[53] Donnergrund den 25ten Jenner 1771.
Mon chèr Ami,
Jetzund muß ich Sie Nachricht geben, wie ich unsre Sachen arrangirt habe. Gott sey gelobt! Alles ist in Ordnung, und meine Niece soll Ihre Gemahlinn werden; Ich habe sie würklich aus ihres Vaters Hause weggebracht.
Ich bath mir's von meinem Herrn Bruder aus, daß er mir seine Tochter anvertrauen mögte. Er consentirte sogleich, und da nahm ich sie denn mit mich.
[54] Unterwegens sagte ich: »Ma chère Niece! Ihr müßt jetzo Eure unanständige Paßion gegen den jungen Laffen aufgeben; davor hilft nun einmal nichts. Ich weiß Euch eine bessere Partie, und habe schon mit Eurem Vater geredet. Führt Euch vernünftig auf! Ich gebe Euch Zeit, Euch zu besinnen, und will Euch nicht eher auf meinem Gute sehen, bis ich höre, daß Ihr raisonnabel geworden seyd.«
Dergleichen Vermahnungen hielt ich ihr den ganzen Weg über, und recomandierte ihr christliche Geduld und Gehorsam gegen ihre Familie. Ich sagte ihr, daß der Mann, den ich ihr destinirte, zwar nicht von alter Familie, aber von des Kaisers Majestät nobilitirt und sehr reich sey, auch sie in Betracht der Alliance mit unserer Familie gewiß sauber und fein halten würde. Sie stellte sich aber gar wiederspenstig und opiniatre. Unterdessen waren wir nach Bachstädt gekommen, wohin uns Madam Käserink entgegen [55] kam, der ich sie sogleich übergab, und weiter reisete.
Aprésent, mon chèr Ami, müssen Sie selbst das Beste thun. Der Himmel wird seinen Segen geben. Ich schliesse Sie alle Abend in mein Gebeth ein. Sehen Sie zu, daß Sie Sich bey ihr insinuiren.
Aber ich hoffe denn, daß Sie auch Parole halten, und mich den Wechsel, den Sie von mich in Händen haben, wiedergeben werden; Sintemalen ich für Ihnen sehr viel riskiere.
Die Frau Käserink hat Ordre, nicht zu erlauben, daß das Mädgen an jemand schreibt.
Nun, und so war es denn gut. Ich dachte aber wohl, daß der Amant bald nachgelaufen kommen würde, und dictu factu, als ich hier ankam, war der Maulaffe schon hier. Er [56] rannte in den Hof hinein – Verzeyh' mir meine Sünde! – wie ein toller Mensch. Aber wie war er consternirt, als er mich allein sah, und seine schöne Dulcinea nicht!
Nunmehro gieng er ins Wirthhaus, und wollte da fragen. Da sind denn immer preussische Werber (die hat ja der böse Feind aller Orten) und da dachte ich: »Holla! da wollen wir den Musjö schon fangen.« Darauf schickte ich meinen Conrad hin, den Sie kennen, den hübschen Menschen, der immer bey unsern Abendandachten ist, und beywohnt, und ließ den Unteroffiicier avertieren. Das war ein durchtriebener Vogel. Der fragte denn den jungen Herrn aus, und that als wenn er ihm Nachricht geben wollte. Enfin, weiß der liebe Himmel, wie er es so listig angefangen hat, kurz! er hat ihn des Nachts mit weggetransportirt.
Es war auch hohe Zeit, denn den andern Morgen kam der Informator, der mit ihm [57] auf der Universität gewesen ist, zu mir, und machte einen Lerm, wie der böse Feind. Aber den führte ich ab, und schickte ihn nach Eisleben, weil ich wußte, daß ein anderer junger Pursche, den ich unterwegens gesehen hatte, dahin gereiset war. Da glaubte er, es wäre sein Eleve, und reisete dahin. Nun sind sie aus einander, und alles ist still.
Ich hoffe, Sie werden Wort halten. Noch eine Bitte habe ich. Ich habe in Beinfeld eine Canzelbekleidung, für die hiesige Kirche bestellt, von grünem Tuch, mit gelben Schnüren. Wollten Sie diese Kleinigkeit wohl bezahlen? Der Fuhrmann Madelieb wird es mitbringen.
Unterdessen wünsche ich gut Glück, und schliesse Ihnen in mein Gebeth ein, die ich verharre,
Ihre
ergebene, andächtige Dienerinn
Sibilla von Donnergrund.