I.F.P.Q.

[61] Adscendit Christus: quò sanctus abivit Enochus.

Adscendit Christus: quò jam præcessit Elias.

Adscendit Christus, penetrans Capitolia Cœli:

Adscendit Christus: miserè jacet hostis inermis.

Adscendit Christus, statuitque decora tropæa.

Adscendit Christus, spoliis sua templaque ditat.

Adscendit Christus: descendat ut enthea flamma.

Adscendit Christus: Paracletus ut ad volet ad nos.

Adscendit Christus: quò dia charismata donet.


Sed canet hunc Christi Germana voce triumphum,

et pompam Cœli, rediit qua Victor ad arcem

Patris stelliferam, CLAJUS; celebrabit et amplas

exuvias hostis, quas impigra dextera Christi

Christiadum populo divisit, et inclyta dona,

Cœlitus in Cœtum quæ sunt effusa fidelem.


Vos, Urbis magnæ Rectores, Vosque sacrata

Corcula Musarum fano,Vos, obsecro, adeste

cras postquam fuerit jam Concio mane soluta:

atque iterum Svadam Germanæ audite loquelæ;

quam stupet orantem Græcus pariterque Latinus,

Teutonicæ admirati irati fulmina linguæ.


P.P. 15. Junii, Anni 1644.


Johannes Michaël.


I.R.I.L.

[62] Der Herr fährt auf/ dahin der ENOCH ward entzukket.

Der Herr fährt auf/ dahin ELIAS vorgerukket.

Der Herr fährt auf und dringt zur Himmelsburg hinein1/

Der Herr fährt auf/ es muß der Teufel Wehrloß seyn.

Der Herr fährt auf und setzt des Sieges Freudenzeichen2/

Der Herr fährt auf/ seim Volk den reichen Raub zu reichen3.

Der Herr fährt auf und schickt die Gottesflamm herab/

Der Herr fährt auf und geust auf uns deß Trösters Gab.

Der Herr fährt auf/ daß er deß Himmels Güter schenke.


Daß aber diß/ wie recht/ wer hören kan/ bedenke/

Führt CLAJVS herrlich auß in unsrer Sprache Macht/

Erhebend Wolkenhoch deß Himmelfahrers Pracht.

Er wird deß Herren Stärck und seine Beute singen/

Die Er wolt/als ein Held/ dem lieben Volke bringen

Durch niemals lasse Hand; der Schaar/ die Glauben hält/

Vnd seine Zuflucht hat auf diesen Sieg gestelt.


Ihr Herren von dem Raht/ Ihr grossen Stadtregirer4/

Ihr alle/ die ihr seyd der klugen Künste Führer/

Wann morgen/ liebt es Gott/ die Predigt früh wird auß/

Hört dem Poeten zu/ was er vom Musenhauß

Euch süsses bringen wird. Es müssen sich verkriechen

Die grosse Mutter ROM/ und alle Lügengriechen5/

Wann unser Sprache stralt. Die/ wann sie sich erhitzt6/

Erschallet/ prallet/ brült/ sie wetterleucht/ vnd blitzt.


Den 15. deß Brachmonats


Im Jahr 1644.


Fußnoten

1 In der Latier Sprache lautet es in die Vestung zu Rom/ darinnen war ein herzlicher Tempel/ in welchem die Siegsfürsten nach Heydnischem Gebrauche eingesegnet wordẽ. Ob zwarten diese Vestung viermahl außgebrant/ ist sie doch allezeit herzlicher vnd köstlicher wieder aufgebauet/ und mit einer güldenen Spitze gezieret worden/ derer Vergüldung 25000. Talent gekostet: Plutarchus.


2 Siegeszeichen waren bey den Römern Ehrenseulen/welche von den Siegsfürsten/ auf die Wahlstadt/ da er die Feinde geschlagen/ gesetzet worden. Anfänglich sind sie nur von Bäumen aufgerichtet gewesen/ an dero gestimleten Aesten man die den Feinden abgenommene Beuten aufgehangen/ nachmaln sind sie von Sternen auf den Bergen erhaben worden: Polyd. Virgil. im 2. Buch am 16 Haubtstüke/ Virgilius im 11. Buch vom Eneas/ Dempsterus im 10. Buche am 29. Haubtstüke von alten Römischen Sachen. Merkwürdig ist/ daß solche Siegeszeichen allezeit ein Creutz vorgestellet/ anzuzeigen/ daß der Sieg der gantzen Welt in einem Creutze bestünde.


3 spoliis sua templaǵ ditat, dieser Raub wurde genennet ἀνάϑημα, alles was man zum Gedächtnis aufhieng/ Bilder und andere Denckzeichen der Heiligen/ Luc. 21. v. 5. Wird unterschieden von ἀνάϑεμα Rom. 9. v. 3.


4 Hier hat uns beliebt/ die Teutsche Endung zu behalten/ alldieweil Regent/ Element/ Firmament Lateinische Endungen seyn/ angesehen/ daß solches Wörtlein auch D. Luther sein übersetzung der Teutschen Bibel behalten/ im Buch der Richter am 5. v. 14. In der 1. Epist. an die Corinth. am 12. v. 14.


5 Lügengriechen) Es ist auß deroselben Geschichtbüchern bekand/ wie gar Wetterwendisch sie in jhren Bündnissen/ Kriegen und Glauben gewesen. Vnnötig ist es/ hier viel darvon anzuführen.


6 Daß unsre Sprache mit jhren kräfftigen starcken Stoßwörtern einen rollenden und brüllenden Donnerwetter ähnlichet/ kan nicht geläugnet werden. Wie nun wann der Donner brüllet (so redet Hiob. 37. v. 4.) und donnert/ alles erschüttert und zittert: Also haben unsere alte Teutschen/ mit jhren schrekkenden und zwingenden Liedern/ die sie/ wenn sie mit jhren Feinden schlagen wollen/ gesungen/ der Widerpart eine Furcht eingejaget/ in dem von dem Wiederschall und starckẽ Gethöne alles gezittert/ von den Waffen alles geblitzet vnd gewetterleuchtet.


Quelle:
Johann Klaj: Redeoratorien und »Lobrede der Teutschen Poeterey«. Tübingen 1965, S. 61-63.
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