus dem Hause kommst,« sagte die Alte, »denn wenn dich mein Sohn Sonne trifft, so frisst er dich, denn er ist ein grosser Menschenfresser.« – »Ach, an deinen Sohn Sonne habe ich einen schönen Gruss zu bestellen von seinem Bruder Mond,« antwortete der junge König und wunderte sich, dass er die 1000 Tagereisen in einem Tage zurückgelegt hatte; das hatte er aber den Siebenmeilenstiefeln zu verdanken. Indem kam Bruder Sonne herein und wollte sich auf den König stürzen und ihn fressen. »Sei vernünftig, mein Söhnchen,« sprach aber die Alte, »das ist ein müder Wandersmann, der will heute bei uns übernachten und bringt dir einen schönen Gruss mit von deinem Bruder Mond.« – »Das ist etwas anderes,« sagte Sonne, »dann komm her und erzähl mir, was du willst, und darauf wollen wir uns zu Tische setzen und essen.« Da erzählte ihm der König alles, wie es ihm ergangen war und wie er jetzt sein erlöstes Königreich nicht wieder finden könne. »Das ist recht[294] schlimm,« sagte Sonne, »ich bescheine zwar viele Länder, aber dein Königreich kenne ich nicht. Doch ich habe noch einen grossen Bruder, den Wind, der streicht über die ganze Erde. Er wohnt 1000 Tagereisen von hier, und wenn du zu ihm kommst, so bestell nur einen schönen Gruss von mir, dann wird er dich freundlich aufnehmen. Aber nun komm und iss! Mütterchen, was hast du denn gekocht?« – »Rindfleisch und Kartoffeln, mein Söhnchen,« sagte das alte Weib und trug einen ganzen gebratenen Ochsen und einen Kessel mit zwölf Scheffeln Kartoffeln herein. »Das wird nicht reichen für drei,« sagte Sonne, und da brachte die Frau noch ein Brot vom Scheffel. Darauf assen sie, bis sie satt wurden, und es blieben wiederum nur die weissen Knochen des Ochsen und die schwarzen Schalen der Kartoffeln von der Mahlzeit übrig.

Den dritten Abend kam der König in der Wohnung des Windes an und bestellte ihm einen Gruss von seinem Bruder Sonne. Da war der Wind sehr freundlich und sagte zu ihm: »Mein Bruder Sonne hat recht, ich kenne die ganze Welt, und dein Königreich kenne ich auch; da will ich gerade morgen hin, die Brautwäsche trocknen, denn die Königin feiert am Abend Hochzeit.« – »Ach, dann nimm mich mit und weis mir den Weg!« bat der König. »Das werde ich thun,« sagte der Wind, »und haben dir meine Brüder Herberge gegeben, so gebe ich sie dir auch. Mütterchen, was hast du zu essen?« – »Klösse und halb Rind-, halb Schweinefleisch,« erwiderte die Alte, eilte hinaus und kam mit einem gebratenen Ochsen und einem gebratenen Schwein herein, und darauf schaffte sie einen Kessel herbei, in dem waren Klösse, so viel und so wenig, als von einem Wispel Korn gebacken werden können. Das assen sie rein aus und legten sich schlafen.

Noch ehe der Morgen graute, weckte der Wind seinen Gast, und nachdem der junge König sich angekleidet hatte, zogen sie selbander ihrer Strasse. Über ein Weilchen schaute der Wind sich um, denn er dachte, er habe seinen Gefährten weit hinter sich gelassen und müsse umkehren und ihn tragen. Aber der König war ihm dicht auf den Fersen. Da schritt der Wind gewaltig aus; aber je mächtiger er ausschritt, um so längere Schritte machte auch der König, und es dauerte gar nicht lange, so standen sie vor den Mauern der Stadt, in welcher die Frau des Königs Herrscherin war. Hier machte der Wind halt und sagte zu ihm: »Hör einmal, Erdwürmchen, du gefällst mir. So wacker schreiten die anderen Menschen nicht! Ich werde dir dazu helfen, dass du in das Schloss zu deiner Königin kommen kannst. Ich gehe jetzt auf den Schlossplatz und richte einen Sturm und ein Unwetter an, dass alle Türme niederstürzen und alle Fenster eingeschlagen und alle Zimmer in Unordnung gebracht werden. Inzwischen eilst du in die Maurerherberge und bietest dich dem Meister als Gesellen an, dass du den Schaden am Schlosse wieder herstellen helfest, damit am Abend die Hochzeit stattfinden könne.« Die Rede gefiel dem König, er sagte dem Winde schönen Dank und eilte darauf[295] der Maurerherberge zu, während der Wind that, wie er ihm versprochen hatte.

Kaum war das Unglück auf dem Schlosse geschehen, so sandte die Königin den Maurermeister zur Herberge, dass er alle fremden Maurer dinge, damit sie noch vor Abendzeit den Schaden wieder gut machten, den der Wind angerichtet hatte. »Vater,« sagte der Meister zum Herbergswirt, »ist kein fremder Maurer bei Euch eingekehrt?« – »Ja, ich!« sagte der junge König. »Dann komm mit mir, du sollst auf dem Schlosse arbeiten,« sprach der Meister, »dort hat der Wind die Türme herunter geworfen, die Fenster eingeschlagen und die Stuben zerstört. Da ist alle Hände voll zu thun, und du kannst dir ein ordentliches Stück Lohn verdienen.« Da liess der König einen guten Trunk besorgen, und nachdem sie getrunken hatten, bat er den Meister, dass er ihm in dem Zimmer der Königin seine Arbeit gebe. Der Meister wollte nicht recht, denn eine solche Arbeit ziemte sich nicht für einen hergelaufenen Gesellen; aber nachdem sie den zweiten Trunk genommen, dachte er anders über die Sache, und gar nach dem dritten Glase sagte er dem König, er sei ein tüchtiger, ordentlicher Maurer, der sein Handwerk verstehe, und versprach ihm auf Ehre und Gewissen, er solle in dem Zimmer der Königin seine Arbeit bekommen, und wenn er kein Geschirr habe, so wolle er es ihm selbst aus seiner Wohnung besorgen. Da war der König gutes Muts und ging mit dem Meister auf das Schloss.

Droben wurden die Maurer verteilt. Die einen mussten die Türme wieder aufrichten, die zweiten hatten dies und die dritten das zu thun; aber der junge König blieb bei dem Meister, um das Zimmer der Königin zur Hochzeit in Stand zu setzen. Die Königin liess sich jedoch nicht darin sehen, und erst um die Mittagszeit schickte sie eine Kammerjungfer hinein, die sprach, die Bauleute möchten sich entfernen, denn die Königin wolle mit ihrem Bräutigam das Mittagsmahl einnehmen. Sofort packte der Meister sein Handwerkszeug zusammen und ging zur Thüre hinaus; dort sah er sich nach dem fremden Gesellen um, aber der war verschwunden. Da dachte der Meister: »Er wird sich wohl vor dir hinausgeschlichen haben und in die Herberge gegangen sein. Mag er's immerhin thun, er ist ein guter Kerl.« Dann stieg er die Treppen herunter und legte sich ein Stündchen aufs Ohr und schlief seinen Rausch aus.

Der fremde Gesell war aber nicht aus der Stube gegangen, sondern er hatte seinen Mantel umgeschlagen und wartete ab, bis die Königin mit ihrem Bräutigam kommen würde. Nach wenig Augenblicken öffnete sich denn auch die Thüre, und die beiden traten herein. Bevor sie sich aber zu Tische setzten, wollten sie einander, wie verliebte Brautleute thun, noch einen Kuss schenken. Das wurmte den jungen König, und eh' sich's der Bräutigam versah, hatte er ausgeholt und ihm einen gewaltigen Backenstreich versetzt. »Was ist denn das?« schrie der Bräutigam auf und sah die Königin an; »Ist das Liebe und Freundschaft, dass du deinem Bräutigam einen solchen[296] Streich versetzt?« – Die Königin wollte antworten; aber bevor sie das erste Wort hervorgebracht hatte, erhielt auch sie einen Streich, dass ihr Hören und Sehen verging. Jetzt war das Schelten an ihr. »Schäm dich!« rief sie erzürnt, »Du bist noch garnicht mein Mann und schlägst mich schon? Wie soll das erst nach der Hochzeit werden!« – »Ach was!« wollte der Bräutigam sagen, da hatte er schon wieder einen Schlag erhalten, und diesmal auf das andere Ohr. Dass ihn die Königin nicht schlug, das merkte er jetzt wohl, und da er nicht einsehen konnte, wer ihn schlüge, so entsetzte er sich und schrie auf: »In diesem Schlosse ist der Teufel! Hier bleibe ich keinen Augenblick mehr, und wenn ich über zehn Länder König werden sollte!« Sprach's und lief von dannen und liess sich in dem Schlosse nie wieder hören noch sehen.

Als er fort war, warf der junge König den Mantel von sich und sprach zu der Königin: »Das sind ja schöne Geschichten, die du hier machst, Frau! Vor den Augen deines leibhaftigen Mannes lässt du dich von einem fremden Menschen küssen? Das hätte ich nicht gedacht!« Die Königin traute ihren Augen nicht, als sie ihren Mann plötzlich vor sich stehen sah. Endlich fasste sie sich jedoch und sagte zu ihm: »Wie du hierher gekommen bist, das begreife ich nicht; aber dass ich mich nach einem andern Manne umsah, das kannst du mir nicht verdenken. Ich bin eine Frau und kann ohne Mann mein Land nicht regieren.« – »Du hast recht, liebe Frau,« erwiderte der König, »und ich will dir auch keinen Vorwurf machen. Ich habe dich von dem Zauber und du hast mich von dem Tode erlöst; und ich bin ungehorsam gewesen und habe das ganze Unglück verschuldet. Nun ich aber wieder in mein Reich zurückgekehrt bin, so will ich auch König darüber bleiben und dich zur Königin haben.« Damit war die Königin einverstanden, und sie bat den König, dass er sich so lange in ihrem Schlafgemach aufhalten möge, bis sie den Grossen des Landes angezeigt habe, dass er zurückgekommen sei.

Am Abend kamen die Herren und Fürsten im Königreich auf das Schloss, um die Hochzeit zu feiern. Als sie nun alle beisammen waren, erhub sich die Königin und sprach: »Ihr Herren, ich gebe euch ein Rätsel auf, das sollt ihr mir lösen. Ich habe einen köstlichen Schrank; dazu liess ich mir einen goldenen Schlüssel machen, den hatte ich lange Zeit. Aber eines Tages verlor ich ihn, und da musste mir der Schlosser einen silbernen verfertigen. Wie ich den gerade gebrauchen wollte, fand sich der goldene Schlüssel wieder vor. Wen soll ich nun nehmen, den goldenen oder den silbernen?« – Da sagten die Fürsten und Herren einstimmig: »Den goldenen! Er ist von vorneherein für den Schrank bestimmt, und er wird ihn auch am besten öffnen und schliessen.« – »So habe ich auch gedacht!« antwortete die Königin. »Der goldene Schlüssel ist mein Mann, euer alter König, der mich und euch alle und das ganze Königreich erlöst hat; und der silberne ist mein Bräutigam, den ich heute Abend heiraten[297] wollte. Nun habe ich meinen ersten Mann wieder gefunden und den Bräutigam verstossen.«

Nachdem sie diese Worte gesprochen hatte, trat der junge König herein, und die Gäste erhuben sich und riefen allesamt: »Unser König soll leben, hoch! Er lebe hoch!« Darauf wurde noch einmal Hochzeit gefeiert, und er lebte mit der schönen Königin vergnügt und fröhlich bis an sein seliges Ende; und wenn sie nicht gestorben wären, so lebten sie heute noch.

Quelle:
Ulrich Jahn: Volksmärchen aus Pommern und Rügen l, Norden/Leipzig 1891, S. 281-298.
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